Unsere Idole: Sex

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Am Anfang schuf Gott… Sex. Nun ja, es war fast der Anfang. Auf den ersten Seiten der Bibel – nur 28 Verse nach ihrem Beginn – teilte Gott den ersten Menschen mit, dass sie fruchtbar sein und sich mehren sollen. Wenn ich im Biologieunterricht richtig aufgepasst habe, weiß ich, was das bedeutet. Auf den ersten Seiten der Bibel zog Gott seine Blaupausen hervor und entwarf den menschlichen Körper. Und seine Blaupausen waren… schön! Er entwarf seinen Körper auf diese Weise. Und er formte ihren Körper so. Er bündelte Nervenenden hier und verband sie mit dem Gehirn. Und seit tausenden Jahren bekennen Christen, dass Gott, der allmächtige Vater, der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge ist.

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie wunderbar Gott den menschlichen Körper entworfen hat. Während einer sexuellen Erfahrung z. B. schüttet der Körper große Mengen an Dopamin aus – ein Glückshormon, das ein Wohlgefühl in uns auslöst. Aber das ist nicht alles! Das Gehirn schüttet ein Hormon mit Namen Oxytocin aus. Das Hormon bewirkt, dass wir mit der Person kuscheln und eine längerfristige Bindung eingehen wollen, mit der wir eine so gute Erfahrung gemacht haben. Und noch mehr! Der Körper schüttet Adrenalin aus, was die Erfahrung in unser Hirn einbrennt, damit wir uns erinnern, wer uns ein so gutes Gefühl geschenkt hat. Und wer hat all das entworfen? Gott! Gott hätte Störche damit beauftragen können, kleine Babys zu Adam und Eva zu bringen. Aber er hat es nicht getan, sondern er wählte Sex! Am Anfang gab es keine Scham, keine Schuld, keine Peinlichkeiten. Es gab keine Sünde. Aber, was es gab, war Sex. Ganz offensichtlich war Gott darüber erfreut, Vergnügen zu erschaffen. Denkt daran: Es war vor dem Sündenfall. Vergnügen – auch sexuelles Vergnügen – sind Gottes Wille!

Aber kurz darauf ging etwas gehörig schief. Eine Seite weiter in unseren Bibeln fiel die Welt in Sünde. Vergnügen schien seinen Platz verloren zu haben. Statt Gottes Geschenk so zu benutzen, wie Gott es vorgesehen hatte, begannen Menschen damit, Vergnügungen unter allen Umständen zu suchen – egal, was Gott dazu sagt. Wie wir es in dieser Predigtreihe bei Beliebtheit, Schönheit und Besitz gesehen haben, wollen Menschen sexuelle Freude unter allen Umständen. Und sie sind bereit, dafür gegen Gott zu sündigen. Wir haben das Götzendienst genannt. Wir wollen eine Sache so sehr, dass es uninteressant wird, was Gott dazu sagt.

Im Laufe der Geschichte war der Götzendienst für die Göttin „Lust“ krass und sehr offensichtlich. Ich habe euch schon einmal von der Stadt Korinth erzählt. Korinth lag geografisch günstig. Weil das so war, kamen viele Matrosen und Kapitäne, die seit langem keine Frau mehr gesehen hatten, nach Korinth. Die Stadt wurde weltbekannt für seinen Götzendienst. Auf einem Hügel stand damals ein großer weißer Tempel für die Göttin der Lust – Aphrodite. Ein Dichter der Antike schreibt, dass bis zu 1000 Frauen in diesem Tempel als Priesterinnen – Schrägstrich – Prostituierte gearbeitet haben. Männer – Seeleute und Einwohner der Stadt – stiegen den langen Weg zum Berg hinauf, um ein wenig „Gemeinschaft“ mit den Frauen in dieser Kirche zu haben.

Im Deutschland unserer Tage ist der Götzendienst für die Lust nicht ganz so offensichtlich und krass. Aber würdet ihr mir zustimmen, dass wir ziemlich nah dran sind? In einer Gesellschaft, die Heidi Klum in Unterwäsche dafür benutzt, um Werbung für einen Hamburger zu machen, läuft doch irgendwas falsch in Bezug auf Sex und Vergnügen. Wir hören in unserer Gesellschaft immer wieder, dass Gottes Plan für Sex zu enggesteckt sei. Und ja! In der Bibel hat Gott ein paar einschränkende Dinge über Sex zu sagen: Er sagt, dass Sexualität ein Geschenk ist, dass ein Ehemann mit seiner Ehefrau genießen darf – nachdem sie die Ehe geschlossen haben und nicht davor. Es spielt keine Rolle, ob wir schon erwachsen sind. Es spielt keine Rolle, ob wir uns lieben. Es spielt keine Rolle, ob wir vorhaben zu heiraten. Es spielt keine Rolle, ob sie unsere Seelenverwandte und er derjenige ist, auf den wir unser ganzes Leben gewartet haben. Gott sagt: Wartet bis ihr verheiratet seid. Gott nimmt Sexualität sehr ernst: Er sagt, dass wir selbst dann umkehren müssen, wenn wir sexuelle Gedanken für eine Person hegen, die nicht unser Ehepartner ist.

Und unsere Gesellschaft hört das und sagt: Gott, ist das dein Ernst? Ist das nicht ein bisschen verblendet? Willst du uns wirklich all den Spaß vorenthalten, den wir haben könnten? Unsere Kultur hat also einen anderen Weg gesucht und gefunden. Und der Weg lautet: Erfreue dich an Sex – solange niemand verletzt wird. Wenn ihr eure Sexualität erforscht, tut es auf sichere Art und Weise, aber seid bitte nicht so altmodisch. Ihr kauft doch auch kein Auto, bevor ihr es nicht Probe gefahren habt. Warum sollte man also heiraten, bevor man nicht herausgefunden hat, ob man auch sexuell zusammenpasst. Pornographie – solange sie legal ist – verletzt niemanden, also erfreue dich daran. Jeder Mann schaut Pornos – und die meisten Frauen tun es auch. Also kannst du es auch! Du hast dich an eine Frau gebunden, also muss man sich doch auch sexuell kennenlernen. Und selbst wenn es nur eine „Freundschaft plus“ ist. Keine Bindung. Keine Verpflichtungen. Nur ein bisschen Dopamin, dass durch unseren Körper strömt. Unsere Kultur bringt uns so viele Dinge bei. Und das erklärt vielleicht auch, warum so viele Christen Probleme damit haben, das 6. Gebot zu halten. Viele Menschen, die wirklich an Jesus glauben und jede Woche zur Kirche kommen, kämpfen damit, so rein zu bleiben, wie Gott das gern haben möchte.

Und wir kommen an diese Weggabelung: Auf der einen Seite ist Gottes Weg. Gott sagt: Erfreut euch an Sex innerhalb der Ehe. Es ist ein Geschenk von mir an euch. Euch muss es nicht peinlich sein. Ihr müsst euch nicht schämen. Experimentiert mit eurer Sexualität – in den Grenzen der Ehe. Und unsere Kultur hat einen anderen Weg. Sie sagt: Erfreut euch an Sex – Punkt. Und wir sind in der Mitte gefangen: Wir kommen in die Kirche und hören von Gottes Weg. Und dann gehen wir wieder in die Welt und hören von dem anderen Weg. Wir lesen unsere Bibel und hören Gott diese Dinge sagen. Und dann verbringen wir Zeit mit unseren Freunden und hören sie von ganz anderen Dingen reden. Und viele Christen fühlen sich in der Mitte gefangen. Aber heute Morgen möchte ich euch davon überzeugen Gottes Weg zu wählen. Große Überraschung. Aber ich möchte euch davon überzeugen, diesen Weg zu wählen – aus einem etwas anderen Grund: Es wäre ziemlich einfach für mich, zu sagen: Das ist falsch. Und das ist Sünde. Gott hat gesagt: Mach das nicht. Aber ich möchte euch heute Morgen gern zeigen, dass wir vor allem hinter Vergnügen her sind. Wenn wir Schmerzen vermeiden und Freude erfahren wollen, ist Gottes Weg der, den wir wählen müssen. Gott muss uns zeigen, was schmerzhaft am Weg der Gesellschaft ist und was wir vielleicht nicht im ersten Moment erkennen. Und Gott muss uns zeigen, dass er auf seinem Weg eine Freude bereithält, die besser ist, als jede sexuelle Erfahrung.

Okay! Lasst uns in Gottes Wort schauen. Heute habe ich einen Abschnitt aus dem Buch der Sprüche herausgesucht. Die Sprüche wurden vor 3000 Jahren von König Salomo geschrieben. Und sie zeigen uns, wie man als Christ weise in dieser Welt lebt. Sprüche 6,20-23:

Mein Sohn, halte dich an die Gebote deines Vaters und lehne die Anweisungen deiner Mutter nicht ab. Bewahre sie in deinem Herzen und trage sie wie eine Kette um deinen Hals. Wenn du gehst, leiten sie dich, wenn du liegst, behüten sie dich. Und bist du wieder aufgewacht, dann sprechen sie dich an. Das Gebot leuchtet dir, und die Weisung ist ein Licht. Strenge Erziehung ist der Weg zum Leben.

In diesem Text redet ein Vater mit seinem Sohn. Das ist kein Pastor, der zu 70 – 80 Leuten in einer Kirche redet. Das ist kein Professor, der zu hunderten namenlosen Studienanfängern spricht. Das ist ein Papa, der am Ende des Bettes seines Teenager-Sohnes sitzt und mit ihm einige Worte väterlicher Weisheit teilt. Er sagt: Deine Mama und dein Papa lieben dich! Und wir wollen nicht, dass du jemals vergisst, was wir dir zu sagen haben. Dieser Kontext ist überaus wichtig für unser Thema.

Denn Eltern wissen etwas, was ihre Kinder möglicherweise niemals glauben werden. Nämlich, dass Eltern sich um das Glück ihrer Kinder sorgen. Glaubt ihr das, Kinder? Nein? Aber es ist wahr! Eltern sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Kinder. Aber es geht ihnen um das Langzeitvergnügen ihrer Kinder und weniger um kurzfristigen Spaß. Das ist manchmal der Grund, warum Kinder denken, sie hätten die schlimmsten Eltern – weltweit. Ihr kommt zum Beispiel nach Hause und habt eine Entscheidung getroffen, Kinder. Ihr wollt eine einjährige Auszeit von den Hausaufgaben nehmen, um eine Videospiel-Rockstar zu werden! Was würden eure Eltern sagen? Nein! Oder: Beim Abendessen weigert ihr euch, aufzuessen. Stattdessen wollt ihr lieber eine Tüte Gummibärchen. Was werden eure Eltern sagen? Nein! Und warum sagen sie „Nein“? Weil sie euch lieben! Eltern: Ist es nicht wahr, dass unser Job zu 79,9% darin besteht, den kurzzeitigen Spaß unserer Kinder zu verneinen? Nein, da kannst du nicht hingehen! Und nein, das wirst du ganz bestimmt nicht anziehen! Sagen wir das, weil wir unsere Kinder hassen? Nein, sondern weil wir sie lieben. Wir sorgen uns um das Langzeitglück unserer Kinder. Und deswegen sagen wir manchmal „Nein“ zu so mancher fixen Idee. Ein Pastor aus unserer Kirche hat mal den folgenden Satz geprägt: Kurzzeitvergnügen führt manchmal zu Langzeitschmerz. Viele Eltern wissen, dass das wahr ist. Und deswegen sagen sie „Nein“ zum Vergnügen, weil sie ihre Kinder lieben. Und das ist ein wichtiger Punkt heute Morgen, denn seht, wie es in unserem Text aus Sprüche 6 weitergeht:

{Mein Sohn, unsere Anweisung} bewahrt dich vor der Frau deines Nächsten, vor der Unbekannten, die dich mit schmeichlerischen Worten umgarnen möchte. Begehre in deinem Herzen nicht ihre Schönheit und lass dich von ihrem Augenaufschlag nicht gefangen nehmen. Denn der Lohn für eine Hure ist nicht mehr als ein Laib Brot, aber die Frau eines anderen Mannes kann dich dein Leben kosten. Kann einer etwa unter seinem Gewand Feuer mit sich tragen, ohne sich die Kleidung zu versengen? Oder kann jemand über glühende Kohlen gehen, ohne sich die Füße zu verbrennen? So ergeht es auch dem, der sich mit der Frau eines anderen einlässt: keiner, der sie berührt, kommt ungestraft davon.

Der Papa sagt zu seinem Sohn: Willst du, dass ich brennende Stöcke in deine Arme werfe? Nein? Soll ich dich in heiße Kohlenglut schupsen? Nein? Warum nicht? Weil dich das ganz offensichtlich verletzen würde. Aber weißt du was: Sie wird dich auch verletzen. Ich weiß, auf welche Art und Weise eine verheiratete Frau mit dir reden kann. Was sie sagt, ist glatter als Öl. Ihre Lippen sind süß wie Honig – würden die Sprüche sagen. Dein Kopf beginnt, sich vorzustellen, wie es mit ihr wäre und dein Körper zeigt ebenfalls Reaktionen. Aber höre mir zu, Sohn: Sie wird dir wehtun. Du wirst dich an ihr verbrennen. Wenn du kurzzeitigem Vergnügen nachjagst, folgt darauf manchmal Langzeitschmerz. Und darum höre mir zu; höre auf deine Mutter. Du weißt, dass wir uns um dich sorgen. Sei vorsichtig – halte dich weit entfernt von ihr.

Die Worte des Vaters in unserem Text sind vergleichbar mit Feuer. Sind wir moralisch gegen Feuer? Nein, denn Gott hat Feuer erfunden. Viele von uns mögen den warmen Schein einer Kerze. Oder ein Lagerfeuer, wo wir uns mit Freunden treffen. Aber sind wir vorsichtig mit Feuer? Absolut! Denn wir wissen, was diese kleine Flamme anrichten kann. Wenn eine Flamme diesen Teppich oder meine Kleidung berühren würde, wäre der Schaden, der Schmerz entsetzlich. Und deswegen sind wir vorsichtig mit Feuer. Eltern sagen: Du darfst nicht mit Streichhölzern spielen. Die Feuerwehr sagt: Man darf nicht unbegrenzt viele Kerzen in öffentlichen Gebäuden abbrennen, denn es kann etwas passieren. Manchmal verstehen das Kinder und Bürger und manchmal nicht. Aber ändern deswegen Eltern oder die Feuerwehr ihre Regeln? Nein! Denn sie wissen, was passieren kann. Sie waren da und haben die Reste aufgesammelt. Ihre Vorsicht im Umgang mit Feuer rührt von ihrer Erfahrung her und von ihrer Liebe. Feuer ist eine gute Sache – aber man muss vorsichtig sein.

Erkennt ihr die Verbindung zu unserem Text? Ist Gott gegen Vergnügen? Gegen sexuelles Vergnügen? Nein! Keine Chance! Er ist derjenige, der Sex erfunden hat. Aber er weiß genug darüber. Er hat genug Erfahrung – mehr als ich mit meinen 35 Jahren. Mehr als ihr – wie alt auch immer ihr sein mögt. Gott weiß zu viel, als dass er seine Regeln abschwächen würde. Gott ist um unser Langzeitvergnügen besorgt und er kennt die Zukunft. Er hat tausende und abertausende Menschen wie euch und mich gesehen, die einfach nur ihren Spaß wollten; die sehen wollten, ob sie zueinander passen; die experimentieren und erkunden wollten. Und Gott hat die Trümmer gesehen, die all das hinterlassen hat. Und deswegen gibt er uns diesen eng gesteckten Weg und sagt: Innerhalb der Grenzen der Ehe und nirgends sonst. Manchmal verstehen wir das und manchmal nicht. Aber Gott ändert deshalb nicht die Regeln. Seine Strenge kommt mitten aus seinem Herzen voller Liebe zu uns. Denn Gott weiß: Kurzzeitvergnügen führt manchmal zu Langzeitschmerz.

Wir könnten diese Lehre der Bibel auf viele verschiedene Arten anwenden: Wir könnten darüber reden, wie man innerhalb einer Ehe großartigen Sex hat. Wir könnten über die Gefahren von vorehelichem Sex reden. Wir könnten über jede Menge Dinge reden. Aber heute Morgen will ich unsere Aufmerksamkeit vor allem auf zwei Dinge lenken: Ehebruch und Pornographie.

Wir fangen mit Ehebruch an. Denn darüber redet unser Text im speziellen. Selbst die konservativsten Umfragen zeigen, dass 25% aller verheirateten Paare mit Untreue zu kämpfen haben. Jedes vierte Paar – was ja bedeutet: viele! Und Ehebruch verspricht uns Vergnügen. Dieses Vergnügen ist vor allem deshalb so unglaublich verlockend, weil Intimität in der eigenen Ehe verloren gegangen ist. Lasst mich euch die folgenden fünf Schritte vorstellen, die zum Ehebruch führen. Ich fand sie sehr hilfreich. Sie stammen aus einem Buch, dass es leider nur in Englisch gibt. Aber es ist ein sehr gutes Buch – The Language of Sex[1] (= Die Sprache des Sexes). Die fünf Punkte, die zum Ehebruch führen, sind diese hier:

  1. Das Fehlen von Intimität

In der eigenen Beziehung oder in der des Anderen fehlt etwas. Das Feuer ist weg – der Zucker abgeleckt. Sie ist nicht mehr daran interessiert, die sexuellen Bedürfnisse ihres Mannes zu erfüllen. Und er macht keine romantischen Dinge mehr für sie. Das Feuer ist höchstens noch eine kleine Glut. Und zuhause passiert rein gar nichts mehr. Das führt zum zweiten Schritt:

  1. Eine Fantasie

Wir sehen diese Person auf Arbeit oder in der Nachbarschaft. Und wir denken darüber nach: Wie wäre es, mit ihr zusammen zu sein? Wie behandelt er eine Frau, die mit ihm zusammen ist? Wir fangen an, darüber nachzudenken – es zu erwägen – darüber zu fantasieren. Das führt zum dritten – einem sehr gefährlichen – Schritt:

  1. Eine erzwungene Begegnung

Wir sind glücklich darüber, dass er am Kaffeeautomat steht. Und plötzlich verspüren wir das Verlangen nach ein wenig Koffein. Durch das Fenster sehen wir, dass sie ihre Post holt. Also tun wir das auch. Er hat die Einladung zur Party angenommen. Nun verspüren wir auch das Bedürfnis, dort zu erscheinen. Wir erzwingen eine Begegnung, um in die Arme der anderen Person fallen. Das führt zu Schritt 4:

  1. Ein gemeinsames Gefühl

Wir fangen an, nicht nur über das Wetter und die Arbeit zu reden. Wir fangen an, über unsere Beziehungen zu reden. In letzter Zeit läuft es – ehrlich gesagt – nicht mehr besonders gut. Und sie hört zu. Wir erzählen davon, dass unsere Ehe gut begonnen hat. Aber dann sagte er das und die Dinge liefen aus dem Ruder. Und er hört zu. Wir erfahren Mitgefühl, Sympathie und Verständnis. Und es ist fesselnd, verführerisch und attraktiv. Das führt zum fünften Schritt:

  1. Eine körperliche Begegnung

Die Tasse Kaffee führt zu einem Blick und schließlich zu einem Ort, von dem man nie geglaubt hatte, dass man dort enden würde. So kann Ehebruch funktionieren. Und auch wenn ich das persönlich noch nicht erfahren habe, kann ich mir gut vorstellen, warum Ehebruch so viel Vergnügen bereiten kann. Begehrt zu werden – jemanden zu haben, der einen mit Leidenschaft liebt – fühlt sich gut an. Jemand kümmert sich, macht sich Gedanken um die Gefühle des Gegenübers. Das ist unglaublich attraktiv. Und der Götze „Lust“ will sicherstellen, dass wir genau wissen, wie befriedigend es sein könnte.

Aber, meine Lieben, wisst ihr, was dieser Götze euch niemals sagen wird: All das kann mit verheerenden Langzeitschmerzen verbunden sein. Was für Schmerz kann man erleiden – wegen einer Stunde Vergnügen? Man kann sein ganzes Leben damit ruinieren. Und was macht das mit dem Ehepartner – mit den Kindern? Ich kann mich an den ersten Kontakt mit einem Paar erinnern, die durch eine Affäre gegangen waren. Sie war komplett kalt. Ihre Arme verschränkt. Ihren Blick verriet: Sie würde nie wieder ihr Herz für ihn aufs Spiel setzen. Und er? Er bat und bettelte. Er entschuldigte sich tausendmal. Und er versprach, dass so etwas nie wieder geschehen würde. Aber man kann Vertrauen nicht so schnell wiederaufbauen. Vertrauen ist wie ein Wald, der Jahre braucht, um zu wachsen. Aber in einer Nacht kann er komplett niederbrennen. Und wisst ihr, was Ehebruch ihm nicht verraten hatte? Dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes auch nicht grüner ist. Die andere Frau hatte auch ihre Probleme. Zehn Jahre Ehe – zwei Kinder. Und er gab alles auf für ein bisschen Kurzzeitvergnügen.

Zweitens: Dasselbe ist auch wahr in Bezug auf Pornographie. Pornographie ist so verführerisch für viele von uns, weil sie uns Vergnügen verspricht. Sie wirbt geradezu darum: in jedem Supermarkt; mit jedem „50 Shades of grey“-Trailer; mit jedem E-Mail-Link; mit jedem Victoria’s-Secret-Werbespot; mit jeder Sexszene in einem Film! Wenn wir nur eine Sekunde zusehen, wird ein Haufen Dopamin in unserem Körper ausgeschüttet. Und das fühlt sich nun mal gut an. Pornographie verspricht uns großes Vergnügen. Wenn wir gelangweilt sind, wird Pornographie uns anregen. Wenn sie uns zurückgewiesen hat, wird Pornographie das nicht tun. Wenn er nicht gut zu uns war, Pornographie wird es sein. Aber wisst ihr, was Pornographie uns niemals sagen wird? Dass es auch hier Langzeitschmerzen geben kann.

Ich habe in der vergangenen Woche – als ich mich auf diese Predigt vorbereitet habe – Kontakt mit dem Vorsitzender einer Organisation unserer Schwesterkirche in Amerika aufgenommen. Sie heißt „Conquerors through Christ“ (= Überwinder durch Christus)[2]. Ihre Aufgabe ist es, Menschen zu helfen, die unter Pornosucht leiden. Einen seiner Sätze fand ich bemerkenswert: „Wenn du mir 40 Stunden geben würdest, ich könnte dir nicht alle schmerzvollen Geschichten erzählen, die ich gehört habe.“ Und dann hat er mir von seinem allerersten Vortrag erzählt, den er zum Thema Pornographie gehalten hat: Die Veranstalter hatten die Befürchtung, dass niemand erscheinen würde. Das Thema ist ja durchaus heikel. Aber der Raum war voll. So voll, dass nicht alle Gäste einen Sitzplatz fanden. Als Pastor Mike Novotny – so der Name des Vorsitzenden – begann über das Thema zu sprechen, sah er, wie erwachsene Männer, anfingen zu weinen. Er meinte selbst, dass er das in seinem ganzen Amtsleben noch nie gesehen hatte: Nach seinem Vortrag stand eine ganze Reihe von Menschen da und wartete darauf, ihre Sünde zu bekennen. Einer gestand ihm die Schuld und Scham, die er jahrelang mit sich herumgetragen hatte. All die Sorgen, die er sich in Bezug auf eine mögliche Beziehung in der Zukunft machte. Pornographie hatte ihm nie erzählt, was passieren kann. Ob nun ein Seitensprung oder Pornographie, ich möchte, dass ihr euch das Folgende merkt – es tief in euer Herz schreibt: Lust liebt euch nicht. Sie schert sich nicht um euch. Ihr ist eure Zukunft egal; eure Beziehungen; eure Familie. Sie verspricht euch kurzes Vergnügen – aber sie kostet euch möglicherweise sehr wertvolle Dinge.

Gott ist ganz anders! Er sagt:  Mein Sohn, höre mir zu! Meine Tochter, schenke mir Aufmerksamkeit! Sagt Gott all diese Dinge über Sexualität, weil er uns hasst? Weil er nicht will, dass wir Spaß haben? Weil er uns Vergnügen verwehren will? Nein – keine Chance! Er sagt diese Dinge, weil er uns liebt, wie nur Eltern ihre Kinder lieben können. Er sagt diese Dinge, weil er uns weise machen möchte. Deshalb gab Gott etwa 1000 Jahre nach unserem Text heute, seinen Sohn für uns. Jesus kam in diese Welt, um uns Vergnügen zu schenken! Ein Vergnügen, dass keine sexuelle Erfahrung uns geben kann. Denkt nur daran: Jesus war bereit Kurzzeitschmerzen zu erleiden, um uns Langzeitvergnügen zu schenken.

Wenn ihr die Evangelien gelesen habt, dann wisst ihr, dass Jesus großen Versuchungen ausgesetzt war: Er war z. B. mit Prostituierten befreundet, die genau wussten, wie man einen Mann dazu bekommt, sie zu begehren. Die Bibel sagt: Jesus wurde auf alle Weisen versucht, so wie wir. Und das heißt ja, dass auch Jesus sexuellen Versuchungen ausgesetzt war. Aber er sagte: „Nein!“ Wisst ihr, was mit den Nervenenden im Körper von Jesus geschah? Er gab sie her für schmerzvolle Qualen am Kreuz, um uns unglaubliche Freude zu schenken.

Und Jesus will uns vergeben: All die Klicks und Internetseiten, auf denen wir nicht hätten sein sollen. Er vergibt Seitensprünge und alle Schritte auf dem Weg dorthin. Er vergibt, den Flirt mit dem Mann, der einen Ring an seinem Finger hatte. Jesus vergibt selbst die kleinsten Regungen in Richtung Fremdgehen und Pornographie. Und er schenkt uns eine Reinheit, die uns selbst vor einem perfekten und heiligen Gott bestehen lässt. Jesus will uns reinigen und heilig machen. Und deswegen erlitt er, was er zu erleiden hatte, sodass wir nicht ewig leiden müssen. Ich mag, was Psalm 16 sagt:

Du zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo du bist, gibt es Freude in Fülle; Glück hält deine Hand ewig bereit.

Will Gott uns Freude und Vergnügen schenken? Ja! Und welche Art von Freude? Ewige Freude! Mit anderen Worten: Sexuelle Freude mag für ein paar Minuten toll sein – aber ich gebe euch etwas unendlich Besseres: Ich bringe euch an einen Ort, wo ihr vor Freude und Vergnügen so sehr lachen müsst, dass euer Gesicht wehtun würde, wenn es Schmerz im Himmel noch geben würde. Ich habe ein Versprechen für euch, dass euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann – selbst an den dunkelsten Tagen. Denn ihr müsst nicht mehr mit Schuld oder Scham leben. Denn Jesus stellt euch vor Gott, den Vater, ohne Makel – tadellos – hin. Das ist unglaubliche Freude!

Vor einigen Jahren ging eine Nachricht durch die kirchliche Presse: der Pastor einer der größten Gemeinden in den USA legte sein Amt nieder. Er bekannte, mehrere Affären gehabt zu haben. Außerdem gestand er eine ziemlich verworrene Pornosucht. Seine Sünde hatte unglaubliche Konsequenzen. Er verlor sein Amt. Er brachte Schimpf und Schande über seine Gemeinde und Gott. Seine Familie – seine Frau und seine Kinder – waren kaputt. Ein anderer Pastor predigte über den Fall. In seiner Predigt richtete er sich direkt an seinen ehemaligen Amtsbruder. Er sagte: Konsequenzen auf der horizontalen Ebene sind nicht gleichzusetzen mit vertikaler Verdammung.

Und ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich diese Worte liebe! Sünde – auch sexuelle Sünde – hat Konsequenzen. Die Affäre kann jedes Vertrauen ruinieren. Pornographie kann ihre Zuneigung verwüsten. Sünde kann mit Schuld und Scham verbunden sein. Unsere sexuellen Erfahrungen können dazu führen, dass unser zukünftiger Ehepartner sich mit unserer Vergangenheit vergleichen muss. Und wir können das nicht zurücknehmen. Aber die horizontalen Konsequenzen unserer Sünde sind nicht mit vertikaler Verdammnis gleichzusetzen. Gott schaut auf uns – und er verdammt uns nicht. Paulus sagt in Römer 8:

So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

Gott schaut auf uns nicht länger im Zorn, sondern mit Wohlgefallen. Denn Jesus starb, um uns in den Augen Gottes rein zu machen. Glaubst du’s – so hast du’s. Glaubt ihr das? Dass Gott sich um euch sorgt. Ja? Glaubt ihr, dass Gott nur euer Bestes will? Ihr dürft es glauben, weil er seinen Sohn für uns hergab.

Und das ist auch der Grund, warum er uns heute sagt: Lauft weg! Das nächste Mal, wenn euch sexuelle Versuchungen begegnen: Steht nicht da und versucht zu kämpfen. Gott sagt: Lauft weg! In unserem Text sagt der Vater zu seinem Sohn: Ich erzähle dir all das, um dich von der fremden Frau fernzuhalten. Wenn ihr Sprüche 5 und 7 lest – beides ganze Kapitel über sexuelle Sünden – seht ihr es auch: Der Vater erzählt seinem Sohn diese Dinge, um ihn davor zu bewahren. In 1Korinther 6 sagt Paulus:

Flieht die Hurerei!

Eure Körper sind Tempel des Heiligen Geistes. Also steht nicht da und versucht zu kämpfen. Ihr müsst so schnell es geht davonlaufen.

Es gibt keinen besseren Ort, um diese biblische Lehre zu vertiefen, als in Monty Pythons Klassiker „Die Ritter der Kokosnuss“. Habt ihr diesen Film gesehen? Wir waren schon viel zu lang, viel zu ernst an diesem Morgen. In diesem Film suchen König Artus und seine Freunde nach dem Heiligen Gral. Irgendwann treffen sie auf einen Mann mit Namen: Tim, der Zauberer. Tim erzählt den Männern, dass das Geheimnis des Heiligen Grals in einer Höhle zu finden sei. Unglücklicherweise wird diese Höhle von einer widerlichen und grausamen Kreatur bewacht. Nach Tims Aussage hat keiner der Männer überlebt, die versucht haben, gegen diese Kreatur zu kämpfen. Unerschrocken ziehen Artus und seine Recken trotz aller Warnungen zur Höhle. Hinter einigen Felsen verstecken sie sich und warten. Gerade als Artus seine Deckung verlassen will, hält ihn Tim, der Zauberer, auf und ruft ihm zu: „Schau! Da ist die Kreatur!“

Und was kommt da hoppelnd aus der Höhle? Ein kleines flauschiges weißes Kaninchen.  Artus sagt: „Davor haben wir Angst gehabt? Es ist nur ein Karnickel!“ Und Tim sagt: „Das ist das bösartigste und jähzornigste Nagetier, das euch je unter die Augen gekommen ist. Er hat riesige gelbe Zähne.“ Einen der Ritter von Artus überzeugt das wenig. Er sagt: „Was soll er uns schon tun? Uns den Popo anknabbern?“ Er zieht also sein Schwert und läuft zum Biest! Und wisst ihr, was passiert? Das Kaninchen fliegt durch die Luft und beißt dem Soldaten den Kopf ab. Daraufhin stürmen alle Soldaten los, um das Kaninchen zur Strecke zu bringen. Aber das Nagetier tötet einen Soldaten nach dem anderen. Bis Artus seinen berühmten Satz ruft: Lauft weg! Lauft weg!

Und genauso macht es Gott: Sexuelle Sünden scheinen wie dieses kleine flauschige Kaninchen zu sein, oder? So unschuldig. Niemand wird verletzt werden. Aber Gott ist wie Tim, der Zauberer. Er sieht die Knochen, die um die Höhle verstreut liegen und von denjenigen stammen, die versucht haben zu kämpfen. Deswegen sagt Gott das, was König Artus sagt: Lauft weg! Versucht nicht dagegen zu kämpfen. Lauft weg – so schnell ihr könnt.

Was heißt das für uns – vor sexuellen Versuchungen davonzulaufen? Wie wäre es damit? Wenn ihr euch mitten in einer Affäre befindet oder kurz davorsteht, bedeutet davonlaufen, reinen Tisch zu machen. Vielleicht bedeutet es, dass ihr eines der schwersten Gespräche eures Lebens führen müsst. Vielleicht bedeutet es, eurem Ehepartner zu sagen, bei welchem Schritt ihr euch derzeit befindet und wie ihr dorthin gekommen seid. Das mag schmerzhaft sein. So schmerzhaft, dass man davor zurückschrecken möchte. Aber ich garantiere euch, dass der Schmerz um einiges geringer sein wird, als der Schmerz, den ihr verursachen werdet, wenn ihr den nächsten Schritt geht. Wenn ihr mit jemanden flirtet oder euch intensiv Nachrichten über whatsapp austauscht, bedeutet davonlaufen, euer Telefon zu nehmen und demjenigen zu sagen, dass es vorbei ist. Es ist Zeit den eigenen Rasen zu wässern, denn das Gras ist auf der anderen Seite des Hügels nicht grüner.

Wenn euch Pornographie zum Straucheln bringt, redet mit mir – oder mit einem Vertrauten. Denn eins hat mir Pastor Novotny mit auf dem Weg gegeben, dass ich euch sagen soll: Wenn ihr mit Pornographie Probleme habt, sucht euch jemanden mit dem ihr reden könnt. Er sagte mir, dass er nicht einen Fall kennt – und er hatte mit hunderten Menschen zu tun – wo jemand es ganz allein geschafft hat. Lauft weg – sagt es jemanden! Es mag schmerzvoll und beschämend sein. Aber es ist ein heilsamer Schmerz. Und besucht die Website von „Conquerors through Christ“. Wenn ihr Englisch könnt, findet ihr dort gute Videos, um euch selbst weiterzubilden. Auch dann, wenn ihr nicht davon betroffen seid – jemand den ihr liebt, ist es wahrscheinlich schon. Und für alle anderen: Vielleicht können wir uns einfach an dieses eine Wort erinnern: Langzeitschmerz. Das nächste Mal, wenn eine verheiratete Person mit uns flirten will oder eine Internetseite nur einen Mausklick entfernt ist – wiederholt einfach dieses Wort: Langzeitschmerz.

Aber damit will ich heute Morgen nicht enden. Heute wollte ich nicht einfach nur erzählen, dass wir vor Sünde davonlaufen sollen. Sondern ich möchte euch an das erinnern, was Gott für uns getan hat. Ich möchte euch noch einmal von der Stadt Korinth erzählen: Ihr erinnert euch an den Hügel, auf dem dieser große weiße Tempel für die Göttin der Lust stand? In Korinth kann man aber auch die Überreste eines antiken Gerichtssaals besichtigen. Vor 2000 Jahren hätte auf einer Plattform ein Richter gestanden und sein Urteil verkündet. Eines Tages werden wir vor Gott stehen. Und er wird uns richten. Und direkt über der Schulter Gottes können wir den riesigen Berg unserer Sünden sehen – unsere sexuellen Sünden inbegriffen. Aber dann denkt immer an Jesaja 38,17:

Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.

Wenn wir vor ihm stehen, wo werden unsere Sünden sein? Hinter ihm! Aus seinem Blickfeld verschwunden. Er denkt nicht mehr daran – nie wieder. Und es ist egal, wie groß oder abstoßend dieser Berg ist. Gott hat alle unsere Sünden hinter sich geworfen! Und Jesus steht an unserer Seite, der uns in den Augen Gottes heilig, perfekt und tadellos gemacht hat. Und wenn Gott seinen Richterspruch fällt, wird er sagen: Du – du bist mein Sohn. Und du – du bist meine Tochter. Und mit euch bin ich mehr als zufrieden! Was könnte uns größeres Vergnügen bereiten, als das zu hören?

[1] Smalley/Cunningham: The Language of Sex: Experiencing the Beauty of Sexual Intimacy, Grand Rapids, 2008

[2] http://www.conquerorsthroughchrist.net