Abraham: Gott schafft das!

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

In den Predigten beschäftigen wir uns derzeit mit der Frage, wie wir Männer und Frauen des Glaubens werden können. Es geht um das Vertrauen, Gott auch dann nachzufolgen, wenn es schwierig wird. Wir müssen keine Angst haben. Wir müssen uns keine Sorgen machen, weil wir wissen, wer unser Gott ist.

In den vergangenen beiden Wochen haben wir die einfache Feststellung getroffen, dass unser WER größer ist als unser WAS. Der Gott, an den wir glauben, ist größer als alles, was uns Sorgen oder Angst macht. In der ersten Woche hörten wir von Gott, der sich selbst „Ich bin“ nennt. Der Gott, der immer treu ist. Der Gott, der seine Versprechen halten muss, sonst könnte er nicht Gott sein. Vergangene Woche haben wir gesehen, dass Gott sowohl allmächtig, als auch die Liebe ist. Er ist der Gott, der jeden einzelnen Stern am Himmel geschaffen hat. Er ist der Gott, der sagt: „Wenn ich bluten und sterben muss, um euch zu segnen, bin ich bereit das zu tun. Wir haben also gesehen, dass Gott treu, allmächtig und die Liebe ist. Deshalb ist unser WER größer als unser WAS.

Manchmal allerdings kommt uns eine Sache in die Quere, die uns davon abhält, Vertrauen zu haben. Und diese Sache heißt Warten. Gott sagt, dass er uns segnen will. Aber manchmal müssen wir auf diesen Segen sehr lange warten. Das kann es schwermachen, Gott zu vertrauen. Gott sagt: „Ich habe einen guten Plan für dich.“ Aber was wir manchmal sehen, sind nur die Trümmer und Probleme in unserem Leben. Das kann ein Hindernis sein, daran zu glauben, dass Gott alles zum Besten wendet. Manchmal ist es schwer, Gott zu vertrauen, wenn wir warten müssen. Und ich weiß, dass viele von euch da durchmussten oder müssen. Manche haben sehr lange auf Gottes Handeln gewartet. Manche müssen jetzt gerade durch so eine Zeit. Da ist zum Beispiel chronischer Schmerz in eurem Körper. Es gibt eine Krankheit in der Familie. Und man wartet darauf, Gottes Plan in Aktion zu erleben.

Manche von euch warten darauf, dass Gott sein Versprechen in Bezug aufs Gebet hält. Gottes Wort sagt, dass die Gebete der Gläubigen wirkungsvoll sind. Aber manchmal beten und beten wir und es scheint nichts zu passieren.

Oder wir lesen in der Bibel. Aber wir erkennen nicht, was das mit uns zu tun hat. Wir merken nicht, dass das Evangelium eine Kraft Gottes ist. Und es wird schwer, sich keine Sorgen zu machen, während wir warten.

Was sollen wir also tun, wenn das Warten unseren Glauben zu töten droht? Was sollen wir tun, wenn jeder Tag ein kleines bisschen am Vertrauen auf Gott nagt? Das ist die Frage, die wir heute Morgen stellen wollen. Es gibt zwei Menschen, die sie uns beantworten können: Abraham und Sarah. Schon in den vergangenen beiden Wochen haben wir in ihrer Geschichte gelesen. Sie lebten vor 4.000 Jahren – also 2.000 v. Chr. Und Gott hatte ihnen dieses große Versprechen gemacht: „Ihr werdet eine große Familie haben – und durch euren Nachkommen wird der ganze Planet gesegnet werden.

Gott hatte es versprochen. Und sie warteten. Sie warteten Tage, dass Sara schwanger wird. Und dann Wochen. Dann Monate. Dann Jahre. Schließlich Jahrzehnte. Seit dem Beginn der Reise Abrahams sind mittlerweile 24 Jahre vergangen. Und nichts war geschehen. Keine Schwangerschaft. Kein Baby. Nichts. Dieses Warten drohte, ihr Vertrauen zu töten. Heute erleben wir, wie Gott dieses Paar höchstpersönlich besucht. Und wir sehen, was Gott tut, wenn unser Glaube das Warten nicht überleben kann. Hört einige Verse aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 18(,1-2):

Der Herr erschien ihm noch einmal bei dem Eichenhain von Mamre. Eines Tages um die Mittagszeit, als Abraham am Eingang seines Zeltes saß, sah er plötzlich drei Männer ganz in der Nähe stehen. Als er sie bemerkte, stand er auf, lief ihnen entgegen und verneigte sich tief vor ihnen.

Drei Männer kommen zu Abraham. Aber es sind keine gewöhnlichen Typen, sondern alle drei Männer sind der HERR. Sie sind also Gott. Manche Ausleger sehen in dieser Dreiheit eine Andeutung für die Dreieinigkeit. Gott kommt also „undercover“ zu Abraham, um dessen Glauben und den seiner Frau zu stärken. Bevor Gott aber seine Worte an Abraham richtet, erfahren wir etwas von nahöstlicher Gastfreundschaft. Hört die nächsten Verse aus Kapitel 18:

»Mein Herr«, sagte er, »wenn du mir, deinem Diener, freundlich gesinnt bist, dann geh doch nicht einfach weiter. Ruht euch im Schatten dieses Baumes aus, während meine Knechte etwas Wasser holen, um euch die Füße zu waschen. Ich will euch etwas zu essen bringen, damit ihr danach gestärkt weiterreisen könnt. Denn deshalb seid ihr ja bei mir vorbeigekommen.« »Gut«, sagten sie, »tu, wie du gesagt hast.« Da lief Abraham zurück zum Zelt und sagte zu Sara: »Hol schnell drei Maß deines besten Mehls und backe Fladenbrot.« Dann lief er hinaus zur Herde, holte ein zartes, junges Kalb und gab es einem Knecht, mit der Anweisung, es umgehend zu schlachten und zuzubereiten. Als das Essen fertig war, nahm er Butter und Milch und das gebratene Fleisch und servierte es den Männern. Während sie aßen, wartete er bei ihnen unter den Bäumen.

Ich mag diesen Teil unseres Predigttexts heute. Denn Abraham ist ein Ehemann, wie er im Bilderbuch steht, oder? Er sagt: „Ich will euch etwas zu essen bringen.“ Und was ist das Erste, was er tut? Er rennt zu seiner Frau und sagt: „Mach mal was!“ Das ist also nichts Neues, meine Lieben. Er sagt sogar: „Hol drei Maß deines besten Mehls.“ Drei Maß Mehl entsprechen etwa 20kg. „Schatz, du siehst aus, als hättest du nicht viel zu tun. Warum bäckst du nicht mal eben 20kg Brot?“ Und dann rennt Abraham zu seiner Herde und lässt ein junges Kalb schlachten und zubereiten. Mal abgesehen von den Szenen einer Ehe, sehen wir hier die große Gastfreundschaft Abrahams. 20kg Brot und ein ganzes Kalb für nur drei Männer! Aber diese Gastfreundschaft ist nichts, im Vergleich zu den Worten Gottes in den nächsten Versen:

»Wo ist Sara, deine Frau?«, fragten sie ihn. »Im Zelt«, antwortete Abraham. Da sagte der Herr: »Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich zurückkehren. Dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben.« Sara aber belauschte das Gespräch vom Eingang des Zeltes aus. Und da Abraham und Sara beide alt waren und Sara schon lange nicht mehr in dem Alter war, in dem Frauen Kinder bekommen können, lachte sie leise. »Jetzt, nachdem ich verwelkt bin, sollte ich noch an Liebeslust denken?!«, dachte sie. »Und mein Mann ist ja auch schon viel zu alt!«

Gott sagt Abraham also: „Du wirst einen Sohn haben.“ Das ist das, was er schon oft zu Abraham gesagt hatte. Aber nun ist es soweit: Nächstes Jahr wird er kommen. Und wie reagiert Sara? Sie lacht! „Ich bin verwelkt“ – sagt sie. „Und mein Mann ist ja auch schon viel zu alt!“ Sie lacht über Gottes Verheißung. Und man kann es ihr nicht verübeln, oder? Sara ist 89 Jahre alt. Wisst ihr, wie alt die älteste Frau war, die noch einmal auf natürlichem Weg schwanger geworden ist? Ihr Name lautet Dawn Brooke aus England. Und sie war 59 Jahre alt, als sie Mutter wurde. Sara ist 30 Jahre älter. Könnt ihr an eine 89jährige Schwangere denken, ohne bei dieser Vorstellung wenigstens zu schmunzeln? Später betritt sie den Supermarkt mit ihrem Kinderwagen und trifft eine Bekannte: „Was für einen süßen Urenkel du hast!“ „Ähm, knapp daneben.“ „Na gut. Was für einen hübschen Enkel du hast.“ „Ähm, nein.“ „Was für einen schönen … nein, das kann nicht sein.“ Oder: In der Nacht steht sie auf, um dem Baby die Windeln zu wechseln. Und sie ruft ihrem Mann zu: „Abraham, bring mir bitte eine Windel.“ Verschlafen rollt sich der alte Mann aus seinem Bett und bringt ihr eine. Als Sara die Windel sieht, sagt sie: „Nein, ich meinte nicht eine von deinen Windeln. Ich wollte eine fürs Baby!“

Aber wisst ihr, was der Hauptgrund für Saras Lachen ist? Sie hatte es schon zuvor gehört. Das war nicht das erste Mal, dass Gott ihr gesagt hatte, dass sie einen Sohn bekommen würde. Als sie 65 Jahre alt war, versprach ihr Gott, dass sie eine große Familie haben würde. Und sie hatte gewartet. Gott kam wieder und sagte, dass sie so viele Nachkommen haben würde, wie es Sterne am Himmel gibt. Und sie hatte gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Aber während die Mägde in ihrem Haushalt Kinder bekamen, blieb ihr Bauch so flach wie das Brot, welches sie an diesem Tag für Gott gebacken hatte. Wie soll sie da Vertrauen haben – nachdem sie 24 Jahre gewartet hatte? Und was sagt Gott einer Frau, die so lange ausharren musste? Hören wir weiter auf unseren Text:

Da sagte der Herr zu Abraham: »Warum hat Sara gelacht und gedacht: ‚Sollte ich wirklich noch ein Kind bekommen, obwohl ich schon so alt bin?’ Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? In genau einem Jahr werde ich wieder zu dir kommen. Und dann wird Sara einen Sohn haben.«

Die Schlüsselfrage in diesem Abschnitt lautet: „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ Und das ist nicht nur die Schlüsselfrage in unserem Predigttext heute. Es ist auch die Schlüsselfrage, wenn es um unser Vertrauen Gott gegenüber geht: Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Bevor wir diese Frage beantworten, lasst mich euch noch eine Sache über Gott sagen: Gott ist ewig. Wenn Gott Abraham und Sara fragt, ob für ihn etwas unmöglich sein sollte, dann will er, dass sich beide daran erinnern, dass er ewig ist.
Aber was bedeutet ewig? In einem theologischen Buch habe ich folgende hochtrabende Definition gefunden:

Gott betrachtet alles in einer sich niemals verändernden und absoluten Gegenwart, zu der es keinen Übergang von einer Vergangenheit her und keinen Übergang zu einer Zukunft hin gibt.

Alles verstanden? Ich auch nicht. So würde ich es ausdrücken: Gott sieht alles zur selben Zeit. Weil Gott ewig ist, sieht er die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft jetzt in diesem Moment.

Okay, ich hoffe, das wird jetzt nicht zu verwirrend: Ihr und ich sehen die Dinge zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wir haben eine Vergangenheit. Die Zukunft kennen wir noch nicht. Alles, was wir sehen, ist das Hier und Jetzt. Aber Gott, der ewig ist, sieht alles in einer sich niemals verändernden Gegenwart. Wenn Gott euch jetzt in diesem Moment betrachtet, sieht er euch in dieser Kirche sitzen. Gleichzeitig sieht er, wie ihr eure allerersten Schritte gemacht habt. Er sieht, wie ihr geboren wurdet. Er ist auf eurer Beerdigung. Auf eurer nächsten Geburtstagsparty. Er sieht euren allerersten Strafzettel. Er sieht, was ihr morgen zum Frühstück essen werdet. Alles zur selben Zeit. Dazu braucht er keine technischen Hilfsmittel – keine Wand aus TV-Monitoren. In seiner Göttlichkeit sieht er alles auf einmal.

Ich möchte euch ein Video zeigen, dass diese Wahrheit noch ein wenig verdeutlicht. Stellt euch vor, dass ihr und ich in diesem Moment leben. Alles, was wir sehen können ist dieser Moment. Bis die Zeit vergeht und wir zum nächsten Moment unseres Lebens gelangen. Wir laufen durch diese Tür. Vielleicht ist das der Moment, wo wir unseren Uni-Abschluss machen. Wir erleben diesen Moment. Aber dann vergeht er. Wir führen unser Leben. Bekommen vielleicht Kinder. Wir sehen diese Dinge. Und wir versuchen, uns an die Vergangenheit zu erinnern und sind auf die Zukunft gespannt. Wir gründen eine Familie und Gott segnet uns. Aber dann vergeht auch dieser Moment und wir betreten den nächsten. Manchmal sehen wir die Segnungen Gottes nicht mehr. Und wir gehen durch den nächsten Moment. Manchmal fühlt es sich so an, als wären wir schon seit langem nicht mehr gesegnet worden. Wir betreten die Zukunft und Gott segnet uns auf eine unvorhergesehene Weise. Aber dieser Segen vergeht schnell. Wir gehen durch die nächste Tür. Und Gott segnet uns auf neue Weise. Aber auch dieser Moment vergeht und wir warten auf die Zukunft. So ist jede menschliche Existenz: Wir gehen von Tür zu Tür. Von einer Lebensstation zur nächsten. Begleitet von Erinnerungen aus der Vergangenheit. Niemals wissend, was in die Zukunft bringen wird. Sie sieht jedes menschliche Wesen das Leben.

Aber so betrachtet Gott unser Leben (Perspektivwechsel). Gott sieht alles auf einmal. Wir stehen vor den Türen des Lebens und wissen nicht, was kommt. Aber weil Gott Gott ist, sieht er alles, was geschieht. Er kennt den Ausgang der Geschichte. Und alles, was zwischendurch geschieht. Wenn Gott spricht – wenn er ein Versprechen macht – steht er nicht vor einer verschlossenen Tür, so wie wir. Er sieht die gesamte Menschheitsgeschichte. Und er weiß ganz genau, wohin sich die Dinge entwickeln werden.

Ganz nebenbei: Wenn ich dieses Bild betrachte, wird mir deutlich, wie erstaunlich es ist, dass Gott uns mag: Stellt euch vor, ihr seid Gott und seht meine Sünden – alle auf einmal zusammen. Sie wären nicht verblasst, weil sie Vergangenheit sind. Jetzt in diesem Moment sind sie da: Jeder Neid. Jeder Stolz. Jedes Aufbrausen. Jeder Moment, wo ich euch nicht gut gedient habe. Gott sieht alles auf einmal. Wie zornig muss er da auf mich sein? Auf uns alle? Aber Gott ist eben nicht nur ewig. Gott ist die Liebe. Gott nahm jede einzelne Sünde hinter jeder einzelnen Tür und hat sie ans Kreuz genagelt. Und dann tauschte Gott jeden Moment unseres Lebens mit jedem Moment aus dem vollkommen Leben von Jesus aus. Mit anderen Worten: In jedem Augenblick sieht Gott vollkommenen Gehorsam, vollkommene Geduld in einem Christen. Denn das ist das, was Jesus uns schenkt. Und deswegen betrachtet Gott jeden, der an Jesus glaubt, als makellos und vollkommen rein.

Zurück zu Abraham und Sara: Erkennt ihr, warum der ewige Gott die Antwort auf das Problem der Beiden ist? Sie sitzen hinter einer der Türen und fragen: „Wie soll das gehen?“ Aber was sieht Gott? Er sieht bereits die Geburt des Kindes. Er weiß ganz sicher, dass es passieren wird. Ja, für ihn ist es bereits geschehen.

Und das ist auch in Bezug auf uns wahr: Wir fragen uns vielleicht, wie wir eine großzügige Person sein können, die gibt, wie Gott das will. Wir starren auf diese Tür. Aber Gott sieht alles auf einmal und sagt: Das kommt hinter Tür Nummer 7.

Wir sitzen mitten in Schmerz und Leid und fragen uns, wie das alles nur zum Besten dienen soll?Und Gott, der das ganze Bild sieht, sagt: Das kommt hinter Tür Nummer 12. Wenn wir sehen könnten, was Gott sieht, könnten wir ihm wohl nur zustimmen: Dass dieser Weg der bestmögliche gewesen ist. Sollte Gott etwas unmöglich sein? Nein, denn der ewige Gott ist unsere Zuflucht.

Wir müssen also nicht sorgenbeladen durch unser Leben gehen: Unser Gott ist so groß und stark, dass es nichts gibt, was er nicht tun könnte. Wenn wir uns vor Augen halten, dass unser Gott treu, allmächtig, die Liebe und ewig ist, brauchen wir keine Angst haben. Ist ein 89jähriger Mutterleib zu alt für Gott? Sind 24 Jahre zu lang, als dass Gott sich sein Versprechen merken kann? Nein! Denn Gott sieht alles in einer sich niemals verändernden Gegenwart. Unser WER ist also wirklich größer als unser WAS. Der ewige Gott ist größer als alles, was uns Angst und Sorgen bereitet.

Es war einmal ein Typ namens Hans. Er starb und kam in den Himmel. Dort sah er Menschen, die das breiteste Lächeln im Gesicht trugen, das er jemals gesehen hatte. Aber ihm fiel auf, dass jeder im Himmel eine kahle Stelle direkt über der Stirn hatte. Jeder hatte eine – egal ob Frau oder Mann. Etwas verwirrt, wollte er jemanden fragen, warum alle diese kahle Stelle am Kopf haben. Aber plötzlich tippte ihm ein Engel auf die Schulter und sagte: „Hans, willkommen im Himmel. Gleich wirst du Jesus das erste Mal höchstpersönlich begegnen.“ Nachdem Hans das Haus seines Retters betreten hatte, begrüßte ihn Jesus mit einem Lächeln und sagte: „Willkommen zu Hause! Schön, dass du hier bist. Setz dich hin, ich möchte dir etwas zeigen.“ Hans setzte sich also, schaute aus dem Fenster und sah all die Menschen mit ihren kahlen Stellen am Kopf vorbeilaufen. Jesus aber holte ein riesiges Buch hervor und sagte: „Hans, das ist das Buch deines Lebens.“ Hans öffnete das Buch auf der ersten Seite: Und er sah ein Bild des Tages, an dem er geboren wurde. Neben diesem Bild klebte ein weiteres Bild. Darauf zu sehen war ein Mann, den er nicht kannte. Hans fragte neugierig: „Jesus, wer ist das?“ Jesus antwortete: „Das ist der Chefarzt der Geburtsabteilung, in der du geboren wurdest.“ Hans sagte: „Ich habe ihn nie getroffen.“ Jesus antwortete: „Ich weiß. Aber ich habe deine Geburt dazu verwendet, um diesen Mann zu bekehren. Denn er hörte, wie sich deine Eltern bei mir für dich bedankt haben. Er hörte ihren Glauben und wurde neugierig.“ Hans staunte: „Ich hatte ja keine Ahnung.“ Jesus antwortet: „Ich weiß. Aber ich hatte Ahnung!“

Hans durchblätterte weiter das Buch, bis er zu einer Zeit seines Lebens kam, die wirklich schwer für ihn gewesen war. Als er 15 Jahre alt war, starb sein Vater. Darüber hatte er fast seinen Glauben verloren. Er sah ein Bild, auf dem er schwarz gekleidet neben dem Sarg seines Vaters stand und weinte. Aber gleich neben diesem Bild waren drei weitere Bilder in das Buch geklebt. Gesichter von drei Männern. Hans fragt: „Wer sind diese drei Männer. Ich habe sie noch nie in meinem Leben gesehen.“ Jesus antwortete: „Diese Männer haben mit deinem Vater gearbeitet. Als er gestorben war, kamen sie zur Beerdigung und redeten mit deiner Mutter. Und obwohl sie trauerte, erzählte sie ihnen, dass sie keinen Zweifel daran hatte, wo dein Vater nun ist – mit uns im Himmel. Weil sie das hörten, kamen zwei der Männer in die Kirche. Einer von ihnen ist jetzt sogar hier im Himmel.“ Hans sagte: „Jesus, ich war so sauer auf dich, als mein Vater starb. Ich wusste nichts von den drei Männern.“ Jesus antwortete: „Ich weiß, dass du das nicht gewusst hast. Aber ich wusste es.“

Hans blätterte zur letzten Seite seines Buches. Er sah die Stationen seiner Krebserkrankung. Er sah seine Frau, wie sie versuchte, ihm dennoch ein warmes Zuhause zu geben. Dann entdeckte er das Bild einer Frau, die am Telefon hing. Und er fragte: „Wer ist das?“ Jesus antwortete: „Sie arbeitet für die Versicherungsgesellschaft. Sie redete mit deiner Frau, als du gestorben warst. Mit Tränen im Auge sagte deine Frau, dass sie weiß, dass Gott sich um sie kümmert. Bei all den Telefonaten, die die Versicherungsangestellte führen musste, hatte sie so etwas noch nie gehört. Vergangene Woche hat sie zum ersten Mal zu mir gebetet. Und sie wird es eine Ewigkeit lang tun.“

Hans durchblätterte sein ganzes Buch und hörte all die Geschichte, von denen er nichts gewusst hatte. Und als Hans das ganze Ausmaß dessen erkannt hatte, was Jesus für und durch ihn getan hatte, gab es nur eine Sache, die er tun konnte: Mit der Hand gegen Stirn schlagen. „Gott“, sagte er, „ich war oft so zornig auf dich. Manchmal habe ich geglaubt, dass du alles vermasselt hast. Aber… das ganze Gegenteil ist der Fall.“ Hans schaute aus dem Fenster und wusste nun, warum jeder im Himmel eine kahle Stelle direkt über seiner Stirn hatte.
Gott wendet alles zum Besten. Der treue, allmächtige, liebende und ewige Gott wendet alles zum Besten. Habt also keine Angst. Macht euch keine Sorgen.

Eine letzte Sache möchte ich euch heute Morgen noch beibringen: Den Kehrvers des Glaubens. Ich möchte, dass ihr diesen Satz in eurem Zuhause, in euren Leben und zu euch selbst, Tag für Tag sagt. Der Kehrvers geht so: Gott schafft das! Wenn ihr euch Sorgen macht, wie das alles nur enden soll: Gott schafft das! Wenn ihr euch nicht vorstellen könnt, wie eine Sache euch zum Besten dienen soll, dann holt tief Luft und sagt: Gott schafft das! Wenn ihr denkt, dass ihr es nicht schaffen könnt, tretet einen Schritt zurück und sagt: Gott schafft das! Der treue, allmächtige, liebende und ewige Gott schafft das.

Amen.