Abraham: Den Tatsachen ins Auge schauen

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Wenn ihr vergangene Woche nicht hier sein konntet: In den Predigten beschäftigen wir uns derzeit mit der Frage, wie wir Männer und Frauen des Glaubens werden können. Wie wir also Christen werden können, die sich nicht ständig Sorgen machen oder Angst haben. Christen, die nicht immerzu Fragen stellen, wie: „Was wäre, wenn…“ oder „Was passiert, wenn…“ Denn wir wissen, wer unser Gott ist. Und deshalb müssen wir nicht klein beigeben, wenn er uns um etwas bittet.

Letzte Woche haben wir die wichtige Feststellung getroffen, dass unser WER größer ist als unser WAS. Derjenige an den wir glauben, ist größer als alles, was uns Angst und Sorge bereiten kann. Denn wir glauben an Gott – den großen „Ich bin, der ich bin“. Der Gott also, der immer treu ist; seine Versprechen nie bricht und der nicht lügen kann.

Für diejenigen unter euch, die vergangene Woche hier waren, habe ich eine Frage: Wie war es für euch, 7 Tage lang ohne eine einzige Sorge zu leben? Das würde mich jetzt wirklich interessieren. Was habt ihr mit eurer Zeit gemacht? Vorher habt ihr vielleicht 11 Stunden jede Woche mit Sorgen verbracht; mit Fragen wie: „Was wäre wenn…“; „Was könnte passieren?“ Was habt ihr also mit den zusätzlichen 11 Stunden vergangene Woche getan? Und was habt ihr mit den 73 Prozent eures Gehirns gemacht, welche sonst euer Sorgenzentrum war. Und wie war es, das erste Mal im biblischen Sinn zu geben? Wie war eure Unterhaltung mit der einen Person, mit der ihr schon lange reden wolltet? Wie war es, den Entschluss zu fassen, in eurer Ehe zu bleiben? Wie war es, Männer und Frauen des Glaubens zu sein?

Nun ja… Ich denke, ihr habt das herausgefunden, was ich auch vergangene Woche herausgefunden habe: So einfach ist das nicht! An Gott zu glauben, lässt unsere Sorgen und Befürchtungen nicht einfach so verschwinden. Ich denke, ihr habt das herausgefunden, was auch viele andere Christen wissen: Es besteht ein großer Unterschied zwischen rettendem Glauben auf der einen und speziellem Glauben in einer bestimmten Situation auf der anderen Seite. Mit anderen Worten ist es ein großer Unterschied: an Jesus zu glauben, der uns von unseren Sünden rettet …und darauf zu vertrauen, dass Jesus uns in einer bestimmten Situation helfen kann. Das Zweite nennen wir auch Gottvertrauen. Es ist also gut möglich, an Jesus zu glauben: dass er für mich gelebt hat; für er mich gestorben und auferstanden ist; und sich trotzdem noch Sorgen zu machen und Fragen zu stellen wie: „Was wäre, wenn…“

Aber warum ist das so? Warum haben Christen zwar oft rettenden Glauben, aber Gottvertrauen fehlt ihnen dennoch? Eine Redewendung sagt: „Man muss den Tatsachen ins Auge schauen“. Menschen mit rettendem Glauben fehlt oft das Vertrauen und zwar wegen der Tatsachen. Was Glauben und Vertrauen so schwierig machen, sind die Tatsachen – die Fakten. Denn manchmal sind es nicht die „Was wäre, wenn“-Fragen, die uns davon abhalten zu vertrauen. Sondern es sind die unbestreitbaren wissenschaftlich belegten Tatsachen und Fakten.

Gott sagt in seinem Wort z. B., dass wir jetzt in diesem Moment genug Geld haben, um großzügig und biblisch geben zu können. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Manche von uns haben nicht genug Geld. Wir müssen Miete bezahlen. Essen. Rechnungen. Außerdem ist das ein langer und kalter Winter, der die Heizungskosten in die Höhe treiben wird. Die nackten Zahlen belegen das Gegenteil: Es ist eben nicht genug Geld da.

Oder: Gott sagt, dass er alles zum Besten wenden wird. Er hat einen großartigen Plan für jeden von uns. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Da scheint es oft keinen Plan zu geben. Sie bekommt Krebs. Der Arzt sagte ihr, dass er bereits die Lymphknoten befallen hat. Und sie hat eine Tochter in der 7. Klasse. Was kann an dieser Situation „zum Besten“ sein?

Gott sagt: Die Gebete der Gläubigen sind kraftvoll und werden erhört. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Ihr habt sicher schon wegen bestimmter Dinge gebetet, aber es hat sich rein gar nichts verändert. Manche von euch haben Gott wieder und wieder gebeten – vielleicht sogar vor Gott geweint. Aber die Sache ist keinen Millimeter vorangegangen – soweit man das sehen kann.

Oder Gott sagt: Es ist eine gesegnete Sache, wenn wir anderen dienen und sie lieben. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Manchmal scheint das nicht zu stimmen. Andere nutzen uns aus. Und plötzlich scheinen Dienen und Lieben in unseren Augen nicht mehr so gesegnet zu sein.

Gott sagt: Niemand wird seine auserwählten Gläubigen aus seiner Hand reißen. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Was passiert in unserem Land? Wo sind all die Gläubigen, wo sind sie geblieben – möchte man fast singen. Und wenn wir an unsere Kinder denken – an unsere Enkel? Wie werden sie im Glauben bestehen können – in einer Welt, die Gott so radikal von der Liste gestrichen hat? Wie können wir uns da keine Sorgen machen?  Keine „Was wäre, wenn“-Fragen stellen?  Nicht ängstlich werden?

Oder wie ist es mit dem hier? Gott sagt, dass er erfreut über uns ist. Wenn er an uns denkt, muss er lächeln. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge schauen: Wir haben es vermasselt. Manchmal sind die Menschen um uns herum, wegen uns enttäuscht. Manchmal sogar empört, weil es nicht das erste Mal war, dass wir es getan haben. Manchmal sind es die Tatsachen – die unbestreitbaren Fakten –, die uns davon abhalten, Gott vollkommen zu vertrauen.

Und deswegen ist meine Frage heute Morgen, die: Wie können wir Vertrauen haben, obwohl wir den Fakten – den Tatsachen – ins Auge schauen? Abraham will uns heute die Antwort geben. Im NT wird er als „Mann des Glaubens“ dargestellt. Vergangene Woche haben wir davon gehört, wie Gott Abraham darum bat, sein Land, sein zuhause, seine Familie zu verlassen, um nach Kanaan umzuziehen. Und Abraham wagte den Glaubenssprung. Außerdem gab Gott Abraham große Versprechen: Er würde nicht nur ein neues Land besitzen. Er würde auch eine große Familie haben. Ja, durch ihn würden alle Völker der Erde gesegnet werden. Und dennoch: Auch der Glaube Abrahams hatte seine Probleme, als er den Tatsachen ins Auge blickte.

Heute hören wir von Abrahams Glauben, der alles andere als perfekt war. Und wenn wir gleich einen Teil des heutigen Textes hören, will ich, dass ihr euch folgende Frage stellt: Was macht Gott, wenn das Vertrauen eines Menschen, den Tatsachen nicht standhält? Was macht Gott, wenn unser Glaube nicht perfekt ist? Wenn er dennoch ängstlich ist und sich Sorgen macht?

Hört einige Verse aus 1Mose 15(,1-3):

Nach diesen Geschichten begab sich’s, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Offenbarung: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn. Abram sprach aber: HERR, mein Gott, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliëser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Und Abram sprach weiter: Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein.

Abraham machte sich Sorgen. Nach allem, was wir vergangene Woche gehört haben, hat Abraham immer noch Angst. Und worum er sich Sorgen machte, ist seine Familie. Oder besser: das Nichtvorhandensein einer Familie. Denn Abraham und seine Frau Sara waren unfruchtbar. Sie konnte keine Kinder haben.

In unseren Tagen ist Unfruchtbarkeit herzzerbrechend. Wenn ihr jemanden kennt oder selbst davon betroffen seid, wisst ihr das: Man versucht es wieder und wieder.  Man betet. Aber nichts geschieht. Und das kann herzzerbrechend sein.

Aber vor 4000 Jahren war Unfruchtbarkeit nicht nur herzzerbrechend – sie war verheerend. Der Wert eines Ehepaares wurde in der damaligen Kultur anhand der Kinderzahl gemessen, die eine Ehe hervorgebracht hatte. Die anderen Frauen des Dorfes würden über die Unfruchtbare lästern und auf sie herabschauen. Wenn sie Geschichten von ihren Kindern und Enkeln erzählen, wäre die Unfruchtbare immer ausgegrenzt sein. Außerdem war alles, was ein Ehepaar durch harte Arbeit aufgebaut hatte, futsch wenn sie starben – denn es gab keine Erben. Und noch mehr: Die Menschen damals glaubten, dass die Ursache für Unfruchtbarkeit nicht so sehr in medizinischen Gründen zu suchen sei. Sie glaubten, dass Unfruchtbarkeit eine Strafe Gottes ist. Eine Strafe für eine unbekannte Sünde, die niemand gesehen hatte. Eine Sünde, die Gott nun heimsucht. Abraham und Sara standen also in der Öffentlichkeit gar nicht so gut da. Und sie machten sich Sorgen, weil sie keine Nachkommen hatten.

Und kann man ihnen das verübeln? Schaut für einige Momente den Tatsachen ins Auge: Abraham ist ein alter Mann – 75 Jahre. Habt ihr schon einmal einen Opa gesehen, der noch einmal Vater wurde? Sein Bart war schon so lange grau, dass Sara sich schon nicht mehr an seine Farbe erinnern konnte. Und auch Sara selbst ist nicht besser dran: Sie ist 65 Jahre alt. Habt ihr jemals eine 65jährige Schwangere gesehen? Ihre Menopause ist mittlerweile so alt, dass sie den Führerschein machen könnte. Schauen wir also den Tatsachen ins Auge: Abraham und Sara haben wahrscheinlich sehr jung geheiratet – wie alle damals. Sie haben also seit über 50 Jahren Liebe miteinander gemacht: Aber es gab nicht eine Schwangerschaft. Nicht einen einzigen kleinen Herzschlag. Und der Mutterleib von Sara blieb leer. Das sind die Fakten! Wie soll Abraham also Vertrauen haben können? Schauen wir auf das, was Gott tut (4-5):

Und siehe, der HERR sprach zu ihm: Er (dein Knecht Eliëser) soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein. Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!

Gott sagt: Machst du dir Sorgen, Abraham? Dann komm mit mir nach draußen. Schau dir die Sterne an! Astronomen sagen uns, dass man zu Abrahams Zeit am nahöstlichen Himmel etwa 8.000 Sterne sehen konnte. Astronomen glauben außerdem, dass es in unserem Universum eine Septillion Sterne gibt. Wisst ihr was eine Septillion ist? Eine Septillion ist eine 1 mit 24 Nullen hintendran. Wenn also abends eure Kinder nicht einschlafen können, sagt ihnen einfach, dass sie bis zu einer Septillion zählen sollen. Das sagt zumindest Gott zu Abraham: Zähle sie!  Denn das ist das, was ich für dich tun werde!

Erkennt ihr, was Gott macht? Er sagt Abraham nicht einfach: Zähl mal ein bisschen und das wird dir Vertrauen schenken! Gott will ihm etwas Anderes zeigen: Abraham, wer hat diese Sterne gemacht? Gott! Und woraus hat Gott all diese Sterne gemacht? Aus dem Nichts! Woher kamen dann die Sterne? Nun, Gott hat einfach gesprochen und sie waren da. Ich meine, er hat Berge gemacht, Tiere und so weiter. Ach ja, und dann hat er noch die Sterne gemacht. Eine Septillionen Sonnen sind eine Fußnote im Schöpfungsbericht!

Was Gott Abraham hier beibringen will, ist ziemlich einfach – nämlich: Gott ist allmächtig. Gott hat so viel Macht, dass für ihn nichts – rein gar nichts – unmöglich ist. Denn das sind die Tatsachen: Am Anfang war kein Licht, keine Protonen, keine Zellen, keine Atome – nichts! Aber Gott sprach einfach und eine Septillion Sterne füllten das Himmelszelt. Wie viel Mühe macht es Gott also, Abraham und Sara ein kleines Baby zu schenken? Gott stand doch nicht da und überlegte: Wie soll ich das nur machen? Sie ist 65 Jahre alt? Wie soll das gehen? Nein, nein! Gott, der die Sterne gemacht hat, ist allmächtig. Was wir ein Wunder nennen, nennt er Alltag – einfach, weil es für ihn so normal ist. Gott gab Abraham diese wunderbare Erinnerung an einem sternenklaren Himmel vor 4.000 Jahren. Und es funktionierte. Hört den nächsten Vers aus 1Mose 15,6:

Abram glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Abraham sagt damit: Ja, Gott – das habe ich vergessen. Ich habe vergessen, dass du der allmächtige Gott bist, an den ich glaube. Ich habe vergessen, dass mein WER größer als mein WAS ist. Und Abraham ist zurück in der Spur – wieder ein Mann des Glaubens. Und ich wünschte, die Geschichte wäre hier zu Ende. Das wäre doch großartig. Abraham zweifelt. Gott zeigt ihm etwas Großes. Abraham vertraut wieder. Punkt. Aus. Ende des Kapitels. Aber wir sind leider noch nicht am Ende des Kapitels. Hört, was in den nächsten Versen geschieht (7-8):

Und er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat, auf dass ich dir dies Land zu besitzen gebe. Abram aber sprach: HERR, mein Gott, woran soll ich merken, dass ich’s besitzen werde?

Abraham fragte: Wie soll ich es merken, dass mir das Land gehört? Und wir fragen vielleicht: „Wie bitte?“ Gott hat dir gerade eine Septillionen Sterne gezeigt! Wie kann da dein Vertrauen schon wieder so schnell ins Wanken geraten? Schon wieder zweifelst du! Aber in den nächsten Versen seht ihr die unglaubliche Geduld Gottes (8-9):

Und er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine andere Taube. Und er brachte ihm dies alles und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem andern gegenüber; aber die Vögel zerteilte er nicht.

…ähm… das braucht keine weitere Erklärung, oder? Gott, ich hab mit mangelndem Vertrauen zu kämpfen! Okay! Bring mir ein paar Tiere und zerteile sie. Wie kann das die Antwort für Abrahams Vertrauensprobleme sein? In Wahrheit ist es ziemlich cool, was Gott hier macht.

In den Versen wird etwas beschrieben, das man Babylonischen Blutbund nennt. Damals – zur Zeit Abrahams – hat man einen Vertrag nicht durch Handschlag oder einen Notar geschlossen. Man tat es mit Blut. Man nahm bestimmte Tiere und zerschnitt sie. Mit den Tierteilen formte man einen blutigen Weg. Und normalerweise war es dann so: Der eine Vertragspartner stand auf der einen Seite. Der andere auf der anderen Seite des Wegs. Und dann liefen sie durch all das Blut an den Tierteilen vorüber. Genau das war der Moment des Vertragsabschlusses.

Die Bedeutung war die: Wenn ich nicht das mache, was ich versprochen habe, kannst du das mit mir machen. Wenn ich mein Versprechen nicht halte, dann kannst du mich in Teile zerschneiden, sodass ich verblute und sterbe – wie diese Tiere. Die Menschen damals wussten also, was sie taten, als sie beide diesen blutigen Pfad beschritten. Dieses Mal war es allerdings anders – der nächste Vers:

Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin.

Das ist eine Beschreibung für Gott: Wenn Gott irgendwo auftaucht, beschreibt es die Bibel oft als Feuerflamme oder Rauchwolke.  Aber das ist nicht der Punkt hier! Sondern: Wer geht den blutigen Weg zwischen den Tierteilen entlang? Gott und wer? Gott und… niemand! Das ist kein zweiseitiger Vertrag: Du hältst dein Versprechen und ich meins. Und wenn nicht, dann passiert etwas Schlimmes. Nein! Gott schließt hier einen einseitigen Vertrag und sagt:  Ich – ich werde mein Versprechen halten – ganz unabhängig davon, was du tust! Ich werde es selbst dann halten, wenn ich dafür bluten und sterben muss! Abraham, wenn dein Glaube schwach ist und wenn du oft zweifelst und dir Sorgen machst – spielt das keine Rolle. Ich werde mein Versprechen dennoch halten!

Das Zweite, was Gott also Abraham beibringt, ist: Gott ist nicht nur allmächtig. Gott ist Liebe! Seine Liebe zu uns ist so groß, dass er selbst dann seinen Teil des Vertrages einhält, wenn wir uns sorgen und Zweifel haben. Wenn wir also sündigen. Gott tut genau das, was er versprochen hat.

Als ich mich mit diesem Text beschäftigt habe, ist mir aufgegangen, wie sehr Gott uns liebt. Denn über eine Sache bin ich gestolpert: Ich habe die Worte des Apostels Paulus über Abraham gelesen. Und damit hatte ich meine Probleme. Denn er schreibt im Römerbrief (4,19ff):

Und er (Abraham) wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war, und auf den erstorbenen Leib der Sara. Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun.

Da kann man schon die Frage stellen:  Hat Paulus überhaupt das 1. Buch Mose gelesen? Denn wenn ich dieses Buch lese, sehe ich einen Mann, der Gott glaubt. Und dann wieder nicht. Daraufhin macht Gott etwas Großes. Und er glaubt wieder. Und dann glaubt er wieder nicht mehr. Gott tut ein Wunder und er glaubt wieder. Und dann wieder nicht. Und immer so weiter. Wenn man es zusammenfassen will:  Abraham ist mehr ein Vorbild für Vertrauensprobleme als für Glaubensstärke. Aber Paulus schreibt über Abrahams Glauben, als wäre er perfekt gewesen. Er beschreibt ihn als einen Mann des Glaubens, dessen Vertrauen nie ins Wanken geraten wäre, als er den Fakten ins Auge sah. Hat Paulus also überhaupt das 1. Buch Mose gelesen? Dann aber las ich noch einmal Vers 6 aus unserem heutigen Predigttext:

Abram glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.

Wisst ihr, was das bedeutet? Es bedeutet, dass Gott Abraham Vollkommenheit zurechnete. Er nahm ihm nicht nur seine Sünden, Sorgen und Zweifel ab. Er gab ihm dieses perfekte Geschenk: Das vollkommene Vertrauen, das Jesus während seines Erdenlebens gegenüber seinem Vater hatte, überreichte er Abraham. Und wenn Gott an Abraham denkt, sieht er keinen Makel – nur die Vollkommenheit seines Sohnes Jesus. Und deswegen kann Paulus auch so über Abraham schreiben, wie er es getan hat. Denn so betrachtet Gott einen Gläubigen.

Wenn ihr einen Beweis für die Liebe Gottes braucht, dann ist es wohl dieser hier: Er schaut auf sündige Menschen so, als hätten sie niemals gesündigt. Er schaut auf Menschen mit schwachem Glauben so, als wäre ihr Glaube perfekt.

Was ist also mit uns? Wir leben zwar 4.000 Jahre später als Abraham. Aber in gewissen Punkten gleichen wir ihm doch sehr. Ich meine, wir sind Christen – wir haben rettenden Glauben. Aber an Gottvertrauen mangelt es uns allen immer wieder. Wir schaffen es nicht, so zu geben, wie Gott das will. Wir schaffen es nicht, sexuell so rein zu bleiben, wie Gottes Wort es sagt. Wir bezeugen Jesus vor anderen nicht und vieles mehr. Und die Tatsachen scheinen so oft auf unserer Seite zu sein.

Aber das Problem sind nicht die Fakten – nicht die Tatsachen. Das Problem besteht vielmehr darin, dass wir vergessen. Wir vergessen diese zwei Dinge: Gott ist allmächtig. Und Gott ist Liebe.

Manche unter uns machen sich so viele Sorgen in ihrem Leben, weil sie denken, Gott kann es nicht richten. Manche denken, ihre Ängste und Sorgen wären größer als Gottes Allmacht. Manche sehen ihren Kontostand oder ihre Familiensituation – und selbst, wenn sie es nie sagen würden, in ihrem Herzen denken sie:  „Gott, das kannst du nicht schaffen.“ Aber was sagt man damit gleichzeitig?  „Gott du hast eine Septillion Sterne geschaffen – aber das kannst du nicht.“

Und manche vergessen, dass Gott die Liebe ist. Wir sagen dann zum Beispiel: „Ja, ich glaube schon, dass du allmächtig bist.  Aber mir hörst du nicht zu.“ Deswegen sind Sorgen eine so große Sünde: Sie sind wie eine Ohrfeige in Gottes Gesicht. Nachdem Gott uns seinen Sohn gegeben hat, sagen wir manchmal immer noch:  Und um mich kümmerst du dich nicht? Ich weiß nicht, ob du genug Macht hast? Ich weiß nicht so genau, ob du mich liebst?

Wenn ihr Gott wärt, was würdet ihr tun? Wenn ihr euren eigene Sohn hergegeben hättet – und er hätte gelitten, geblutet und wäre dann gestorben. Und dann dreht sich jemand um und sagt euch ins Gesicht:  „Aber du liebst mich nicht!“ Was würdet ihr tun?…

Wisst ihr, was ich an der Geschichte Abrahams liebe? Egal woran ihr jetzt gerade gedacht habt: Gott tut es nicht! Statt sich einfach umzudrehen und zu gehen… Statt seine Faust in gerechtem Zorn zu erheben… …zeigt er mit dem Finger auf die Sterne. …zeigt er mit dem Finger auf den Blutbund, den er mit Abraham geschlossen hatte.

Und er zeigt mit seinem Finger auf das hier (Taufbecken): Und er sagt: Erinnert ihr euch daran? Erinnert ihr euch an eure Taufe? Ich habe die Allmacht meines Wortes und meine Liebe genommen und euch gewaschen. Ich habe euch gereinigt. Und ich habe euch von neuem geboren – zuvor wart ihr tot in euren Sünden. Die Taufe ist ein Beweis meiner Liebe und Macht. Und denkt daran: Wenn ich das für euch getan habe, als ihr noch tot ward… was werde ich für euch tun, jetzt da ihr lebt?

Und er zeigt mit seinem Finger aus das Kreuz: An diesem Ort seht ihr meine Macht über die Sünde und meine Liebe zu Sündern vereint. Jesus hat jede Sünde, jeden Zweifel, jede Sorge, jeden falschen Gedanken so fest an dieses Kreuz genagelt, dass sie von dort nie wieder entkommen können. Und deswegen könnt ihr Gott nie wieder enttäuschen – nie wieder! Denn er vergab euch alles an diesem Kreuz. Selbst dann, wenn eure Sünden mehr sein sollten als die Septillionen Sterne im Universum. Und Gott sagt:  Wenn ich das für euch getan habe, als ihr noch meine Feinde wart… was werde ich für euch tun, nun da ihr meine Freunde seid?

Und er zeigt mit seinem Finger aus das Abendmahl: Der Leib und das Blut Jesu vergossen für euch! Gott bleibt bei seinem einseitigen Vertrag: egal wie treulos wir auch waren – Jesus ist treu! Und er will an unsere Sünden nicht mehr denken! Erinnert ihr euch an das letzte Mal, wo ihr euch Sorgen gemacht habt? Wisst ihr, wer es nicht tut? Gott! Gott sagt: Weißt du, woran ich denke, wenn ich an dich denke? Gerechtigkeit. Nichts Falsches – sondern alles gut! Gott sagt: Bringt eure Ängste und Sorgen in die Mitte dieser drei Dinge. Denkt an eure Taufe. Denkt ans Abendmahl. Denkt ans Kreuz. Und dann erklärt – erklärt bitte -, wie Gott euch nicht mehr lieben kann, als jeder andere Mensch auf dieser Erde. Und dass er eine Macht hat, die niemand anderes hat. Das ist die Antwort für unser Vertrauensproblem: Mein Gott ist der Schöpfer der Sterne. Und er ist der Retter meiner Seele. Und deswegen ist er größer als alle meine Ängste und Sorgen.

Amen.