Abraham: Wer > Was

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Der Sprung

Wer von euch hat Höhenangst? Ich schätze, so mancher unter uns bekommt es mit der Angst zu tun, wenn er sich in einer bestimmten Höhe befindet. Als ich noch zur Schule ging, hatte ich eine Freundin, die auch Höhenangst hatte. Schon wenn sie in der 2. Etage eines Einkaufszentrums dem Geländer zu nah kam, geriet sie in Panik. Um ihre Höhenangst zu überwinden, entschied sie sich, einen Fallschirmsprung zu absolvieren. Sie machte sich auch wirklich gut…  bis das Flugzeug abhob. Aber sie hielt durch. Als das Flugzeug eine Höhe von 4.000 Metern erreicht hatte, wurde die Tür geöffnet. Der Fallschirmspringer, der mit ihr den Sprung absolvieren würde, sagte zu ihr: „Wir sind oben! Lass uns springen!“ Sie stellten sich also mit ihm direkt an die Tür des Flugzeugs und schaute nach unten. Das war allerdings keine so gute Idee. Denn was sah sie? Himmel! 4.000 Meter davon! Und wie sie mir berichtete, bereute sie, dass sie an diesem Morgen keine Windel angezogen hatte. Aber der Fallschirmspringer sagte zu ihr nur: „Los geht’s!“ Natürlich hatte sie Angst. Sie war noch nie an diesem Ort; noch nie so weit oben; 4.000 Meter in der Luft. Aber sie sollte springen. Sie sollte vertrauen, dass alles gut gehen würde.

Unsere Sprünge

Habt ihr so etwas schon einmal gemacht? Ich meine nicht, dass ihr buchstäblich aus einem Flugzeug gesprungen seid. Ich meine etwas Anderes: Hat Gott euch schon einmal in eine Situation springen lassen, in der ihr noch niemals zuvor gewesen seid? Und ihr solltet Vertrauen haben, dass alles gut gehen würde?

Vielleicht besteht euer 4.000-Meter-Sprung in biblischem Geben. Wir haben schon darüber gesprochen: Egal wie reich oder arm wir sind, Gott möchte, dass wir einen großzügigen Teil unseres Einkommens nehmen und ihn weggeben. Und das bevor wir auch nur eine einzige Rechnung beglichen oder Überweisung getätigt haben. Für manche von uns ist das ein großer Glaubenssprung.

Vielleicht nennt man euren 4.000-Meter-Sprung Versöhnung. Wenn wir mit jemandem Streit hatten, sollen wir uns ein Telefon schnappen oder hingehen und ein Gespräch führen. Wir sollen im Frieden mit jedermann leben – soweit es an uns liegt.

Vielleicht nennt man euren 4.000-Meter-Sprung Durchhaltevermögen. Ihr seid schon für eine sehr lange Zeit unglücklich in eurer Ehe. Und jeder um euch herum sagt euch: „Du bist zu jung, um dein Leben zu verschwenden!“ Aber Gott sagt: „Ich möchte, dass du springst! Ich möchte, dass du dich verschwendest. Ich möchte, dass du diesen Mann liebst, der es nicht verdient hat!“

Vielleicht nennt man euren 4.000-Meter-Sprung Vertrauen. Vertrauen darauf, dass Gott einen unglaublich guten Plan für euch und eure Familie hat. Vertrauen darauf, dass Gott es gut meint, auch wenn euer Leben gerade das Gegenteil zu beweisen scheint.

Vielleicht nennt man euren 4.000-Meter-Sprung evangelische Ermahnung. Ihr müsst jemanden einen ziemlich harten Liebesbeweis geben, indem ihr ihn auf seine Lebensweise ansprecht. Und ihr habt Angst, wie all das enden wird.

Vielleicht nennt man euren 4.000-Meter-Sprung einfach nur Glauben. Der Glaube daran, dass Gott nicht von euch enttäuscht ist. Er ist nicht angewidert. Sondern ganz im Gegenteil:  Er freut sich über euch – wegen dem, was Jesus am Kreuz für euch tat. Aber manchmal ist das schwer zu glauben!

Oder euer 4.000-Meter-Sprung wird bedingungslose Liebe genannt. Gott sagt: Egal, wie Menschen uns behandeln. Egal, wie wenig sie es verdient haben. Wir sollen lieben, lieben, lieben und dienen – ohne dabei eine Liste über die Dinge zu führen, die wir getan und wie wenig sie dafür zurückgegeben haben. Wir sollen bedingungslos lieben.

Auch wenn man noch nie aus einem Flugzeug gesprungen ist, gibt es erschreckende Orte, an denen man sich wiederfinden kann.

Und wisst ihr, warum uns diese Wahrheiten der Bibel Angst machen können? Weil wir sie noch nie zuvor getan haben – denn sie widersprechen dem natürlichen Denken eines Menschen. Und deswegen waren wir noch nie an diesen Orten.

Manche Gebote Gottes erschrecken uns, weil wir darüber nachdenken, was schiefgehen könnte. Was wäre, wenn…? Was passiert, wenn…? Manchmal halten uns unsere Gedanken und Sorgen davon ab, unser Vertrauen ganz auf Gott zu setzen.

Denken wir an das Geben: Was könnte schiefgehen? Was ist, wenn ich tue, was Gott in seinem Wort sagt? Ich spende mein Geld, aber dann bin ich vielleicht pleite. Was ist, wenn ich meine Miete nicht mehr bezahlen kann und für meine Familie sorgen?

Und was ist, wenn ich meinen christlichen Freund mit seinem Lebensstil konfrontiere? Was ist, wenn sich die Dinge hochpuschen und das meine Freundschaft zu ihm ruiniert?

Was passiert, wenn ich in meiner Ehe bleibe? Und mein Partner gibt niemals nach! Ich werde nicht nur traurig sein, weil ich die besten Jahre meines Lebens an eine Person verschwendet habe, die es nicht verdient hat? Ich werde mich schrecklich fühlen!

Wir stellen all diese Fragen: Was wäre, wenn… Was könnte passieren, wenn… Was geht schief, wenn… Und wegen dieser Fragen trauen wir uns nicht, Vertrauen zu haben. Das ist auch der Grund, warum nicht alle unter uns, alle Wahrheit der Bibel akzeptieren und gutheißen – jetzt in diesem Moment. Mich eingeschlossen.

Meine Frage heute Morgen an euch ist: Wie schaffen es einige dennoch? Wie schaffen es manche, 4.000 Meter in der Höhe zu sein und trotzdem mit Vertrauen zu springen? Warum machen ihnen diese Fragen keine Angst? Und wie bekommen wir solches Vertrauen? Denn es gibt ja Christen, die genau das tun, worüber wir gerade gesprochen haben! Wie schaffen es manche und andere nicht? Wie schaffen wir es, auch in schwierigen oder neuen Situation nicht in Angst zu verfallen, sondern auf Gottes Führung zu vertrauen? Darum soll es uns heute und in den nächsten Wochen gehen. Wir wollen lernen, wie wir Menschen mit Vertrauen werden können. Männer und Frauen, die nicht ausrasten bei der Frage: Was wäre, wenn…?

Abraham – Vater des Glaubens

Es gibt keinen besseren Ort, um das herauszufinden, als bei einem Mann, der im Neuen Testament der „Vater des Glaubens“ genannt wird. Sein Name ist Abraham. Wir kennen ihn. Abraham ist aber nicht nur uns bekannt. Bis heute ist sein Name weltberühmt: Christen nennen Abraham einen „Mann des Glaubens“, denn so wird er im Neuen Testament genannt. Juden bezeichnen sich selbst als „Nachfahren Abrahams“. Selbst Moslems können etwas mit Abraham anfangen. In 36 Kapiteln des Korans findet sich sein Name.

Heute gehen wir 4.000 Jahre zurück: Abraham lebte ungefähr 2.000 v. Chr. Damals war er noch nicht als „Vater des Glaubens“ bekannt. Er war ein ganz normaler Typ, wie ihr und ich. Er führte sein Leben. Arbeitete. Er hatte eine Familie und Freunde. Er war einfach ein Mann – bis seine unglaubliche Geschichte begann.

Als seine Geschichte begann, war Abraham schon älter:  75 Jahre alt, um genau zu sein. Also so alt, wie euer Großvater, Vater oder eben ihr selbst. Und doch: Er hatte für sein Alter viel Energie und Kraft. Abraham war ein reicher Mann. Als Hirte hatte er es zu einer großen Menge an Tieren gebracht. Vielleicht spielte er in der Liga der ALDI-Brüder oder von Bill Gates. Außerdem war er verheiratet. Der Name seiner 10 Jahre jüngeren Frau ist Sarai bzw. Sara. Und obwohl sie schon 65 Jahre alt war, war Sarah immer noch außergewöhnlich schön. Könige wünschten sich, der Mann an ihrer Seite zu sein. Wenn es damals schon Paparazzi gegeben hätte, Abraham und Sarah wären sicher ein Foto wert gewesen. Ich meine sie waren reich, schön und berühmt.

Abraham war dazu noch großzügig. Als sein Bruder Haran starb, nahm er sich seines Neffen Lot an und zieht ihn wie einen Sohn groß. Alles lief also super für Abraham. Er war reich, verheiratet und großzügig. Er lebte relativ bequem. Alles hübsch also. Bis Gott Abraham eines Tages darum bat, zu springen.

Die Berufung Abrahams

Wir hören einige Verse aus dem 1. Buch Mose Kapitel 12 (1-5):

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

Eines Tages – vollkommen aus dem Nichts – kam Gott zu Abraham und textete mit ihm: Er sagte: „Abraham! Ich möchte, dass du alles verlässt!“ „Verlassen? Was?“ „Alles. Deine Familie, dein Haus, deine Freunde, dein Land!“ „Okay! Und wohin soll ich gehen?“ „Irgendwohin“ – lächelndes Smiley – Ausrufezeichen. „Okay…“ „Aber fürchte dich nicht! Ich werde dich mit einer tollen Familie segnen.“ „Aber Gott… ich habe keine Familie!“ „Ich weiß!“ „Aber Gott… ich bin alt!“ „Ich weiß!“ „Aber Gott… meine Frau ist auch alt!“ … Löschtaste. Löschtaste. Löschtaste. „Älter?“ … Löschtaste. Löschtaste. Löschtaste. „Reif!“ „Schön gesagt, Freund. Ich weiß wie alt deine Frau ist! Aber zieh dennoch los. Ich werde dich segnen und meine Versprechen halten. HdL Gott.“

Stellt euch vor, was Abraham gedacht haben muss: Verlasse dein Land! Verlasse alles! Und gehe… irgendwohin! Keine Karte; kein Smartphone; keine Sicherheiten; nur Vertrauen auf Gott.

Als verheirateter Mann hätte ich lieb und gern gehört, wie das Gespräch mit Sara ausgesehen hat, als er nach Hause kam. „Sara, rate, wer heute mit mir getextet hat! … JA, Gott!  Und weißt du, was er uns gesagt hat: Wir werden umziehen! Ähm… wie bitte… Ach so. Ja, ich habe ihn das auch gefragt. Aber ich weiß es nicht, wohin wir hinziehen werden. Aber mach dir keine Sorgen, wir werden eine unglaublich große Familie haben! Ja, das habe ich ihm auch gesagt. Ich habe nicht alt gesagt, okay… Ich habe reif gesagt. Soll ich also die Kamele satteln und wir ziehen los?“

Stellt euch vor, was Abraham gedacht haben muss? Ich meine, er ist kein 22jähriger Abenteurer mehr. Er hat sicher auch daran gedacht, was alles schiefgehen könnte. Er hat eine Frau und Angestellte, für die er verantwortlich ist. Und auch die Angestellten von Abraham hatten Familie, Kinder – für die sie verantwortlich waren. Er besitzt Land, hat Freunde und Bekannte. Aber aus dem Nichts sagte Gott zu ihm: „Geh!“ Außerdem hat er ja noch seinen Neffen Lot, um den er sich kümmern musste. Insgesamt kann man sagen: Abraham hat eine Menge zu verlieren.

Abraham weiß nichts Genaueres – aber Gott schickt ihn – das wissen wir – in ein Land namens Kanaan. Die Entfernung beträgt etwa 800km – das entspricht etwa 19 Marathons. Stellt euch vor, ihr sagt eurer 65jährigen Frau, dass sie 19 Marathons auf dem Rücken eines Tieres oder zu Fuß absolvieren muss. Das würde wahrscheinlich nicht so gut ankommen. Wer kann einen solchen Glaubenssprung wagen? Abraham! Schauen wir auf die nächsten Verse:

4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. 5 So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, seines Bruders Sohn, mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hatten, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran, und zogen aus, um ins Land Kanaan zu reisen. Und sie kamen in das Land, und Abram durchzog das Land bis an die Stätte bei Sichem, bis zur Eiche More; es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande.

Abraham springt einfach. Gott ordnet an – und Abraham befolgt. Gott öffnet die Tür in 4.000 Meter Höhe – und ohne zu Zögern springt Abraham.

Der Sprung in den Pool

Wie hat Abraham so viel Vertrauen haben können, dass er Gottes Anweisung folgen kann? Warum war er von all den „Was wäre, wenns“ nicht gelähmt? Wie konnte er ein Mann von solch großem Vertrauen sein? Bevor uns die Bibel die Antwort gibt, lasst es mich an einem Beispiel erklären: Der erste Sprung eines kleinen Kindes in ein Schwimmbecken. Und ich meine nicht das Kinderbecken – sondern das große Schwimmbecken.

Man kann dem Kind alle möglichen Rettungsringe und Schwimmärmel anziehen. Aber das Kind wird trotzdem Angst haben, oder? Die kleine Knie fangen an zu zittern. Die Arme hat es vor Angst verschränkt. Unter keinen Umständen wird es springen. Und denkt an all die „Was wäre, wenn“-Fragen: Was, wenn die Schwimmärmel nicht funktionieren? Was, wenn das Wasser zu tief ist? Was, wenn ich nicht schwimmen kann?

Was passiert also? Jemand geht ins Wasser. Jemand, dem das Kind vertraut. Jemand, von dem es weiß, dass derjenige es liebt. Die Mutter zum Beispiel, die größer ist, als das Wasser tief. Sie stellt sich mit offenen Armen hin und sagt: „Ich fange dich auf. Du weißt, ich lasse nicht zu, dass dir etwas geschieht. Ich liebe dich. Vertrau mir.“ Und das Kind springt. Plötzlich geht es nicht mehr darum, was das Kind tun muss – sondern es geht darum, wer da ist, um es aufzufangen.

Wisst ihr, wie Abraham es geschafft hat? Es hatte nicht vergessen, welcher Herausforderung er gegenüberstand. Aber er erinnerte sich daran, wer da war, um ihn aufzufangen.

Wer > Was

Schauen wir auf den nächsten Vers aus 1Mose 12:

7 Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute dort einen Altar dem HERRN, der ihm erschienen war.

Abraham springt also. Und wer erwartet ihn in Kanaan? Der HERR! Für Abraham ging es nicht um das, was er tun sollte – sondern es ging darum, wer für ihn da war. Das ist der Schlüssel zur ganzen Abrahamsgeschichte: Sein WER war größer, als sein WAS. WER ihm versprach, dass alles gut werden würde, war größer als das, WAS er fürchtete. Und weil Abraham wusste, dass sein WER größer war als sein WAS, konnte er diesen Glaubenssprung wagen. Das Neue Testament beschreibt es so (Hebr 11,8f):

Durch den Glauben wurde „Abraham“ gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme… denn er hielt den für treu, der es verheißen hatte.

Abraham wusste nicht, was geschehen würde. Aber er hielt den für treu, der ihn aufforderte loszuziehen. Er wusste, wer für ihn auffangen würde. Und deswegen sprang er.

Ich bin

Aber wer ist dieser Gott, von dem wir die ganze Zeit reden? In unserem Text findet sich ein besonderer Name für Gott. „Der HERR“ – großes H, großes E, großes R, großes R. Wer zur Vortragsreihe zum Thema Zweifel hier war, weiß, was das bedeutet. Dahinter verbirgt sich der hebräische Gottesname JAHWE: Es ist ein heiliger Name. Die Israeliten trauten sich nicht, den Namen so auszusprechen, wie er in ihrer Bibel stand. Statt Jahwe zu sagen, verwendeten sie das Wort Adonai (dt. Herr) an allen Stellen, wo dieser Gottesname vorkam. Sie dachten, ihre sündigen Lippen wären nicht rein genug, um diesen Gottesnamen in den Mund zu nehmen.

JAHWE stammt von einem hebräischen Verb ab. Es bedeutet: „Ich bin“. Als Gott uns mitteilen wollte, wie sein Name ist, sagte er einfach: „Ich bin“. Ihr kennt die Geschichte. Mose begegnet Gott am brennenden Dornenbusch. Und er fragt ihn: „Wie ist dein Name? Wie soll ich dich vor den Leuten nennen.“ Und Gott sagte: „Mein Name ist ‚Ich bin!’“ Auf den ersten Blick scheint das ein lustiger Name zu sein, den Gott sich selbst gibt: „Ich bin“. Aber in Wahrheit ist das ein sehr schöner Name. Gott sagt: Mein Name lautet nicht „Ich war“ oder „Ich bin möglicherweise“. Gott sagt: Ich bin! Ich bin treu! Ich bin für dich da! Ich bin Liebe! Ich bin treu, was meine Versprechen angeht!

Unser WER ist also der HERR – wir nennen ihn „Ich bin“ – und das erinnert uns daran, dass Gott immer treu ist. Das ist der Gott der Garantien. Wenn er ein Versprechen macht, muss „Ich bin“ es halten. Er kann seine Versprechen nicht brechen. In 2Mose 34 heißt es:

Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde.

Gott sagt: Willst du einen Gott, der seinen Versprechen treu bleibt? Ich bin es!

Und wenn wir das bedenken: Was geschieht, wenn Gott unseren Sorgen begegnet? Viele von uns machen sich ständig Sorgen. Uns scheint das sehr menschlich zu sein. Fast schon normal. Irgendwie natürlich. Aber denkt darüber nach, was Sorgen sind? Sorge sagt dem Gott, der treu ist, dass er nicht treu ist. Angst sagt dem Gott, der alles zum Guten wendet: „Ich weiß nicht, ob ich dir glauben kann?“ Sorgen sind eine riesige Beleidigung für Gott. Aber wenn Gott unseren Sorgen begegnet, ratet, was geschieht! Er ist größer als sie.

Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde.

Anstelle im Zorn zu uns zu kommen, liebt uns Gott bedingungslos. Er ist barmherzig und gnädig.

Und er ist geduldig: Anstatt mit uns zu brechen, weil wir uns sorgen und sorgen und nochmal sorgen, ist er unglaublich geduldig. Er bewahrt Tausenden Gnade. Statt zu sagen, dass er mit uns Schluss macht, überschüttet er uns mit Liebe, Liebe und nochmals Liebe. Selbst dann, wenn wir sagen würden: „Ich mache mich selbst krank. Ich würde mich verlassen, wenn ich du wäre.“ Aber Gott sagt: „Ich bin nicht du! Ich bin!“ Und als Gott seinen Sohn Jesus in diese Welt sandte, um am Kreuz zu sterben, hat er dieses Versprechen gehalten. Gott hält seine Versprechen – auch das Versprechen, das er Abraham gab: „Durch dich werden alle Völker gesegnet werden.“ Wie soll das gehen? Wie kann Gott Nigerianer, Chilenen, Amerikaner, Deutsche und so weiter segnen – durch diesen einen Mann Abraham? Wir wissen es: Abraham und Sarah werden ein Kind haben. Und dieses Kind wird ebenfalls ein Kind haben. Und immer so weiter. Und 2000 Jahre später wird aus dieser Linie Jesus geboren. Durch ihn sind alle Völker dieser Erde mit Vergebung gesegnet.

Die Cherokee-Indianer haben einen Ritus, bei welchem aus einem Jungen ein Mann wird. Sein Vater nimmt ihn mit sich in den Wald. Tiefer in den Wald, als der Junge jemals zuvor war. Der Junge hat keine Ahnung, wo er sich gerade befindet. Mitten im Wald bereitet der Vater eine Art Lager, indem er einen alten Baumstumpf nimmt und seinen Sohn daraufsetzt. Dann schaut er ihm tief in die Augen und sagt: „Glaubst du, dass ich dich liebhabe?“ Der Junge nickt mit dem Kopf. „Glaubst du, dass ich immer für dich sorgen werde?“ Wieder nickt der Junge mit dem Kopf. Der Vater nimmt daraufhin ein Tuch und verbindet seinem Sohn die Augen und sagt ihm dann: „Egal, was du denkst. Egal, welche Angst du bekommst. Egal, welche Gedanken dir durch den Kopf gehen. Du bleibst hier sitzen, die Augen verbunden, bis morgen früh die Sonne wieder aufgeht! Und wenn die Sonne aufgegangen ist, bist du ein Mann!“

Der Junge nickt noch einmal. Dann hört er nur noch die Schritte seines Vaters, die sich langsam entfernen. Zunächst fühlt sich der Junge gut. Immerhin wird er bald ein Mann sein. Aber dann geht die Sonne unter. Dunkelheit umschließt den Wald. Die Geräusche der Nacht erfüllen seine Ohren. Das Rascheln der Bäume. Ein knackender Ast. Der Schrei eines aufgeregten Tieres. Aber er versucht, stark zu sein. Er will ein Mann werden – ein Mann mit Vertrauen. Aber er hört, wie die Geräusche sich nähern. Das muss ein großes Tier sein. Und es kommt zu ihm. In seinem Kopf spielen sich verrückte Dinge – Gedanken! „Ich war hier noch nie. Ich habe keine Ahnung, was für Tiere hier leben.“ Das Tier scheint nun direkt neben ihm zu stehen:  Plötzlich hält er es nicht mehr aus. Er springt auf. Reißt sich die Augenbinde herunter. Und er schaut direkt in die glühenden Augen… seines Vaters. Er fragt: „Papa, was machst du hier?“ Der Vater fragt zurück: „Und was machst du da?“ Der Vater setzt seinen Sohn wieder auf den Baumstumpf. Er schaut ihm in die Augen und sagt: „Probieren wir es noch einmal. Du weißt, dass ich dich liebe. Du weißt, dass dir nichts Schlimmes passiert, wenn ich hier bin. Also sei ein Mann des Glaubens!“

Meine Freunde, wovor habt ihr Angst? Worüber macht ihr euch Sorgen? Welche „Was-wäre-wenn“-Fragen stellt ihr Tag für Tag? Welche Gebote hat Gott gegeben, vor denen ihr zurückschreckt? Schreckt ihr davor zurück, so zu geben, wie Gott das möchte? Schreckt ihr davor zurück, in eurer Ehe zu bleiben? Schreckt ihr davor zurück, jemanden mit seiner Sünde zu konfrontieren? Schreckt ihr davor zurück, euren Glauben mit anderen zu teilen? Wovor habt ihr Angst?

Ich werde euch sicher nicht sagen, dass das Kleinigkeiten wären, die man einfach überwinden muss. Nein, das ist ein Sprung aus 4.000 Meter Höhe. Aber ihr dürft nicht vergessen, ihn in eure Rechnung mit hineinzunehmen:

  • Großes H
  • Großes E
  • Großes R
  • Großes R

Nur durch ihn könnt ihr ein Mann oder eine Frau des Glaubens werden. Es ist nicht so, dass Männer und Frauen des Glaubens keine Sorgen und Ängste mehr im Leben auszustehen hätten. Aber sie haben einen Gott, der größer als ihre größten Ängste ist. Männer und Frauen des Glaubens hören damit auf, darüber nachzudenken, wie tief das Wasser sein könnte. Und sie beginnen damit, die Tiefe von Gottes Gnade und Treue zu messen. Sie hören auf, danach zu fragen, was passieren könnte. Und sie beginnen danach zu fragen, was Gott versprochen hat. Sie hören auf, zu fragen: Was wäre, wenn…? Und sie beginnen über „Ich bin“ nachzudenken. Deswegen sagt Jesus in Matthäus 6:

Darum sollt ihr nicht sorgen… Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.

Ich weiß nicht, durch was ihr im Moment hindurchmüsst. Und ich habe keine Karte, die euch zeigen würde, was im Einzelnen passieren wird. Aber was ich euch sagen kann:  Es gibt den Schöpfer, der bei euch ist – in den Wäldern eures Lebens. Ihr habt einen Papa, der euch sagt: „Ich verlasse dich niemals. Ich bin da für dich – jetzt und für immer. Und ich liebe dich mit einer Liebe, die du nicht fassen kannst.“

Also hört auf, euch auf das WAS zu konzentrieren, sondern schaut auf euren WEN. „Ich bin“ steht im Schwimmbecken – die Arme weit ausgebreitet und sagt: „Spring. Ich werde dich auffangen.“ „Ich bin“ ist mit euch im Wald und sagt: „Ich bin immer für dich da!“ Durch unseren Gott sind wir wirklich gesegnet!

Ach so! Meine Freundin sprang übrigens aus dem Flugzeug. Und als sie mit ihrem Sprungpartner durch die Luft flog, tippte er ihr auf die Schulter und sagte: „Das habe ich noch nie gesehen!“ Und dann lenkte er ihren Blick Richtung Westen: …die Sonne ging langsam unter. Dann lenkte er ihren Blick Richtung Osten: …der Mond war gerade aufgegangen. Sie sagte, dass es das Größte war, was sie jemals gesehen hatte. Sie wurde gesegnet, als sie ihren Glaubenssprung wagte. Und wisst ihr was: Ihr seid es auch. Also macht euch keine Sorgen um das WAS. Sondern vertraut auf den WEN.

Amen.19