Angst

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Estomihi, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Die Atmung wird flach, der Körper ist angespannt. Auf den Handflächen bildet sich Schweiß. Das Herz rast. Die Zehen sind angespannt – fast so, als wollten sie eine Faust bilden. Man beginnt zu zittern und die Stimme will versagen. Der Brustraum scheint sich zu verengen. Übelkeit erfasst einen. Den Ort, an dem man sich gerade befindet, will man am liebsten verlassen. Und nicht immer gibt es eine logische, rationale Antwort, warum der Körper sich von einem Augenblick zum nächsten so anfühlt. Denn so funktioniert sie – die Angst.

In Deutschland gelten Angststörungen als eine der häufigsten psychischen Belastungen, unter denen Menschen zu leiden haben. Etwa 20 Prozent – d. h. statistisch gesehen etwa jeder Fünfte unter uns – kämpft mit Angstzuständen – nicht nur dann und wann, sondern beinahe täglich. Und Wissenschaftler und Psychologen versuchen nach wie vor herauszufinden, warum unter Kindern und Jugendlichen – besonders bei Mädchen – Angsterkrankungen in den letzten Jahren auf ein beispielloses Niveau angestiegen sind. Auch uns Christen kann das betreffen: jeder Fünfte! Das bedeutet ja, dass es in nahezu jeder Familie bzw. im weiteren Verwandtschaftskreis mindestens einen Menschen gibt, der betroffen ist. Nicht nur von der Nervosität, die wir alle kennen, wenn man zum Beispiel eine Prüfung zu absolvieren hat oder vor vielen Menschen reden muss. Angst ist, wenn man hängen bleibt bei einer „Was wäre, wenn“-Frage. „Was, wenn mir dies oder jenes geschieht.“ „Was, wenn meinen Lieben dies oder jenes geschieht.“ Und wo andere relativ schnell mit ihrem Verstand und ihrer Erfahrung antworten können, um mit solchen Fragen und Gedanken zurechtzukommen, ist das anderen schlicht nicht möglich.

Vielleicht hilft dieses Bild, um es sich besser vorstellen zu können: Für viele unter uns gleichen sorgenvolle Gedanken einer Schneeflocke, die auf den warmen Asphalt der Logik fallen. Für Menschen, die regelmäßig mit der Angst kämpfen, schmilzt diese Schneeflocke einer „Was wäre, wenn“-Frage nicht so einfach. Im Gegenteil: Sie entwickelt sich zu einem Schneeball. Eine Frage führt zur nächsten – und schon bald wird der Schneeball größer und größer. Die schlimmstmöglichen Szenarien werden durchgespielt und man kann sie nicht abschütteln. Das ist Angst.

Oder um es noch anders zu sagen: Angst ist wie eine Achterbahn mit nur einem Looping. Die meisten unter uns gehen durchs Leben wie durch eine Achterbahnfahrt. Es gibt Höhen und Tiefen – Freude und angstmachende Loopings, aus denen wir aber wieder herauskommen. Menschen, die mit der Angst kämpfen, bleiben aber in einem Looping hängen. Der angstmachende Gedanke ist da – und er bleibt und man durchlebt ihn immer wieder. Jeder Fünfte, den wir kennen und lieben, muss mit derartigen Zuständen leben. Und obendrein: Für uns Christen kann das noch eine weitere Dimension annehmen. Sicher auch wir können uns Sorgen über die Finanzen machen, die Kinder, die Familie, die Freunde, die Gesundheit, usw.

Aber eine Angst kann noch hinzukommen: der eigene Zustand als Christ. Natürlich wissen wir alle wissen, dass wir uns nicht sorgen sollen, sondern Gott vertrauen. Aber was, wenn das Vertrauen schwerfällt oder in manchen Situationen ganz unmöglich wird? Das kann die Angst noch weiter steigern. Was muss Gott über mich denken? Werde ich es überhaupt in den Himmel schaffen? Ich bin gefangen in diesem Kreislauf aus Sorge und Angst. Sorge ist aber Sünde. Mein Glaube muss also schwach sein. Oder Gott ist wütend auf mich, weil ich ihm nicht einfach vertraue. Und obwohl man das Evangelium inn- und auswendig kennt, kann einen doch die Frage ergreifen: Liebt Gott mich?

Ist alles gut und richtig zwischen ihm und mir?

Die Frage, die sich also stellt, ist: Wie damit umgehen? Lebt man ständig mit der Angst oder steht einem Menschen nahe, dem es so geht, wie damit umgehen? Die Heilige Schrift hat einiges zum Thema zu sagen. An über 30 Stellen finden sich Worte wie „Sorge“ oder „Angst“. Einige von ihnen wollen wir uns heute anschauen, weil sie hilfreich und tröstlich sein können. Das bedeutet aber nicht, dass sie Angst oder Angststörungen einfach reparieren können. So nach dem Motto: Lies Gottes Wort und es geht dir gleich besser. Manche unter uns kämpfen mit Stolz. Dazu hat die Bibel auch eine Menge zu sagen. Aber nur weil man davon liest, bedeutet das nicht, dass man auf der Stelle davon geheilt wird. Unser geistliches Leben gleicht einer Reise. Und Vertrauen ist wie eine Frucht, die an den Bäumen am Weg wächst. Aber manchmal dauert es, bis man eine dieser Früchte ergreifen und sich sättigen kann. Anderes bekommen wir nie ganz los, solange wir auf dieser Erde leben. Aber wie wir vergangene Woche im Gleichnis vom viererlei Acker gehört haben, gleicht das Wort Gottes einem Samen, der in den Erdboden fällt. Und wir wissen, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt. Der Heilige Geist will mit der Zeit erst Pflanzen und dann Früchte wachsen lassen. Früchte wie Frieden im Herzen und Ruhe. Früchte wie das Entkommen von sorgenvollen und angsterfüllten Gedanken. In diesem Sinne wollen wir die Bibelstellen verstehen, die wir heute hören wollen.

Unser erster Punkt heute Morgen steht so allerdings nicht in der Heiligen Schrift, ist aber dennoch nicht außer Acht zu lassen. Bevor wir unsere Bibeln öffnen, sollten wir zunächst durchatmen. Warum sage ich das? Warum verweise ich nicht sofort auf Gottes Wort? Habt ihr jemals einen Zweijährigen erlebt, dem der Schlaf fehlt? Er ist überdreht und tut vielleicht Dinge, die er sonst nicht tut. Er ist leicht reizbar, schlägt vielleicht um sich und sagt gemeine Dinge. Wenn der Zweijährige also so ist, was tun Eltern da? Sagen sie ihm: „Nun, mein Sohn, wir bringen dich zur Kirche, damit du Gottes Wort hinsichtlich der Wut lernst!“ Nein: Wir nehmen ihn und stecken ihn ins Bett, damit er sich richtig ausschläft. Oder wart ihr vor lauter Hunger schon einmal gereizt oder aggressiv? Wenn es uns so geht, brauchen wir da 15 verschiedene Bibelstellen zum Thema Zorn? Was wir in dem Moment brauchen, ist eine Mahlzeit.

Was ich damit sagen will: Es gibt einen Zusammenhang zwischen unserem Körper und unserem geistlichen Leben. Und das stimmt auch hinsichtlich der Angst. Es ist verführerisch jedem, der mit ihr zu kämpfen hat, einfach zu raten, er müsse sofort mehr und öfter in Gottes Wort lesen. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, wie Gott unsere Körper geschaffen hat. Zum Beispiel, dass er uns mit einem mandelförmigen Organ ausgestattet hat – der Amygdala. Wegen ihrer Form wird sie auch Mandelkern genannt. Sie tritt paarförmig auf und ist in unserem Gehirn auf Höhe unserer Augen zu finden. Neben anderen Funktionen ist die Amygdala auch für die Angstreaktion verantwortlich, auch bekannt als Kampf- oder Fluchtreflex. Befinden wir uns plötzlich in Gefahr – sagen wir ein echter und sehr hungriger Löwe spaziert durch unsere Kirchentür und brüllt – in solch einer Situation würde unsere Amygdala ins Spiel kommen. Sie sendet über unser Nervensystem Signale an den Körper, die uns in einen Überlebensmodus umschalten lassen. Energie wird von den Bereichen, die für das Denken zuständig sind, zu den Muskeln umgeleitet, so dass man theoretisch in der Lage wäre, sich gegen den Löwen zu wehren. Auch das Blut und die Energie, die bei der Verdauung helfen, werden abgezogen und dafür verwendet, dass wir entweder kämpfen oder fliehen können. Denn was nützt einem die Verdauung des Frühstücks, wenn man kurz davorsteht, selbst verdaut zu werden.

Die Amygdala ist also Gottes geniale Erfindung, uns vor Gefahren zu bewahren. Nur leben wir in einer gefallenen Welt und auch unsere Körper sind davon betroffen. Die Amygdala ist nämlich berühmt für ihre falschen Alarme. Sie kann dieselben Reaktionen auslösen, von denen ich gerade sprach, obwohl gar kein hungriger Löwe in die Kirche spaziert; obwohl wir uns überhaupt nicht in echter Gefahr befinden. Selbst wenn sich also kein Böser in unserem Schlafzimmer oder unter dem Bett befindet, kann allein der Gedanke daran, körperliche Reaktionen in uns hervorrufen. Deshalb fühlt man sich manchmal so, als wäre man krank, wenn die Angst einen ergreift. Der Körper fühlt sich an wie ein Käfig, aber der Verstand hält den Schlüssel dazu fest umklammert. Blut und Energie werden abgezogen, um dem System zu helfen zu überleben. Nun kann ich einem angsterfüllten Menschen zurufen: Denk doch an die Verheißungen und Versprechen Gottes. Denk doch logisch über die Situation nach, in der du dich gerade befindest. Aber was will unser Gehirn in solchen Momenten am allerwenigsten tun? Logisch denken.

Und deshalb ist mein erster Punkt heute Morgen: Durchatmen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass man sein eigenes Nervensystem umgekehrt benutzen kann. Atmet man ein paar Mal tief durch, bekommt die Amydala das Signal: Alles gut. Keine Gefahr. Denn muss ich vor einem Löwen davonlaufen, werde ich schnell und flach atmen. Kann ich dagegen tief durchatmen, bedeutet das ja, dass ich gerade gar nicht renne. Ich bin folglich nicht in Gefahr. Das Blut und die Energie darin können also wieder für Dinge wie Denken und Lesen benutzt werden. Wir sind dann auch viel offener für Gottes Wort und seinen Trost. Das ist also der erste Punkt: Durchatmen.

Punkt zwei: Beten. Wie bereits erwähnt, finden sich über 30 Bibelstelle, die von Sorge und Angst sprechen. Einige von ihnen wurden – unter Eingebung des Heiligen Geistes – von den Aposteln Petrus und Paulus niedergeschrieben. Beide stimmen darin überein, dass wir beten sollten, wenn wir ängstlich sind. In Philipper 4, Vers 6, schreibt der Apostel Paulus das Folgende:

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

Und Petrus schloss sich dem an, als er in 1 Petrus 5,7 die berühmten Worte verfasste:

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

Ich mag, dass sowohl Paulus als auch Petrus das kleine Wort „alle“ benutzen.

Gott sagt uns nämlich nicht: „Hört zu, meine Kinder! Ich bin Gott und habe daher eine ganze Menge Dinge zu tun. Wahnsinnig viele Menschen beten zu mir. Solange es sich also nicht um eine wirklich große Sache handelt, bete besser nicht zu mir.“ Nein – das sagt Gott nicht. S

sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden

Alle eure Sorge werft auf ihn

Würden wir unserem besten Freund alle Dinge anvertrauen, vor denen wir uns fürchten, würde er wohl etwas Abstand von uns wollen. Aber Gott braucht keinen Abstand zu uns. Er ist der Vater der bodenlosen Barmherzigkeit. Die Zeit ist niemals abgelaufen – in unserem Gespräch mit und der Verbindung zu ihm. Es gibt nicht eine Sache – egal, wie groß oder klein sie auch sein mag; wie logisch oder unlogisch – wo der himmlische Vater die Augen verdrehen würde. Nein, er sagt: „Komm zu mir. Du bist mein geliebtes Kind. Und ich möchte nicht, dass du mit Angst und Sorge leben musst. Alle deine Sorge, alle deine Angst, wirf auf mich, – sag es mir; bekenne es mir; sag, was du brauchst – denn ich sorge für dich.“

So ging es auch einer Christin, die tragischerweise sehr früh lernen musste, was Angst bedeutet. Ihr Vater war kein guter Vater gewesen. Er neigte dazu, die Menschen in seinem Leben zu tyrannisieren. Ständig ging Gefahr von ihm aus. Schon als kleines Mädchen musste sie daher lernen, damit umzugehen. Oft fand sie sich im vorhin erwähnten Kampf- oder Fluchtreflex. Sie musste auf der Hut sein, in welcher Laune sich ihr Vater gerade befand und dass sie ihn nicht reizte. Aber als sie älter wurde und sich von dieser Gefahr Stück für Stück lösen konnte, realisierte sie, dass nicht alle Menschen gefährlich sind. Sie musste folglich nicht ständig im Panikmodus sein, sondern fand heraus, wie man diese eindringlichen Gedanken loswird. Wie geht die Christin also heute mit ihrer Angst um? Sie sagt das folgende:

Wie ich mit Angst umgehe? Gar nicht. Ich gehe nicht mit meiner Angst um, weil ich überhaupt nicht in der Lage dazu bin. Nur durch Christus kann es den Sieg geben.

Ich stelle mir diese Frau vor, wie sie zu Gott betet: „Ich kann nicht. Ich kann mich selbst nicht dazu bringen, dass diese Gedanken in meinem Kopf aufhören. Wie soll das überhaupt gehen? Aber Gott, du kannst. Hilf mir. Der Sieg über die Angst findet sich allein in Christus – das weiß ich, weil du es mir sagst.“ Sowohl Paulus als auch Petrus ermutigen uns also dazu zu beten. Alle Sorge, alle Angst auf Gott zu werfen. Denn Gott sorgt sich um und für jeden Einzelnen unter uns. Wir müssen deshalb nicht beim Durchatmen stehen bleiben und hoffen, dass alles gut wird. Nein, wir haben Gott auf unserer Seite, seine Stärke, seine Kraft, seine Liebe, seine Fürsorge. Und darum beten wir, wenn wir Angst verspüren.

Wie umgehen mit Angst? Erstens: Durchatmen; Zweitens: Beten; und nun Drittens: Suchen. Wie nun schon mehrfach erwähnt, finden sich vom Anfang bis zum Ende, über 30 Stellen zum Thema „Angst“ und „Sorge“. Acht von ihnen finden sich konzentriert in einem Abschnitt, genauer in einem Abschnitt der Bergpredigt. Wir kennen die Worte von den Vögeln unter dem Himmel, die nicht säen, nicht ernten und nicht sammeln in ihren Scheunen. Auch die Worte von den Lilien auf dem Feld, die wachsen, aber weder arbeiten noch Wolle spinnen. Wenn Gott sich schon um diese Dinge kümmert, die keine Seele haben, wie viel mehr kümmert und sorgt unser himmlischer Vater für seine Kinder, die eine haben. Innerhalb dieses Abschnittes sprach Jesus auch die folgenden Worte:

Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben… sondern trachtet (also: sucht) zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.

Wenn wir also Angst haben oder jemand hat Angst, den wir liebhaben, dann dürfen wir beten und dann suchen. Wir dürfen, so viel es eben geht, über das Reich Gottes nachdenken. Wir dürfen auch untereinander reden – über die Gerechtigkeit dieses Reiches. Denn das Reich Gottes ist der Ort, an dem Gott der König ist. Stellt euch eine antike Stadt wie Jerusalem vor – umgeben von hohen und starken Mauern, die man nicht überwinden kann. Schwere Stadttore halten Feinde ab. Auf den Schutztürmen stehen die Wachen bereit. Und innerhalb dieser Stadtmauern ist Gott der König. Dort regiert er mit Autorität und Stärke, die er für unsere Sicherheit einsetzt. Und durch die Gnade Gottes und den Glauben an Jesus sind wir Teil des Reiches Gottes. Und das bedeutet, dass der König Jesus Christus für unsere Sicherheit sorgt. Der Teufel gleicht einem brüllenden Löwen, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen möge. Und ja, er brüllt und streift um die Mauern von Gottes Reich. Er kann lügen. Er kann anschuldigen. Und er kann uns Fragen einflüstern: „Was wäre, wenn dies oder jenes geschieht“ Aber eine Sache kann er nicht: Die Tore von Gottes Reich überwinden, die fest versiegelt sind durch das Blut Jesu, welches er für uns am Kreuz vergossen hat. In Gottes Reich sind wir sicher.

Viel zu viele Christen stellen sich insgeheim die Frage, ob ihre Sünden, ihre Angst, ihre Sorgen zu viel und zu groß seien, so dass sie die Erlösung wieder verlieren könnten. Aber nein: Sucht zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Denn der König Jesus Christus lässt nicht zu, dass etwas und jemand uns aus seiner schützenden Hand herausreißt. Glauben wir also niemals die Lügen Satans, dass unsere Erlösung ungewiss und unser Glaube zu klein wäre. Denn der König Jesus Christus sagt uns, dass er unser Hirte ist und wir seine Schafe. Und nichts und niemand kann ihn dazu bringen, uns loszulassen. Röm 8,38f:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Phil 1,6:

und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

Es ist Gott, der uns ans Ziel bringt. Es ist Gott, der uns in den Himmel bringt. Nichts und niemand kann ihn davon abhalten zu tun, was seinem Willen entspricht. Nichts. Niemand. 2 Korinther 1,21+22:

Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Gesalbt, versiegelt, den Geist als Unterpfand – also als Garantie – gegeben.

Wieder und wieder und wieder finden wir es in Gottes Wort:

Der Teufel mag uns anlügen, dass wir es nicht wert seien Teil von Gottes Reich zu sein. Manchmal können wir es auch kaum glauben oder haben Angst wegen unseres schwachen Glaubens. Aber schauen wir nicht auf uns selbst oder in uns hinein, sondern auf den Jesus, der uns niemals fallen lässt, der immer bei uns ist – auf den Jesus, der unsere Hilfe und Rettung ist. Er lässt nicht zu, dass wir aus seinem Reich gerissen werden. Denn das ist seine Gerechtigkeit: Durch das Blut Jesus sind wir gerecht geworden in den Augen Gottes.

Mögt ihr Possessivpronomen auch so sehr wie ich?

sondern trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit

Würde dieser Vers sagen, dass wir nach unserer Gerechtigkeit suchen sollen, müssten wir uns die ganze Zeit fragen: Tue ich das Richtige? Lebe ich das bestmöglich Leben? Bin ich gut genug für Gott? Und wir alle kennen die Antwort auf diese Fragen gut genug. Nur sagt der Vers das nicht, sondern: Trachtet zuerst nach seiner Gerechtigkeit. Statt an euch selbst zu denken, denkt daran, dass Jesus das Richtige getan hat. Wie er gerecht war in jeder einzelnen Handlung während seines Erdenlebens. Denkt an seinen Tod am Kreuz und dass er sein Blut auch für uns vergossen hat. Denkt an den Ostermorgen, als er für uns auferstand. Mit all dem rettete er uns im Alleingang und erklärte uns für gerecht. In Angst und Sorge denken und suchen wir diese Dinge. Und seien wir gewiss: Jesus liebt uns – selbst dann, wenn wir ihm nicht so vertrauen, wie er es eigentlich verdient hätte. Meine Lieben, wir sind geliebt – nicht, weil wir eine so tolle Person sind; nicht weil unser Glaube immer fest und stark wäre. Jesus liebt uns, weil er es tut. In Psalm 94 heißt es:

Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, Herr, deine Gnade. Ich hatte viel Bekümmernis – viel Angst – in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.

Mein Fuß ist gestrauchelt – ich hatte viel Angst im Herzen – aber nicht erst nachdem ich selbst meine Angst besiegt hatte, erquickten deine Tröstungen meine Seele. Nein, sie galten auch mitten in der Angst – mitten im Moment meines Strauchelns. Suchen wir also Gottes Verheißungen, seine Liebe, wenn wir Angst verspüren.

Also : Durchatmen, Beten, Suchen. Und nun viertens: Gemeinschaft. Meine Lieben, niemand von uns ist allein. Manchmal wird es in der Angst schwer, durchzuatmen, zu beten und Gottes Liebe zu suchen. Aber Gott gab uns die Gemeinde. Sprüche 12,25 drückt es so aus:

Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.

Es ist das freundliche Wort eines Vaters, dass der Tochter hilft, den Kreislauf auf angsteinflößenden Gedanken zu verlassen. Es ist das freundliche Wort des Evangeliums, welches ein Freund dem anderen gibt: „Hey, atme mit mir tief durch und erinnere dich daran, wer Jesus ist.“ Es ist das freundliche Wort, das wir vielleicht vor der Kirchentür miteinander austauschen: „Kann ich für dich beten?“ Es ist das freundliche Wort des Partners: „Lass uns nie vergessen, dass Jesus immer noch auf seinem Thron sitzt und alles in seinen guten und gnädigen Händen hält.“ Wenn es uns selbst schwerfällt, an Gott zu denken, weil uns die Sinne vor lauter Angst vernebelt sind, dann können die Menschen, die Gott uns zur Seite gestellt hat, eine Hilfe sein:

Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.

Bevor ich gleich „Amen“ sage, möchte ich für heute mit diesem Bild enden.

Es erinnert uns daran, dass wir nicht zu einem entfernten distanzierten Gott beten, sondern zu unserem guten Hirten, der uns auf seinem Arm trägt. Ohne ihn wären wir hilf- und wehrlos gegen den brüllenden Löwen, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann. Aber wir haben den guten Hirten, der uns fest in seinen Händen hält. Und dieser Hirte hat Satan den Kopf zertreten, mit seinem Tod am Kreuz auch unsere Sünde vergeben und mit seiner Auferstehung unser ewiges Leben besiegelt.

Und dieser gute Hirte ist nicht auf der Flucht – er rennt nicht, sondern sitzt zur Rechten des himmlischen Vaters und regiert von dort aus das Universum – immer zum Besten für die Seinen. In seinen Händen hält er einen Stift, mit dem er unsere Geschichten schreibt und sich Gedanken macht:

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Und dann seine Hand – die Hand, mit der uns hält und die immer noch die Narbe trägt, die der Nagel des Kreuzes dort hinterlassen hat. Und das erinnert uns: Uns ist vergeben – alles – auch jeder sorgenvoll oder ängstliche Gedanke. Es ist dieser Jesus, der wiederkommen und alles neu machen wird – auch jeden Einzelnen von uns. So wird er ein für alle Mal jede Angst beenden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.