Das Kreuz – Markus 13,5-13

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Liebe Freunde in Christus!

Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben mich ins Nachdenken darüber gebracht, welch überaus bequemes Leben wir in unserer Zeit haben dürfen. So viel Bequemlichkeit wie heute gab es wahrscheinlich niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Denkt darüber nach: Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen haben wir die Dinge so eingerichtet, dass sie bequem für uns sind. Am Morgen verlässt man sein Bett mit der warmen Decke und dem flauschigen Kopfkissen, schlüpft in die behaglichen Hausschuhe, schlurft noch etwas verschlafen ins vorgeheizte Bad, stellt sich unter die Dusche, deren Wasser auf genau die richtige Temperatur eingestellt ist. Später schlüpft man in seine Schuhe, von denen manche versprechen, man würde wie auf Wolken laufen. Mit denen an den Füßen steigt man ins Auto. Die Sitze sind exakt unseren Bedürfnisse angepasst und je nach Jahreszeit wärmt oder kühlt die Klimaautomatik den Innenraum auf die für uns angenehmste Temperatur. Kommt man nach der Arbeit wieder heim, wechselt man so schnell es geht in bequemere Kleidung und macht es sich auf der Couch oder im Sessel gemütlich. Vielleicht schaut man mit der Familie einen Film oder liest ein Buch, die kuschlige Decke über die Beine gelegt. Zum Abschluss des Tages nimmt man vielleicht noch ein heißes Bad in der Badewanne, dem flauschigsten Sofa, das man sich nur vorstellen kann. Schließlich schlüpft man wieder unter seine Decke und legt seinen Kopf auf das kuschlige Kopfkissen.

Bequemlichkeit. Viele unter uns mögen sie und das ist an und für sich eine gute Sache. Wie Freundschaft, Lachen oder Glück ist Bequemlichkeit die gute Gabe eines guten Gottes. Momente der Behaglichkeit in dieser Welt können und dürfen für uns eine Erinnerung daran sein, welch guten und fürsorglichen Vater wir im Himmel haben. Sie können auch eine Erinnerung sein, dass dieser Vater noch weitaus Besseres und Behaglicheres für uns bereithält in seinem ewigen Reich.

Aber wie mit allen guten Gaben, so verhält es sich auch mit der Bequemlichkeit. Lieben wir sie ein kleines bisschen zu sehr; ist Bequemlichkeit nicht nur ein Geschenk, welches wir dankbar aus der Hand unseres Schöpfer empfangen; sondern brauchen wir sie unbedingt und werden unleidlich, wenn wir sie nicht bekommen, dann wird aus einer guten Sache eine Gottessache, was ein schlechte Sache ist. Denn als Jesus mit seinen Jüngern darüber sprach, was es bedeutet sein Nachfolger zu sein, sagte er nicht: „Zieht eure Pantoffeln an und folgt mir nach.“ Ebensowenig sagte er: „Sitzt auf der Couch und folgt mir nach.“ Erinnert ihr euch an seine Worte? In Mk 8,34 sagte Jesus:

Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Markus 8,34

Für Jesus gibt es keinen Christen ohne Kreuz. Und der Begriff „Kreuz“ ist wohl nichts, womit wir mit Bequemlichkeit verbinden. Jesus nachzufolgen ist manchmal das ganze Gegenteil: Es kann ungemütlich werden, manchmal auch schmerzvoll.

Das zu wissen, ist wichtig für uns, damit wir nicht von Gott abfallen, sobald die Zeiten schwieriger werden. Im Gleichnis vom vierfachen Acker heißt es:

Einiges (von dem Samen) fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.

Markus 4,5f

Weil seine Jünger dieses Bild nicht verstanden, erklärte Jesus es ihnen wenig später mit den folgenden Worten:

Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden aufnimmt; aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab.

Markus 4,16f

In schweren Zeiten, in Bedrängnis oder Verfolgung, kann es leider geschehen, dass man sich von Jesus abwendet.

Unser Heiland sagt deshalb, dass wir uns immer wieder daran erinnern lassen müssen, was wir zu erwarten haben, wenn wir ihm nachfolgen. Sicher, es gibt gute Momente im Leben, Zeiten voller Behaglichkeit. Aber dann gibt es eben auch solche Zeiten, in denen wir uns selbst verleugnen – auch unseren Wunsch nach Bequemlichkeit verleugnen – und unser Kreuz auf uns nehmen müssen.

In unserem Predigttext heute, erinnert uns Jesus an einige sehr unbequeme Dinge, die uns im Leben als Christen widerfahren können. Dinge, die für uns zum Kreuz werden können. Aber Jesus lenkt unseren Blick dann vor allem auf sein Kreuz.

Bevor wir aber gleich auf Jesu Worte hören, noch einmal die Erinnerung, was das Kreuz im Leben eines Christen eigentlich ist. Das Kreuz sind all die Dinge, die wir wegen unseres Retters leiden. Kreuz bedeutet also nicht Leid im Allgemeinen. Christen und Nichtchristen erleiden dieselben Dinge im Leben. Das kann also nicht das Kreuz sein. Auch ist nicht alles, was ein Christ erleidet, das Kreuz. Manchmal ist dieses Leiden zum Beispiel eine Folge der eigenen Sünde. Wenn jemand zum Klatsch und Tratsch neigt und ihm deshalb niemand mehr über den Weg traut, ist das nicht das Kreuz, das derjenige zu tragen hat. Es ist einfach die Folge seiner Sünde. Nein, das Kreuz, von dem wir reden, ist all das Leid, welches wir nicht erdulden müssten, wäre da nicht Jesus in unserem Leben. Wäre es nicht um um seiner Lehre und seines Wortes willen, wir könnten es vermeiden. Zusammengefasst könnte man es so sagen: Das Kreuz ist vermeidbares Leid, welches wir aber dennoch erdulden, weil wir Nachfolger Jesu sind.

In unserem heutigen Predigttext wird Jesus uns vier Arten des Kreuzes vorstellen, die seinen Nachfolgern begegnen können. Er sprach diese Worte nur wenige Tage, bevor er am Kreuz starb. In Markus 13 heißt es:

Jesus fing an und sagte zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe! Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s, und werden viele verführen.

Markus 13,5f

Jesus warnt uns zunächst vor geistlicher Verführung. Es werden Menschen kommen, die sehr geistlich wirken, hingebungsvoll womöglich. Und sie kommen vielleicht sogar unter seinem Namen und werden viele verführen. Familienmitglieder, Freunde, Kollegen und Nachbarn werden das glauben, was Jesus hier Verführung nennt.

Wo steckt in diesen Worten Jesu das Kreuz? Ich meine, wenn man an die richtigen Dinge glaubt und bei den Worten Jesu bleibt, wo ist da Leid? Leid geschieht immer dann, wenn wir versuchen, an eben jenen Worten Jesu gegenüber anderen festzuhalten. Habt ihr schon einmal versucht, auf die freundlichsten und demütigsten Art und Weise jemanden zu sagen, dass er verführt wurde? Dass falsch ist, was sie über geistliche Dinge glauben? Habt ihr jemals jemandem sagen müssen, dass sie von ihren Eltern oder Pastoren angelogen wurden und nicht wirklich dem Weg Jesu nachfolgen? Wenn ja, wisst ihr sehr gut, dass das nicht ohne Leid abgeht. Die Blicke, die man bekommt. „Wie kannst du es dir wagen, mir mit einem solchen Richtgeist zu begegnen?“ „Wie intolerant bist du denn hinsichtlich eines anderen Glaubens?!“ „Wärst du in eine andere Familie und an einem anderen Ort geboren, würdest du dieselben Dinge glauben wie ich!“ Und die Wahrheit ist: Schert man sich nicht weiter um die Lehre Jesu; bedenkt man nicht, wie ausschließlich die Worte Jesu sind; beachtet man nicht, dass Jesus sagt: „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie und lehrt sie halten alles, was ich euch gesagt habe“; ignoriert man all das, ist das eine Art des Leides, die man vollständig vermeiden kann.

Jesus fährt nun fort mit dem zweiten Kreuz. In unserem Text heißt es:

Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muss so geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Es werden Erdbeben geschehen hier und dort, es werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen.

Markus 13,7f

Jesus redet hier von Kriegen, von Erdbeben, von Hungersnöten und Naturkatastrophen. Mutter Erde ist krank. So sehen die Wehen aus, bevor unsere gefallene Welt ihr Ende findet. Auch in diesen Tagen werden wir daran lebendig erinnert. Aber nicht nur das Virus macht uns zu schaffen, wir alle haben genügend Schlagzeilen gelesen, um zu wissen, dass das stimmt. Der seit März 2015 andauernde Konflikt im Jemen hat das Land in unermessliche Not gestürzt. Mehr als 24 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen – rund 80 Prozent der Bevölkerung. In den Jahren 2011 und 12 starben in Somalia 285.000 Menschen den Hungertod. Der Bürgerkrieg in Syrien forderte bisher mehr als 400.000 Todesopfer und bewirkte die Flucht von etwa 11 Millionen Menschen. Aber wir hören auch von Kriegsgeschrei. Wie geht es weiter zwischen Russland und der Türkei? Zwischen Iran und den USA? Ein Erdbeben erschütterte erst Ende vergangenen Jahres Albanien und traf auch unsere Glaubensgeschwister dort. 51 Menschen wurden insgesamt unter den Trümmern einstürzender Häuser begraben.

Und wo steckt in diesem Worten Jesu das Kreuz? Ich meine, ob nun Katholik oder Protestant, Buddhist oder Christ, Hindu oder Atheist – erleiden nicht alle Naturkatastrophen in derselben Weise? Auch das Virus macht keine Unterschiede, weder nationale noch religiöse. Das Kreuz des Christen besteht jedoch darin, im Angesicht all dessen zu glauben, dass Gott allmächtig und gleichzeitig die Liebe ist. Wir mögen es das Kreuz des Vertrauens nennen. Es besteht darin, nach einer weiteren Katastrophe aufzustehen, nachdem Kinder ohne Eltern zurückgeblieben sind und Eltern ohne Kinder und dennoch darauf zu vertrauen, dass Gott die Liebe und dass er allmächtig ist. Und während wir darauf vertrauen, leider unser Verstand und unsere Logik und flüstern: „Nein, das kann nicht stimmen. Wäre ich die Liebe und könnte beenden, was in der Welt geschieht, ich würde es ohne mit der Wimper zu zucken tun. Man muss also wählen: Entweder er hat die Macht, aber liebt uns nicht. Oder er liebt uns, hat aber nicht die Macht, uns vor solchen Dingen zu bewahren. Beides zusammen geht doch nicht. Es ist nicht logisch.“ Das Kreuz besteht nun darin, Gott zu vertrauen, selbst wenn wir nicht alles verstehen, ist und bleibt er Gott.

Noch schwerer wird es, wenn wir Leid an unserem eigenen Leib erfahren. Wenn es die eigene Familie ist, die hungert. Wenn es unsere Rechnungen sind, die wir nicht bezahlen können. Wenn es der eigene Körper ist, dem eine Fehlgeburt widerfährt. Wenn es Krieg ist, der Auswirkungen auf das eigene Leben hat und nicht vergessen kann, was geschehen ist. Oder wenn man zur Risikogruppe gehört und sich plötzlich auf einer Intensivstation wiederfindet. Kurz: Wenn Leid nicht nur irgendeine Schlagzeile ist, sondern die eigene. Darauf zu vertrauen, dass Gott die Liebe und allmächtig ist. Das kann uns zum Kreuz werden. Zumindest diesen Teil des Leides – das Kreuz des Vertrauens – könnten an vermeiden, wenn man der Sache mit Jesus den Rücken zukehrt.

Aber Jesus erzählt uns noch mehr über das Kreuz. In unserem Text heißt es nun weiter:

Ihr aber seht euch vor! Denn sie werden euch den Gerichten überantworten, und in den Synagogen werdet ihr gegeißelt werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis. Und das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern. Und wenn sie euch hinführen und überantworten werden, so sorgt euch nicht vorher, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid’s nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist.

Markus 13,9-11

Überantwortet, gegeißelt, gefangen genommen – das ist Leiden im Namen Jesu. Liest man die Heilige Schrift, weiß man, dass das nicht die Ausnahme ist, sondern die Norm für Gottes Nachfolger. Stephanus wurde gesteinigt, Petrus kam ins Gefängnis und das Leben des Jakobus wurde durch das Schwert beendet. Saulus verfolgte Christen, um sie hinrichten zu lassen, bis er selbst Christ wurde, und andere ihn verfolgten, um ihn hinrichten zu lassen.

Aber das war nicht nur im ersten nachchristlichen Jahrhundert der Fall. Vergangenes Jahr hatten wir uns ausführlicher mit der Verfolgung von Christen weltweit beschäftigt. Deshalb an dieser Stelle nur die kurze Erinnerung: Jeden einzelnen Tag werden auf unserem Planeten Christen verhaftet und leiden. Sie stehen vor dem Dorfältesten, dem Stadtrat oder den Richtern des Landes. Und sie könnten all dieses Leid vermeiden, würden sie den Namen Jesu aufgeben.

Aber noch mehr. In den letzten Verse für heute sagt Jesus das Folgende:

Und es wird ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und werden sie töten helfen. Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

Markus 13,12f

Jesus sagt hier, dass selbst Eltern, Kinder oder Freude Christen hassen können – sogar bis auf den Tod. Und manche unter uns haben das erfahren, nicht wahr? Viele von uns sind behütet und gesegnet in Familien aufgewachsen, in denen die Mutter, der Vater und die Geschwister, an Jesus glaubten. Aber kam man später zum Glauben oder haben sich Verwandte vom Glauben abgewandt, dann mag es so sein, dass da Menschen sind, die hassen, woran man glaubt. Später im Leben zum Glauben gekommen zu sein und die neugewonnene Freude über Gottes Gnade zum Beispiel mit den Eltern zu teilen, kann schwer sein. Denn was unterstellt das? Es unterstellt, dass es die Eltern falsch gemacht haben. Es unterstellt, dass sie in ihrer Erziehung etwas übersehen haben, was nun ihr Sohn oder ihre Tochter gefunden hat. Was werden sie denken? Oder was ist mit dem Bruder, der sich nicht mehr für den Glauben interessiert? Wenn man doch mit ihm über solche Dinge redet, was wird geschehen? Manche unter uns wissen, welch schweres Kreuz es ist, sich um Eltern, Geschwister oder Kinder zu bemühen, die Jesus noch nicht oder nicht mehr nachfolgen. Und man kann diese Bürde abschütteln, wenn man all das vergisst, was Jesus über das kommende Leben gesagt hat.

Das ist das Kreuz, von dem Jesus redet und welches uns allen früher oder später begegnet. Das ist das Kreuz: Leiden um Jesu willen und weil wir ihm nachfolgen – im Großen, aber auch im Kleinen.

Ich sage im Kleinen, weil auch das durchaus unbequem sein kann. Denkt zum Beispiel daran, dass wir uns hier Woche für Woche versammeln. Es ist Sonntagmorgen, man liegt im gemütlichen Bett. Draußen regnet es vielleicht und es ist kalt. Sich dann aus dem Bett zu quälen und sich auf den Weg in die Kirche zu machen, kann unbequem sein. Und hier angekommen? Es ist leicht, sich an den Liedern zu stören oder an der Predigt, anstelle dankbar zu sein, dass sich Leute die Mühe machen, Orgel zu spielen oder eine Gitarre zum Lobe unseres Herrn.

Und denkt an die Gemeinde, an das Zusammenleben als Christen. Dieses besteht ja nicht nur in Kirchenkaffee und netten Gesprächen. Wir alle haben einen unterschiedlichen Charakter. Sie redet zu viel und er bekommt seinen Mund gar nicht auf. Und trotzdem alle zu lieben; wirklich die Last des anderen zu tragen; selbst dann, wenn die anderen so anders handeln und denken als man selbst – all das kann bedeuten, sein Kreuz auf sich zu nehmen.

Oder wie ist es, sich das Lesen in seiner Bibel zur täglichen Angewohnheit zu machen? Es gibt tausend Dinge, die bequemer sind als das. Fernsehen, ein anderes Buch, ein Nickerchen.

Und denkt an den Gemeindebeitrag und die Kollekte? Lasst beides zusammen im Durchschnitt 20 Euro die Woche sein. Das macht 1000 Euro im Jahr. Wie viel Bequemlichkeit könnte man sich dafür kaufen?

Und wie ist es mit dem Weitersagen der guten Nachricht? Es ist viel einfacher mit Familienmitgliedern, Kollegen und Freunden über Politik, Sport oder das Wetter zu reden. Aber über die eigene Hoffnung ? Über Jesus? Über einen himmlischen Vater, dem wir auch in Zeiten vertrauen, wo das öffentliche Leben zu Stillstand kommt und sich viele Sorgen? Das bedeutet der Bequemlichkeit zu sterben und sein Kreuz auf sich zu nehmen.

Und noch eine Sache: Es mag schwerer werden. Die Tragödie mag in diesem Moment geschehen, das Undenkbare in diesem Jahr. Die Verfolgung von Christen kann auch auch in unserem Land wieder zunehmen. Die Familie kann sich abwenden. Oder eine andere Regierung verändert das Leben für Christen hier bei uns. Niemand weiß, was geschehen wird, als Gott allein.

Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.

Markus 4,6

Meine Lieben, so wäre es, müssten wir das Kreuz in unserem Leben allein aufnehmen. So wäre es, wenn wir die Last allein zu tragen hätten. Aber das Kreuz erinnert uns immer wieder an Jesus, der sein Kreuz auf sich nahm.

Jesus nahm sein Kreuz auf sich und erlitt all das, wovon auch in unserem Text heute die Rede war: Er wurde gehasst und gegeißelt. Er wurde beschuldigt und vor die religiösen und staatlichen Anführer gezerrt. Seine jüdischen Brüder und Schwerstern wandten ihm den Rücken zu und riefen: „Kreuzig ihn! Kreuzige ihn!“ Jesus hätte all diese Verfolgung vermeiden können: Er ist Gott und hätte ein Wunder wirken und so deinem Leiden und Sterben entfliehen können. Ja, er hätte einfach in der himmlischen Herrlichkeit bleiben und die Menschheit seinem Schicksal überlassen können. Aber das hat er nicht getan. Stattdessen nahm er sein Kreuz auf sich. Deshalb kann der Autor des Hebräerbriefes schreiben:

Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Hebräer 12,2

Jesus erduldete das Kreuz und wurde für uns zum Lamm Gottes, dass für die Sünden der ganzen Welt sein Leben ließ. Es war hart. Es war schmerzvoll. Aber Jesus nahm es auf sich. In Wahrheit war das der einzige Moment, dass es die Hölle auf Erden gab: Als Jesus am Kreuz hing und dort von seinem himmlische Vater voll und ganz verlassen war. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, so rief unser Heiland am Kreuz aus. Obwohl er hätte Freude haben können, erduldete er das Kreuz, erduldete er selbst die Hölle und erachtete die Schande als gering. Und wozu? Um uns Freude zu schenke. Die Freude, eine Ewigkeit lang in Gottes Reich zu leben – voll und ganz gereinigt von allen Sünden, vergeben, gerettet und geliebt. Jesus wusste, dass das all sein Leiden und Sterben wert war.

Und nun gilt es auch für uns:

Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

Markus 13,13

Der wird selig werden: Das ist es wert bei Jesus zu bleiben. All die Trauer, die wir auf dieser Erde erleben können; all das Leides und die Nöte, die uns hier widerfahren können. All die Momente, in denen es bequemer gewesen wäre zu sündigen und Jesus den Rücken zuzuwenden. Am Ende werden all diese Geburtswehen noch nicht einmal ins Gewicht fallen gegenüber der überschwänglichen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Meine Lieben, wir können es jetzt noch nicht sehen. Aber Gott hat es uns fest versprochen: Es kommt die Zeit, in der es kein Leid mehr geben wird, keine Trauer, keine Unbequemlichkeit. Es kommt der Tag, an dem aller Schmerz vergangen ist und Angst nicht mehr unser Denken bestimmt. Es kommt der Tag, an dem Depression nicht mehr unseren Verstand und Trauer nicht mehr unser Herz berühren darf. Und auch der Tod ist dann Geschichte. Deshalb sagte Jesus:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Matthäus 11,28-30

Amen.