Der Kampf in unseren Köpfen

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

3. Sonntag nach Epiphanias, St. Petri 2022

Liebe Freunde in Christus!

Kämpft ihr mit unwahren, schwermütigen oder sogar toxischen Gedanken? Gedanken, die nicht nur gelegentlich oder einmal im Jahr auftauchen, sondern Tag für Tag, Woche für Woche? Gedanken, denen man niemals zustimmen würde, stünden sie irgendwo schwarz auf weiß, die einem aber dennoch zuverlässig kommen und das immer und immer wieder?

Gäbe ich euch kurz Zeit, fiele euch ein unwahrer Gedanke ein, der viel zu oft in eurem Kopf auftaucht? (Pause) Ich bin mir nicht sicher, welche Lügen euch eingefallen sind, wenn überhaupt. Aber ich denke, es sind vor allem fünf falsche Gedanken, denen wir Menschen im Allgemeinen viel zu leicht Glauben schenken.

Erstens – die Lüge der Angst: „Der schlimmste anzunehmende Fall wird eintreten.“ Geht eine Sache auch nur ein kleines bisschen schief oder man meint, es könnte so kommen, stürzen die Gedanken plötzlich ab, bis man im dunkelsten Tal landet. „Ich fühle mich nicht so gut. Ich werde vermutlich krank. Was, wenn ich krank werde? Was, wenn ich mich übergeben muss? Was, wenn ich nicht schlafen kann? Was, wenn ich am nächsten Tag die Schule verpasse? Was, wenn ich deshalb eine schlechte Note schreibe? Ich kann vielleicht nicht studieren. Und wenn ich nicht studieren kann, bekomme ich keinen Job. Und wenn ich keinen Job bekomme, lande ich vielleicht unter einer Brücke.“ Oder: „Was, wenn es Covid ist. Und wenn es Covid ist – was, wenn ich jemanden anstecke und derjenige stirbt dann vielleicht? Und es ist meine Schuld.“ Liebte man je eine ängstliche Person oder man ist es selbst, fragt man sich manchmal: „Woher kommt das auf einmal?“ Aber es ist eben ein Gedanke, den man denkt.

Zweitens: „Ich muss!“ „Ich muss mehr tun! Nicht, wenn ich dazu komme; nicht, wenn Gott mir Zeit gibt; nicht, wenn genug Kapazitäten da sind.“ Nein: „Ich muss! Warum sitzt hier überhaupt jemand rum? Es gibt so viel zu tun. Wir können nicht ausruhen. Wir können uns nicht freuen. Wir können nicht entspannen. Denn es gibt immer etwas zu tun.“ Und dieses Biest der Verpflichtungen sitzt im Nacken und lässt einen nur selten durchatmen. Die Leute um einen herum laufen schon auf Eierschalen, weil man dieser Lüge glaubt: „Ich muss!“

Drittens: „Das werde ich mir nie vergeben können.“ „Sicher, die Pastoren in der Kirche sagen: Jesus am Kreuz starb zur Vergebung aller Sünden. Aber nachdem was ich getan habe? Wie könnte ich jemals annehmen, mir wäre voll und ganz vergeben? Wie kann man solchen Schaden angerichtet haben und dennoch in den Spiegel schauen und darin ein Gotteskind erkennen?“ Es mögen verschiedene Sünden: Aber der Gedanke kann sich auch bei uns einschleichen: „Jesus starb am Kreuz für andere Menschen – aber nicht für mich. Gottes Angesicht leuchtet vielleicht über ihnen, aber über mir? Ich kann mir nicht verzeihen.“ Oder die Cousine dieser Lüge: „Ich kann ihnen nicht verzeihen. Ich mag verbittern. Ich mag mit Wut im Bauch durchs Leben gehen – aber nach allem, was sie mir angetan haben; wie sehr sie mich verletzt haben? Ich kann und ich werde ihnen das nie verzeihen.“

Viertens: „Wenn es nicht perfekt ist, ist’s erbärmlich.“ Gibt es unter uns Perfektionisten? Wart ihr jemals das Kind, welches mit einem Zeugnis voller Einser nach Hause kam – und einer zwei plus. Die Eltern freuten sich zwar über das Zeugnis, man selbst allerdings ärgerte sich über die eine Zensur, die keine Eins war. Wenn es nicht perfekt ist, ist’s erbärmlich. Denn aus irgendeinem Grund nimmt man an, andere würden die Nase rümpfen, weil man diese eine Sache nicht zur vollsten Zufriedenheit erledigt hat. Denn gut ist nicht gut genug. Wenn es nicht perfekt ist, ist’s erbärmlich.

Fünftens: „Ich kann nicht.“ „Ich kann das nicht tun. Ich stehe das nicht durch.“ Und Gott mag sagen: „Ich bin deine Hilfe und Stärke. Ich bin bei dir.“ Aber diese Lüge kreist dennoch im Kopf und raubt alle Hoffnung: „Ich kann nicht.“

Hätten wir mehr Zeit, könnten wir noch viele weitere Gedanken auflisten. Es gibt jede Menge Lügen in unserem Kopf. Und sie alle haben eine Sache gemeinsam: Man wird sie nur schwer los. Von Person zu Person mögen sich diese Lügen unterscheiden. Aber wir alle haben Gedanken, die nicht wahrhaftig, nicht ehrbar, gerecht oder rein sind. Und doch glauben wir sie. Und es ist schwer, einen anderen Gedanken zu denken.

An dieser Stelle möchte ich allerdings fragen: Könnt ihr euch ein Leben vorstellen, in dem wir den Lügen in unserem Kopf nicht glauben, weil es eine Möglichkeit gäbe, die Dinge noch einmal zu überdenken? Könnt ihr euch die Segnungen vorstellen, die damit verbunden sind?

Statt zu sagen „Ich kann nicht“, denkt man beispielsweise „Stimmt, ich kann nicht – aber Gott kann! Er hat Menschen durch eine zweite Krebserkrankung gebracht. Er hat Milliarden seiner Kinder durch das tiefe Tal der Trauer geführt. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“

Könnt ihr euch den Segen vorstellen, der aus dem Vertrauen erwächst, dass Gott alles in seiner Hand hält. „Keine Ahnung, was mit der Wirtschaft passieren wird – mit der Inflation, der Regierung, der Gesundheit oder meiner Familie. Nichts davon habe ich unter Kontrolle. Gott aber sehr wohl. Die Sache, die mir Sorgen bereitet – Gott weiß davon. Die Dinge, die ich nicht unter Kontrolle habe – Gott kümmert sich darum. Und er liebt mich mehr, als ich je verstehen werde. Er hat mich sogar in seine Hände gezeichnet. Und darum geht’s mir gut. Alle meine Sorge werfe ich auf ihn und sorge mich nicht um Dinge, die ich nicht ändern kann. Denn ich weiß, dass der Herr des Universums seinen Sohn für mich dahin gab. Wie sollte er mir mit ihm nicht alles schenken?“

Oder man ist eine Person, die oft mit Schuld- und Schamgefühlen zu kämpfen hat. Welcher Segen wäre es, würde man sich stattdessen sagen: „Mir ist Erbarmen widerfahren! Ich weiß, meine Sünde ist zahlreich! Aber mir ist vergeben. Und ja, ich weiß, meine Vergangenheit ist voller Fehlentscheidungen. Aber mir ist Erbarmen widerfahren! Sicher, könnte ich zurückspulen und andere Entscheidungen treffen, ich würde es tun. Aber das geht nicht. Aufs Kreuz kann ich aber sehr wohl schauen. Und von dort aus rief mein Heiland: ‚Es ist vollbracht!‘“

Könnt ihr euch den Segen vorstellen, der daraus erwächst, denken wir noch einmal nach, statt den Lügen in unserem Kopf immer wieder Glauben zu schenken? Denn genau das ist Buße: Die Änderung unserer Gedanken, die Erneuerung unseres Sinnes, so dass unsere Gedanken mit den Gedanken Gottes übereinstimmen.

Heute wollen wir auf einen Abschnitt aus dem 10. Kapitel des 2. Korintherbriefes schauen – ein Abschnitt darüber, wie man mit falschen Gedanken umgeht; auch mit den hartnäckigsten Lügen; auch mit den Gedanken, die man schon eine sehr lange Zeit denkt.

Damit wir aber die Worte des Apostel Paulus besser verstehen, brauchen wir ein wenig Hintergrundgeschichte. Wie wir wissen, war Paulus Missionar und reiste von Stadt zu Stadt, um christliche Gemeinden zu gründen. So kam er in den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts in die griechische Stadt Korinth, die damals etwa 250.000 Einwohner zählte. Anderthalb Jahre blieb er vor Ort und predigte das Evangelium. Und Gottes Wort kam nicht leer zurück: Viele Menschen wurden zu Freunden in Christus, die zuvor dem heidnischen Götzendienst gehuldigt hatten.

Nach 18 Monaten war für Paulus allerdings die Zeit gekommen, weiterzuziehen und anderswo das Evangelium zu verkündigen. Kennt man seine Bibel, weiß man, dass bald nach seiner Abreise die Dinge ziemlich schnell ziemlich ungemütlich wurden. Manche der Gemeindeglieder besuchten Prostituierte. Andere waren der Meinung, sie seien besser als das durchschnittliche Gemeindeglied. Nicht umsonst ist das berühmte Hohelied der Liebe zuerst an die Gemeinde in Korinth gerichtet gewesen. Offenbar war es nicht Liebe, die den Umgang miteinander prägte. Überhaupt ist der 1. Korintherbrief ein kühnes und direktes Schreiben. Paulus predigt darin Gnade, ja. Aber er spricht eben auch die Wahrheit aus und versucht, korrigierend in das Gemeindeleben einzugreifen. Und die Korinther nahmen sich die Worte des Apostels tatsächlich zu Herzen.

Aber bald nachdem die Gemeinde den 1. Korintherbrief gelesen hatte, tauchten sie auf: eine Gruppe von Leuten, die Überapostel genannt wurde. Manche Bibelübersetzungen machen es noch deutlicher und sprechen von „Superaposteln“. Diese Gruppe hatte nur Spott und Hohn für Paulus übrig. Immerhin waren sie die Superapostel. Im wesentlichen wollten sie die Leitung und die Herzen der korinthischen Kirche für sich gewinnen. Sie wollten sozusagen die Stimmen. Deshalb griffen sie an, wie moderne Politiker ihre Gegner im Wahlkampf attackieren. Sie versuchten, aggressive Gedanken über den Apostel Paulus in die Köpfe der Korinther zu pflanzen. Deshalb sagten sie Dinge wie die folgenden: „Oh ja, Paulus hat euch diesen Brief geschrieben?! Er ist so mutig, nicht wahr? Ihr müsst Buße tun! Kehrt um! Ändert euren Sinn! Ja, Paulus redet mutig, wenn er schreibt. Aber ihr wisst, wie er von Angesicht zu Angesicht ist, nicht wahr? Da wird er seinem Namen gerecht und ist kleinlaut, ein Feigling, kein echter Anführer. Er ist eben kein Superapostel, wie wir es sind.“

„Und, liebe Korinther, sagte Paulus in seinem Brief nicht, dass er euer Geld will? Klar sprach er von den ach so armen Menschen in Jerusalem. Aber kommt schon, ihr wisst genau, was Paulus mit dem Geld machen wird. Er benutzt euch nur. Er manipuliert euch.“ „Und ganz ehrlich – ihr hättet doch wissen müssen, dass dieser Mann ein Witz ist. Paulus kann nicht wirklich gut reden.“ Und dem war wohl auch so – öffentliches Reden war nicht die größte Gabe des Apostels. Die Überapostel waren offenbar hervorragende Rhetoriker. Klar verschafft das Eindruck und lässt Paulus klein wirken.

Traurigerweise funktionierte es. Obwohl Paulus anderthalb Jahre bei ihnen gewesen war, setzte sich bei den Korinthern der Gedanke fest, dass Paulus vielleicht gar nicht so gut für sie war. Ihre Herzen und ihr Verstand wurden von der Meinung der Superapostel überzeugt.

Und Paulus? Ihn griff all das an. Denn ein Details ist noch wichtig: Wisst ihr, was Paulus in anderthalb Jahren Dienst an den Korinthern niemals tat? Er nahm keinen Lohn für seinen Dienst, sondern sorgte selbst für seinen Unterhalt. Paulus verhielt sich gegenüber den Korinthern überaus aufopferungsvoll. Auf diesem Hintergrund schreibt er seinen 2. Brief an die Gemeinde. In den letzten vier Kapitel dieses Schreibens verteidigt sich Paulus, indem er den Lügen der Überapostel nachgeht und versucht, die hartnäckigen Gedanken zu ändern, die sich in den Köpfen der Korinther festgesetzt hatten.

Aus dieser Verteidigungsrede wollen wir uns heute einen Abschnitt etwas genauer anschauen. Denn Gott zeigt hier, wie er Sinne so verändert, dass sie der Wahrheit glauben und nicht den hartnäckigen Lügen. Unser Predigttext stammt heute Morgen aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 10, und wir beginnen bei den Versen 1-3. Dort schreibt der Apostel:

Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch bei der Sanftmut und Güte Christi, der ich in eurer Gegenwart unterwürfig sein soll, aber mutig, wenn ich fern von euch bin. Ich bitte aber, dass ihr mich nicht zwingt, wenn ich bei euch bin, mutig zu sein und die Kühnheit zu gebrauchen, mit der ich gegen einige vorzugehen gedenke, die unsern Wandel für fleischlich halten. Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise.

Wir finden in diesen Worten wieder, was ich bereits ansprach. Paulus schreibt den Korinthern: „Manche denken, ich würde euch benutzen, manipulieren und Bibelstellen für selbstsüchtigen Gewinn missbrauchen. Aber dem ist nicht so!“ Und weiter: „Ja, ich bin in der Welt. Aber ich lebe nicht nach den Maßstäben dieser Welt. Ich trage geistliche Kämpfe aus. Und ich nutze dafür – im Gegensatz zu anderen – nicht Schuldgefühle, Beschimpfungen und Manipulation. Das bin ich nicht. Wenn ich kämpfe, kämpfe ich nicht auf fleischliche Weise.“

In den nächsten Versen berichtet uns der Apostel, wie er stattdessen kämpft. Er schreibt:

Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. Wir zerstören damit Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.

Das sind Worte des Krieges. Ich habe schon viele Bibelverse auf Frühstücksbrettchen, Kaffeetassen und auf niedlichen Deckchen gestickt gesehen – diese Worte allerdings noch nie. Betrachten wir sie nur: Waffen, Kampf, mächtig, Festungen, zerstören, zerstören, gefangen nehmen, Gehorsam. Paulus weiß, dass es hier um einen Kampf in unseren Köpfen geht. Falsche Argumente liegen auf dem Tisch – und Paulus wird den Kampf aufnehmen. Die Korinther glaubten Lügen und diese waren gut bewacht – wie in einer Festung. Aber Paulus war gewillt, dagegen anzukämpfen. Und er wird dazu die Wahrheit von Gottes Wort benutzen, um zu ändern, was in den Köpfen der Korinther vor sich ging.

Für die Korinther waren die Worte, die Paulus wählte, überaus plastisch.

Im Vordergrund des Bildes sehen wir die Überreste eines Tempels für den griechischen Gott Apollon. Darum soll es aber gerade nicht gehen. Für uns interessant ist der massive aufragende Felsen im Hintergrund. Vor 2.000 Jahren befand sich dort die Festung von Korinth. Wurden die Dinge brenzlig, weil ein feindlicher Angriff stattfand, war dies der sicherste Ort, an dem man sich befinden konnte. Oder: Wenn die Korinther Gefangene machten, die sie sicher verwahrt wissen wollten, brachten sie diese in ihre Festung. Wollte jemand die Gefangenen befreien, kann man sich vorstellen, vor welcher Aufgabe derjenige stand. Schon allein der Aufstieg auf den Tafelberg war eine große Hürde. Und dann auch noch kämpfend?

Aber selbst wenn man sich bis oben durchgeschlagen hatte, wartete eine noch schwerere Aufgabe:

Auf dem Bild sehen wir Akrokorinth, die massive Festungsanlage der Stadt Korinth, aus der Nähe. Massive steinerne Mauern beschützen, was sich im Inneren befindet. Stellt euch vor, jemand, der euch wichtig ist, wird in dieser Festung gefangen gehalten: Welche Art von Waffe würdet ihr brauchen, um denjenigen zu befreien? Was benötigt man, um die hohen Mauern zu überwinden, während Soldaten ihre Pfeile auf einen schießen? Vielleicht ein Rammbock – hundert Soldaten und ein massiver Eichenstamm? Oder ein Katapult, welches Felsbrocken gegen die Mauern schleudert? Um diese Festung einzureißen und den Gefangenen herauszuholen, bräuchte man etwas von göttlicher Macht und Stärke.

Genau davon spricht Paulus in unserem Text. Er schrieb:

Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.

Lügen hatten sich in den Köpfen der Korinther festgesetzt, ebenso wie uns falsche Gedanken gefangen nehmen können. Gedanken wie: „Ich kann nicht.“ „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich werde das niemals durchstehen.“ Aber es gibt Waffen, die mächtig sind, Festungen zu zerstören. Sie stehen im Dienste Gottes und sind nicht von dieser Welt. All das und der Kontext machen klar, was Paulus hier meint: Gottes Worte. Es ist voller Kraft. Wie eine Abrissbirne durchschlägt es selbst die dicksten Mauern und ändert die Erzählung in unserem Kopf.

Und genau deshalb liebe ich Gottes Wort. Wären das nur ein paar Worte von Pastor Soucek, könntet ihr auch gleich einschlafen. Wären es nur Meinungen und würden wir hier unsere religiösen Erfahrungen austauschen – Pff, verschwendet nicht eure Zeit. Aber haben wir dieses Buch (zeigen), haben wir Waffen an der Hand – mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören. Jesus selbst sagte (Joh 6,63):

Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.

Hebräer 4,12 fügt dem hinzu:

Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

Das Wort kann Beides: Uns unserer Sünde überführen, Mark und Bein scheiden, uns zu göttlicher Traurigkeit führen, wenn es nötig ist. Das Wort ist mächtig dazu. Und es kann uns nach einem schlimmen Tag mit der Gnade und Gegenwart Gottes trösten. Auch dazu ist das Wort mächtig. Es hat eine Macht, die wir selbst nicht haben: zu ändern, was sich in unseren Köpfen abspielt. Versuchen wir, unsere schlechten Gedanken mit eigenen Gedanken zu bekämpfen, werden wir immer machtlos bleiben. Bekämpfen wir sie aber mit Gottes Gedanken kann Erstaunliches geschehen.

Als ich nach einem Weg suchte, das noch etwas zu veranschaulichen, sah ich diese Bibel hier und dachte: Wie unscheinbar sie doch wirkt. Was für ein Unterschied zwischen äußerlichem Anschein und tatsächlicher Kraft. Das Buch sieht aus wie jedes Buch. Und doch hat es die Macht, Gedanken zu verändern und Seelen zu retten. Und dann dachte ich: Man müsste etwas haben, dass auch äußerlich deutlich macht, was innen zu finden ist. Ich ließ meine Gedanken schweifen, bis mein Blick das Folgende sah: Das ist die wohl größte und massivste Bibel – und außerdem schwerste Bibel – des gesamten Römerplatzes. Und es ist nur Band 2 der Heiligen Schrift – noch nicht einmal das ganze Wort Gottes. Und auch wenn selbst das noch viel zu wenig ist: Es veranschaulicht vielleicht die Macht und Kraft etwas besser, die in Gottes Wort stecken.

Erinnert ihr das Verb aus unserem Text heute? Zerstören!

Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.

Denkt an die Lügen in unserem Kopf: „Ich kann nicht!“ „Ich halte es nicht aus!“ „Ich bin nicht gut genug!“ Seht dieses massive Wort Gottes. Jedes Mal wenn wir es öffnen, zerstört Gott die Lügen in unserem Kopf, weil er uns liebt.

Wie würde das also aussehen? Niemand muss jetzt loslaufen und sich so eine riesige Bibel zulegen. Wie sieht das also in der Praxis aus? Es bedeutet, die Wahrheit zu finden, die unsere Lügen zerstört. Eine Wahrheit, die wir oft betrachten sollten. Manchmal hilft es, die Lüge aufzuschreiben, die uns wieder und wieder in den Sinn kommt: „Ich kann nicht!“ „Ich schaffe das nicht!“ „Wenn es nicht perfekt ist, ist’s erbärmlich!“ „Du bist ein schrecklicher Versager!“ Man kann die Lüge aufschreiben und dann eine Stelle in der Bibel finden, die sie zerstört; entlarvt; die uns korrigiert. In unseren Tagen ist das super leicht – Google sei Dank. Man kann in die Suchmaschine einfach etwas eingeben in der Art: „Bibelstelle über Angst; Selbstwert; Trauer; Sorge; Schmerz, usw.“ Und auch diese Bibelstelle kann man aufschreiben und irgendwo anbringen, wo man sie täglich mehrmals sieht: Am Spiegel im Bad; am Kühlschrank; irgendwo im Auto; als Hintergrundbild auf dem Smartphone.

Ein paar Beispiele, wie Gott durch sein Wort die Lügen in unserem Kopf zerstört. Vielleicht denkt einer: „Das schlimmste wird geschehen.“ Was wäre, wenn derjenige sich täglich mit Jeremia 29,11 konfrontiert würde? Denn dort sagt Gott höchstpersönlich:

Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.

Alles wird immer nur schlimmer? Nein, das ist eine Lüge. Denn unser himmlischer Vater hat Gedanken des Friedens und nicht des Leides über uns. Es mag machmal schwierig und ein schmaler Weg sein. Aber Gott gibt uns das Ende, des wir warten. Er hat uns versichert, dass er uns niemals verlassen oder aufgeben wird. Was kann einem Christen im schlimmsten Fall also passieren? Gott! Würde uns alles im Leben genommen werden – unsere Freiheitsrechte, unser Besitz, alles – das Beste unseres Lebens wäre doch immer noch da: Gott selbst. „Das Schlimmste wird geschehen?“ „Das Schlimmste kann nicht geschehen!“ Wegen Jesus, der immer bei uns ist. Und nichts und niemand kann uns von seiner Liebe scheiden.

Oder einer meint: „Mir kann nicht vergeben werden.“ Eine der kürzesten Bibelstellen ist geeignet, diese Lüge zu entlarven und zu zerstören. In Johannes 19,30 rief Jesus vom Kreuz:

Es ist vollbracht.

Vollbracht! An die Theologen unter uns: Was bedeutet „vollbracht“? Genau: Vollbracht. Es ist nicht halbfertig. Jesus bringt uns nicht nur zu 80 Prozent ans Ziel. Er übergibt uns nicht den Staffelstab, damit wir den letzten Kilometer des Rennes bestreiten. Nein, er hat alles getan. Aus großer Liebe zu uns, ist es vollbracht. Uns ist vergeben – voll und ganz. Und jedes Mal, wenn es am Ende des Gottesdienstes heißt: Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir, dann ist das wahr. Über dir – denn es ist vollbracht – volle und freie Vergebung.

Oder man denkt: „Ich kann nicht! Ich halte es nicht aus!“ Philipper 4,13:

Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

Mag sein, dass wir aus eigener Kraft nicht können – aber Gott ist fähig. Er ist stark. Er ist mächtig. Und durch ihn vermögen wir alles.

Wie auch immer die Lüge aussehen mag: Findet eure Bibelstelle. Paulus sagt in Epheser 6, dass das Wort Gottes das Schwert des Geistes ist. Dieses Schwert stellt unsere Füße auf den Boden der göttlichen Wahrheit stellt. Gott sei dank.

Meine Lieben, wir haben einen erstaunlichen Gott. Er lässt uns nicht im Unklaren, was er denkt. Stattdessen inspirierte er Apostel und Propheten, sein Wort niederzuschreiben. Und warum? Damit wir das Schwert des Geistes haben und so gegen den Vater der Lüge gewappnet zu sein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.