Der Retter ist uns geboren

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

1. Christtag, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Wisst ihr, warum ihr den Vornamen tragt, mit dem ihr schon seit zig Jahren herumlauft? Klar: Eure Eltern haben ihn für euch ausgesucht. Aber warum fiel die Wahl ausgerechnet auf Ingeborg, Christiane, Torsten oder Christoph? Warum war es nicht ein anderer Name? Vielleicht haben eure Eltern zu einem Vornamenbuch gegriffen und die Abende der Schwangerschaft dazu genutzt, einen schönen Namen für euch zu finden. Oder sie suchten im Internet nach den beliebtesten Jungs- und Mädchennamen. Vielleicht seid ihr aber auch nach eurem Großvater oder der Oma benannt.

Warum wir so heißen, wie wir heißen, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal ist es der schöne Klang eines Namens. Letztes Jahr war beispielsweise in der Presse zu lesen, dass Eltern ihrem Kind den folgenden wohlklingenden Namen gegeben haben – Achtung: Schokominza. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Andere haben ihren Namen wegen seiner Bedeutung oder wegen dem, was man damit verbindet.

Aber so sehr man vielleicht den Klang eines Namens mag oder dessen Bedeutung – in den allermeisten Fällen haben sich die Eltern einfach darauf geeinigt, wie das Baby heißen soll. Mehr ist es nicht.

Heute – am 1. Christtag – denke ich jedoch über eine weitere Frage nach: Woher habt ihr euren anderen Namen? Ich meine den Namen, den ihr euch selbst gegeben habt – die Art und Weise also, wie wir über uns selbst denken. Woher kommt das?

Manch einer denkt von sich selbst: „Im Grunde bin ich eine ziemlich nette Person.“ Ein anderer meint: „Ich bin ein kläglicher Mensch.“ Andere fühlen sich wertlos, nicht gebraucht oder unwürdig. Und wieder andere denken von sich, sie wären sehr moralisch und religiös und gehörten deshalb zu den Guten. Woher kommt das? Der eine ist ein Optimist und geht davon aus, dass die Dinge zu seinem Vorteil laufen werden. Der andere ist Pessimist und sieht immer nur die schlechten Dinge. Woher kommt das? Mancher meint, er hätte ein gutes angenehmes Leben verdient. Andere reden sich ein, Gott sei zornig und müsse sie bestrafen. Woher kommt das? Wenn wir in den Spiegel schauen und darüber nachdenken, wer wir sind – was für eine Person – welchen Namen wählen wir, um uns selbst zu beschreiben?

Passend zum Weihnachtsfest hat Gott uns ein Geschenk gemacht: den richtigen Namen. Und um den richtigen Namen zu verstehen, den Gott uns gibt, müssen wir vor allem über einen Namen nachdenken: über den Namen Jesus. Jesus wurde nicht nach seinem Großvater benannt. Auch waren es nicht die Eltern, die seinen Namen aufgrund des Wohlklangs heraussuchten. Jesu Name wurde von Gott selbst ausgewählt, damit ihr und ich wissen, welche Namen wir für uns wählen sollen.

Heute wollen wir nur einen Vers bedenken. Er stammt aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 1. Für das bessere Verständnis des Zusammenhanges, wollen wir aber den ganzen Abschnitt hören – die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus:

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen. Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jes 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Der Vers, um den es uns heute gehen soll, ist Vers 21. Dort heißt es:

Und Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Die gesamte Geschichte hindurch haben viele Menschen darauf gewartet, dass dieser Eine geboren wird, von dem in unserem Text die Rede ist. Seit der Zeit, als die erste Sünde geschah und unsere Welt auseinanderbrach. Seit sich Schmerz, Zerstörung und Tod in ihr fanden. Seit Krankheiten, Pandemien und Depressionen unsere Leben durcheinanderbrachten. Seit wir damit begonnen haben, mit Familiengliedern zu streiten und mit ihnen zu brechen. Seit sich düstere Gedanken in unsere Köpfe schlichen. Die ganze Geschichte hindurch harrten Menschen auf ihn – auf denjenigen, der reparieren kann, was zerbrochen war. Auf den, der unsere Herzen heilt und der die Trennung zu Gott überwindet.

Und weil Gott voller Liebe zu uns ist, hatte er der Menschheit versprochen, diesen Einen zu senden. Aber die ganze Zeit über hatte Gott nicht verraten, wie sein Name lauten würde. Zwar trug er so etwas wie Spitznamen: Friede-Fürst zum Beispiel oder Immanuel. Aber bis unmittelbar vor seiner Geburt wusste niemand, wie der Messias heißen würde. Bis Gott einen Engel zuerst zu Maria und dann zu Josef sandte und ihnen sagte: „Nennt das Kind Jesus.“

Hören wir in unserer Zeit den Namen „Jesus“, denken wir an… Jesus! Für uns gibt es nur diesen einen Jesus – zumindest für uns in Deutschland. Aber vor 2.000 Jahren sah das ganz anders aus. Hättet ihr zur Zeit des Neuen Testaments in Israel gelebt, würdet ihr vermutlich ein ganzes Duzend Jesusse kennen. Ihr hättet vielleicht diesen etwas schrulligen Cousin Jesus. Und im Nachbardorf lebt Onkel Jesus. Und einige Jesusse wären mit euch im Verein gewesen. Mittlerweile haben Archäologen über 70 Gräber aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert freigelegt, auf denen der Name „Jesus“ steht. Es war kein einzigartiger oder besonderer Name. Selbst in so kleinen Städte wie Nazareth und Bethlehem gab es so einige kleine Jesusse, die durch die Straßen rannten oder spielten.

Und das hat einen einfachen Grund: Der Name Jesus ist die griechische Übersetzung eines sehr gebräuchlichen hebräischen Namens: Josua. Kennt ihr also einen Josua, kennt ihr einen, der damals Jesus geheißen hätte. Aber was bedeutet Josua? Der Name ist eine Zusammensetzung zweier hebräischer Worte. „Jo“ ist die Kurzform des Gottesnamen „Jahwe“ und „schuach“ bedeutet „retten“. Josua bedeutet also: „Jahwe rettet“. Wann immer hebräische Eltern ihrem Glauben Ausdruck verleihen wollten, dass nur von Gott Erlösung, Hilfe und Befreiung kommen kann, gaben sie ihrem Kind den Namen Josua. Das erklärt wohl auch die Beliebtheit dieses Namens.

Aber dieses Mal war alles anders: Als Maria und Josef ihrem Sohn den Namen Josua oder Jesus gaben, bedeutete er so viel mehr.

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Anstatt ihn Jesus zu nennen, weil Jahwe von oben her rettet, sollten sie ihn Jesus nennen, weil Jahwe direkt vor ihnen lag, in Windeln gewickelt, gekommen, um sie und alle Menschen zu retten. In diesem Fall war die Namensgebung nicht einfach nur ein Ausdruck des Glaubens. Sondern der Eine war gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. In seinem Namen erkennen wir die Identität Jesu. Er ist nicht einfach nur ein Mensch. Er ist „Gott mit uns“.

Vielleicht machen es diese beiden Kugeln Knete etwas anschaulicher: Stellen wir uns kurz vor, dass dieser Ball „Gott“ ist. Er lebt im Himmel. Die andere Knete-Kugel ist der Mensch. Er lebt auf der Erde. Und normalerweise besteht ein großer Unterschied zwischen Gott und Mensch. Gott im Himmel – wir auf Erden. Er vollkommen – wir unvollkommen. Gott ist sündlos – wir nicht. Aber in Jesus geschah etwas Einzigartiges: Gott und Mensch vereinen sich beide (Knetekugeln zusammenkneten) – und wir nennen diese Person Jesus Christus.

Meinen wir daher manchmal, Jesus könnte unsere Versuchungen und Problem nicht nachvollziehen, weil er Gott ist, würde die Bibel antworten: „Doch kann er, denn er ist auch Mensch.“ Er wurde versucht, wie wir. Er war hungrig und müde. Er wurde verraten, wie andere Menschen verraten wurden. Er weiß also genau, was wir durchmachen. Oder manch einer denkt, dass Jesus ein guter Kerl gewesen sei, ein geistlicher Leiter und Lehrer. Aber auch hier würde die Bibel Widerspruch einlegen und sagen: „Nein, er ist auch Gott. Er ist Gott und Mensch vereint“. Denn genau das bedeutet der Name Jesus: Gott rettet.

Und Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Der Grund, warum der Name Jesus für uns so einen Wohlklang besitzt; der Grund, warum in diesen Tage Milliarden Menschen den Namen Jesu preisen, ist nicht nur darin zu suchen, dass Jesus ganz allgemein rettet. Sondern er erlöst sein Volk von ihren Sünden.

Mir ist klar, dass Sünde mittlerweile ein ziemlich verwässertes Wort aus der Sprache Kanaans ist. Machen wir uns also noch einmal kurz ein paar Gedanken, was die Bibel meint, wenn sie über Sünde redet. Die Bibel redet immer dann von Sünden, wenn wir dabei versagen, Gott und unseren Nächsten zu lieben.

Packen wir diese Aussage noch etwas aus: Sünde können beispielsweise die Dinge sein, die wir tun, denken oder sagen, und die nicht von Liebe erfüllt sind. Erheben wir die Faust gegen Bruder oder Schwester im Zorn, ist das Sünde. Wird man zornig über einen Verwandten während der Festtage, ist das Sünde. Oder man denkt es nur: Beißt man sich zwar auf die Zunge, aber Bitterkeit und Richtgeist sind dennoch in unserem Herzen, ist auch das Sünde. Hegt man Groll gegen eine andere Person und ist deshalb nicht besonders nett zu ihr, dann nennt die Bibel das Sünde.

Aber es sind die Dinge, die wir sagen: Schnauzt man seine Familie an, weil sie nicht rechtzeitig fertig wird, um pünktlich zur Kirche zu kommen. Streitet man verbissen um Politik – ohne Rücksicht auf Verluste. All diese Dinge sind nicht liebevoll – und deshalb nennt die Bibel das Sünde. Wir mögen es noch nicht einmal wirklich tun oder aussprechen. Aber es ist in unserem Herzen. Und Gott interessiert sich vor allem für unsere Herz. Die Herzen, die lieben oder eben dabei versagen.

An anderen Stellen zeigt die Bibel ein weitere Dimension der Sünde: Sie redet dann von den guten Dingen, die wir versäumt haben zu tun; die wir unterlassen haben. Vielleicht haben wir im vergangenen Jahr die Faust gegen Gott erhoben, weil wir zornig darüber wurden, wie er uns im Leben führt. Oder aber wir haben unsere Hände überhaupt nicht zu Gott erhoben – nicht gebetet – weil wir zu beschäftigt waren. Oder man war lange Zeit nicht in der Kirche. Und sicher hat man keine Bank ausgeraubt oder Kindern ihre Weihnachtsgeschenke gestohlen. Aber Sünde sind auch all die guten Dinge, die wir nicht getan haben.

All das führt uns zu den verschiedenen Bezeichnungen für Sünde, die in der Heiligen Schrift vorkommen. Da ist zunächst einmal das Wort „Sünde“ selbst. Es bedeutet: Das Ziel verfehlen. Gott wollte, dass wir lieben – aber wir haben dieses Ziel verfehlt. An anderen Stellen lesen wir das Wort „Übertretung“. Gott zog diese Linie, die wir nicht überschreiten sollten. Aber dann erreichten wir die Linie und taten einen kleinen Schritt. Zwar haben wir es besser gewusst, weil wir schon so lange in der Kirche sind. Wir wussten, dass wir diese Dinge nicht tun sollten – aber es ist schwer und ich will auch gar nicht. Und so haben wir die Linie überschritten.

Und manchmal bezeichnet die Bibel Sünde als „Schuld“. Und um ehrlich zu sein: Für mich ist dieser Begriff der wichtigste – aber auch der erschreckendste. Schuld bedeutet in der Bibel, dass wir verantwortlich für das sind, was wir tun. Wenn ich an die letzten 24 Stunden denke, an das letzte Jahr, an mein ganzes Leben, wisst ihr, was mich erschrecken lässt hinsichtlich des Namens „Sünder“? Es ist dieser Begriff: Schuld. Denn Jesus sagt: Wenn wir Schuld haben, wenn Gott uns „Sünder“ nennt, dann werden wir eines Tages getrennt von Gott sein. Der Lohn der Sünde ist der Tod – Trennung von Gott. Schaut Gott auf uns und sein Name für uns lautet „Sünder“, werden ihr ihn nicht sehen.

Mancher ist vielleicht geneigt zu sagen: „Okay – das stört mich nicht weiter.“ Aber wer so redet, hat nicht begriffen, was das bedeutet. Denn alles, was wir an guten Dingen im Leben haben dürfen, kommt nur daher, dass Gott uns nahe ist. Ob jemand ein Kirchgänger oder der reinste Atheist ist, der einzige Grund, warum wir jemals lächeln, ist Gott, der uns mit Gaben und Geschenken überschüttet. So will er unser Herz erfreuen und erreichen, dass wir uns zu ihm wenden. Der einzige Grund, warum wir uns an guter Musik oder gutem Essen erfreuen können; warum wir gute Freunde haben, ist Gott, der uns mit all diesen Dingen versorgt. Aber stehen wir eines Tages vor ihm – und er sagt: „Sünder!“ – werden wir uns nie wieder glücklich fühlen. Geht Gott, gehen mit ihm auch die guten Dinge, von denen wir dachten, sie würden uns auf immer und ewig gehören.

Deshalb ist die wichtigste Frage, die wir uns zu Weihnachten – überhaupt im ganzen Leben – stellen können, die folgende: Wie bekomme ich einen neuen Namen? Die Antwort auf diese Frage ist so ganz anders als das, was uns diese Welt einreden will – gerade auch in der Weihnachtszeit. Die Botschaft dieser Welt lautet: Wenn du böses getan, hast du immer noch genug Zeit, um Gutes zu tun.

Kennt ihr den Film „Kevin allein in New York“? Jedes Jahr zu Weihnachten wird er im Fernsehen ausgestrahlt. Im Film geht es um diesen kleinen Junge namens Kevin, der allein in New York ist – und das zur Weihnachtszeit. Kevin trifft irgendwann auf eine obdachlose Frau, die ihn fragt: „Warum bist du an Weihnachten allein? Hast du was Schlechtes gemacht?“ Und er bekennt: „Ja. Ziemlich viele Dinge.“ Und sie lächelt ihn an und sagt: „Wusstest du, dass eine gute Tat eine schlechte aufwiegt.“ Kevin widerspricht: „Ich glaube nicht, dass ich genug Zeit habe, so viele gute Taten zu tun, die meine schlechten aufwiegen.“ Und die Bettlerin antwortet: „Aber heute ist Weihnachten und gute Taten zählen doppelt.“

Hat man was Schlechtes getan, kann man es mit guten Taten aufwiegen. Ist es nicht das, was wir manchmal Kindern erzählen? Zumindest mir wurde als Kind eingeredet, dass der Weihnachtsmann ganz genau hinschaut. Außerdem führt er eine Liste darüber, ob du lieb oder böse warst. Wenn du also Geschenke haben willst, dann streng dich besser an und sei ein braves Kind. Oder denkt an Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte und den zornigen alten Mann Mr. Scrooge. Wenn er nur die richtige Erfahrung macht – so lautet Dickens Botschaft – dann kann man ihn vielleicht doch noch in eine gute Person verwandeln.

Wir sind der Idee verfallen, dass wenn wir etwas Schlechtes getan haben, wir es schon irgendwie wieder reparieren können. Oder anders formuliert: Dass wir uns selbst retten können – wenigstens mit einer guten Tat, die die böse aufwiegt. Aber Jesus sagt NEIN: Es klingt nett. Der Film mag herzerwärmend sein. Aber so funktioniert es nicht.

Wenn heute jemand vom vielen Eierpunsch betrunken in euer Auto rauscht und dabei eure kleine Schwester tötet, wäre das auch nicht so. Stünde er vor Gericht und sagt: „Ich bekenne, dass ich was wirklich Schlimmes getan habe. Aber hey! Ich habe viel Geld an eine wohltätige Organisation gespendet. Und es ist Weihnachten. Das zählt also doppelt.“ – stünde er so da, würde man doch antworten: „Nein! Ich bin zwar froh, dass du was Gutes getan hast. Aber das ändert ja nichts daran, was du meiner Familie unendliches Leid zugefügt hast.“ Heute ein guter Mensch sein, bezahlt nicht die Schuld, dass wir gestern eine schlechte Person waren. Oder anders formuliert: Wir können uns nicht selbst von unseren Sünden retten; nicht selbst die Schuld bezahlen.

Aber es gibt den Einen, der es kann. Und sein Name lautet Jesus.

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Er wird retten! Ich mag dieses kleine Hilfsverb „wird“. Nicht: Er könnte retten. Oder: Er rettet vielleicht. Oder: Er zieht in Betracht zu retten. Nein: Er wird retten! Und er hat es getan: Jesus kam in diese Welt und wurde Mensch, damit er unseren Platz einnehmen und uns so von unseren Sünden retten kann. Es gibt diese Weissagung aus dem Alten Testament, genauer aus dem Propheten Jesaja. Der schreibt das Folgende:

Aber er – Jesus – ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Warum wurde Jesus ein kleines Baby? Damit er Hände hat, die an ein Kreuz genagelt werden konnten – um für unsere Schuld zu bezahlen. Warum wurde er zu einem Mann, der über diese Welt lief und redete, anstelle Gott im Himmel zu bleiben? Damit er am Kreuz zerschlagen werden konnte – um unserer Missetat willen. Warum kam er in solch niedriger Gestalt, um auf eine noch erniedrigendere Art getötet zu werden? Damit wir Frieden haben können und durch seine Wunden geheilt sind.

Das ist die wichtigste und beste Lehre der ganzen Schrift: Wir dürfen absolute Gewissheit haben – Heilsgewissheit – weil wir durch Jesus mit Gott im Reinen sind. Es gibt keine Schuld mehr, weil Jesus rettet.

Ich mag, wie die Worte Jesajas all diese Formulierungen für die Sünde aufgreifen. Gibt es Zeiten im Leben, wo wir sagen: „Ich wusste es eigentlich besser. Meine Eltern haben mich anders erzogen und die Bibel sagt etwas anderes. Und dann tat ich doch das Gegenteil.“ Jesus wurde deshalb verwundet. Haben wir Angst, dass Gott zornig ist und uns deshalb bestraft:

ER ist um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Haben wir keinen Frieden in unserem Herzen:

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten

Und das bedeutet auch, dass wir einen neuen Namen tragen. Anstelle in den Spiegel zu schauen und zu meinen: „Ich bin ein Fehler“, dürfen wir sagen: „Mir wurde vergeben“. Statt zu sagen: „Ich bin solch ein Sünder“, dürfen wir wissen: „Ich bin ein Sohn Gottes“. Statt zu sagen: „Ich bin kaputt und zerbrochen“, dürfen wir erkennen: „Ich bin eine Tochter des Königs aller Könige.“ Statt zu denken: „Ich habe keine Hoffnung mehr“, schenkt uns Gott die gewisse Zukunft des ewigen Lebens in Gottes guter Gegenwart. Und schon jetzt ist er immer bei uns.

Meine Lieben, wir dürfen uns den Namen Jesus zu eigen machen – egal, wer wir sind. Ob jung, ob alt. Ob wir Gott fern oder nah sind. Denn gerettet sein, bedeutet auch, einen neuen Namen von Jesus zu bekommen. Und es ist kein Name, den man wählt, weil er gut klingt, oder weil die Oma so hieß. Sondern unser Name lautet: Christ! Christ, weil wir in Christus sind – weil wir ihn in unserer Taufe angezogen haben.

Und das gilt immer. Auch mitten in der Sünde ist Gott mit uns. Er ist nicht entfernt von einem jeden von uns. Er ist Gott. Er ist Jesus, der uns von unseren Sünden rettet und einen Frieden schenkt, der höher ist, als alle Vernunft. Nichts und niemand kann uns trennen von der Liebe, die in Christus Jesus ist. Denn Jesus gibt uns das beste Geschenk von allen: einen brandneuen Namen.

Einige tausend Kilometer von Deutschland entfernt, versammeln sich Menschen in einer Kirche. Es ist eine Kirche, die in Bethlehem steht und den Namen „Geburtskirche“ trägt. Sie ist – so wird vermutet – die älteste Kirche auf dieser Erde. Viele Jahre, nachdem Jesus auf dieser Erde gelebt hatte, und nachdem sich das Christentum ausgebreitet hatte, kamen die Perser ins Römische Reich – und somit auch nach Israel. Sie waren keine Christen und zerstörten deshalb alle Kirchen, die sie finden konnten. Aber als sie nach Bethlehem kamen, zerstörten sie die Geburtskirche nicht. Denn sie sahen das Relief über dem Eingangstor. Es stellte die Weisen aus dem Morgenland in orientalischer Kleidung dar. Das war wohl der Grund, warum sie die Kirche verschonten. Und bis heute kommen tausende und abertausende Menschen an diesen Ort, um den Namen Jesu zu loben und zu preisen.

Aber das wirklich Interessante an der Kirche ist die Art und Weise, wie man sie betritt. Die frühere Eingangstür zur Kirche, wird auch „Tor der Demut“ genannt. Sie ist nur ungefähr 1,30m hoch. Ich messe 1,78m. Jemand wie ich, kann nicht erhobenen Hauptes und mit stolz geschwellter Brust eintreten. Nein, er muss sich bücken, bevor er in die Kirche betreten kann.

Aber was sieht man, hat man die Kirche einmal betreten? Man sieht einen Silberstern im Raum, der den Ort kennzeichnen soll, an dem Jesus geboren wurde. Und das erinnert uns an das Weihnachtsfest: Gott hat sich gebückt. Er kam in diese Welt und hat sich selbst erniedrigt. Stünden wir nun noch da und würden sagen: „Ich bin eine ziemlich gute Person und brauche das nicht.“ – dann würden wir Gott verpassen. Aber bekennt ihr mit mir zusammen: „Ich bin ein Sünder. Hab Erbarmen“ – dann dürfen wir unaussprechliche Freunde und tiefen Frieden im Herzen haben.

Denn Maria hat einen Sohn geboren und ihm den Namen Jesus gegeben, denn er hat sein Volk gerettet von ihren Sünden.

Das ist Gottes Geschenk an uns: Unser neuer Name in Christus. Und darum noch einmal: Frohe Weihnacht!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.