Die Ankündigung

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Lukas 1,5-25, St. Petri 2021

Video unter: https://youtu.be/_DKQJCkyAv0

Liebe Freunde in Christus!

Darf ich mit einem Bekenntnis beginnen? Mein Gebetsleben ist nicht sonderlich gut. Sicher, ich bete nicht gerade wenig – allerdings vornehmlich in meinem Beruf als Pastor. Privat sieht es dagegen ganz anders aus. Vergangene Woche habe ich mich selbst beobachtet und festgestellt, dass ich im Durchschnitt keine 10 Minuten am Tag mit meinem himmlischen Vater rede.

Geht es euch auch so? Eine ganze Menge Christen, die ich kennengelernt habe, lieben Gott, glauben an Jesus und schätzen das gleiche Buch wie ich. Aber ihr Gebetsleben ist alles andere als ein Beispiel, welchem man folgen sollten. Warum ist dem so? Ich meine, wir glauben alle an den einen Gott. Wir glauben, dass er allmächtig und allwissend ist. Warum sind wir da nicht besser im Gebet?

Die Heilige Schrift weist uns zudem sehr oft darauf hin: Die Worte „beten“ und „Gebet“ finden sich 367 Mal in der Heiligen Schrift. Das ist ein Gebet für jeden Tag eines Schaltjahres plus einer Reserve. Das Gebet taucht schon ganz am Anfang bei Mose auf. Die Psalmen sind ein ganzes Buch nur mit Gebeten. Wir finden das Gebet bei den Propheten und Aposteln. Und Jesus selbst lehrte uns das Vaterunser.

Warum beten viele von uns so wenig, obwohl die Bibel so oft darüber spricht? Ich kenne eure Antwort nicht. Meine lautet in jedem Fall folgendermaßen: Es fällt mir schwer, dem Gebet Zeit zu widmen, weil es nicht einfach zu glauben ist, dass das Gebet etwas bewirkt.

Und ganz von der Hand zu weisen ist es ja auch nicht: Manche Menschen haben schon ihr ganzes Leben wegen einer bestimmten Sache gebetet und nie hat sich ihre Hoffnung, ihr Wünschen und Sehnen erfüllt. Denken wir nur an ein Paar, welches sich sehnlichst ein Kind erträumt. Aber die Jahre ziehen vorbei und da ist kein neues Leben im Mutterleib auszumachen.

Ich erwähne das, weil es in unserem Predigttext heute eine gewisse Rolle spielt. Der dritte Advent hat Johannes, den Täufer, zum Thema. Heute wollen wir auf die Ankündigung seiner Geburt blicken. Dabei wird uns ein Gläubiger begegnen, der ebenfalls eine Frage im Herzen mit sich herumtrug: Bewirken meine Gebete etwas? Hört Gott sie? Der Mann bekommt eine Antwort auf seine Fragen. Und auch uns soll diese Antwort zum Trost werden und gleichzeitig ein Anregung sein, kühn und mutig zu beten.

Unser Predigttext stammt heute aus dem Lukasevangelium, Kapitel 1, und wir beginnen bei Vers 5. Dort heißt es (5-7):

Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochbetagt.

Stellen wir uns kurz die Situation von Zacharias und Elisabeth vor: Beide waren Gläubige. Das betont auch unser Text.

Sie waren aber alle beide fromm vor Gott.

Sie wussten also, dass Gott sie liebt und sie liebten ihn ebenso. Nur hatte das Ehepaar einen Wunsch, den wohl die meisten Menschen mit ihnen teilen: Sie hätten gern ein Kind gehabt. Elisabeth war allerdings unfruchtbar. Sie konnte keine Kinder bekommen, was damals wie heute eine große Belastung darstellt.

Das Ehepaar wird deshalb oft zu Gott gebetet haben. Vor Gott sprachen sie ihre Hoffnungen und Träume aus. Aber es passierte nichts. Die Jahre zogen vorüber. Viele Ehepaare in ihrem Umfeld bekamen zwischenzeitlich Kinder. Nur sie blieben zu zweit. Andere hatten es nicht einmal geplant, schwanger zu werden. Andere waren vielleicht noch nicht einmal sonderlich geeignet dafür, Eltern zu sein. Und dennoch schoben sie einen Kinderwagen vor sich her, während Zacharias und Elisabeth beteten und nichts geschah.

Wir können uns vermutlich kaum vorstellen, wie oft Elisabeth und Zacharias ihren Wunsch vor Gott brachten – still in ihrem Herzen oder als gemeinsames Gebet gesprochen, sich dabei die Hände haltend, die mehr und mehr faltig wurden. Irgendwann ergrauten die ersten Haare. Die Menopause setzte ein. Und mit ihr starb der Wunsch nach einem Kind scheinbar endgültig.

Unweigerlich stellt man sich die Frage, ob die Beiden nicht Zweifel hinsichtlich der Kraft des Gebetes bekamen. Bewirkt es etwas? Verändert es die Dinge? Sie mögen mit Fragezeichen in ihren Herzen gekämpft haben, bis zu jenem Tag, der nun in unserem Text beschrieben wird (Lk 1,8-10):

Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers.

In diesen Versen finden sich eine ganze Menge Anspielungen auf das Alte Testament. Erinnern wir uns kurz: Gott hatte bestimmt, dass der israelitische Gottesdienst im Tempel in Jerusalem gehalten werden sollte. Den Dienst dort verrichteten Priester, die in 24 Abteilungen unterteilt waren – im Text „Ordnungen“ genannt. Jede dieser Abteilungen verbrachte einmal im Halbjahr bzw. zweimal im Jahr eine Woche damit, im Tempel zu dienen.

Unser Text sagt nun, dass Zacharias zur achten Abteilung namens „Abija“ gehörte. Nun war er an der Reihe, im Tempel zu arbeiten. Ihm wurde sogar eine besondere Ehre zuteil. Durch das Los bestimmte man ihn dazu, dass Räucheropfer darzubringen – etwas, das einem Priester vielleicht einmal in seinem Leben widerfuhr.

Das Räucheropfer wurde im Tempel dargebracht. Gott hatte die alttestamentliche Kirche sorgfältig geplant. Jedes Details daran war eine Erinnerung für das Volk: Gott wollte sie auf diese Weise geistliche Dinge lehren, die man andernfalls nicht hätte sehen können. Das begann schon bei der äußeren Gestalt. 15 Meter war das Bauwerk hoch, gesetzt auf den erhabensten Punkt des Tempelberges. Stand man davor, konnte man nicht anders, als zu denken: „Mein Gott ist in der Tat der Allerhöchste.“ Vor dem Tempel war ein großes rundes Wasserbecken zu finden – eine Erinnerung daran, dass Gott all unsere Sünden abgewaschen hat.

Das Innere des Tempels war mit reinem, kostbaren Gold überzogen. Trat man in die Gegenwart Gottes, sollte man sich an dessen Herrlichkeit und Schönheit erinnern. Im ersten Raum des Tempels, welches „das Heilige“ genannt wurde, stand der siebenarmige Leuchter, dessen Lichter immer brannten. Eine Erinnerung daran, dass Gott unveränderlich und treu ist. Er lässt sein Licht über uns leuchten und erwärmt die Herzen. Im Heiligen stand außerdem ein Tisch, auf den die Priester täglich frisches Brot legten. Sah man dieses, sollte man daran denken, dass Gott uns Nahrung für unsere Seele gibt. Seine Gnade und Vergebung sind alle Morgen neu.

Neben dem Heiligen gab es noch einen weiteren Raum im Tempel, das Allerheiligste. Das war der Ort, an dem Gott den Israeliten versprochen hatte, gegenwärtig zu sein. Dort stand auch die Bundeslade, die mit zwei großen Engeln verziert war. Man sollte an den Gott denken, der vollkommen heilig ist und dem die Engel dienen.

Das Allerheiligste war vom Heiligen allerdings durch einen schweren Vorhang getrennt. Man konnte nicht ungehindert hinein. Dies war eine Gedächtnisstütze, dass Gott so heilig ist, dass ein Sünder nicht einfach so in seine Gegenwart treten darf.

Gott hatte jedes einzelne Teil des Tempels so entworfen, dass wir Dinge über ihn erfahren, die wir andernfalls nicht sehen könnten. Man kann all das im 2. und 3. Buch Mose nachlesen. Für heute wollen wir uns vor allem auf einen Gegenstand im Tempel konzentrieren. Nachdem Zacharias das Innere betreten hatte, ging er an den Broten vorbei, am Leuchter und bald darauf stand er vor dem großen Vorhang, der das Allerheiligste abtrennte. Direkt davor war ein letzter Einrichtungsgegenstand zu finden, der Rauchopferaltar genannt wurde. Jemand hat versucht, diesen Altar nach biblischen Angaben nachzubauen. So in etwa muss er ausgesehen haben:

Von Ori229 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8756128
Von Ori229 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8756128

Knapp einen Meter war er hoch und je eine Elle breit bzw. tief. An jeder Ecke ragte ein kleines Horn aus Holz hervor. Außerdem war der Altar ganz mit Gold überzogen. Im 2. Buch Mose, Kapitel 30, hatte Gott befohlen, dass zwei Mal am Tag – jeden Morgen und jeden Abend – ein Priester kommen und eine spezielle Mischung an Kräutern und Harzen dort verbrennen sollte. Diese Mischung durfte nirgendwo sonst im ganzen Land Israel für andere Zwecke genutzt werden.

Warum hatte Gott das veranlasst? Was wollte er die Israeliten damit lehren? Die Antwort hat etwas mit dem Gebet zu tun. In Psalm 141(,2) dichtete König David:

Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer.

Das Räucheropfer verbreitete einerseits Wohlgeruch. Außerdem stieg der Rauch gen Himmel. Und das alles fand vor dem großen Vorhang statt, direkt vor der Gegenwart Gottes also. Unser himmlischer Vater wollte damit sagen: „Eure Gebete sind mir lieblich und sie erreichen mich.“ Kam man also in Gottes Gegenwart und betete – womöglich mit der Frage im Herzen, ob die Bitten wirksam sind – dann gab Gott einem dieses visuelle Hilfsmittel, das sagte: „Dein Gebet ist lieblich vor mir und ich will es ganz sicher erhören.“

Ich frage mich, ob Zacharias noch daran glauben konnte. An jenem Tag war das Los auf ihn gefallen, er betrat den Tempel und zündete das Rauchwerk an. Er nahm den Geruch wahr und sah, wie der Rauch vor dem Vorhang aufstieg. Glaubt ihr, dass Zacharias noch darauf vertraute, dass Gebete etwas bewirken? Leidet man an Unfruchtbarkeit oder ist mit anderen Dingen beschwert, und hat man deshalb sein Herz vor Gott ausgeschüttet – nicht nur ein- oder zweimal, sondern hunderte Male – und nichts verändert sich, fragt man beinahe zwangsläufig: „Gott, ist mein Gebet wirklich ein Wohlgeruch für dich? Oder bist du zornig auf mich? Haben Elisabeth und ich etwas Falsches getan? Gott, funktioniert das überhaupt? Bete ich richtig? Erreichen dich meine Worte? Du bist doch der Allerhöchste und könntest alles ganz einfach gut machen.“

Ich frage mich, ob Zacharias die Wirksamkeit des Gebetes anzweifelte, so wir es gelegentlich tun. Aber was auch immer in seinem Herzen vor sich ging, Gott war am Werk und er würde das Leben von Zacharias und Elisabeth vollkommen auf den Kopf zu stellen. In unserem Text heißt es nämlich weiter (11-13):

Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn.

Das war kein verträumt in die Gegend blickender Baby-Engel, wie ihn Raffael auf dem unteren Bildrand seines Gemälde der Sixtinischen Madonna dargestellt hat. Das war ein furchteinflößender himmlischer Krieger.

Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört,

„Dein Gebet ist erhört“: Nicht: Gebete im Allgemeinen. Nicht: Gott hat endlich dein Gebet erhört. Nein, es wurde schon beim ersten Mal erhört, als du die Worte aussprachst.

Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.

„Zacharias, fürchte dich nicht. Gott ist dabei, ein neues Brötchen in einen alten Ofen zu schieben. Deine Frau wird ein Kind gebären. Und tatsächlich hat Gott nicht nur das Gebet erhört. Er schenkte ihnen nicht nur ein Baby. Er gab ihnen den Täufer. Denjenigen also, der Jesus den Weg bereiten würde.“

Davon berichtet auch der Engel in unserem Text (14-17):

Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.

Das Kind in Elisabeths Bauch wird den Menschen Freude bringen, so sagt es der Engel:

Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen.

„Menschen werden wegen deines Sohnes froh werden.“ Und warum?

Denn er wird groß sein vor dem Herrn;

Er wird erfüllt sein nicht von Himbeergeist, sondern vom Heiligen Geist. Er wird all die Menschen in Israel zurückbringen, die aufgrund leerer Religion oder dem Festhalten an der eigenen Sünden vom Weg abgekommen sind. Er wird wie Elia sein, der alttestamentliche Prophet, und mutig den Sünden der Kirche und des Staates entgegentreten. Er wird kühn sein und sagen: „Wacht auf. Tut Buße.“ Aber er wird die Menschen nicht dort lassen, sondern auf den Einen verweisen – auf das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt. Er wird die Herzen der Älteren verändern, indem er ihnen den Kinderglauben predigt, damit sie ihre Sünden vor Gott bekennen. Mit solch vorbereiteten, reumütigen Herzen werden sie Jesus aufnehmen, an ihn glauben und so das ewige Leben empfangen.

Das sollte wohl der Zeitpunkt sein, an dem Zacharias sagt: „Danke. Amen. Es tut mir leid, dass ich gezweifelt habe.“ Aber das sagt er nicht, denn in unserem Text heißt es nun weiter (18):

Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt.

„Können wir ein wenig darüber reden? Wie kann ich sicher sein, dass stimmt, was du sagst? Ich meine ich bin alt. Und meine Frau? Nun ja, sie ist… ähm… betagt. Wie kann ich da wissen, dass dieses große Versprechen in Erfüllung gehen wird?“

Denkt man ein wenig über die Worte von Zacharias nach, sind sie im Grunde ziemlich beleidigend. „Woran soll ich das erkennen? Wie kann ich da sicher sein?“ Diese Frage unterstellt nämlich noch mehr: „Kann ich dir trauen? Bist du einer, der zwar vieles sagt, aber nur wenig davon hält? Bist du vertrauenswürdig oder lügst du, wie so viele Menschen es tun?“

Aber Gott hatte doch einen Engel gesandt. Einen der wenigen Engel, die in der Bibel einen Namen haben. Und dieser versicherte: „Das wird geschehen.“ Aber Zacharias antwortete nicht mit Vertrauen, sondern mit Zweifeln. Er deutete an, dass der Engel und der Gott, der ihn gesandt hat, vielleicht nicht zu ihrem Wort stehen.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr hasse ich die Tatsache, kein guter Beter zu sein. Ich würde gerne sagen, dass ich keine 10 Minuten am Tag bete, weil ich so beschäftigt bin. Aber die Antwort läuft in Wahrheit darauf hinaus, dass ein Teil meines Herzens genau wie Zacharias ist: „Wie kann ich sicher sein, dass Gott Gebete erhört? ich weiß, dass er es in diesem oder jenem Vers der Bibel sagt. Aber woher weiß ich, dass es tatsächlich wahr ist? Klar, Gott macht all diese großen Versprechen. Aber ist er vielleicht doch die Art Gott, der seine Versprechen bricht?“

Wenn ihr und ich es versäumen zu beten; wenn uns bei Problemen das Gebet erst als letzte Lösung einfällt, dann sagen wir damit letztlich, dass unser Vater im Himmel kein guter Vater ist. Er ist vielleicht nicht der Vater der Lügen wie der Teufel, aber vielleicht tut er es ja gelegentlich dennoch. Das Problem mit einem schlechten Gebetsleben ist, was es über unsere Sicht von Gott aussagt. Wir zweifeln an ihm. Wir stellen ihn in Frage. Und ein Teil unseres Herzens beschuldigt ihn, nicht vertrauenswürdig und wahrhaftig zu sein.

Man kann sich vorstellen, dass der Engel nicht glücklich gewesen ist. Aber wegen Gottes Barmherzigkeit und Liebe war er nicht fertig mit dem alten Zweifler Zacharias. Denn in unserem Text heißt es weiter (19-22):

Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm.

Hättet ihr einen Engel gesehen und müsstet dies eurer Familie nur mittels Gesten mitteilen, was würdet ihr tun? Was damals vor den Toren des Tempels geschehen ist, wissen wir nicht. Nur, dass die Leute mitbekommen haben, dass Zacharias eine Erscheinung gehabt haben muss. Dieser kann allerdings nur stumm winken und dann verschwinden. Aber weiter im Text (23-25):

Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.

Eine Frau war vermutlich noch nie so glücklich darüber, sich am Morgen schlecht zu fühlen. Für fünf Monate zieht sie sich zurück, hielt sich verborgen, um darüber nachzudenken und darüber zu beten, was Gott für sie getan hat. Er hatte ihre Schmach weggenommen und seine Gunst gezeigt. Er hatte bewiesen, dass jedes Wort unserer Gebet erhört wird.

Meine Lieben, aus unserem heutigen Text kann man sicher eine ganze Menge lernen. Aber das Versprechen, welches Gott an das Gebet knüpft, ist sicher das zentralste: Jedes Wort wird erhört. Immer wenn Gottes Kinder zu ihrem himmlischen Vater sprechen, wird jedes Wort erhört. Betet man hinsichtlich Geld, erhört Gott es. Betet man hinsichtlich seiner Eltern, erhört es Gott. Betet man wegen seiner Beziehung, erhört es Gott. Betet man darum, diesem einen Menschen endlich vergeben zu können, der einen so verletzte, erhört Gott es. Unsere Gebete sind lieblich für ihn und sie erreichen ihn immer. Ob es geistliche Dinge sind, ewige Dinge, körperliche oder psychische Belange: Jedes Wort wird erhört. Betet man darum, ein Kind zu bekommen oder dafür, sich selbst vergeben zu können: Unser Gebet ist immer lieblich für Gott.

Ist das nicht ein schöner Gedanke – gerade in der Advents- und Weihnachtszeit? Hier ein Vorschlag, um ihn nicht zu vergessen: In diesen Tagen entzünden wir gern Kerzen, zum Beispiel am Adventskranz, oder wir machen Räucherwerk an, weil es uns Freude bereitet. Erinnern wir uns in solchen Momenten, dass Gott sich noch viel mehr über unsere Gebete freut. Er ist ja nicht wie ein beschäftigter Vater, den seine Kinder 15mal ansprechen müssen, bevor sie seine Aufmerksamkeit bekommen. Gott liebt es, wenn wir mit ihm reden. Er hat es uns ja nicht nur geboten, er lädt uns dazu ein. Niemals ist er sauer deshalb oder verärgert oder fühlt sich gestört, wenn wir ihn um etwas bitten. Es gibt nichts, was zu groß wäre und nichts, was zu klein ist, als dass ihm unsere Gebete nicht lieblich wären. Genau deshalb hatte er doch den Tempel so entworfen, wie er es getan hat.

Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer.

Und wenn dann der Rauch der Kerze oder des Räucherwerks aufsteigen, denken wir daran, dass unsere Gebete Gott erreichen, dass er sie erhört. Niemals sind sie umsonst gesprochen. Ganz im Gegenteil: Wir reden zu dem himmlischen Thron, wo unsere Gebet erhört und beantwortet werden. Wir reden zu dem Thron des Königs der Könige, der über alle Völker wacht. Wir reden zu dem Herrn aller Herrn, der Krebs heilen und von Schulden befreien oder uns zufrieden machen kann, während wir inmitten von Schulden stecken. Jedes Gebet erreicht ihn jedes einzelne Mal. Und es ist lieblich für ihn. Erinnern wir uns daran, werden wir beten. „Herr, ich weiß, dass du mich hörst und dass du mich liebst. Hilf mir. Vergib mir. Verändere mich.“ Egal um welches Thema es auch geht, für Gott sind unsere Gebete immer lieblich.

Und warum ist dem so? Zu Zeiten des Alten Testaments gab es einen Tag, an dem ein Priester den Tempel betrat und den Rauchopferalter mit Blut bedeckte. Man nannte diesen Tag den großen Versöhnungstag. Ein unschuldiges Tier wurde geopfert und dessen Blut in einer Schale aufgefangen. Dieses nahm der Priester mit sich, als er den Tempel betrat, tauchte seinen Finger in die Schale und bedeckte die Hörner des Rauchopferaltars mit Blut. Das Rauchwerk, welches verbrannt wurde, war also umgeben mit dem Blut eines unschuldigen Opfers.

Warum hatte Gott angewiesen, das zu tun? Wäre es nur ich, ohne Jesu Blut; würde nur ich auf eigene Faust mit Gott reden, gäbe es keine Verbindung. Meine Stimme würde in Gottes Ohren schrill klingen. Meine Gebete wären kein Wohlgeruch für ihn. Aber mit Jesus ändert sich alles. Denn das Blut Jesu hat uns von all unseren Zweifeln und all unseren Fragen bezüglich der Kraft des Gebets, ja von jeder Sünde, gereinigt. Jedes Mal, wenn wir beten, sind wir durch den Glauben vom Blut Jesu umgeben und rein, so dass es Gott liebt, wenn wir zu ihm beten. Er liebt es! Und darum: Betet!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.