Die Hirten & der eine Hirte

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

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Liebe Freunde in Christus!

Die meisten von uns haben in ihrem Leben schon mehr als einem Prediger zugehört. In der eigenen Gemeinde mag der Pastor dann und wann gewechselt haben. Aber auch der Kanzeltausch bietet Gelegenheit, andere Prediger zu erleben. Und in Zeiten des Internets ist es sowieso ganz einfach geworden, vielen unterschiedlichen Hirten zu lauschen.

Euch ist es dabei vielleicht auch schon so gegangen wie mir. Bei dem einen Prediger macht es „Klick“ und man kann seinem Redestil wunderbar folgen. Bei anderen mag das nicht der Fall sein.

Und das ist gut nachvollziehbar: Jeder von uns ist anders gestrickt, wenn es ums Zuhören und Lernen geht. Und jeder, der predigt, hat eine andere Weise zu lehren und zu reden. Wenn nun die Art, wie jemand lehrt, mit der eigenen Weise zu lernen übereinstimmt, dann kann das einen großen Unterschied ausmachen.

Mancher denkt zum Beispiel gern tief über biblische Wahrheiten nach. Er liebt es, neue Details aus der Heiligen Schrift zu erfahren, über die er so noch nie nachgedacht hat. Vielleicht setzt er sich zuhause hin und liest neben der Bibel noch einen Kommentar oder benutzt eine Studienbibel mit vielen Querverweisen. Und wenn ein Prediger eine solche Tiefe in seinen Vortrag bringt, sind das die besten Predigten für ihn.

Ein anderer mag nun sagen: „Mir sind solche Predigten zu hochgestochen.“ Wenn aber der Pastor praktische Anwendungen bringt, ins eigene Leben hineinspricht, es einfach gehalten ist und für die kommende Woche hilfreiche Hinweise gegeben werden, dann sind das genau die Predigten, die man liebt.

Wieder ein anderer mag Geschichten und Illustrationen, die zeigen, wie alles zusammenhängt. Wichtig sind die emotionalen Details, die er mit nach Hause nimmt. Und selbst wenn er sich nicht mehr an die Bibelstelle erinnert, über die der Pastor sprach, so weiß er noch die Geschichten, die dabei helfen, die Botschaft der Predigt zu behalten. Es gibt viele Wege zu lernen und zu lehren.

Hinzu kommt noch, ob es gelingt, zu dem Pastor eine persönliche Beziehung aufzubauen. Aristoteles – der griechische Philosoph – sagte, dass Menschen sich nicht zuerst auf den Inhalt einer Rede konzentrieren, sondern auf denjenigen, der sie hält.

Mit anderen Worten: Wenn ich etwas Gutes sage und ihr mögt mich nicht, dann hört ihr wahrscheinlich auch das Gute nicht. Sage ich dagegen etwas ziemlich Durchschnittliches und ihr mögt mich, dann hört ihr vermutlich ganz genau hin.

Worauf ich mit all diesen Gedanken heute am Hirtensonntag hinaus will: So sehr stimmen mag, was wir gerade gesagt haben. Die Heilige Schrift legt uns dennoch nahe, einen großen Unterschied zwischen den Hirten und dem einen Hirten zu machen; zwischen den Predigern und dem eigentlichen Inhalt der Heiligen Schrift. Mit anderen Worten: Entscheidend ist die Botschaft, nicht der Botschafter.

Das legen nämlich die Ereignisse in der korinthischen Gemeinde nahe, von denen uns Paulus in seinem ersten Brief an die dortige Gemeinde berichtet. Auf dem Papier hätte diese Gemeinde von Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllt sein müssen. Denn in den fünf Jahren, die zwischen der Gemeindegründung und der Abfassung des 1. Korintherbriefes lagen, waren drei der namhaftesten Prediger überhaupt dort tätig.

Im Jahr 50 n. Chr. reiste Paulus nach Korinth und predigte das Evangelium. Und manche Menschen liebten den Apostel. Sein eigenes Leben war der Beweis dafür, dass Gott jedem vergibt, ganz gleich, was er getan hat. Immerhin hatte Paulus zunächst Christen töten lassen, bevor er selbst einer wurde. Und der Apostel hatte viele Menschen zum guten Hirten, zu Jesus, geführt und damit zu der Vergebung, die ihm selbst widerfahren war.

Nach 18 Monaten musste Paulus allerdings die Stadt verlassen und ein anderer Pastor kam. Sein Name war Apollos. Die Apostelgeschichte beschreibt ihn als beredeten Mann, der gelehrt war in der Schrift. Er stammte aus Alexandria, einer Stadt in Nordafrika. Das erklärt auch, warum er so beredet war. Denn Alexandria war in der Antike ein bekanntes Zentrum der Rhetorik. In Apostelgeschichte 18 zeigt sich sein Redegeschick. Dort heißt es nämlich:

Denn Apollos widerlegte die Juden kräftig und erwies öffentlich durch die Schriften, dass Jesus der Christus ist.

Apostelgeschichte 18,28

Und so kann man sich gut vorstellen, dass diejenigen unter den Korinthern, die tiefgründige und den Intellekt anregende Reden liebten, Apollos an den Lippen hingen.

Aber auch Apollos verließ die Stadt irgendwann. Und wer kam als nächstes? Petrus – der Namensgeber unserer Gemeinde. Petrus, der mit Jesus drei Jahre lang unterwegs gewesen war und ihn mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hatte. Dieser Petrus wurde der dritte Pastor in Korinth.

Liest man die Evangelien, weiß man, dass Petrus ein ebenso mutiger wie impulsiver Mann war. Sein Herz trug er auf der Zunge. Er predigte also vermutlich klar und deutlich. Apollos war beredet, Petrus dagegen direkt. Und manche der Korinther liebten Petrus dafür.

In fünf Jahren hatten die Korinther also Paulus, Apollos und Petrus als Hirten. Das ist eine gute Sache, richtig? Wie sich herausstellte, war es das nicht. Was Gott gut gemeint hatte, verkehrten die Menschen ins Gegenteil.

Aber hören wir selbst, was Paulus dazu schreibt. Unser Predigttext stammt heute aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 1, und wir beginnen bei Vers 10:

Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung. Denn es ist mir bekannt geworden über euch, liebe Brüder, durch die Leute der Chloë, dass Streit unter euch ist. Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus.

Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott, dass ich niemanden unter euch getauft habe außer Krispus und Gajus, damit nicht jemand sagen kann, ihr wäret auf meinen Namen getauft. Ich habe aber auch Stephanas und sein Haus getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemanden getauft habe. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde.

1 Korinther 1,10-17

Seht ihr, was geschehen ist? Drei begabte Prediger. Aber statt Einigkeit und Dank war diese Gemeinde zerrissen. Manche folgten Paulus. Er hatte ihre Familie getauft, ja, diese Gemeinde überhaupt erst gegründet. „Den anderen Typen höre ich gar nicht erst zu.“

Andere meinten: „Paulus? Ernsthaft. Die Leute schlafen doch ein, wenn er predigt. Ganz anders dagegen Apollos – das ist ein begnadeter Redner. Den respektiere ich.“

Und wieder andere meinten: „Paulus? Apollos? Nein, Petrus ist der Mann! Er hat uns Gottes Wort direkt und unverblümt ausgelegt. Er hat klar gepredigt und ist zum Punkt gekommen!“

Und der arme Pastor, der diesen drei folgte, kam in eine Gemeinde, die zerrissen war, wegen des Segens dreier Männer. Die Situation war so hässlich, dass Paulus schreibt, er sei froh darüber, nicht mehr Menschen getauft zu haben.

Könnt ihr euch einen Pastor vorstellen, der so etwas sagt? Wir lieben die Taufe. Aber Paulus sagt: Hätte ich mehr von euch getauft, würdet ihr die Botschaft der Taufe vergessen und euch nur an den Mann erinnern, der die Taufe vollzogen hat. Am Ende seines Briefes schreibt Paulus sogar, dass Apollos nicht willens war, nach Korinth zurückzukehren, obwohl Paulus ihn immer wieder darum bat. Was Gott gut gemeint hatte, wurde von Menschen dazu verkehrt, die Gemeinde auseinander zu reißen.

Meint ihr, uns könnte das auch passieren? Dass die Hirten zur größten Herausforderung für eine Gemeinde werden? Viele von uns sind schon seit ihrer Geburt Gemeindeglied und haben den einen oder anderen Pastor kommen und gehen sehen.

In meinem Büro steht ein Bilderrahmen mit ihnen: Pastor Herrmann, Pastor Wachler, Pastor Böhm, Pastor Hübener, Pastor Drechsler. Das sind alles sehr verschiedene Männer mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Und das gilt natürlich auch für mich. Und wie jeder verschieden lernt, so lehren Pastoren eben auch unterschiedlich.

Und diese Unterschiede sind ein Segen, nicht wahr? Nun, es kommt wohl darauf an. Uns allen liegt das Verhalten der Korinther irgendwo nahe. Den einen Pastor mögen wir ein bisschen zu sehr. Andere dagegen lehnen wir eher ab. Unsere Tendenz ist oft die Folgende: Wir legen den Fokus mehr auf Menschen als auf die Botschaft der Schrift.

Aber wie erkennt man, ob man zu viel Wert auf den Botschafter legt anstelle auf die Botschaft? Das kann im Guten geschehen, weil man den Pastor mag. Das kann aber auch im Schlechten geschehen, indem man sich zu sehr auf die Schwächen desjenigen konzentriert oder einfach nicht mit seiner Art klarkommt. Wann bekommen die Hirten also ein größeres Gewicht als der eine gute Hirte? Einige Gedanken zur Beantwortung dieser Frage sind mir eingefallen, die ich gern mit euch teilen würde:

Erstens: Man legt zu viel Wert auf den Botschafter, wenn man gelangweilt ist, sobald das rettende Evangelium gepredigt wird. Wenn uns jemand von unserer Sünde und unserer Errettung erzählt und hinterher denkt man, es sei Zeitverschwendung gewesen, weil es nicht dem gewünschten Stil entsprochen hat, dann ist das niemals eine gute Sache.

Zweitens: Man kommt nur dann gern zum Gottesdienst, wenn der „Lieblingspastor“ predigt. Es ist natürlich eine gute Sache, wenn wir gern zur Kirche kommen. Negativ wäre es aber, wenn wir den Gottesdienst als Pflichterfüllung betrachten, sobald jemand predigt, dessen Stil uns nicht liegt.

Drittens: Man redet nur über die Hirten – im Guten wie im Schlechten – aber nicht über den einen Hirten Jesus Christus. Das Zentrum unseres Redens soll doch Christus sein und nicht die Menschen, die ihn verkündigen.

Viertens: Man legt zu viel Wert auf den Botschafter, wenn man sich ständig über den Stil eines Pastors beschwert. Es ist nicht so, dass falsch wäre, was derjenige tut oder gar sündig. Aber er ist eben anders, als man das sonst gewohnt war. Man sucht in einem Pastor also einen bestimmten Persönlichkeitstyp, eine bestimmte Art und Weise, wie er Dinge tut und sagt.

Aber ist derjenige anders, als man das erwartet, ermutigt man ihn nicht, sondern meckert und beschwert sich nur. Das kann jemanden den Wind aus den Segeln nehmen. Pastoren haben deshalb ihr Amt aufgegeben. Und mancher von ihnen sagt, dass es 5 bis 10 Menschen in ihrer Gemeinde sind, die sich ständig über ihre Art beschweren – nicht weil sie falsch oder sündig wäre, sondern einfach nicht ihr Stil. Es ist letztlich das, was damals auch in Korinth geschah.

Fünftens: Ein wenig Irrlehre nimmt man seinem „Lieblingspastor“ nicht krumm. Denn immerhin zieht man ja so viel aus der Art und Weise, wie derjenige predigt. Da macht ein bisschen Sauerteig nichts aus, oder?

Sechstens: Man nimmt an, der „Lieblingspastor“ erzählt die Wahrheit, ohne seine Worte an der Schrift zu prüfen. Es ist aber die Aufgabe der christlichen Gemeinde, die Lehre eines Pastors zu prüfen – ob man ihn nun mag oder nicht.

Siebtens: Man legt zu viel Wert auf den Botschafter, wenn man nicht mehr zur Kirche kommt, wenn der Pastor gegen einen gesündigt hat. Man sieht vielleicht seine Schwachheit oder das Fehlen von Gaben. Und deshalb geht man gar nicht mehr in die Gemeinde, so als ob es um Menschen ginge und nicht um den Menschensohn, der am Kreuz hing.

Achtens: Man legt zu viel Wert auf den Botschafter, wenn man meint, nur ein bestimmter Pastor predigt das Evangelium so, dass Herzen verändert werden. Jesaja 51 sagt aber, dass Gottes Wort niemals leer zurückkommt. Manchmal kann es aber geschehen, dass man dennoch das Gegenteil glaubt, weil das Evangelium nicht in einem bestimmten Stil vom „richtigen“ Menschen gepredigt wird.

Kurz zusammengefasst lautet die Frage also: Legen wir mehr Wert auf die Botschaft des guten Hirten oder auf die Persönlichkeiten der Hirten, der Pastoren? Die Beantwortung dieser Frage ist wichtig. Denn niemand soll der guten Botschaft in Wort und Sakrament den Rücken zukehren, nur wegen eines Menschen. Freilich muss dazu der Pastor die gute Botschaft predigen. Tut er das nicht – scheidet er Gesetz und Evangelium nicht richtig – dann ist jede Kritik berechtigt.

So sagt es Paulus auch in seinem Brief. Es gibt etwas weitaus besseres, als die Person, die predigt – ob man denjenigen nun mag oder nicht. Aber hören wir den Apostel selbst:

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9,22-23): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«

1 Korinther 1,26-31

Paulus lenkt mit diesen Worten den Blick weg von den Hirten, weg von Apollos, Petrus und sich selbst. Ihm geht es um etwas weiter aus Wichtigeres, nämlich die Botschaft, die er und die anderen Pastoren überbracht haben. Er schreibt:

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung.

Vielleicht drückt sich Paulus hier ein bissen so aus, wie Petrus das getan hätte: „Als ihr von Gott berufen wurdet, wart ihr alles andere als beeindruckend“:

Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.

Gott hat das Schwache erwählt, das Geringe und Törichte. Sünder. Menschen, die sich am Götzendienst beteiligt hatten. Aber Gott entschied, dass er Menschen liebt, die es nicht verdient haben. Die Vergangenheit der Korinther hielt ihn nicht davon ab, sie zu berufen. Die Dinge, mit denen sie in der Gegenwart kämpfen, behindert seine Liebe zu ihnen ebenfalls nicht. Und auch das Wissen um ihre zukünftigen Sünden machen seine Gnade nicht zunichte.

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung.

Gott wählte das Schwache, Törichte und Geringe. Und warum?

damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung

Gerechtigkeit bedeutet, dass in unserer Beziehung zu Gott alles richtig ist. Denn „der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Mit seinem Tod am Kreuz hat Jesus uns alle Sünden vergeben und sein Gerechtigkeit geschenkt.

Heiligung bedeutet von der Sünde abgesondert zu sein. Alle Gedanken, Taten und Wünsche, für die wir uns schämen und an die wir vielleicht immer noch denken müssen – sie sind abgesondert von uns. Ebenso verhält es sich mit allen Gedanken, Taten und Wünsche, die gegen uns gerichtet waren und die uns angetan worden – zu all dem sagt Gott: Ich habe diese Dinge von euch abgesondert und euch in die Herde des guten Hirten gestellt, wo mein Angesicht immer über euch leuchtet.

Erlösung bedeutet, einen Preis zu bezahlen, um etwas zurückzukaufen. Der gute Hirte hat mit seinem Leben bezahlt, um uns von unserem sündigen Leben zurückzukaufen, so dass er nun sagen kann:

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

Johannes 10,14

Paulus sagt hier also: Der gute Hirte hat euch Gerechtigkeit und Heiligkeit geschenkt und euch erlöst – was soll man also rühmen? Worauf soll man achten? Irgendwelche Hirten, irgendwelche Menschen, die genauso auf Gottes Gnade angewiesen sind wie alle anderen auch, oder den einen Hirten, der für uns ans Kreuz ging?

Wenn wir also die Hirten mit dem einen guten Hirten vergleichen – die Botschafter mit der Botschaft, dann ist klar: Jesus ist größer, das Evangelium so viel besser.

Bleiben wir noch kurz bei diesem Vergleich zwischen Botschafter und Botschaft. Wenn ich persönlich über mein Dasein als Pastor nachdenke, fühle ich mich oft an die Worte des Paulus erinnert. In Römer 7 schreibt er: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht“.

Ich wünsche mir ein guter Hirte zu sein, aber am Ende des Tages blicke ich zurück und frage mich: „Was ist passiert? Ich wäre gern demütig wie Jesus und für Menschen da gewesen. Warum habe ich mich verteidigt? Warum war ich stolz und selbstsüchtig?“ Die Wahrheit ist, dass ich gegen euch sündige – trotz des Wunsches, dass es nicht so wäre. Das soll keine Entschuldigung sein, sondern einfach die Realität.

Aber der gute Hirte? Die Bibel sagt: „Nicht eine einzige Verheißung, die der Herr gegeben hatte, blieb unerfüllt. Sie trafen alle ein.“ Wenn Gott etwas sagt, dann tut er es auch. Immer. Wenn Jesus verspricht, dass er bei euch sein wird – alle Tage, dann wird er das auch tun. Wenn er sagt, dass es nichts gibt, was wir tun könnten – keine Sünde, die uns von seiner Liebe scheidet – dann ist das die Wahrheit. Denn er ist kein Mensch, wie ich es bin. Sondern er ist Gott.

Und denkt an das Thema Stärke. Ich krieg eine Liegestütze hin – minus eine. Aber Gott? Der gute Hirte? Römer 1,16 sagt, dass das Evangelium die Kraft Gottes ist, die selig macht alle, die daran glauben. Ohne die Heilige Schrift wüssten wir rein gar nichts über Gnade und Vergebung. Aber die einfache Botschaft des Evangeliums verändert alles.

Und denkt an das Thema Standhaftigkeit. Heute könnte die letzte Predigt sein, die ich jemals halte. Keiner weiß das außer Gott. Ich könnte mich heute Abend an einem Gummibärchen verschlucken und ersticken oder morgen von einem Auto überfahren werden. „Aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ Das Evangelium unseres guten Hirten gilt immer, zu allen Zeiten. Und weil er auferstanden ist, gehört auch uns diese Ewigkeit.

Damit schließt auch Paulus in seiner Botschaft an die Korinther. Er schreibt:

Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

1 Korinther 2,1-5

Man darf Paulus hier nicht falsch verstehen. Er war kein fauler Prediger. Seine Worte waren voller Eifer und auch Schönheit. Aber es war nicht Redekunst, die ihn dazu bewegte, nach Korinth zu kommen. Sondern er schreibt:

damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Paulus mag vielleicht nicht wie Apollos sein, aber das ist in Ordnung, solange beide vom Evangelium erzählen. Denn es geht nicht um Menschen – ob man sie nun mag oder nicht mag – es geht um den einen guten Hirten und um die Botschaft des Kreuzes und des leeren Grabes.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.