Ephesus

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Die sieben Sendschreiben, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Am Anfang des letzten Buches der Heiligen Schrift – in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung – finden wir sieben Briefe, die an sieben echte Gemeinden gerichtet sind. Sie stammen von Jesus höchstpersönlich. Und was wir in diesen Briefen lesen, ist umfassend und kategorisch. Es ist gründlich und eindeutig. Es berichtet von guten und von schlechten Dingen. Es umfasst das ganze Leben der jeweiligen Gemeinde. Aber wenn wir Jesu Worte hören – auch die harten –dürfen wir uns daran erinnern: Was immer Jesus diesen Gemeinden und damit uns auch sagt: Der Heiland ist für uns. So ist es immer: Ob uns Jesu Worte überführen oder ob sie uns trösten und ermuntern – Jesus ist immer für uns. Jesus liebt seine Kirche. Er liebt jeden Einzelnen von euch und er liebt mich. Was Jesus also auch zu sagen hat: Er ist für uns. Immer will er uns zur täglichen Umkehr rufen. Immer will er unseren Glauben stärken. Und immer will er Früchte des Geistes schenken. Denn Jesus ist für uns.

Bevor wir aber in den Text des ersten Briefes einsteigen, möchte ich euch eine Frage stellen: Jesus beurteilt in den Sendschreiben in gewisser Weise die Gemeinden, an die die Briefe gerichtet sind. Was also denkt ihr, würde Jesus über uns sagen – über die St. Petri-Gemeinde Zwickau oder die Ev.-Luth. Freikirche im Ganzen? Stellt euch vor, er hätte sich umfassende Notizen über euch und mich gemacht, über unsere Stärken und über unsere Schwächen. Was denkt ihr, würde Jesus sagen? Worüber würde er sich freuen, so dass wir fast erröten, weil Jesus so nett ist? Und was würde er sagen, von dem wir tief im Herzen wissen, dass es die Wahrheit ist, so dass wir Augenkontakt meiden und still vor uns nicken? Die sieben Sendschreiben fordern dazu auf, uns selbst die Frage zu stellen: Was würde Jesus zu uns sagen?

Mit dieser Frage im Hinterkopf wollen wir in unseren heutigen Predigttext einsteigen. Er stammt aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 2. In Vers 1 schreibt der Apostel Johannes an die Gemeinde in der damaligen Metropole Ephesus das Folgende:

Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern:

Der erste Vers erinnert uns an vergangene Woche: Jesus wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern. Das ist ein Bild dafür, dass Jesus in seiner Kirche zugegen ist – auch in unserer Gemeinde.

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Hier ergänzt Jesus nun, dass er außerdem sieben Sterne in seiner rechten Hand hält. Im 1. Kapitel hieß es von diesen Sternen, dass sie die sieben Engel der sieben Gemeinden repräsentieren. Deshalb heißt es in unserem Text:

Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe

Dem Engel der Gemeinde – was meint ihr, ist damit gemeint? Wusstet ihr, dass ein Engel hier war, als ihr heute diese Kirche betreten habt? Es waren sogar mehrere! Ich zeige sie euch: dort, dort, dort und hier (Anm.: In der St.-Petri Gemeinde sitzen Sonntags in der Regel drei Pastoren als Gemeindeglieder in der Kirchenbank und einer steht auf der Kanzel). Aber bevor jemand auf den Gedanken kommt, mir wäre irgendwas zu Kopf gestiegen, lasst es mich erklären: Das Wort, welches wir mit Engel übersetzen – das griechische Wort angelos – bedeutet wörtlich einfach nur „Bote“. Meist denken wir bei „Engeln“ an himmlische Boten, die Gott aussendet. Aber angelos kann ebenso gut für menschliche Boten stehen – beispielsweise für den Pastor einer Gemeinde. Das ist die beste Deutung des Wortes an dieser Stelle. Denn wenig später sagt Jesus zu dem Engel aus unserem Text: „Tue Buße“. Ein heiliger Engel hätte solche Worte niemals hören müssen.

Dem Boten und der Gemeinde hat Jesus nun einiges zu sagen. Und er beginnt mit Lob, mit guten Nachrichten. Das Gute, was Jesus über die Gemeinde in Ephesus zu sagen hat, besteht darin, dass sie an der Wahrheit von Gottes Wort festgehalten hatten. Davon erfahren wir in den Versen 2 und 3:

Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sagen, sie seien Apostel und sind’s nicht, und hast sie als Lügner befunden und hast Geduld und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden.

Und in Vers 6 ergänzt er:

Aber das hast du für dich, dass du die Werke der Nikolaïten hassest, die ich auch hasse.

Jesus sagt hier: „Ich weiß. Ich weiß um eure Werke, die Mühsal und die Geduld. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die nicht das Richtige glauben oder sich nicht gut verhalten. Sie denken, sie besäßen die Wahrheit. Sie behaupten, Apostel zu sein. Aber ihr habt Gottes Wort aufgeschlagen und geprüft, was diese Leute sagen.“ Die Gemeinde in Ephesus tat es also den Menschen aus Beröa gleich, von denen es in der Apostelgeschichte heißt:

Sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte.

Und eben das hatte die Gemeinde etwas gekostet. Aber sie hatten durchgehalten und Entbehrungen getragen. Ihre Nachbarn mochten es nicht, aber sie wurden dennoch nicht müde. Im Text hieß es sogar:

Aber das hast du für dich, dass du die Werke der Nikolaïten hassest, die ich auch hasse.

Bei alledem muss man noch eine Sache bedenken: Ephesus war kein Ort, an dem es einfach gewesen wäre, an der Wahrheit festzuhalten. Etwa 250.000 Menschen lebten damals in der Stadt – für die Antike eine gewaltige Zahl. Ephesus beherbergte außerdem eines der sieben Weltwunder – den Tempel der Artemis. Die Göttin wurde auch „Kybele“ oder „Magna Mater“ genannt, „große Mutter“. Sie galt als Verkörperung der alles gebärdenden Natur. Zum Dienst der Göttin stand eine Heerschar an Priestern und Priesterinnen zur Verfügung. Dazu kamen sogenannte Hierodulen, weibliche Tempeldienerinnen, die der „heiligen Hochzeit“ dienten. Denn die Menschen damals glaubten, sich im Geschlechtsakt mit der Gottheit vereinigen zu können. Die meisten Stadtbewohner waren zu der Überzeugung gekommen, dass das, was man mit seinem Körper tat, die eigene Angelegenheit sei. Dies sei erwähnt, damit wir uns vorstellen können, in welcher Welt zwischen Tempeln und Palästen, zwischen Ladengeschäften und Elendsvierteln, zwischen Tanz-, Reit- und Sportschulen eine christliche Gemeinde existierte. Aber Gemeinde und Pastor in Ephesus hielten an der göttlichen Wahrheit fest. Sie sahen die Ausbeutung von Frauen als Tempelprostituierte. Sie sahen, wie der wahre Gott durch die Anbetung der Schöpfung ausgetauscht wurde. Und sie bekannten klar und deutlich, dass allein Gott die Wahrheit ist. Und das, obwohl es alles andere als populär gewesen sein mag. Sie harrten aus und bewiesen Geduld, wenn sie darüber sprachen, was vor Gott gut und was falsch ist.

Darüber hinaus spricht unser Text von den Nikolaïten. Viele vermuten, dass diese Gruppierung auf Nikolaus von Antiochien zurückgeht. Nikolaus war einer der sieben Armenpfleger, die von der Jerusalemer Urgemeinde gewählt wurden, damit sie sich um die Versorgung der Witwen kümmerten. Sonderlich genaue Kenntnisse haben wir über die Gemeinschaft nicht. Aber wie es scheint, lehnten sie alles Körperliche als minderwertig ab. Alles, was zählte, war Erkenntnis. Deshalb führten sie wohl ein recht zügelloses Leben. Ein Leben, dass Jesus und Artemis Seite an Seite stehen ließ. Denn es spielte schließlich keine Rolle, was einer glaubte und was er mit seinem Körper tat. Der Kirchenvater Irenäus schreibt deshalb über sie:

Sie lehren, es habe nichts zu bedeuten, wenn man ehebreche oder von Götzenopfern esse.

Die Gemeinde in Ephesus stellte sich gegen diese Gedanken und predigte: „Ihr müsst umkehren. Es gibt nur einen wahren Gott. Und es ist Wahrheit, was dieser in 10 Gebote zusammengefasst hat. Nicht eure Wahrheit zählt. Nicht unsere. Gott allein ist die Wahrheit.“ Und genau dieses Festhalten an der göttlichen Wahrheit lobt Jesus in diesem ersten Sendschreiben. „Gut gemacht“, sagt er.

Denkt ihr, Jesus würde das Gleiche zu uns sagen? 2000 Jahre später, an einem anderen Ort der Erde und in einer anderen Kultur. Würde er sagen, dass wir die Art von Kirche sind, die leidenschaftlich hinsichtlich der Wahrheit ist, selbst wenn es uns etwas kostet? Es ist niemals leicht, sich selbst einzuschätzen. Aber ich denke, meine Antwort auf diese Frage wäre ein demütiges „Ja“. Denken wir daran, was wir als Kirche öffentlich sagen und wofür stehen. Denken wir an die Bekenntnisschriften und an die vielen Lehren, die in einer modernen Kultur nicht sonderlich gut ankommen. Denken wir an die Dinge, wofür wir uns nicht schämen, sie zu verkündigen. Und denken wir daran, dass wohl die allermeisten unter uns bereit sind, sich von Gottes Wort korrigieren zu lassen, wenn sie danebenliegen. Im Großen und Ganzen und bei aller menschlichen Schwachheit und Sünde, die wir an uns tragen, kann man sagen, dass dies ein Ort ist, der die Wahrheit liebt. Vor allem die Schriften der lutherischen Kirche sind es, die das zum Ausdruck bringen. Und das ganz gleich, ob Menschen applaudieren oder „Buh“ rufen. Sicher kann man über alles reden und muss es auch. Aber wir ändern nichts an Gottes Wort, weil wir glauben, dass Jesus unter den goldenen Leuchtern wandelt. Er ist hier an diesem Ort. Und deshalb werden wir nicht schweigen, sondern sein Wort verkünden. Und wir werden – wenn wir es nötig ist – um seines Namens willen die Lasten tragen, die es mit sich bringt, das zu tun.

Aber Jesus geht es nicht nur um Wahrheit. Johannes 1 Vers 14 sagt, dass Jesus voller Gnade und Wahrheit ist. Er ist bis oben an gefüllt mit Liebe und Wahrheit. Und das war das Problem der Kirche in Ephesus. Gesunde Lehre? – Na sicher! Aber gute Taten? Darin bestand der Tadel Jesu: Sie hatten die erste Liebe verlassen. In Vers 4 und 5 unseres Textes sagt der Heiland nämlich das Folgende:

Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt. So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!

In aller Offenheit macht es Jesus deutlich: „Ihr liebt nicht mehr so, wie es einst der Fall gewesen ist. Erinnert euch, was ihr früher tatet. Erinnert euch, wie sehr ihr euch früher nach anderen ausgestreckt habt. Erinnert euch, wie weit ihr früher bereit wart, füreinander zu gehen. Ihr hattet die rechte Lehre nicht nur auf dem Papier. Sondern wann immer Leute in eure Mitte kamen, fühlten sie es; erlebten sie es: Sie wurden geliebt, wie die Welt sie nicht lieben kann. Ihr habt Gott geliebt und es strömte aus eurem Herzen in der Art und Weise, dass ihr nicht nur einander liebhattet, sondern auch diejenigen, die noch nicht an mich glauben.“

Historisch betrachtet, bestand die Gemeinde in Ephesus seit etwa 40 oder 50 Jahren. Der Apostel Paulus hatte sie in den 50er Jahren n. Chr. gegründet. Johannes, der Apostel der Liebe, war wohl in den 60ern ihr Pastor. Aber eine Generation später – wir befinden uns am Ende des 1. Jahrhundert – war folgendes geschehen: Die Gemeinde in Ephesus verteidigte etwas gegen die Irrlehrer, was sie selbst nicht mehr lebendig besaß. „Du prüfst andere und verlangst: Kein anderes Evangelium! Prüfe dich selbst! Du lebst nicht mehr im Wesentlichen und darum fruchtlos und belanglos.“ Was war nur geschehen?

Nun die große Frage: Würde Jesus dasselbe zu uns sagen? Haben wir auch die erste Liebe verlassen? Sind wir wie ein verheiratetes Ehepaar geworden, welches fünf Kinder bekommen hat? „Ja, Schatz, ich liebe dich noch – aber es gibt so viel zu tun, so viele Aktivitäten.“ Als Kirche haben wir uns über die Jahre eine ganze Menge an Veranstaltungen und Einrichtungen gegeben: Rüstzeiten, Gemeindetag, Seminartag, Samstagsseminar, Kirchenmusiktag, Bläserfest, Jugendchor, Jugendtreffen, Kindersingewoche, Theologie für junge Erwachsene, Lektorentag, Vorstehertagung, Kassierertagung, Pastoralkonferenz, Amt für Kirchenmusik, Theologische Kommission, Rechtsausschuss, Seniorenamt, Jugendamt, Schulausschuss, Buchhandlung, Verlag, und und und… Ich kann danebenliegen. Aber ich denke, was Jesus uns auf die Frage „Lieben wir noch?“ antworten würde, wäre: „Seid vorsichtig.“ Je älter eine Kirche wird, desto schwieriger ist es, dass Menschen sich noch geliebt fühlen. Bei all den Aktivitäten, die wir als Kirche auf die Beine stellen, kann leicht das Wesentliche aus dem Blick geraten. Und viel zu oft und viel zu gern drehen wir uns um uns selbst, anstelle andere zu lieben. Genau wie bei einem Ehepaar mit Kindern ist es mehr Arbeit zu lieben und es braucht mehr Vorsatz. Denn Liebe geschieht nicht einfach so. Man muss nach ihr streben. Ob Jesus also auch zu uns sagen würde, was er einst zu der Gemeinde in Ephesus sagte, weiß ich nicht genau. Eine Warnung soll es uns aber in jedem Fall sein. Und Jesu Worte sind immer angebracht und richtig:

So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!

Ein paar Fragen, die uns bei der Selbstreflexion helfen sollen: Erste Frage: Setzen wir den anderen an die erste Stelle? Ich denke, eines der Kennzeichen für eine Gemeinde, die stirbt, ist das Folgende: Wenn alle nur noch denken: „Ich zuerst“. Wo will ich sitzen? Wo will ich vor der Kirche parken? Mag ich die Liturgie? Mag ich die Lieder? Entspricht es meinen Vorstellungen, was in der Kirche geschieht? Werden Entscheidungen getroffen, die mir genehm sind? „Ich zuerst“ führt in jeder Beziehung zu Chaos und dazu, dass die Verbindung langsam, aber sicher stirbt. Müssen wir uns hinsichtlich unserer Aktivitäten als Gemeinde und Kirche also fragen lassen, ob es dabei nur um uns geht – und nicht um die Menschen, die von Jesus noch nie etwas gehört haben? Geht es nur um unsere Vorlieben? Nur um unsere Meinung? Nur um uns?

Zweite Frage: Haben wir ein Gemeindeleben abseits des Sonntags? Und ich meine damit nicht die zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten unserer Kirche: Leben wir als Christen zusammen? Wissen wir voneinander, mit welchen Sünden und Problem der andere zu kämpfen hat? Lieben wir, indem wir uns gegenseitig ermuntern, füreinander beten und uns unsere Sünden bekennen und die Vergebung zusprechen?

Dritte Frage: Welche Rolle spielt die Mission unter uns? Für mich ist ein zweiter Hinweis, dass eine Gemeinde oder Kirche stirbt, wenn die meisten ihrer Glieder niemanden zur Gemeinde einladen. Denn das beweist er „Ich zuerst“-Denken. Es geht dann nur um meinen Trost, meine Bequemlichkeit, meine Vorlieben. Ob mein Nachbar in den Himmel kommt – wie auch immer?! Beten wir also für die, die nichts von Jesus wissen? Laden wir sie zu uns nach Hause oder zum Gottesdienst ein? Wann haben wir das letzte Mal über unseren Glauben geredet?

Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt. So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!

Aber das Sendschreiben an Ephesus ist noch nicht vorbei. Im letzten Vers unseres Textes für heute lesen wir das Folgende:

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.

Jesus sagt: Kirche zu sein in dieser Welt, ist schwierig. Es ist nicht einfach, die Lehren von Menschen zu prüfen. Und Menschen zu lieben? Selbstlos zu leben und zu sagen: „Du zuerst“? Das ist ganz sicher nicht leicht. Aber Jesus wandelt mitten unter den goldenen Leuchtern, ist mitten unter seinen Gläubigen. Und er ist da, um zu retten und zu helfen.

Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.

Das ist eine Umschreibung von Gottes ewigem Reich, das für uns Gläubige bereits begonnen hat. Jesus sagt hier, dass er uns zu essen geben will vom Baum des Lebens, der schon im Garten Eden zu finden war. Ein Biss von der Frucht dieses Baumes, lässt uns den Tod überwinden und ewig leben. Seine Blätter dienen der Gesundheit aller Menschen. Sie sollen zum ewigen Leben gesunden. Und durch Jesu Tod und Auferstehung steht nun kein Cherub, kein Engel mehr vor der Pforte zum Paradies. Im Gegenteil: Sie laden uns ein: „Kommt und lebt in der Gegenwart Gottes!“ Derjenige, der den Gemeinden manch hartes Wort sagen muss, lebte und starb, um die Sünden jedes einzelnen von uns zu vergeben. Er lebte und starb, um die Sünden aller Menschen zu vergeben. Denn Jesus war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz, auf dass wir leben können. Es ist so, wie es in einem Lied heißt:

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht. / Ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Es ist dieser Jesus, der mitten unter uns ist. Es ist dieser Jesus, der uns zu Überwindern macht. Es ist dieser Jesus, der uns durch Wort und Sakrament zu essen gibt – auf unserem Weg ins Paradies. Es ist dieser Jesus, der uns jedes Abweichen von der Wahrheit und unseren Mangel an Liebe vergibt. Es ist dieser Jesus, der uns zu unserer Besserung seines Heiligen Geistes Kraft verleiht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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