Freude

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Galater 5,22+23, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Der eine raucht Gras, ein anderer strickt Socken & Schals – aber sie Beide tun, was sie tun, aus ein und demselben Grund. Manche lesen Kriminalromane und andere gehen an einen Fluss, um zu angeln. Manch einer mag lange Spaziergänge, ein anderer spielt gern Gesellschaftsspiele oder bastelt in aller Ruhe in seiner Werkstatt. Was auch immer es sein mag: Der Grund, warum wir tun, was wir tun, ist identisch. Wir wollen Freude. Manche stehen früh am Morgen auf, um im Fitnessstudio zu trainieren, weil sie sich danach glücklich fühlen. Andere bleiben bis spät in der Nacht auf und reden mit Freunden, weil es ihnen Freude bereitet. Der Grund, warum Jungs und Mädchen im Jugendalter gern Apex Legends oder Minecraft spielen, ist darin zu suchen, dass es ihnen Glücksgefühle verschafft. Wir alle tun, was wir tun, weil wir auf der Suche nach Glück und Freude sind. Es mag falsch sein oder richtig – biblisch oder sündig – aber wenn wir uns bei all unseren Aktivitäten die Frage nach dem Warum stellen würden, so wäre die ehrliche Antwort wohl immer die Folgende: Die Suche nach Freude.

Aber wir alle haben es erfahren: Die allermeisten Dinge bereiten uns nur kurzzeitig Freude. Manchmal bereut man das, was man getan hat schon wenige Augenblicke danach. „Warum habe ich das getan? Das mache ich nie wieder. Es war total dumm!“ Und man ist mehr traurig als froh. Oder vielleicht ist es weniger sündhaft und rebellisch. Vielleicht ist es einfach so, dass eine Sache oder Handlung ihren Glückseffekt nach einiger Zeit verliert. Man gab viel Geld für etwas aus, das einen Monat später unbeachtet in der Ecke liegt. Oder man gewöhnt sich an eine Sache so sehr, dass man ihrer fast schon überdrüssig wird.

Freude – das ist ganz sicher eine der Schlüsselfragen des Lebens. Ganz allgemein – aber vor allem in Hinblick auf unser geistliches Leben. Ihr und ich – jeder von uns – wird etwas wählen, das ihm Freude bereitet. Etwas, von dem wir glauben, dass es uns glücklich macht. Die Frage ist nur: Was ist es? Nicht umsonst spricht die Heilige Schrift an vielen Stellen über Freude – an über 400 Orten, um genau zu sein. Und schaut man all sich diese Stellen an, findet man heraus, dass es mindesten drei unterschiedliche Arten der Freude gibt, von denen die Bibel redet. Erstens: schlechte Freude, zweitens: gute Freude und drittens: himmlische Freude.

Über diese drei Arten der Freude wollen wir heute etwas genauer nachdenken und wir beginnen mit der ersten, mit der schlechten Freude. Will man schlechte Freude definieren, könnte das in etwas so aussehen: Schlechte Freude ist das Glücklichsein über Ungehorsam. Sie ist etwas, bei dem wir Gott nicht gehorchen. Sie ist unbiblisch, sündig und falsch. Und doch macht sie einen irgendwie glücklich – zumindest für den Moment. In einem Song hat es ein Sänger einmal so ausgedrückt: „Alles, was mich tötet, lässt mich lebendig fühlen.“ Ich weiß, es tötet mich. Ich weiß, es eine schlechte Angewohnheit. Aber jetzt und hier verschafft es mir ein gutes Gefühl.

Ich mag die Tatsache, dass Gott in der Heiligen Schrift sehr ehrlich hinsichtlich dieser Dinge ist. In Sprüche 15,21 dichtete König Salomo das Folgende:

Dem Toren ist die Torheit eine Freude.

Torheit steht hier für Sündhaftigkeit. Sie steht für das Gegenteil eines weisen, biblisch gehorsamen Lebens. Und doch kann ein solches Verhalten Freude bringen.

Dem Toren ist die Torheit eine Freude.

Und wir wissen, dass das stimmt. Sünde hat etwas Verlockendes an sich – auch für uns Christen. Versuchungen sind deshalb verlockend, weil sie uns für einen Moment Glück und Freude versprechen. Die Mutter ruft ihren Sohn: „Keine Videospiele mehr, kommt bitte zum Abendessen!“ Warum entehrt er sie? Warum tut er so, als würde er sie nicht hören? Warum versucht er auch noch die letzte Minute, die letzte Runde, herauszuquetschen? Die einfache Antwort lautet: Weil Videospiele ihn glücklich machen. Warum verstecken manche Teenager ihre Smartphones, obwohl der Vater sagte, dass sie keine Zeit mehr am Bildschirm verbringen sollen? Weil es sie glücklich macht, mit ihren Freunden über soziale Medien in Kontakt zu treten. Warum freuen sich manche Leute diebisch, sobald eine ungeliebte Person einen Fehler macht? Weil sie sich am Schaden des anderen erfreuen. Warum trinken getaufte erlöste Kinder Gottes so viel Alkohol, dass sie kaum mehr gerade ausgehen können? Weil sie dachten, es würde ihnen Freude bereiten – oder zumindest für den Moment die Sorgen vergessen machen. Warum geraten Paare, die vor Gott versprochen hatten, sich in guten wie in schlechten Zeiten zu lieben, in diese Streitereien, bei denen jeder versucht zu gewinnen? Und die Antwort ist dieselbe: Wenn ich diese Auseinandersetzung gewinne und sie oder ihn dazu zwingen, seine Meinung zu ändern und das zu tun, was ich will, dann macht mich das glücklich. Es mag also schlecht sein – und obendrein weiß man es – aber – tut mir leid – Torheit ist eine Freude.

Aber beachten wir den ganzen Vers aus den Sprüchen:

Dem Toren ist die Torheit eine Freude.

Gott verleugnet nicht, dass Sünde und Torheit uns Freude bereiten können. Aber das ändert nichts daran, dass man dann zum Toren wird. Denn was passiert als nächstes? Was kommt nach der kurzzeitigen Freude an der Sünde? Klar kann man den Controller festhalten oder sein Handy verstecken. Sicher kann man seine Eltern entehren. Aber wie wird dann das Essen sein? Wie entwickelt sich das Vertrauensverhältnis, wenn man ständig lügt? Und natürlich kann versuchen, den Streit zu gewinnen. Aber wie wird sich das Zusammenleben mit einem Menschen gestalten, den man versucht zu verändern, anstelle ihn zu lieben? Ist es das, was man will? Und ja, man kann sich betrinken, bis man nicht mehr stehen kann. Aber weiß man wirklich, wie eine Sucht ist? Und will man das wissen – aus eigener Erfahrung?

Und wir reden nur über irdische Konsequenzen. Was ist mit der Ewigkeit? Gott würde sagen: „Du kannst ganz für dich leben, tun was du willst, die Regeln ignorieren, deine Art Leben führen, Gott und Herr spielen.“ Aber was wird passieren, wenn du stirbst und dem Gott gegenüberstehst, den du nicht wolltest, obwohl er dir tausend Chancen gab? Der Vers aus den Sprüchen ist tiefgründig:

Dem Toren ist die Torheit eine Freude.

Mit anderen Worten: Das Böse schlägt zurück. Und Gott ist ein guter Vater. Neulich las ich eine kurze Notiz über einen Mann, der einen christlichen Seelsorger aufsuchte. Er war verzweifelt. Er machte eine schwere Zeit im Leben durch und meinte zu dem Seelsorger: „Ich will mich einfach nur gut fühlen – jetzt und hier.“ Der Seelsorger dachte einen Moment lang nach und meinte dann das Folgende: „Ich empfehle ihnen diese Dinge: Erstens: Besorgen sie sich eine Menge ihres liebsten alkoholischen Getränks. Zweitens: Finden sie einige kooperative Frauen. Drittens: Fliegen sie in die Karibik.“ Der Mann war schockiert und meinte: „Ich dachte, ich sei hier bei einem christlichen Seelsorger.“ Der Seelsorger zuckte daraufhin mit den Schultern und sagte: „Nun, angesichts ihrer Bitte war das das Beste, was ich für Sie tun konnte.“

Meine Lieben, wollen wir im hier und jetzt glücklich sein, gibt es ganz sicher Wege, das zu erreichen. Aber Gott will mehr für uns. Er ist nicht nur ein König, nicht nur ein Herr und Richter. Er ist unser guter Vater. Und gute Väter verweigern ihren Kindern immer wieder kurzzeitiges Vergnügen. Nicht, weil sie ihre Kinder hassen – sondern weil sie sie lieben. Mütter und Väter sagen vermutlich eine Millionen Mal „Nein“ in den ersten 10 Lebensjahren ihrer Kinder. Denn sie wollen etwas Besseres für sie. Und so ist es auch mit Gott. Ein sündloser Gott ist auch ein guter Vater. Seine Gebote sind daher richtig und uns aus Liebe gegeben. Wenn wir lesen: „Du sollst nicht…“ – dann lesen wir gleichzeitig von einem gütigen Vater, der uns vor den Konsequenzen schlechter Freude bewahren will.

Das bringt uns zum zweiten Punkt für heute: gute Freude. Gute Freude würde ich als das Glücklichsein über Gottes Gaben definieren. Wenn Gott uns Geschenke macht und wir darüber glücklich sind, dann ist das gute Freude. Darüber sprach einmal der Apostel Paulus, als er den Leuten in einer Stadt namens Lystra begegnete. Diesen predigte er:

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Gott hat uns viel Gutes getan. Nicht nur wenig, nicht nur das tägliche Brot. Gott gibt uns eine ganze Menge mehr als das und erfüllt unser Herz auf diese Weise mit guter Freude. Der himmlische Vater hätte den menschlichen Körper beispielsweise ohne Geschmacksknospen erschaffen können. Hat er aber nicht! Er hätte der Menschheit eine matschige graue Paste geben können, die man durch die Nase einsaugt, und die uns am Leben erhält. Hat er aber nicht! Stattdessen schuf dieser brillante Gott Geschmacksrichtungen, Aussichten und Klänge. Er schuf guten Kaffee und gutes Bier. Er schuf frisches Obst und Gemüse. Er schuf Berge und Täler – um unsere Herzen mit guter Freude zu erfüllen.

In Vorbereitung auf diese Predigt habe ich mich hingesetzt und eine Liste von A bis Z mit Dingen aufgeschrieben, die uns Menschen mit guter Freude erfüllen können: Ich lese sie euch jetzt vor und ihr könnt später gern selbst eure eigene machen – los geht’s: Avocados, Badewanne, Couch, Dosenöffner – wo wären wir ohne sie, Enkelkinder, Feuer, um das man sitzt, Gemälde, Hosen, Inspiration, Jubel Koalabären – so knuffig, Liebe, Mittagsschlaf,Nudossi – wer mag schon Nutella, Olivenöl mit knusprigem Brot, das man hineintunkt, Popcorn, Quark, ruhige Kinder, Schallplatten, Theater, Umarmungen, Ventilator an einem heißen Sommertag, Warmer Regen und der damit verbundene Geruch, Xenophilie, Yacht – für jemanden hier im Raum, Zucchini – wenn sie gentechnisch so verändert sind, dass sie wie Schokoladenkuchen schmecken.

Ist es nicht erstaunlich, dass Gott uns mit so vielen guten Dingen beschenkt?! Wir beten um das tägliche Brot und er reicht uns ein Glas Erdnussbutter, ein Toast und selbstgemachte Marmelade obendrauf. Er ist so ein guter Vater, dass er uns großzügig mit Freude segnet. Und es gibt keine Sünde darin. Keine Scham. Man muss sich nicht schlecht fühlen deshalb oder moralische Kompromisse eingehen. Kein Schuldgefühl am Morgen danach. Und das dürfen und sollen wir immer wieder bedenken: Gute Freude ist überall zu finden. Und Gott möchte, dass wir sie sehen, uns daran erfreuen und ihn dafür loben und preisen. Tritt man an einem sonnigen Tag hinaus, an dem es auch hätte regnen können, und es sind 32 Grad: Gute Freude. Wenn man im Restaurant Essen bestellt und es wir schließlich serviert: „Gott, du hättest das nicht tun müssen – aber du gibst es.“ Öffnen wir daher unsere Augen und Ohren für die gute Freude, die Gott uns schenkt. Hetzen wir nicht so schnell durchs Leben, so dass wir die Gaben unseres großzügigen Vaters nicht verpassen. Und loben und danken wir ihm!

Denn alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

Gott liebt es, uns gute Freude zu schenken.

Gute Freude ist eine Gabe Gottes – aber sie hat einen entscheidenden Makel in einer gefallenen Welt. Deshalb bricht mir das Herz für alle, die keine geistliche Verbindung zu Jesus haben. Es ist nicht so, dass sie nicht glücklich sein könnten. Aber die Quelle ihrer Freude wird irgendwann versiegen. Mit allem auf der Liste, die ich gerade aufgezählt habe, ist das so: Eine Avocado wird früher oder später verrotten. Eine Couch kann sich abnutzen und landet auf dem Sperrmüll. Die Liebe anderer Menschen kann erkalten. Das Glas Nudossi ist irgendwann aufgegessen. Und ruhige Kinder werden früher oder später wach. Gute Freude ist gut. Aber sie ist nicht gut genug. Als Menschen, die in der ersten Welt leben und daher reich sind, kann unser Leben von vielen guten Dingen erfüllt sein. Und doch sehnt sich unsere Seele immer nach mehr – nach etwas anderem.

Wenn die Heilige Schrift über Freude spricht, warnt sie uns an der ein oder anderen Stelle vor schlechten Freuden. An anderen Stellen ermuntert sie dazu, dass wir uns an den guten Gaben Gottes erfreuen. Aber die überwiegenden Stellen in der Bibel sprechen von der himmlischen Freude. Himmlische Freude würde ich so definieren: Sie ist das Glücklichsein über Gottes Gegenwart. Gott ist hier. Er ist in meinem Leben. Gott ist mit mir in meinem Zuhause. Er ist jetzt in diesem Moment bei uns in der Kirche. Glück in der Gegenwart Gottes zu finden, darum geht es bei der himmlischen Freude. Fragt das Alte Testament und das Neue. Fragt Mose oder die Propheten. Fragt die Apostel oder Jesus selbst. „Wie bekomme ich dauerhafte und ewige Freude?“ Die Antwort lautet immer: in der Gegenwart eines liebenden und vergebenden Gottes. In Psalm 21,6 heißt es beispielsweise:

Denn du setzest ihn zum Segen ewiglich, du erfreust ihn mit Freude vor deinem Antlitz.

Ewiger Segen – ein Segen, der niemals aufhört – eine Freude, die nie endet! Und wie findet man das? Du erfreust ihn mit Freude vor deinem Antlitz – in Gottes Gegenwart also. Der Prophet Jesaja sagt etwas ganz Ähnliches im 12. Kapitel seines Buches (V. 6):

Jauchze und rühme (freue dich), du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

G ott, der Heilige Israels – dieser große, allmächtige, barmherzige, weise und gerechte König – wo ist er? Bei dir! Und deshalb können wir jauchzen, rühmen und uns freuen!

Dann springen wir ins Neue Testament und zu Jesu Jünger Petrus. Er hielt vor einer großen Menschenmenge eine Art Stegreifpredigt. 3000 Menschen werden sich am Ende des Tages taufen lassen. Und was sagt er ihnen unter anderem? Petrus erzählt von Jesus, der vom Himmel zu uns kam. Er erzählt von Gottes Sohn, der für uns lebte und starb und von den Toten auferstand. Und dann zitiert er ausgiebig Psalm 16. Unter anderem auch diesen Vers:

Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.

In deiner Gegenwart! In Gottes Gegenwart ist die Fülle der Freude. Deshalb ist Jesus gekommen. Er ist gekommen, damit wir Lieder singen können, wie dieses:

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; / A und O, Anfang und Ende steht da. / Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; / Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! / Himmel und Erde, erzählets den Heiden: / Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

Jesus ist kommen. Er ist hier. Er ist bei uns. Warum singen wir solche Lieder? Weil das Leben einfach wäre? Weil unsere Beziehungen perfekt wären? Und nichts an unseren Körpern kaputt ist? Nein, wir singen, weil die großartigste Person, die wir uns jemals vorstellen können, hier ist – zu uns gekommen ist. Das hat uns Jesus gegeben. Würde Sünde uns bedecken, würden all unsere Fehler und Versäumnisse an uns kleben wie Kletten, würde Gott sein Angesicht von uns abwenden. Aber:

Jesus ist kommen, das Opfer für Sünden, / Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm. / Sündern die ewge Erlösung zu finden, / stirbt es aus Liebe am blutigen Stamm. / Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? / Jesus ist kommen, das Opfer für Sünden.

Das ist die Freiheit eines Christenmenschen und gleichzeitig seine ewige und himmlische Freude. Die Freiheit, dass uns alle Sünden vergeben, alle unsere Gebrechen geheilt, unser Leben vom Verderben erlöst und wir mit Gnade und Barmherzigkeit gekrönt sind. Deshalb ist Gott nicht ferne von einem jeden von uns – sondern hier und mit uns. Deshalb ging Jesus durch Schmerz und durch Leid – obwohl er hätte Freude haben können – und ertrug an unserer Stelle den Zorn Gottes und die Hölle. Und darum gilt: Ob wir in diesem Leben nun viel gute Freude haben oder wenig davon – durch Jesu haben wir immer und in jedem Fall himmlische und ewige Freude. Nach diesem Wort sehnt sich unsere Seele. Und diese Sehnsucht wird allein durch dieses Wort gestillt – vom Wort des Evangeliums.

Davon sprach auch Martin Luther in seiner berühmten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Mit seinen Worten will ich heute enden:

Hat die Seele sonst nichts – keinerlei gute Freude, keinerlei gute Gaben –, weder im Himmel noch auf Erden, worin sie leben, rechtschaffen, frei und eine Christin ist, als das heilige Evangelium, das Wort Gottes, das Christus gepredigt hat, wie er selbst sagt: „Ich bin das Leben und die Auferstehung; wer an mich glaubt, der lebt ewig“; ebenso: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ebenso: „Der Mensch lebt nicht allein von dem Brot, sondern von allen Worten, die aus dem Mund Gottes gehen.“ Wir müssen also gewiss sein, dass die Seele alle Dinge entbehren kann, außer dem Wort Gottes, und ohne das Wort Gottes ist ihr mit keinem Ding geholfen. Wenn sie aber das Wort Gottes hat, so bedarf sie auch keines anderen Dings mehr, sondern sie hat in dem Wort Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Wissen, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gute überschwänglich.

Das meinte auch der Apostel Paulus, als er schrieb:

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit;

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.