Geduld

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Galater 5,22f, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Computer, Smartphones, Tablets und andere elektronische Geräte sind ohne Frage einer der vielen Wege, auf denen Gott uns segnet. Nie war es leichter, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und in Verbindung zu bleiben. Mit einem Griff in die Hosentasche halte ich das gesammelte Wissen vieler intelligenter Menschen in meiner Hand. Smartphones können uns den Weg in einer fremden Stadt zeigen und auf Sehenswürdigkeit hinweisen. Und mittlerweile dienen sogar als Zahlungsmittel, welches man immer dabeihat.

Aber wie alles in einer gefallenen Welt können auch Smartphones negative Auswirkungen auf uns haben. Ich habe einen leisen Verdacht: Seit fast jeder von uns ein Smartphone mit sich herumträgt, sind wir generell etwas weniger geduldig geworden als früher. Man beobachtet es beispielsweise bei allen möglichen Versammlungen. Viele verhalten sich wie Süchtige und greifen ständig nach ihrem Smartphone. Nicht, weil die Frau jederzeit ein Kind bekommen könnte, sondern einfach, weil es das ist, was wir tun. Oder während der Pandemie sah man es bei den vielen Videokonferenzen. Man schaut auf die kleinen Vierecke auf dem Bildschirm mit den Gesichtern der Teilnehmer darin. Schnell hegt man den Verdacht, dass 50 bis 80 Prozent der Leute mit ihren Gedanken ganz woanders sind. Die Blickrichtung geht immer wieder nach unten, weil das Telefon außerhalb des Sichtfeldes der Kamera ist. Und das nicht, weil die Konferenz den ganzen Tag dauern würde – sie ist erst vor 12 Minuten losgegangen. Aber es ist eben schwer zu warten. Oder habt ihr schon einmal fahrradfahrende Jugendliche gesehen – eine Hand am Lenker, in der anderen das Telefon? Und erwachsene Autofahrer? An vielen Straßen warnen Plakate vor dem Griff zum Handy: „Finger weg vom Handy“, sagt eines von ihnen. Ein anderes wir deutlicher: „Tipp tipp tot“, steht da in großen Lettern – neben einem vollkommen ramponierten Smartphone, welches einen schlimmen Unfall andeuten soll. Aber trotz all der Warnungen: Wenn wir an eine rote Ampel kommen, strecken sich unsere Körper instinktiv nach den kleinen Geräten aus. Denn schließlich ist es schon über einen Kilometer her, dass ich meine Nachrichten gecheckt habe. Warten fällt uns schwer.

Und das ist nicht überraschend, bedenkt man, was geschieht: Unser Gehirn sehnt sich nach Abwechslung – ein Dopaminrausch durchflutet uns, wenn wir etwas Neues sehen. Und weil unsere Telefone immer etwas Neues zu bieten haben – einen neuen Beitrag; eine neue Nachricht; eine App, die es zu überprüfen gilt – regt das unsere Gehirne an. Sie reagieren fast so wie auf eine Droge. Im Ergebnis wird es schwieriger für uns, zu warten und geduldig zu sein.

Aber Geduld ist eine Tugend, so sagt man. Und wir können das gut nachvollziehen. Sind es nicht geduldige Menschen, mit denen wir unsere Zeit am liebsten verbringen wollen – egal, in welchem Lebensbereich. Denken wir an solche, die schnell aufbrausend oder leicht verärgert sind. Es ist schwer ein geselliger Mensch zu sein, wenn man nicht gleichzeitig geduldig ist. Und Tatsache ist, dass Maschinen zwar unsere Gehirne und unsere Kultur beschleunigt haben, nicht aber die Art und Weise, wie wir Menschen sind. Neulich meinte ein leitender Angestellter der Firma Facebook, dass eine Person im Durchschnitt 1,7 Sekunden damit verbringt, sich einen Inhalt auf ihrer Seite anzuschauen, bevor sie weiterklickt. Nächstes – Nächstes – Nächstes. Und wusstet ihr, dass allein die Älteren unter uns der Grund dafür sind, warum es überhaupt 1,7 Sekunden sind?! Denn Facebook sagt, dass junge Menschen zweieinhalb Mal schneller sind als die 1,7 Sekunden! Nächstes! Nächstes! Nächstes! Nächstes! Nächstes! Nächstes! Unterhalte mich! Unterhalte mich! Unterhalte mich! Und dann legt man sein Smartphone beiseite und schaut einem realen menschlichen Wesen in die Augen. Aber dieses funktioniert eben nicht wie eine Maschine. Man kann sich nicht das, was einem jemand zu sagen hat, in 2,5facher Geschwindigkeit anhören. Menschen sind Menschen.

Und so bleibt es dabei: Geduld ist eine Tugend. Es ist schwierig mit jemandem umzugehen, der immer nur auf den Punkt kommen und ein Problem möglichst schnell lösen will. Wie viel geliebter fühlen wir uns dagegen, wenn jemand Geduld an den Tag legt, sich Zeit nimmt, zuhört, Fragen stellt und sich so in sein Gegenüber einfühlt? Menschen sind schließlich keine Internetseiten, die man mal eben schnell durchblättert. Sie wollen gehört und verstanden werden. Ein geduldiges Miteinander ist dafür die Voraussetzung. Und so ja, wir leben in einer schnelllebigen 5G-Smartphone-Welt. Aber letztendlich bleibt es dabei: Geduld ist eine Tugend.

Oder wie es Paulus im Galaterbrief besser ausdrückt: Geduld ist eine der Früchte des Geistes – darüber wollen wir heute nachdenken. Denn Geduld ist nicht nur ein Segen hinsichtlich irdischer Beziehungen. Die wichtigste unserer Beziehungen ist die zu unserem Gott. Und Tatsache ist, dass Gott Pläne hat, uns zu segnen und uns von all unseren Sünden, Problemen und allem Schmerz zu erlösen. Der Haken dabei ist, dass sich diese Pläne möglicherweise nicht heute oder morgen oder am Ende dieses Jahres erfüllen werden. Sind wir allerdings nicht geduldig auf den Zeitplan Gottes zu warten, wird unsere Beziehung zu ihm voller Zweifel, Fragen und Anschuldigungen sein, warum er diese oder jene Sache noch nicht in Ordnung gebracht hat. Was für eine wunderbare Sache ist es dagegen, Gottes Wort zu öffnen und die Frucht der Geduld mit Hilfe eines erstaunlichen Vaters zu suchen und zu finden.

Beginnen wir also mit dem ersten Punkt für heute: Geduld mit Menschen. Es gibt eine ganze Reihe an Bibelstellen, die über dieses Thema sprechen. Besonders viele davon finden sich im Buch der Sprüche Salomos. Eine von ihnen wollen wir uns etwas genauer anschauen. In Sprüche 14,29 schreibt der weise König:

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.

Das ist eine sehr poetische Umschreibung für folgende zwei Tatsachen: Geduldige Menschen sind klug. Und ungeduldige sind dumm.

wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.

Es ist töricht, sinnlos und hilft niemandem, ungeduldig zu sein.

Ein lebendiges Beispiel für die Wahrheit dieses Verses begegnete mir neulich. Ich stieg in mein Auto und wollte von unserer Straße am Römerplatz links in die Moritzstraße abbiegen. Gegenüber der Straße liegt die Ausfahrt eines Parkplatzes für die Anwohner des Hauses. Dort stand gerade eine Frau in ihrem Auto, die ebenfalls auf die Moritzstraße abbiegen wollte. Ich hatte die Vorfahrt, da sie schließlich aus einer Ausfahrt kam. Es war viel los an jenem Morgen und es dauerte eine Weile, bis die Straße frei war. Endlich ergab sich eine Lücke und ich fuhr los. Plötzlich aber drückte die Frau gegenüber ebenfalls auf die Tube und schnitt mir den Weg ab. Ich musste stark auf die Bremse steigen, um keinen Unfall zu bauen. Und weil der Heilige Geist an jenem Tag mindestens teilweise in meinem Herzen am Werk war, zeigte ich ihr weder meine Fingerfertigkeit noch wo die Vögel wohnen, fluchte und hupte auch nicht. Eine Sache tat ich aber, als sich unsere Blicke kurz trafen. Ich hatte die Hände am Lenkrad und schaute die Frau einfach fragend an. Und wisst ihr, wie sie darauf reagierte? Augenblicklich war sie wütend und fuchtelte wie wild mit den Armen, obwohl sie im Unrecht war. Und ich bog nach ihr links ab, lachte innerlich, als ich weiterfuhr, und dachte bei mir: „Was hat sie davon? Was denkt sie nun?“ Und: „Was hatte ich davon, als ich in solchen Situationen ähnlich reagiert habe wie sie.“

Und es erinnert mich an die Worte aus den Sprüchen:

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.

Hatte die unwirsche Fahrerin bis zu diesem Moment einen guten Tag gehabt?Hatte Gott sie auf 99 Weisen gesegnet – aber dann verärgerte sie irgendein Autofahrer so sehr, dass sie sie verlor? Ich stelle mir Gott vor, wie er manchmal auf uns Menschen schaut, und sich denkt: „Was habt ihr davon?“ Sicher kann man ein wütender Autofahrer sein – aber unser Vater im Himmel würde herabschauen und fragen: „Warum?“ Man kann an der Stoßstange des Vordermanns kleben, auf die Hupe einhämmern oder der Typ sein, der ständig die Spur wechselt, nur um 10 Sekunden früher am Ziel zu sein. Und Gott würde fragen: „Was hast du davon?“ Oder man kann das wütende Elternteil sein. Schließlich ist man größer, stärker und hat das Sagen im Haus. Man kann also mit dem Fuß aufstampfen, die Stimme erheben und die Kinder zum Schweigen bringen. Und Gott würde fragen: „Was hast du davon?“ Ich meine, wir können Kinder dazu zwingen, uns zu gehorchen. Aber ist man immer nur ungeduldig, werden sie bald vor uns davonlaufen. Klar kann man Kinder in Angst und Schrecken versetzen, weil sie klein sind. Aber sobald sie alt genug werden und eigene Entscheidungen treffen können, sind sie weg. Gott und die Liebe würden fragen: „Was hast du davon?“ Sicher kann man die Schwächen eines Menschen herausfinden, über den man sich aufgeregt hat und anschließen so richtig auf den Putz hauen. Und Gott würde fragen: „Warum?“ Klar kann man vor dem Fernseher sitzen und den Trainer der Fußballmannschaft anschreien oder den vermeintlich inkompetenten Schiedsrichter. Und Gott würde sagen: „Das ist töricht – es ist nur ein Spiel. Und Spiele habe ich erfunden, dass sie Spaß machen.“

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.

Ungeduld ist wie sich selbst ins Gesicht schlagen. Es macht schlicht keinen Sinn, sondern verletzt nur – andere, aber auch sich selbst.

Dabei ist Geduld eine wirklich gute Frucht des Geistes. Auch davon wissen die Sprüche zu berichten. In Spr 25,15 heißt es:

Durch Geduld wird ein Fürst überredet, und eine linde (sanfte) Zunge zerbricht Knochen.

Was für eine Aussage! Geduldige Menschen sind überzeugende Menschen. Selbst Fürsten lassen sich überreden. Selbst Knochen lassen sich peu a peu erweichen. Wer aufbraust, zerbricht auch. Porzellan vielleicht und macht so Wertvolles zunichte. Aber wer mit sanfter Beharrlichkeit freundlich zuredet, zerbricht die härteste Nuss und erreicht wundervolle Ziele. Man will vielleicht jemanden überzeugen, ein anderes Leben zu führen oder bessere Entscheidungen zu treffen. Gemäß diesem Vers kann das geschehen. Selbst Herrscher können überredet und knochenharte Gedanken zerbrochen werden. Aber was braucht es dafür? Geduld und eine sanfte Zunge. Denn geduldige Menschen sind überzeugende Menschen.

Das war der erste Punkt für heute Morgen Geduld mit Menschen. Im zweiten soll es um Geduld mit Gott gehen. Ich denke, Davids Wort sagen es am deutlichsten. In Psalm 27,14 schreibt er das Folgende:

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Ich mag es, wie David es ausdrückt: „Weißt du, was die meisten von uns tun müssen? Harre des Herrn, warte auf ihn! Oh ja, und sei getrost und unverzagt. Und nur für den Fall, dass du vergessen hast, was ich nur fünf Worte zuvor sagte: Harre des Herrn!“ Es ist nicht nur der Stil hebräischer Poesie. David weiß, dass Geduld nicht die Superkraft von uns Menschen ist. Deshalb wiederholt er es: „Harre des Herrn!“

Und kennt man die Geschichte Davids, weiß man, warum er die Geduld mit Gott derart betont. Im 1. Buch Samuel, Kapitel 16, sandte Gott den Propheten Samuel zu David, um ihn zum zweiten König über Israel zu salben, nachdem sich Saul als ungeeignet erwiesen hatte. Aber am Ende des 16. Kapitels ist David nicht der regierende König. „Harre des Herrn!“ In 1 Samuel 17 finden wir die bekannte Geschichte über Davids Begegnung mit dem Philister Goliath. In einem epischen Kampf gegen den Riesen trifft ihn David zunächst mit einem Stein an der Stirn und schlägt ihm schließlich den Kopf ab. Israel ist gerettet. Aber am Ende des 17. Kapitels ist David immer noch nicht regierender König. „Harre des Herrn!“ Und dann lest ihr man das 18. Kapitel, in welchem Saul unsicher und eifersüchtig wurde. Er versuchte sogar, David zu ermorden. Dieser musste fliehen, überlebte aber. Und am Ende des Kapitels war David dennoch noch nicht der König. „Harre des Herrn!“ Und dann liest man die Kapitel 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29 und schafft es schließlich bis zu den Kapiteln 30 und 31, wo König Saul sich aus Verzweiflung selbst das Leben nimmt. Dann blättert man zum 2. Buch Samuel, Kapitel 1, und David ist immer noch nicht der König. Hier hört er zunächst nur, dass Saul tot ist. Und dann – Kapitel 2: David wird endlich König – aber nur über Juda, diesen kleinen Teil Israels im Süden. Schließlich wollen Sauls Kinder gegen ihn kämpfen. Ein Bürgerkrieg bricht aus. Die Kapitel 2 bis 4 berichten davon. Bis wir schließlich zu Kapitel 5 gelangen, wo das Harren ein Ende hat. 20 Kapitel der Bibel waren nötig, damit sich Gottes Versprechen erfüllte. Über ein Jahrzehnt des Wartens auf die Erfüllung des Versprechens Gottes.

Und so geht es oft zu in der Bibel – David ist da keine Ausnahme. Erinnert euch an Abrahams Geschichte. Gott sagte diesem alten Mann zu, dass er einen Sohn haben und seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel sein werden. Gott hielt dieses Versprechen. Aber wisst ihr, wie lange Abraham ausharren musste, bis er den kleinen Isaak in Händen halten durfte? 25 Jahre! Dem Propheten Jesaja gab Gott eine Verheißung über den kommenden Erretter. Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären. Und er wird um unsere Missetaten willen verwundet. Gott hat dieses Versprechen gehalten, als Jesus zu uns kam, geboren wurde und an einem Kreuz starb. Aber wisst ihr, wie viele Jahre zwischen Jesaja und Jesus liegen? 700! Nachdem Adam und Eva die erste Sünde begangen hatten, indem sie von der verbotenen Frucht naschten, versprach Gott in seiner Gnade und Liebe, dass die Frau einen Nachkommen haben wird, der dem Teufel den Kopf zertreten. Aber wisst ihr, wie es von den ersten beiden Menschen bis zu Jesus dauerte? Schon ein bisschen… Die Bibel sagt uns, dass Gott treu ist und er nicht lügt. Wenn er etwas sagt, tut er es garantiert. Aber eben nicht unbedingt heute und vielleicht auch nicht morgen. Am Ende seines Lebens blickte David daher zurück und gab uns diese Worte mit auf den Weg:

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Manchmal warten wir auf einen bestimmten Segen Gottes. Man harrt darauf, sich besser zu fühlen. Man wartet, dass sich die eigenen Ängste bessern. Man sehnt sich nach Heilung von einer Krankheit. Man harrt darauf, aus den Schulden herauszukommen. Man wartet und man kämpft. Es ist als würde man hinter dem Lenkrad sitzen und hupen: „Wo bist du Gott?“ Manchmal müssen wir wie David des Herrn harren, auf ihn warten. Aber – und das lehrt uns David – Gott wird uns niemals enttäuschen und das Warten sich lohnen. Das zeigt uns auch Jesaja – denn die Verheißung hat sich erfüllt: Jesus kam, wurde geboren und lebte unter uns ein vollkommenes Leben. Das zeigen uns auch Adam und Eva – denn die Verheißung hat sich erfüllt: Am Kreuz und am leeren Grab errang Jesus den Sieg – nicht nur über den Teufel, sondern auch über unsere Sünde und den Tod. Geduld mit Gott zahlt sich also immer aus.

Geduld mit Menschen, Geduld mit Gott – darum ging es bisher. Aber der dritte und letzte Punkt für heute ist gleichzeitig der wichtigste: Gott ist geduldig mit uns. Wie geht es einem Gläubigen, der immer und immer wieder mit ein und derselben Sünde zu kämpfen hat? Es geschieht nicht nur einmal, nicht nur fünfmal – sondern schon hunderte Male musste er dieselbe Sache vor Gott bekennen. Manchmal kann einem dieser Kampf das Herz brechen. Und zu anderen Zeiten fühlt man sich wie betäubt. Vielleicht gelang es einem, die Sünde ein paar Tage lang zu meiden, aber dann wurde man wieder rückfällig. Und man weiß, dass man sich schuldig fühlen und Reue empfinden sollte. Aber man hat sich einfach an diese Sünde gewöhnt. Man findet keine Worte mehr. Man findet nicht zur Reue. Und nun sitzt man da und fühlt sich schlecht, weil man sich nicht so schlecht fühlt, wie man sich angesichts des Schlechten fühlen müsste, das man getan hat. Unwürdig der Liebe Gottes. Aber dann 1. Timotheus 1,15 und 16. Dort schreibt der Apostel Paulus das Folgende:

Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

Diese Worte sind ein Lebensretter, wenn wir in einem Meer an Schuldgefühlen zu ertrinken drohen. Jeder von uns ist dieser Erste, von dem Paulus hier spricht – der Schlimmste aller Sünde. Denn wir kennen die Sünde von niemandem besser als die von uns selbst. Aber was tut Jesus?

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise

Alle Geduld! Alle Barmherzigkeit! Alle Liebe zu sündigen Menschen, wie wir es sind. Jesus ist nicht der Gott der zweiten Chancen. Wir sollten diesen Gedanken verabscheuen, denn wir brauchen mehr als eine zweite Chance. Wir brauchen zwei Milliarden Chancen und es wäre immer noch nicht genug. Aber Gott ist unermesslich geduldig. Manchmal fühlen wir uns wie festgefahren und betäubt in unserem geistlichen Dasein. Man kämpft – und kämpft schon seit Langem. Man fühlt sich unwürdig. Aber Gott ist unermesslich geduldig. Er ist die Art Vater, der mit seiner allmächtigen Kraft schnellen Schrittes gehen könnte, aber langsam läuft, nur um die Hand seines Kindes halten zu können. Und nicht nur der Apostel Paulus ist ein Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. So vielen Sündern hat Gott durch Jesus vergeben. So vielen Sündern will Gott durch Jesus noch vergeben.

Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

Meine Lieben, es gibt unzählig viele Dinge, die wir an unserem Vater im Himmel lieben können. Aber eine Sache steht sicher ganz oben auf der Liste: Gott ist geduldig mit uns. Er wartet. Er wartet, während wir immer und immer wieder zu ihm kommen. Er wartet, dass wir uns so fühlen, wie wir uns fühlen sollten. Er wartet und wartet und wartet. Denn Gott weiß: Durch Geduld werden selbst Menschen, wie wir es sind, überredet, und eine linde Zunge – das Wort des Evangelium – zerbricht selbst so harte Herzen, wie wir sie haben. Und am letzten Tag, wenn ein geduldiger Gott uns endlich nach Hause bringt, sein letztes Versprechen an uns einlöst und wenn die Engel uns auf ihren Flügeln erhaben, werden wir mit ihnen sagen:

Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Und deshalb ist Geduld eben nicht nur eine Tugend. Sie ist überragend schön und Gottes Geschenk an uns:

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit;

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.