Glaube & Freude

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

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Liebe Freunde in Christus!

„Freut euch!“ – Ist das nicht eine der merkwürdigsten Aufforderungen, die es geben kann? „Hey, du da auf deiner Wohnzimmercouch! Freue dich gefälligst.“ Eine solche Mahnung ist vergleichbar mit einer Mutter, die versucht, ein Familienfoto aufzunehmen. Aber eins der Kinder verzieht den Mund und schaut alles andere als fröhlich in die Kamera. „Freue dich!“ ruft sie deshalb. Irgendwie merkwürdig, oder? Als gäbe es einen inneren Schalter, den man einfach nur umlegen muss und plötzlich sind wir von Freude und positiven Gefühlen erfüllt.

Vielleicht wünschen wir uns in der derzeitigen Situation, dass es einen solchen Schalter gäbe. Viele bedrückt derzeit so mancher sorgenvolle Gedanke. Wäre es da nicht schön, wenn uns einfach nur jemand „Freue dich!“ zuzurufen bräuchte und statt Sorge oder Angst wären da auf einmal Glücksgefühle? Aber Freude funktioniert nicht auf diese Weise. Man kann niemandem gute Gefühle befehlen. Sicher, man kann dabei helfen, eine freudenvolle Situation zu schaffen. Aber jemanden zu sagen, was er zu fühlen hat, das scheint unmöglich.

Aber was denkt ihr? Warum tut es dann Gottes Wort? In der berühmten Stelle aus dem Philipperbrief (4,4) schreibt der Apostel Paulus:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!

Diese Worte sind ja kein wohl gemeinter Ratschlag oder eine Empfehlung. Der Apostel formuliert es als Gebot, dass wir uns freuen sollen. Gleich zweimal innerhalb eines Verses.

Wenn wir darüber nachdenken, was Freude ist, erscheinen die Worte des Paulus fast schon absurd. Denn laut dem Duden ist Freude ein „hochgestimmter Gemütszustand“. Wie auch immer die Lebensumstände aussehen mögen, wir müssten zu unserem Gemüt vordringen können und dort ein „Froh- und Beglücktsein“ finden. Eine Freude, dich von nichts und niemand in dieser Welt angetastet werden kann.

Und Paulus sagt in diesem Vers aus dem Philipperbrief, dass wir nicht nur an einigen Tagen Freude haben sollen – nicht nur an den guten – sondern „allewege“, also immer. Ist es nicht geradezu unsensibel, so etwas zu Menschen zu sagen, die in dieser Welt leben müssen? Gerade in Tagen wie diesen?

Es ist ja derzeit nicht ohne Grund untersagt, dass wir uns hier in der Kirche versammeln. Mancher muss von zuhause aus arbeiten oder aber steht an vorderster Front. Familienangehörige machen sich deshalb Sorgen. Aber Paulus ruft allen zu: „Freuet euch!“ Auch die Kinder können nicht zur Schule gehen und sind getrennt von Klassenkameraden und Freunden. Aber: „Freuet euch!“ Viele von uns machen sich Gedanken in Hinblick auf Eltern, Großeltern oder um sich selbst. Aber: „Freuet euch!“, habt einen „hochgestimmten Gemütszustand!“ Für manche ist es ein bedrückender Zustand, in der eigenen Wohnung gefangen zu sein, nichts zu tun zu haben, gerade wenn man allein oder einsam ist. Aber ich sage euch: „Freuet euch!“ Das Bein schmerzt. Die Schulter tut weh. „Freuet euch!“, seid „froh und beglückt“. Bei einem geliebten Menschen wurde eine Depression diagnostiziert, aber hey: „Freut euch!“ Bald jährt sich der Todestag eines geliebten Menschen. Aber „freuet euch“, und ich sage es noch einmal: „Habt gute Gefühle, einen hochgestimmten Gemütszustand“.

Die Worte des Paulus über die Freude sind uns zwar wohlvertraut. Denken wir aber länger über sie nach, scheinen sie nicht richtig zu sein. Denn Freude gleicht für uns oft einem Thermometer, welches die Außentemperatur misst. Nur haben wir nicht in der Hand, wie das Wetter wird. Wir können nur auf das Wetter reagieren. Es scheint also das Beste im Leben zu sein, Gott zu danken, wenn die Sonne scheint, die Tage gut sind und unsere Körper und Seelen sich wohlfühlen. Ist dem dagegen nicht so, müssen wir das eben aushalten und versuchen, irgendwie durchzukommen.

Aber das ist eben nicht das, was die Bibel nahelegt. Denn nicht nur Paulus schrieb über Freude, auch Jesu Halbbruder Jakobus sagte etwas ganz ähnliches. In seinem Brief beschreibt er Freude nicht so sehr als Thermometer, das je nach Außentemperatur sinkt oder steigt. Vielmehr gleicht Freude einem Thermostat, welches ja dafür gedacht ist, die richtige Temperatur einzustellen – unabhängig vom Wetter draußen.

Unser Predigttext stammt heute aus dem Jakobusbrief, Kapitel 1, und wir beginnen bei Vers 2. Jakobus schreibt:

Meine lieben Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt,

Von den insgesamt 58 Ermahnungen des Jakobusbriefes scheint diese Erste die schwerste zu sein: Fallen wir in Anfechtungen, sollen wir das für lauter Freude erachten? Und dabei spielt es keine Rolle, um welche Art Anfechtung es sich dabei handelt. Ob auf finanziellem Gebiet, in Hinblick auf Familienmitglieder, Arbeit oder Gesundheit – was auch immer es sein mag – Jakobus sagt: Erachtet es für lauter Freude – für pure Freude; nichts als Freude -, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt.

Das klingt irgendwie weltfremd. Besonders wenn man bedenkt, wie das griechische Wort sonst benutzt wird, welches in unserem Text mit „erachten“ wiedergegeben ist. Im Griechischen stand das Wort oft in militärischem Zusammenhang. Wenn ein Heerführer seine Truppen von ihrem derzeitigen Standort zu einem anderen führte, dann benutzte man dafür dieses Verb.

Jakobus will uns also das Folgende sagen: Wenn Anfechtungen uns treffen, dann haben wir gewöhnlich eine natürliche Reaktion darauf: Angst zum Beispiel, Sorge oder Furcht. Aber, so legt es der Apostel nahe, wir sollen zum Heerführer unserer eigenen Herzen werden und unsere Gedanken und Gefühle von diesen natürlich Reaktionen wegbewegen hin zu dem Ort, an dem wir Freude finden – inmitten der Anfechtungen.

Und warum sollte das hilfreich sein? Jakobus gibt uns im nächsten Vers die Antwort:

und wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.

Anfechtungen – schwere Zeiten – benutzt Gott dazu, unseren Glauben zu bewähren und dadurch Geduld in uns zu wirken. Geduld – man könnte auch mit „Ausdauer“ übersetzen. Nun bin ich alles andere als ein Sportler. Aber ich habe mir sagen lassen, dass Ausdauerläufer bei ihrem Training zunächst durch viel Schmerz hindurch müssen. Aber irgendwann überwinden sie diesen Schmerz, erdulden ihn nicht einfach nur, sondern können ihn sogar genießen. Sie genießen etwas, das mir wohl zeitlebens unverständlich bleiben wird. Ich würde schnaufen und mich die ganze Zeit darüber beschweren, warum ich so dumm gewesen bin, überhaupt loszulaufen.

Warum würde ich mich so miserabel bei etwas fühlen, das andere sogar genießen können? Weil ich nie diesen Punkt überwunden habe. Jeder, der damit beginnt, lange Strecken zu laufen, wird wohl am Anfang genauso schnaufen wie alle anderen auch. Die Beine würden gern aufgeben. Aber überwindet man den Punkt und hält den Schmerz aus, endet man bei etwas, das wir Ausdauer nennen. Und das kann man sogar genießen.

Letztlich sagt Jakobus etwas ganz ähnliches über den Glauben: Natürlich will niemand den Schmerz der Anfechtung erleiden; niemand will sich Sorgen machen oder gar Angst haben; niemand will sich einer unsichtbaren Bedrohung ausgesetzt fühlen. Aber es sind solche Dinge, durch die Gott unseren Glauben bewährt. Er arbeitet an uns, wirkt Geduld bzw. Ausdauer und auf diese Weise eben auch Freude mit im Leid.

Im nächsten Vers erklärt Jakobus, wozu diese Geduld gut ist. Er schreibt:

Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, damit ihr vollkommen und unversehrt seid und kein Mangel an euch sei.

Anfechtungen sollen wir also als pure Freude erachten, weil Gott dadurch Geduld in uns wirkt, anstelle einfach aufzugeben. Und diese Geduld lässt uns vollkommen – oder anders übersetzt – erwachsen werden. Erwachsen im Glauben. Wir müssen keine Mitleidsparty mehr schmeißen oder Wutanfälle bekommen, wenn uns Nöte treffen.

Stattdessen haben wir keinen Mangel. Das bedeutet, dass wir alles haben, was wir brauchen, um Freude zu empfinden – ganz unabhängig davon, wie die Umstände gerade aussehen und ob sie sich verbessern oder verschlechtern.

Die letzte Aussage provoziert wahrscheinlich unseren inneren Widerstand. Wir mögen ja verstehen, was Jakobus uns sagen will: Die Anfechtung und der Schmerz kommen, Gott arbeitet dadurch an unserem Glauben und wirkt in uns Geduld, was wiederum dazu führt, das unser Glauben erwachsen wird und wir deshalb keinen Mangel haben.

Aber was ist mit dem Schmerz? Das ist doch keine Kleinigkeit oder etwas geringes. Es ist ja nicht so, dass wir uns einfach irgendwo den kleinen Zeh gestoßen hätten. Wir stehen derzeit jeden Morgen auf und weitere deprimierende Nachrichten erwarten uns. Höhere Fallzahlen, mehr Tote, auch direkt in unserer Umgebung. Oder uns belastet körperlicher Schmerz konfrontiert und der Prozess des Alterns lässt sich nicht Aufhalten. Wir sind mit Sorgen um andere belastet. Oder wir sehen das Familienfoto mit der Person, die nun nicht mehr bei uns ist. Mancher muss mit einer schweren Diagnose leben. Andere sind einsam und allein. Das alles ist ja nicht klein und unbedeutend. Manches bewirkt, das wir nachts nichts schlafen können, weinen und füreinander beten. Woher soll also Freude kommen angesichts solcher Anfechtungen und solchem Schmerz?

Der Schlüssel liegt im Objekt unseres Glaubens. Wir glauben ja nicht an irgendetwas der an irgendeine nicht näher bestimmte höhere Macht. Wir glauben an eine Person. Wir glauben an die Person, mit der Jakobus großgeworden ist. Wir glauben an Jesus Christus, der versprochen hat, uns niemals zu verlassen. Er ist bei uns in allen Situationen des Lebens, eben auch mitten in der Anfechtung.

Lasst es mich auf die folgende Weise veranschaulichen: Es war einmal ein ziemlich durchschnittlicher Mann, der ein überaus hübsche Braut gefunden hatte. Sie war nicht nur äußerlich attraktiv, sondern auch innerlich. Wenn ihn Selbstzweifel überkamen, richtete sie ihn wieder auf. Wenn er schlecht gelaunt war, fand sie die richtigen Worte, um ihn aufzumuntern. Und das Beste an ihr war, dass sie sich für ihn entschieden hatte.

Eines Tages spazierten die Beiden Arm in Arm durch einen Park, als sie im Gebüsch neben sich etwas rascheln hörten. Plötzlich sprang dem Paar eine alte Frau in den Weg. Sie lief etwas krumm, ihr Gesicht war irgendwie verzerrt, sie schaute grimmig drein, schlurfte nun vor den durchschnittlichen Mann, schaute ihm direkt in die Augen und sagte: „Ich für meinen Teil halte Sie ja nicht für sonderlich attraktiv.“

Mir ist schon klar, dass eine solche Geschichte nicht passieren wird. Aber bleiben wir kurz dabei: Das, was die alte Frau sagte, war nicht sonderlich nett. Es mag sogar verletzend sein. Aber was denkt ihr? Wird die Freude des durchschnittlichen Mannes wegen solcher Worte verschwinden? Die Antwort lautet: Nein. Und warum? Er hat seine Braut bei sich und sie denkt, dass er attraktiv ist. Es mag kein gutes Gefühl sein, solche Dinge gesagt zu bekommen. Aber er hat etwas viel viel besseres.

Mein Lieben, wir gehen durch den Park, den wir das Leben nennen. Und an unserer Seite läuft Jesus. Als Christ mag ich voreingenommen sein, aber er ist der Beste. Jesus ist treu. Er ist freundlich. Jesus ist mitfühlend und gleichzeitig voller Herrlichkeit. Er ist weise. Er ist alles, was wir jemals wollen könnten. Und das Beste an ihm ist: Er will mit uns sein. Es ist seine Entscheidung. Eine Entscheidung, die er nicht wieder zurücknimmt, was auch immer kommen möge. Er ist mit uns, nicht weil er das müsste, sondern weil er es will. Jesaja 62(,5) sagt:

Wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.

Wir laufen also mit diesem Jesus durch den Park, den wir das Leben nennen. Im Gebüsch neben uns hören wir etwas rascheln. Plötzlich springt uns die Anfechtung in den Weg. Sie läuft krumm, ihr Gesicht ist irgendwie verzerrt, sie schaut grimmig drein, schlurft auf uns zu, schaut uns direkt in die Augen und sagt Dinge wie: „Deinen Arbeitsplatz kannst du wegen der jetzigen Krise vergessen.“ „Das Leid in der Welt wird zunehmen.“ „Das Leid in deinem Leben wird zunehmen.“ „Bist du sicher, dass dich jemand liebt?“ Verschwindet angesichts all dieser Anfechtungen unsere Freude? Oder schauen wir auf Jesus und auf die Dinge, die er uns in seinem Wort zugesagt hat? Dinge wie: „Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.“ Oder: „Der HERR, dein Gott, wird selber mit dir ziehen und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen.“

Oder wir laufen durch diesen Park, etwas raschelt im Gebüsch und kommt hervorgesprungen und sagt: „Deinen körperlichen Schmerz wirst du nie wieder los.“ „Dein Rücken wird nicht besser.“ „Dein Augenlicht wird nachlassen.“ Verlieren wir angesichts solcher Anfechtungen die Freude? Oder schauen wir auf Jesus und auf die Dinge, die er uns in seinem Wort zugesagt hat? Dinge wie: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Oder ein guter Freund kommt uns im Park entgegen. „Ich bin so enttäuscht von dir“, sprudelt es aus ihm heraus. Verlieren wir angesichts dessen alle Freude? Oder schauen wir auf Jesus und auf die Dinge, die er uns zugesagt hat? Dinge wie: „Christus hat die Gemeinde gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.“

Meine Lieben, alle von uns sehen sich Anfechtungen ausgesetzt. Alle von uns leiden zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens. Alle von uns verlieren geliebte Menschen. Die Frage ist: Konzentrieren wir uns in solchen Momenten auf unseren Schmerz, auf die Not, die Anfechtung? Oder hören wir auf die Stimme unseres Heilands? Es kann so vieles in unserem Leben plötzlich und unerwartet weg brechen, aber Jesus ist unendlich besser als alles, was diese Welt zu bieten hat. Und darum besteht unsere Freude nicht darin, was andere von uns denken. Sie besteht auch nicht darin, wie unsere Körper sich anfühlen. Sondern „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“.

Darf ich so deutlich reden wie Jakobus? Alles, was wir lieben, wird vergehen – außer Gott. Unser Körper wird früher oder später zusammenbrechen, wie es jeder Körper seit dem Sündenfall tut. Und die Menschen, die wir lieben? Entweder werden wir sie begraben oder sie werden uns begraben. Und die Liebe von Menschen, ihre Zuneigung und Akzeptanz? Sie kommt und sie geht. Wir haben das nicht in der Hand. Dass wir das erwarten sollen, will Jakobus uns heute ins Herz schreiben, „damit wir vollkommen und unversehrt sind und kein Mangel an uns sei.“

In unserem letzten Vers für heute gibt uns Jakobus noch einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg. Er schreibt:

Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt; so wird sie ihm gegeben werden.

Wenn euch an Weisheit mangelt: Wenn wir also Jesus und seine Zusagen vergessen und dann das Leben mit voller Härte zuschlägt, dann dürfen wir Gott bitten. Wir wissen natürlich alle, dass Jesus unser guter Hirte ist. Aber in der Anfechtung können wir das leicht vergessen. Darum bitten wir Gott, denn er gibt jedermann gern. Der Gott, gegen den wir so oft sündigten und den wir mitten in der Anfechtung schon oft vergessen haben – dieser Gott gibt dennoch gern und ohne Vorwurf.

Ohne Vorwurf. Wenn wir Gott bitten, öffnet er nicht erst sein Buch und geht all die Fehler unserer Vergangenheit durch. Nein, er gibt jedermann gern – ohne zu schimpfen, ohne Vorwürfe zu machen – weil Jesus uns freigemacht hat von aller Sünde. Weil er uns liebt wegen Jesu Taten. Gott hat für uns seinen Sohn dahingegen, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wenn es uns also schwerfällt, Freude und Frieden inmitten von Anfechtungen zu finden, dann bitten wir Gott. Er wird uns helfen.

Er will uns helfen mitzusprechen, was König David einst dichtete und die meisten von uns auswendig gelernt haben. David hätte wegen des Leides und der Anfechtungen in seinem Leben allen Grund gehabt, jede Freude zu verlieren. Seine eigene Sünde hatte dazu geführt, dass er einen Sohn in Händen halten durfte, dieser dann aber starb. Einer anderer Sohn – Absalom – wollte ihn erst als König stürzen und wurde dann gegen Davids Willen getötet. Eine seiner Töchter wurde von ihrem Halbbruder geschändet. Was für Anfechtungen! Und doch hat eben jener David den 23. Psalm gedichtet, den wir uns heute zum Abschluss vor Augen halten wollen:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.