Glaube

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Judika, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

In ihrem interessanten Aufsatz mit dem Titel „Disneyland Paris: Eine Pilgerstätte?“ beschreibt eine Autorin das Folgende:

Alles ist darauf ausgelegt Disney zu sehen, zu hören, zu spüren und sogar zu riechen und zu schmecken. Hier kann man seinen ‚Glauben‘ voll ausleben. Ein Ort weit entfernt von Sorgen und Problemen. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass ein gewisses Heil erfahrbar ist. Wenn man sich voll und ganz darauf einlässt und sich von diesem Gefüge ganz leiten lässt, dann erfährt man tatsächlich ein Gefühl von Sorglosigkeit. Ein ‚alles wird/ist gut‘ macht sich breit – das große ‚Dogma‘ Disneys: ein happy end! … All das bestärkt oder belebt die eigene Bindung an Disney beziehungsweise bei manchen sogar den „Glauben“ daran. Ich würde sogar so weit gehen, um zu sagen, dass es als eine Art „Gottesdienst“ angesehen werden kann.

In meiner Kindheit war ich mit meiner Mutter einmal im Disneyland bei Paris. Und natürlich war das für den kleinen Micha ziemlich aufregend. Aber als einen Ort des Glaubens habe ich es noch nie betrachtet. Immerhin reden wir hier von einem milliardenschweren Unternehmen, welches vor allem einem Zweck dient: Geld verdienen will.

Und doch ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, was die Autorin beschreibt: Die Themen ‚Glaube‘ und ‚Vertrauen‘ spielen eine große Rolle im Disney-Universum. Die Erfahrung von Heil-Sein und Gutem stehen im Vordergrund. Ein Ort weit entfernt von Sorgen und Problemen. Niemand soll sich schlecht fühlen. Und wer will es schließlich nicht – ein happy end, ein glückliches Ende? Also: „Glaube!“, so ruft es uns Disney zu.

Aber es ist nicht nur das Disneyland: Ist euch jemals aufgefallen, wie oft die Worte „Glaube“ oder „Vertrauen“ außerhalb von Kirchenmauern zu hören oder zu lesen sind? Vor einigen Jahren warb beispielsweise eine Zigarettenmarke mit dem schlichten Slogan: „Glaube!“ – und daneben war eine Abbildung ihres Produktes zu sehen. Ein bekanntes deutsches Nachrichtenmagazin verwendete für seine Anzeige Dürers berühmte betende Hände und wollte auf witzige Weise das Geheimnis dahinter enthüllen. Durch die deutsche Presse geistert immer mal wieder die Frage: „Fußball als Religionsersatz?“ oder Formulierungen wie „Maradona statt Madonna am Altar“. Das geschieht meist dann, wenn es darum gehen, dass die Kirchenbänke in unserem Land immer leerer werden. Oder wenn Lehrer ihre Schüler ermuntern wollen, knien sie sich manchmal vor sie und sagen Dinge wie: „Ich glaube an dich!“ Und ist jemand hinsichtlich unserer Fähigkeiten nicht so sicher, sagen wir zu ihm gern: „Vertrau mir einfach!“ Glaube und Vertrauen – diese Worte begleiten uns auch im Alltag, ganz unabhängig von Kirche und Gemeinde.

Das provoziert eine Frage: Was meint man eigentlich mit „Glauben“? Glaube an was? Vertrauen in wen? Wie funktioniert es und warum sollten wir es tun? Ich stelle diese Fragen, weil ich denke, uns allen ist es im Laufe unseres Lebens schon einmal passiert: In Hinblick auf ein Familienmitglied, einen Freund oder in Beruf und Schule haben wir unseren Glauben, unser Vertrauen, aufs falsche Pferd gesetzt. Man vertraute jemanden, aber im Nachhinein stellt sich heraus, dass das eine schlechte Idee war. Auch das bezeichnen wir als Glaube oder Vertrauen – aber es hatte nichts mit dem glücklichen Ende eines Disneyfilms zu tun.

Ich denke, wir alle haben diese Erfahrung bereits gemacht: Nicht alles und nicht jeder ist unseres Vertrauens würdig. Dies kann man beispielsweise schon zu Schulzeiten erleben. Man glaubte, einen Freundeskreis zu haben, auf den man sich verlassen kann. Deshalb teilte man auch Geheimnisse, die man sonst nicht jedem anvertraut. Aber dann machten diese Geheimnisse die Runde. Beinahe jeder schien zu wissen, was in einem vor sich geht. Man musste die bittere Erfahrung machen: „Nicht jeder ist meines Glaubens, meines Vertrauens, würdig.“ Und das kann uns immer wieder begegnen – mit den Eltern, den Freunden oder der eigenen Beziehung. Glaube und Vertrauen zu haben – so einfach ist das nicht. Glaube und Vertrauen sind gute Dinge – ja, sie sind notwendig – aber an alles und jeden zu glauben, ist nicht genug. Es funktioniert nicht. Es schenkt keinen Frieden. Und ebenso wenig felsenfeste Freude. Was wir brauchen, ist ein Glaube an die richtige Sache.

Heute, am Sonntag Judika, wollen wir uns daran erinnern lassen. Was wir heute betrachten werden, stellt keine Neuigkeit für uns dar. Aber in der Passionszeit wollen wir uns ja auch auf die Grundlagen besinnen. Und – Gott sei Dank – der christliche Glaube ist einzigartig und sehr spezifisch. Er stellt im schlimmsten Fall das Einzige in einer verrückten und gefallen Welt dar, auf das wir uns wirklich verlassen können. Dabei wollen wir an vergangene Woche anschließen und weiter im 2. Kapitel des Epheserbriefs verweilen. Heute beginnen wir bei Vers 8. Dort schreibt der Apostel Paulus:

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben

Die Worte „gerettet“ und „Gnade“ hatten wir bereits in den vergangenen Wochen näher beleuchtet. Gerettet bedeutet, aus großer Gefahr befreit zu sein. Aufgrund unserer Sünde befanden wir uns in großer Gefahr. Aber Gott sandte uns seinen Sohn, um uns an einen sicheren Ort zu bringen – in sein Reich. Und warum tat Gott das? Wegen seiner Gnade, also wegen seiner unverdienten Liebe. Man kann sich diese Liebe nicht verdienen. Man kann sie sich nicht erarbeiten. Gott gewährt sie einfach.

In unserem heutigen Text schreibt nun der Apostel Paulus: „Denn aus Gnade – aus unverdienter Liebe – seid ihr gerettet – also aus großer Gefahr befreit“. Und dann kommt er zu unserem Wort für heute: „durch Glauben“. Eine einfache Definition dieses wichtigen Wortes wäre vielleicht die folgende: Glaube ist Vertrauen in etwas. Glaube ist niemals allgemein gehalten. Einfach nur „Glaube“ und Punkt funktioniert nicht. Nein: Glaube braucht immer ein Objekt: „Glaube an was?“ „Vertrauen in wen?“ Das sind die passenden Fragen. Und das ist auch wahr hinsichtlich des christlichen Glaubens. Dessen Objekt ist immer – einzig und allein – Christus.

Paulus sagt in unserem Text also schlicht: „Ich glaube – und mit mir alle Christen – dass Jesus derjenige ist, dessen unverdiente Liebe, uns aus großer Gefahr befreit.“ Christen vertrauen nicht auf sich selbst. Sie glauben auch nicht an eine allgemeine Moralvorstellung. Und wir vertrauen ebenso wenig darauf, dass wir genug gute Werke getan haben, um Teil von Gottes Familie zu sein. Nein, wir setzen unsere Hoffnung auf Jesus. Unser ganzes Gewicht legen wir auf ihn. So wie ich auf dem Podest hinter dieser Kanzel stehe. Ich lege all mein Gewicht – nein, ich verrate nicht, wie viel ich wiege – auf diese Bretter, im Vertrauen darauf, dass sie mich halten. Und das ist auch das, was Christen über den Glauben denken: „Meine Rettung, meine Annahme bei Gott, meine Wohnung im Himmel – all das kommt durch den Glauben an Christus. Es sind nicht zur Hälfte Jesus und zur Hälfte ich. Es sind noch nicht einmal 99 Prozent Jesus und 1 Prozent ich. Alles ist an Christus gelegen!“

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben

Das ist sowohl der ernüchternde, demütig machende Teil des christlichen Glaubens, als auch der wirklich schöne Teil daran. Der demütigende Teil besteht darin, dass wir Christen nicht daran glauben, dass wir auf uns selbst vertrauen sollten. Dazu sind wir viel zu unzuverlässig. Schlagen wir uns an manchen Tagen ganz gut? Sicher! Verpfuschen wir es an anderen total? Ganz gewiss. Halten wir unsere Versprechen zu bestimmten Zeiten? Klar. Vergessen wir sie zu anderer Gelegenheit? Natürlich. Wir schauen also nicht in den Spiegel und setzen unser Vertrauen auf uns selbst. Stattdessen blicken wir aufs Kreuz und setzen unser Vertrauen auf Jesus allein. Denn er ist Gottes eingeborener Sohn, der sein Leben gab, um uns den Sieg über die Sünde, die Scham und den Tod zu schenken. Durch den Glauben gehört uns, was Jesus für uns erwarb. Er ist es, der uns über die Ziellinie bringt. Und dabei ist es egal, wie schlau wir sind oder wie stark oder wie gut oder wie schlecht.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben

Eine wichtige Feststellung ist dabei noch zu treffen: Es gibt Christen, die haben einen wirklich starken Glauben. Sie neigen eher weniger zu Zweifeln oder Sorgen. Sie vertrauen Jesus einfach. Aber dann gibt es auch solche Christen, die nicht den festesten Glauben der Welt haben. Aber – und das ist wichtig – Glaube ist Glaube! Jesus bringt uns so oder so über die Ziellinie. Denn die gute Nachricht des Christentums besteht nicht darin, wie fest oder wie stark wir glauben und auf Jesus vertrauen. Die gute Nachricht besteht darin, dass Jesus uns festhält und uns dessen Sieg durch den Glauben gehört. Ob dieser nun stark oder schwach ist. Die gute Nachricht des Christentums besteht nicht darin, dass wir Glauben in unseren Glauben hätten. Nein, das Objekt unseres Glaubens ist und bleibt Christus allein.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben

Aber in unserem heutigen Text erfahren wir noch mehr über das Wort ‚Glaube‘. Paulus schreibt weiter:

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Wenn ihr mich fragt, stellen diese Worte eine der fünf besten Verse der Heiligen Schrift dar. Jeder Konfirmand lernt sie auswendig. Und das nicht ohne Grund: Hier erfahren wir, worum es bei unserem Glauben geht. Man kann sagen, dass Paulus hier geradezu unerbittlich ist – immer und immer wieder wiederholt er es: Glaube und Rettung – dabei geht es niemals um das, was wir tun. „Und das nicht aus euch“, schreibt er. Was bedeutet: Es geht nicht um uns. Zweitens: „Gottes Gabe ist es.“ Was bedeutet: Es geht immer noch nicht um uns. Und drittens: „Nicht aus Werken!“ Was ebenso bedeutet: Es geht nicht um uns. Und warum diese dreifache Wiederholung? „Damit sich nicht jemand rühme.“ Und warum kann sich niemand rühmen? Weil es zu keinem Zeitpunkt um das geht, was wir tun. Vom Anfang bis zum Ende – vom Startpunkt bis zur Ziellinie – von der Taufe bis zur Bahre: Alles ist an Christus gelegen. An seinem Werk. An seinem Geschenk. An seiner Rettung. 100 Prozent Jesus, der am Kreuz sagt: „Es ist vollbracht.“ Und das sind wahrlich gute Nachrichten. Nicht nur gab Jesus sein Leben für uns. Nicht nur stand er für uns auf. Die Tatsache, dass wir auf ihn vertrauen, ist ebenfalls Gottes Geschenk.

Vergangene Woche hatten wir gehört, dass wir tot waren wegen unserer Übertretungen und Sünden – damit begann Paulus das 2. Kapitel. Denkt darüber nach: Was wäre, wenn wir einer toten Person sagen würden: „Glaube einfach! Halte dich an Christus fest!“ Das wäre wohl eine ziemlich große Herausforderung für eine Leiche. Das folgende Bild beschreibt es meines Erachtens sehr treffend:

Die Füße zur Rechten stellen Jesus dar. Wer ihm vertraut, der ist gerettet und mit ihm auf dem Weg in den Himmel. Das Problem besteht allerdings darin, dass wir geistlich tot waren, wie die Skeletthand anschaulich zeigt. Wie kann sich eine tote Person an Jesus festhalten? Nur durch Gott – die Taube, die die Skeletthand zu Jesus führt, ist ja ein Symbol für den Heiligen Geist. Deshalb wird er manchmal der Geber des Glaubens genannt. Wir waren tot und der Geist hat uns lebendig gemacht. Wir verdienten es nicht. Wir konnten nichts dafür tun. Aber Gott in seiner großen Liebe sandte uns nicht nur Jesus und wir müssen nun aus eigener Kraft an ihn glauben. Nein, er sandte uns seinen Sohn und machte uns obendrein das Geschenk des Glaubens. Und das ist der zweite Punkt, den ich für heute gern festhalten möchte: Glaube ist ein Geschenk Gottes.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Das bringt uns zum dritten Punkt für heute: Wie geschieht es, dass ein Mensch zum Glauben kommt? Man ist tot in seinen Übertretungen und glaubt nicht. Man vertraut auf sich selbst und meint, eine halbwegs gute Person zu sein. Wie kommt von diesem Punkt zum Vertrauen auf Jesus? Wacht man eines Morgens einfach auf und hat auf wundersame Weise Glauben an Jesus? Läuft man die Straße entlang und der Heilige Geist überkommt einen und plötzlich glaubt man ganz andere Dinge als zuvor? Der Apostel Paulus schreibt in Römer 10,17 etwas anderes:

So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Der Glaube, den man braucht, um gerettet zu werden; der Glaube, der einen an Jesus bindet und sowohl durch dieses Leben als auch durch den Tod hindurch rettet – dieser Glaube kommt aus der Predigt – das Predigen aber durch das Wort Christi.

Paulus gibt uns hier quasi eine Anleitung, wonach man in einer Gemeinde oder Kirche suchen sollte bzw. woran man erkennen kann, ob man sich am richtigen Ort zu befinden. Manche werden davon abgelenkt, wie sich ein Kirchengebäude anfühlt und wie es aussieht. Ist es ein angenehmer Raum? Fühle ich mich hier wohl? Andere lassen sich durch den Menschen ablenken, der hier vorn steht. Komme ich mit dessen Art zurecht? Erreicht er mein Herz? Ist er mir sympathisch?Predigt er so, wie ich mir das vorstelle? Wieder andere lassen sich von der Art der Musik oder der Gottesdienstform ablenken. Ist sie modern genug? Ist sie nostalgisch genug, weil sie mich daran erinnert, wie es schon immer gewesen ist? Und wieder andere lassen sich von den Gemeindegliedern ablenken. Wie sind die Leute hier? Sind sie nett? Freundlich zu Gästen? Geben sie den Armen? Sind sie da, wenn ich sie brauche? Ich sage nicht, dass diese Dinge ablenken, weil sie schlecht wären. Aber Glaube kommt eben nicht durch die richtige Person, die bevorzugte Gottesdienstform, die Art der Musik, die ich liebe, oder weil einem die Menschen hier zusagen.

So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Das ist also unser dritter Punkt für heute: Glaube ist ein Geschenk, welches durch das Wort Gottes kommt – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Und damit sind wir beim letzten Punkt für heute angelangt. Wir hatten gesagt, dass Glaube Vertrauen auf Jesus bedeutet. Glaube ist außerdem ein Geschenk Gottes. Und dieses Geschenk kommt durch Gottes Wort. Aber Paulus hat in unserem heutigen Predigttext noch eine Sache über den Glauben zu sagen. Er schreibt:

Denn wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Immer und immer wieder hatten wir es heute betont: Es liegt nicht an uns. Weder rette ich mich selbst, noch kann ich aus eigener Kraft zum Glauben kommen. Dennoch tun Christen deshalb nicht nichts. Paulus schreibt:

Denn wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken

Das unser letzter Punkt für heute: Glaube will gute Werke tun. Hat der Heilige Geist rettenden Glauben in uns geschaffen, dann ist da immer etwas in uns, dass arbeiten will. Oft mag es schwierig sein. Noch viel öfter sind unsere guten Werke mangelhaft. Aber überall da, wo der Heilige Geist wohnt, werden auch gute Werke folgen. „Ich möchte Gott lieben. Ich möchte das Richtige tun. Ich möchte anderen vergeben können. Ich möchte geduldig sein.“ Wie gesagt: All das geschieht in Schwachheit und es bleibt dabei: Von Anfang bis Ende brauchen wir Vergebung – selbst für unsere besten Werke, weil immer noch die Sünde an ihnen klebt. Aber haben wir Glauben an Jesus, wollen wir.

Oder mit anderen Worten: Es ist kein „Müssen“ mehr, sondern ein „Dürfen“. Zum Gottesdienst kommen – muss ich das? Nein, sagt der Glaube, das ist kein „Müssen“, sondern ein „Dürfen“. Denn hier höre ich die Botschaft Christi. Hier stärkt der Heilige Geist meinen Glauben – durchs Wort, durch die Erinnerung an meine Taufe, durch das Abendmahl, in dem mir wieder und wieder versichert wird:„Für dich gegeben. Vergossen zur Vergebung aller Sünden.“ Und etwas von dem Abgeben, was Gott mir in die Hände gelegt hat – muss ich das? Nein, sagt der Glaube, das ist kein „Müssen“ und kein „Sollen“, sondern ein „Dürfen“. Gott gab mir seinen einzigen Sohn? Dieser Sohn gab das einzige Leben, das er hatte – für mich? Der Heilige Geist schenkte mir den Glauben? Es ist kein „Müssen“ etwas von dem zu geben, was ich haben darf. Und der Person vergeben, die mich verletzt hat – muss ich das? Nein, sagt der Glaube, das ist kein „Müssen“. Stattdessen sagt er: Mir wurden die unzähligen Male vergeben, die ich gegen Gott sündigte. Also will ich auch vergeben. Es zumindest versuchen, auch wenn es nicht leicht sein wird.

Denn wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Und ja, wir kämpfen. Und ja, wir sündigen und tun das Gute, das wir wollen, nicht; sondern das Böse, das wir nicht wollen. Und dennoch bleibt es dabei: Wollen habe ich wohl! Nicht deshalb, weil wir Werke tun, um gerettet zu werden. Christus hat diesen todverfallenen Leib schon längst erlöst. Es gibt nun keine Verdammnis mehr für die, die in Christus Jesus sind. Aber weil das schon längst geschehen ist, wollen wir gute Werke tun.

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.