Gott und die Geschlechter

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Am Anfang, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Ob das Brautpaar aus Kana an jenem Tag, als Jesus Wasser zu Wein verwandelte, auch nur einen Gedanken daran verschwendete, wie ihr zukünftiges Leben als Mann und Frau aussehen mag? Als das festliche Essen aufgetragen und der köstliche Weil eingeschenkt war – dacht der junge Mann da an seine zukünftige Rolle und daran, was es eigentlich bedeutet, als Mann geschaffen zu sein? Und die Braut? Überlegte sie, welchen Platz sie zukünftig einnehmen wird? Und welche Rolle ihr Geschlecht dabei spielt? Dachten die Beiden daran, welche Verwirrungen und Kämpfe rund um die Geschlechter noch kommen würden? Wir wissen es nicht.

Was wir dagegen wissen: Das Thema „Mann und Frau“, die Unterscheidung der Geschlechter, ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema – nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch in der Kirche. Und es gut, wenn wir uns über dieses Thema austauschen. Noch viel wichtiger ist aber, sich daran zu erinnern, was Gottes Wort zu diesem Thema zu sagen hat. Damit wollen wir heute beginnen und es in den kommenden Wochen fortführen. Heute gehen wir aber zunächst zurück zum Anfang und damit zu den ersten drei Kapiteln der Bibel. Dort finden wir sozusagen Gottes Blaupause für die Geschlechter – den Grundstein sozusagen. Denn ganz am Anfang schuf Gott Mann und Frau – einzigartig und doch vereint. Bevor es die Sünde gab – und damit Chauvinismus, Sexismus, Streit und Geschlechterkampf – gestaltete Gott die Geschlechter so, dass jedes für sich einzigartig und beide doch miteinander vereint waren.

Unser Predigttext stammt heute aus dem 1. Buch Mose. Und wir beginnen in Kapitel 1, Vers 27. Dort heißt es:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

In diesem kurzen Abschnitt finden wir vier Aussagen zu Mann und Frau – zwei Dinge, die von der Einzigartigkeit der Geschlechter sprechen und zwei Aussagen über das Verbindende.

Das erste: Am Anfang schuf Gott Mann und Frau vereint… und zwar zu seinem Ebenbild.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; – nicht nur ihn, nicht nur sie – und schuf sie als Mann und Frau.

Das ist einer der wichtigsten Sätze, den wir im Leben hören können – ob wir nun Mann oder Frau sind. Als Gott den Menschen schuf, schuf er ihn zu seinem Bild. Und weil Gott Geist ist und daher weder Knochen noch Haut hat, erbten wir von unserem himmlischen Vater weder Körpergröße noch Haarfarbe. Was der Mensch von ihm erhielt, waren seine Heiligkeit, seine Vollkommenheit, seine Sündlosigkeit. Durch Jesus haben wir genau das noch heute. Und das ist auch der Grund, warum ein sexistischer Christ eigentlich einen Widerspruch in sich selbst darstellt. Denn wie um alles in der Welt sollte man auf jemanden schauen, der das Ebenbild Gottes trägt, und ihn dann degradieren und abwerten? Was wir für unseren Selbstwert brauchen, ist nicht ein Blick in den Spiegel, wobei wir uns zurufen, wie stark wir doch seien. Wir brauchen die Erinnerung, dass wir zu Gottes Ebenbild geschaffen sind und dass Jesus uns das durch sein Leben und Sterben wieder geschenkt hat.

Aber er schuf sie nicht nur zu seinem Bild, Gott hatte auch einen Auftrag für Adam und Eva. Auch darin waren Mann und Frau vereint.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan

Am Anfang herrschte der Mann… und die Frau ebenso. Denn Gott sagte zu ihnen beiden: „Machet euch die Erde untertan.“ Mann und Frau taten sich also in ihrem von Gott gegeben Auftrag zusammen und machten sich nicht nur den kleinen Teil der Schöpfung untertan, den man Garten Eden nennt. „Füllt die Erde, macht sie euch untertan.“ Denn egal, ob man ein Mann ist oder eine Frau, ein Junge oder ein Mädchen – wann immer Gott etwas in unsere Hände legt – unseren Besitz, unseren Körper, unsere Familie, unsere Nachbarschaft, den Ort, an dem wir arbeiten oder zur Schule gehen, Gott sagt immer: Lebt mein Ebenbild an den Orten, an die ich euch stelle. Macht sie euch untertan, was so viel bedeutet wie: organisiert es, verwaltet es als die guten Haushalter Gottes und lebt dort auf eine solche Weise, dass man meinen könnte, Gott selbst würde an diesem Ort regieren. Mann und Frau tun das gemeinsam und brauchen sich dabei gegenseitig – denn Gott gab Mann und Frau gemeinsam diesen Auftrag.

Gleichzeitig finden wir in unserem Text auch Dinge, die einzigartig sind für das jeweilige Geschlecht. Offensichtlich ist, dass Gott uns körperlich verschieden geschaffen hat. In unserem Text heißt es: „und schuf sie als Mann und Frau“.

Männer und Frauen sind körperlich betrachtet auf viele Weisen verschieden. Vom XX und XY in unseren Chromosomen, über die Menge an Testosteron oder Östrogen, welches durch unsere Körper strömt, bis hin zu unseren Gehirnen, die unterschiedlich arbeiten: Gott hat Mann und Frau unterschiedlich gestaltet.

Ebenso sind die Geschenke, die er uns mitgegeben hat, verschieden. Das sagt uns auch die Wissenschaft. In einer Studie von 2017 heißt es beispielsweise, dass – Zitat – „Frauen im Bereich verbaler Fähigkeiten nahezu jeden Mann übertreffen. Das gilt auch für die Lese- und Schreibfähigkeiten.“ Umgekehrt gilt das auch für Männer. Auch sie hat Gott beschenkt – in der Art ihres Denkens und Sprechens und – offensichtlich – auch im physischen Bereich. Männer sind in der Regel stärker als Frauen. Nun will ich nicht in Stereotypen verfallen, deswegen eine kurze Geschichte: Ich kann mich noch an meine Zeit am Theater erinnern. Wie es zu dieser Situation kam, weiß ich allerdings nicht mehr genau. In jedem Fall saß ich eines Abends – nach einer Probe – einer winzig kleinen und zierlichen Schauspielerin gegenüber. Ich hatte mich auf einen Wettbewerb im Armdrücken mit ihr eingelassen. Und die anderen Männer im Raum dachten vermutlich: „Komm schon, bereite uns keine Schande!“ Aber was soll ich sagen? Es gibt offensichtlich immer Ausnahmen zu allgemeinen Regeln. Dennoch ist es nützlich und wichtig, was Gott an grundsätzlichen Dingen den Geschlechtern zu sagen hat. Physisch unterscheiden wir uns. Niemand wird das bezweifeln können.

Und dann schuf Gott uns auch hinsichtlich unserer Sexualität unterschiedlich. Keine Sorge, wir gehen nicht weiter ins Detail. Aber schon ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen, die gemeinsam das Bad benutzen, finden das ziemlich schnell heraus. „Das sieht aber anders aus als bei mir!“ Und das ist natürlich Gottes Absicht gewesen. In unserem Text sagt er den ersten beiden Menschen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren. Dabei spielt es keine Rolle, wie männlich oder weiblich sich jemand fühlt – es bleibt dabei, dass man für diesen göttlichen Auftrag zwei unterschiedlich beschenkte Personen braucht. Es braucht die Vereinigung des männliches Spermiums und einer weiblichen Eizelle, um ein Baby in Händen halten zu können. Selbst unsere aktuelle Sprache belegt das. Für die Geschlechter wird heute gern das Wort „Gender“ verwendet. Wir kennen es von der Gender-Sprache, oder dem sogenannten „gendern“. Das Wort „gender“ ist verwandt mit dem Wort „Generation“. Oder anders formuliert: Gott hat die „Gender“, die Geschlechter, mit unterschiedlichen Genitalien ausgestattet, damit sie Nachkommen haben können und so immer wieder eine neue Generation entsteht, die die Erde füllt. Gott hat uns also verschieden geschaffen – und sein Urteil darüber lautete, dass es sehr gut so ist.

Das zeigt auch das zweite Kapitel des 1. Buch Mose. Dort haben wir es nicht mit einem zweiten Schöpfungsbericht zu tun – wie manche meinen. Sondern es handelt sich quasi um eine Art Nahaufnahme dessen, was wir im 1. Kapitel erfahren haben. Einige Details des Schöpfungsprozesses – besonders die Erschaffung des Menschen – werden darin noch einmal vertieft und zusätzliche Informationen gegeben. Unter anderem auch die Folgenden:

aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden. Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Dieser Abschnitt erzählt davon, was es bedeutet, als Mann bzw. als Frau erschaffen worden zu sein. Wir hören vor allem von den unterschiedlichen Berufungen, die Gott den beiden Geschlechtern gegeben hat.

Den Männern gibt er das Bild einer Rippe mit auf den Weg. Wie fühlt sich unsere Rippe an, wenn wir sie berühren? Wie ist sie gemacht? Und was ist ihre Funktion? Eine Rippe ist stark, unnachgiebig, stabil, zuverlässig und schützt die lebenswichtigen Organe, die sich unter ihr befinden, vor äußeren Gefahren. Und genau das bedeutet es, ein Mann zu sein. Er soll zuverlässig sein und in einer Position stehen, in der er die lebenswichtigen Menschen beschützen kann, die Gott ihm in im Leben zu Seite stellt, so dass sie nicht durch äußerliche Gefahren verletzt werden. Die Bibel hat nichts darüber zu sagen, welches Auto wir fahren, wie groß unser Haus sein muss, ob wie Bier brauen können oder uns einen Bart wachsen lassen. Man kann alles haben, was nach gesellschaftlichen Maßstäben einen Mann zu einem Mann macht und dennoch nichts sein in den Augen Gottes. Ein Mann nach Gottes Definition betritt eine Schule, eine Familie, eine Beziehung, eine Kirche und gibt den Menschen ein Gefühl der Sicherheit in seiner Gegenwart. Wenn die Menschen in unserem Leben wie eine Lunge frei atmen können, weil sie aus Angst nicht die Luft anhalten müssen, sobald wir den Raum betreten, dann sind wir ein Mann nach Gottes Wohlgefallen. Wenn die Menschen in unserem Leben – die Frau oder die Kinder – ihren Aufgaben nachkommen können, wie ein Herz in unserer Brust schlägt – ohne ohne Furcht und ohne Angst haben zu müssen, dass etwas Unsicheres geschieht, dann ist das Gottes Definition für einen Mann.

Und wir wissen, dass das wahr ist. Denn was geschieht historisch betrachtet, wenn Männer vergessen, eine Rippe zu sein? Wenn sie in Selbstsucht verletzbare Menschen in ihrer Umgebung angreifen? Die Antwort aus der Geschichte: Frauen und Kinder besonders werden verletzt. Und was geschieht, wenn Männer so sind wie eine Rippe? Es dient dem gesegneten Zusammenleben aller, wenn Männer sich daran erinnern, eine Rippe zu sein.

Und auch Frauen haben gemäß unseres Textes eine Berufung. Dort heißt es:

aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden

Die Berufung Gottes ist die einer „Gehilfin“. Und ich weiß, dass der eine oder andere ein Problem mit diesem Wort hat. „Ich will etwas besseres, als eine Gehilfin sein.“ Aber wir dürfen nicht unsere schlimmste Definition des 21. Jahrhunderts in dieses alte hebräische Wort hineinlegen. Denn wer trägt den Titel „Helfer“ im restlichen Alten Testament? Gott selbst! In den 39 Büchern des AT ist die einzige Person, die neben der Frau als Helfer bezeichnet wird, Gott. Denkt nur darüber nach, was das bedeutet: Wenn jemand sagt: „Hilf mir“ heißt das, dass man selbstlos und stark sein muss und etwas anzubieten hat. Das ist etwas vollkommen anderes als das, was wir gewöhnlich unter Hilfe verstehen – das Küchenpersonal, das Dienstmädchen, jemand, der den Mist aufräumt, den Männer angerichtet haben. Aber das ist es nicht, was die Bibel mit „Gehilfin“ meint. Sondern ein Mann braucht schlicht und ergreifend Hilfe. Genau das sagt die Schrift:

aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden

Gott hatte alles geschaffen – aber das Entscheidende fehlte. Adam brauchte ein schlagendes Herz, denn ohne Frauen wären wir Männer nichts weiter als eine Ansammlung ausgetrockneter Rippen und die Geier diese Welt würden uns auseinandernehmen. Aber wenn Frauen ihre verbalen Fähigkeiten, ihre mentale Stärke, ihre Erfahrung und ihren Glauben einsetzen, um uns zu helfen, wird die Welt besser.

Gott hat uns unterschiedliche Berufungen gegeben – und am Anfang beschwerte sich niemand, keiner fühlte sich angegriffen – und Gott selbst sagte zu allem, was er geschaffen hatte, das es sehr gut ist. Die ersten Menschen lebten in Einheit, Liebe und Frieden beieinander. Niemand schämte sich, niemand hatte Angst. Aber dann geschah der Sündenfall. Und das, was ursprünglich gut war, brach auseinander und sorgte für jede Menge Spannungen und Abwege. So sehr, dass schon mancher sich wünschte, dass die Worte über Mann und Frau aus der Bibel gestrichen werden.

Der Grund für all das ist die erste Versuchung überhaupt, als der Teufel sich als Schlange verkleidete und Mann und Frau dazu versuchte, dem einen Befehl nicht zu gehorchen, den Gott gegeben hatte – nämlich von der verbotenen Frucht nicht zu essen, und für sich neu zu definieren, was richtig und was falsch ist. Ich lese gleich einige Ausschnitte aus der Begebenheit vor. Es fällt uns sicher etwas auf:

Aber die Schlange sprach zu der Frau… Da sprach die Frau zu der Schlange… Da sprach die Schlange zur Frau… Und die Frau sah… Und sie nahm von der Frucht und aß

Fehlt irgendwas? Ich erkenne hier zwei Dinge: den Mann und Gott. In einem Akt von Unabhängigkeit dachte die erste Frau, sie könne es allein schaffen und dem Vater der Lüge begegnen. Und sie war stark, aber nicht stark genug. Sie wurde hinters Licht geführt. Weder bat sie ihren Mann um Hilfe, noch rief sie Gott im Gebet an. Stattdessen schritt sie einfach voran und versuchte allein, mit der Situation klarzukommen. Nur konnte sie das nicht.

Aber bevor wir die Schuld für den Sündenfall allein auf die Frau schieben, müssen wir noch einen Vers bedenken. Dort heißt es:

und sie gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch von der Frucht und er aß.

Adam stand daneben. Die Schlage sprach zur Frau, die Frau zur Schlange, die Frau sah… und er stand einfach da?! Als das Herz seiner Frau von der Dunkelheit höchstpersönlich angegriffen wurde, stand Adam einfach nur daneben. In dieser Begebenheit finden wir Versuchungen, die Männer und Frauen jeweils unterschiedlich getroffen haben und bis heute treffen. Das ist also ein weiterer Unterschied zwischen den Geschlechtern: verschiedene Versuchungen.

Für Männer besteht die Versuchung wohl meist darin, in eines von zwei Extremen zu verfallen. Es gibt solche Männer, die ihre körperliche Überlegenheit dazu missbrauchen, aggressiv zu sein oder gar gewalttätig. Das kann mit Worten geschehen oder mit konkreten Taten. 85% der häuslichen Gewalt geht von Männern aus und richtet sich gegen Frauen. Aber nicht nur aggressive Männer sind ein Problem, sondern auch solche, die völlig passiv sind. Wie Adam stehen sie einfach nur da. Sie haben keinen Plan, keine Ahnung, kein Ziel. Für Dinge, die wirklich zählen, kämpfen sie nicht. Ihre Mutter musste sie in die Kirche schleifen bis sie alt genug waren, für sich selbst töricht zu sein. Sie treffen Frauen, die dafür betet, dass ihr zukünftiger Mann selbst betet, die Bibel liest und den Kindern etwas von Gott erzählt. Aber dann kümmert er sich doch mehr um die zeitlichen Dinge seines Jobs, statt um die ewigen Seelen seiner Lieben. Der Sündenfall hat uns Männer dumm gemacht. Wir achten darauf, vor anderen als stark und männlich zu gelten, sind aber oft seelisch schwach. Und das ist ein Problem. Denn die Sünden der Männer machen uns alle schwach.

Aber das gilt nicht nur den Männern, sondern auch den Frauen. Wie Eva versuchen sie oft die Lücke zu füllen, die Männer hinterlassen. Sie hat die Idee, sie hat die Worte und einen Plan. Sie fragt nicht, sie hört nicht zu. Sie geht einfach davon aus, dass sie kompetent und unabhängig genug ist, dass sie niemanden braucht, der ihr hilft. Aber so funktioniert es nicht. Ein Herz ohne Rippe wird früher oder später verletzt. Denn Gott hat alles so eingerichtet, dass Mann und Frau sich gegenseitig brauchen. Einen anderen Weg gibt es nicht.

Der Teufel kannte die Versuchung von Männern und die der Frauen – so gelang es ihm, beide zu überwältigen. Und das Ergebnis ist, dass Männer und Frauen auf eine tragische Weise miteinander vereint sind: nämlich hinsichtlich der Sünde. Beide Geschlechter gehorchten Gott nicht. In Folge liefen sie davon und versteckten sich vor ihm aus lauter Scham. Und als Gott im Garten umherlief, die Beiden zu suchen und sie schließlich fand, wiesen sie alle Schuld von sich. Er beschuldigte sie – eine Sünde, die sich in der Menschheitsgeschichte unzählige Male wiederholen sollte. Und sie beschuldigte den Teufel. Aber mit dem gebrochenen Herz eines Vaters musste Gott ihnen die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen.

Und auch in diesen Konsequenzen gab es Unterschiede zwischen Mann und Frau. Zur Frau sagte Gott, dass sie eine Familie begehren und sich danach sehnen wird, ein Kind in Armen zu halten. Aber von nun an würde das ein schmerzhafter Prozess sein. Und dann findet sich dieser bezeichnende Vers in 1. Mose 3. Gott sagt zu Eva: „Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein – du willst immer noch einen Mann, immer noch eine Beziehung“. Aber was sagt er als nächstes? „Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.“ Frauen werden sich danach sehnen, einen Mann zu finden, wie es Adam einst war. Eine starke selbstlose beschützende Rippe, der den Schlag abfängt, so dass das Herz verschont bleibt. Und wie schwer ist das zu finden. Stattdessen gibt es Millionen Männer, die die richtigen Worte kennen, um eine Frau zu verführen und solche, die sie ausnutzen anstelle sie zu beschützen. Oder sie kümmern sich um alles mögliche, nur nicht um ihre Beziehung.

Ganz besonders schockierend fand ich aber eine Feststellung im hebräischen Text. Das Wort „Herr sein“ kam schon einmal vor Kapitel 3 vor. Könnte ihr euch vorstellen wo? Es wurde dafür verwendet, was Adam mit den Tieren tun sollte. Die traurige Wahrheit ist: Wegen des Sündenfalls behandeln manche Männer ihre Frauen nicht wie Menschen, mit denen sie gemeinsam das Ebenbild Gottes teilen, sondern schlechter als ihre Haustiere. Die Welt brach damals auseinander. Als Ergebnis sind Mann und Frau vereint in der Zerbrochenheit. Das Leben wurde schwer an jenem Tag. Und das blieb es seitdem. Wir kämpfen mit unseren Körpern, mit unseren Identitäten, mit unseren Beziehungen. Wir kämpfen darum, glücklich zu sein, uns sicher zu fühlen, hilfreich und beschützt. Wir wurden zum Ebenbild eines heiligen Gottes geschaffen, aber als wir fielen, zerbrachen die Geschlechter in tausend Teile.

Aber eine Gemeinsamkeit zwischen Männern und Frauen haben wir noch übrig. In Sünde und Zerbrochenheit waren Mann und Frau vereint. Und was tat Gott? Er half. Er wurde ihr Gehilfe. Denn ihre Sünden waren zahlreich. Aber Gottes Gnade ist und bleibt immer größer. Kurze nach dem Sündenfall schaute Gott dem Teufel ins Angesicht und sagte:

Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Als Adam und Eva zusammengekauert, gebrochen und voller Scham vor Gott standen, was sagte er da? Jesus wird kommen! Ein Mann geboren von einer Frau. Ein Mann, der gleichzeitig Gott ist. Und ja, Satan würde ihn verletzen, ihn in die Ferse stechen, aber Jesus wird ihm dennoch den Kopf zertreten, Satan besiegen. Männer und Frauen eint also das Versprechen eines Retters, die Verheißung Jesu. Er kam in unsere Welt, um der Sünde und der Scham den Kopf zu zertreten.

Als Männer blicken wir auf unsere Leben zurück und müssen erkennen, wie viel wir durcheinander gebracht und wie viele Menschen wir nicht beschützt haben. Aber wir dürfen uns an Jesus wenden, der jede Sünde zerschmettert und für uns kämpft. Als Frauen erkennen wir, wie viele Worte, Entscheidungen und Einstellungen nicht hilfreich waren, aber wir dürfen unseren Blick erheben – hin zu Jesus, der alles neu, schön und rein macht. Denn Jesus ist der vollkommene Mann. Er ist die gerechte Rippe, die am Kreuz verwundete wurde, so dass wir gesegnet und ein Teil an seinem Leib sein können. Er ist der Bräutigam, der sein Leben opferte, damit seine Braut leben kann. Durch ihn sind wir geschützt. Aber nicht nur das. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn. Wenn wir Scham empfinden wegen unserer Sünde, dann ist da immer Jesus, der hilft. Wenn wir Angst in einer Welt voller Sünde haben, ist da immer der Jesus, der hilft, weil er uns immer vergibt und immer bei uns ist. Das vereint Männer und Frauen – die Verheißung Jesu. Wir können einer der 3,98 Milliarden Männer auf diesem Planeten sein oder eine der 3,82 Milliarden Frauen – jeder von uns ist durch den Glauben an Christus ein Kind Gottes. Denn wir haben den Freudenmeister – den einen Jesus, das eine Kreuz, das eine leere Grab.

Am Schluss des Gottesdienstes werden wir die Melodie des Liedes „Freut euch, der Retter ist da!“ Die Worte dieses Liedes will ich an den Schluss der Predigt setzen:

Der Heiland aller Menschen – also Mann und Frau – will unser Elend wenden. Freut euch, der Retter ist da! Stimmt in den Jubel mit ein, kommt alle groß und klein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.