iGod: Ich bin

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Erinnert ihr euch an das Leben, bevor es Smartphones, WLAN und hunderte Kanäle im Fernsehen gab? Wenn ihr alt genug seid, euch an diese Zeit zu erinnern, wisst ihr, dass sich die Art und Weise wie wir leben, komplett verändert hat. In meiner Jugend gab es z. B. noch jede Menge Telefonzellen. Man musste entweder genügend Kleingeld parat haben oder eine Telefonkarte, um telefonieren zu können. Die Zellen waren schmutzig, die Telefonbücher zerfleddert und die Hörer rochen irgendwie alle gleich.

Oder erinnert ihr euch an Videotheken? Könnt ihr euch das vorstellen? Man musste das Haus verlassen, um einen bestimmten Film sehen zu können. Aber noch viel schlimmer: Man musste darauf hoffen, dass es den Film überhaupt noch gab.

Oder erinnert ihr euch an Landkarten? Wenn ihr unter 18 seid, müsst ihr wissen, dass Google Landkarten nicht erfunden hat. In Wahrheit wurden sie vom Teufel erfunden, der sicherstellen wollte, dass man sie nie wieder richtig zusammenfalten kann.

Und erinnert ihr euch daran, als Bibeln noch aus… wie hieß das gleich… Ah! Papier! gemacht wurden? Heute habe ich hunderte Bibelübersetzungen auf meinem Smartphone. Inklusive eines Mannes, der sie mir vorliest, sobald ich „Play“ drücke.

Alles hat sich verändert: Online-Banking; Einkaufen auf Amazon; Gruppen-Chats in Whatsapp; Stalking auf Facebook; E-Mails auf Arbeit: Jeder Aspekt des menschlichen Lebens hat sich verändert, seitdem der Technologie-Boom eingesetzt hat.

Die Meisten von uns würden wahrscheinlich sagen, dass das eine gute Sache ist. „Ich vermisse Telefonzellen, Faltkarten und Videotheken nicht.“ Technologie ist ein großer Segen für viele Menschen – außerhalb und innerhalb der Kirche. Aber gleichzeitig bemerken viele von uns, dass das Leben in einer digitalisierten Welt nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben. Mit so vielen Freunden, Likes und Kommentaren müssten unsere Herzen doch mit Terabytes an Liebe und Zustimmung gefüllt sein. Gott hat uns alle so geschaffen, dass wir uns danach sehnen, von anderen bemerkt und geliebt zu werden – beliebt zu sein; …dass man unserer Person Beachtung schenkt.

Und in der Theorie scheint es so zu sein, dass Technologie all das ermöglicht. Manche von euch könnten jetzt ihre Smartphones hervorholen und mir die hunderten Freunde zeigen, die all das beachten, was ihr online schreibt. Aber trotz der vielen digitalen Freunde, würden wohl viele dennoch bekennen, dass sie sich gelegentlich allein und einsam fühlen. Mit der digitalen Speicherung all der Likes für das, was ich heute, gestern oder vergangene Woche gepostet habe, müssten wir uns doch wichtig fühlen – beliebt.  So sehr, dass mich jemand kritisieren kann und es trifft mich nicht mehr.  Aber wenn ihr nur ein bisschen so seid wie ich, wisst ihr, dass das nicht die Wahrheit ist. Man geht online, wo so viele Menschen miteinander verbunden sind und den Gefällt-mir-Button drücken. Aber gleichzeitig sieht man Dinge online, die in Frage stellen, ob man wirklich dazugehört. Ob Menschen sich wirklich um euch kümmern. Oder ob überhaupt jemand zuhört. Vielleicht bin ja nur ich es:  Aber es scheint so zu sein, als würden all die Geräte ihre Versprechen nicht halten.

Und genau hier wollen wir mit dieser Gottesdienstreihe einhaken. In den kommenden drei Wochen wollen wir nicht darüber reden, dass Technologie böse ist. Ich will euch nicht davon überzeugen, eure Telefone in den Müll zu schmeißen, die Kabel durchzuschneiden und den Fernseher auszulassen.  Sondern wir wollen uns damit beschäftigen, ob unsere Technologie und unsere Theologie (also das, was wir über Gott wissen) im richtigen Verhältnis zueinanderstehen. Dass wir wissen, wofür Gott gut ist und was wir bei ihm finden können.  Und wofür unsere technischen Geräte gut sind und was wir von ihnen erwarten können.

Das Ziel dieser Predigtreihe ist also:

Wir wollen unseren Namen / unsere Ruhe / unseren Mittelpunkt bei Gott finden und nicht in Technologie.

Wenn wir jemand Wichtiges sein wollen; jemand der mit Freude und Frieden im Herzen aufwacht; wenn wir nach Ruhe Ausschau halten; eine Pause vom verrückten Alltag, so dass unsere Gehirne und Körper abschalten können; dann möchte ich uns dazu ermutigen, all das nicht bei den Versprechen von Apple und Googles Android zu suchen – sondern bei Gott.

Nun scheint es seltsam, ein Buch wie dieses in die Hand zu nehmen, wenn wir über Technologie reden. Die letzten Seiten dieses Buches wurden in den 90ern geschrieben. Nicht die 1990er sondern die echten 90er nach Christus. Was kann uns dieses Buch über die Technologie unserer Tage erzählen? Und ich würde behaupten: sehr viel. Denn ganz am Anfang der Bibel – in einer der ersten Geschichten – geht es um eine Gruppe von Menschen, die moderne Technologie dazu benutzen wollten, um sich einen Namen zu machen. Sie wollten wichtig sein – jemand, der wertvoll ist. Und sie dachten, dass sie die technischen Möglichkeiten hätten, um das zu erreichen. Aber wir werden sehen, dass für sie alles zusammenbrach, weil sie nur auf ihre Technologie anstelle auf ihre Theologie schauten.

Heute schlagen wir die Bibel im 1. Buch Mose, Kapitel 11 auf und beginnen bei Vers 1:

Damals sprachen alle Menschen auf der ganzen Welt die gleiche Sprache. Als die Menschen nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar. Dort ließen sie sich nieder.

Das geschah nur wenige Kapitel nach der großen Flut in den Tagen Noahs. Damals hatte Gott quasi die menschliche Geschichte neugestartet. Noch sprachen alle Menschen die gleiche Sprache. Und diese Menschen kommen in die Ebene im Land Schinar und ließen sich nieder. Und genau hier beginnt die Sache schiefzugehen. Schauen wir auf die nächsten Verse (Gen 11,3-4a):

Und sie sagten zueinander: »Lasst uns Ziegel formen und sie brennen! Die Ziegel verwendeten sie als Mauersteine und den Asphalt als Mörtel. »Auf«, sagten sie, »wir wollen eine Stadt errichten mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht.

Die Menschen damals sagten: „Lasst uns eine Stadt bauen und wir verwenden dazu Ziegel!“ Das mag erst einmal nicht so aufregend für euch klingen. Aber sie benutzen Ziegel, die anders waren, als die Ziegel, die sonst zu dieser Zeit verwendet wurden. Normalerweise nahmen Menschen damals Lehm, pressten ihn in Formen und ließen ihn anschließend in der heißen Sonne des mittleren Ostens trocknen. Mit diesen getrockneten Ziegeln bauten sie zum Beispiel ein Haus, eine Mauer oder sogar einen Turm. Aber das Problem mit diesen sonnengetrockneten Ziegeln bestand darin, dass sie nicht wasserfest waren. Ein paar starke Regengüsse und das Haus, die Mauer oder der Turm stürzten ab – wie ein Windows-PC. Sorry, ich bin ein Mac-user. Ihr müsst darüber nicht lachen, denn ich finde meine Zustimmung bei Jesus.

Die Menschen in Schinra sagten: „Wir wollen diese sonnengetrockneten Ziegel nicht benutzen. Wir nehmen die Ziegel und brennen sie, bis sie hart wie Steine sind.  Außerdem nutzen wir Asphalt als Mörtel – ein Erdharz.  So werden unsere Gebäude wasserdicht und fester als alles, was es bisher gab. Und dann können wir einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht.“ Die Menschen damals wollten nämlich die Konkurrenz überbieten. Und die Konkurrenz sah so aus: Das ist ein Tempel, der in der antiken Stadt Ur gefunden wurde. Ur liegt etwa 300km von Schinar entfernt und gehörte zum selben Land. Archäologen sagen uns, dass dieses Gebäude etwa 2100 v. Chr. errichtet wurde. Fast zur selben Zeit also, in der unser Turmbau aus 1Mose 11 anzusiedeln ist. Archäologen haben die Grundmauern ausgegraben und herausgefunden, dass der Tempel immer wieder auf- und umgebaut wurde. Das was man auf dem Bild sieht – der Nachbau des Tempels also -, wurde übrigens auf Veranlassung von Saddam Hussein errichtet. Aber die Menschen in 1Mose 11 sagen: „Wir können das besser. Der Tempel in Ur ist beeindrucken. Aber wenn wir unsere gebrannten Ziegel – unsere moderne Technologie – verwenden, können wir einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht.“

Aber die Frage, die man sich dabei stellen sollte, ist: „Warum?“ Warum waren sie so bemüht darum, Technologie zu benutzen, um diese Stadt und diesen Turm zu bauen? Der nächste Vers gibt uns die Antworten:

»Auf«, sagten sie, »wir wollen eine Stadt errichten mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht – damit wir uns einen Namen machen! Es wird verhindern, dass wir uns über die ganze Welt zerstreuen.«

Die Menschen in Schinra wollten nicht zerstreut werden. Die antike Welt war grausam und brutal war. Wenn man in Zelten lebte und Feinde überraschend angriffen, wurde man zerstreut: die Kehle wurde durchgetrennt; die Frau vergewaltigt; und die Kinder versklavt. Deswegen sagen sie: „Lasst uns eine Stadt bauen, so dass unsere Familien sicher sind. Wir wollen nicht zerstreut werden, wie der Rest.“ Und das scheint ein sehr gutes Motiv zu sein, um Technologie zu benutzen, oder? Außer! es wäre nicht das einzige Motiv:

»Auf«, sagten sie, »wir wollen eine Stadt errichten mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht – damit wir uns einen Namen machen!

Damit sagen sie: „Wir können es zu etwas bringen. Die Menschen werden unsere Namen kennen. Wenn wir es schaffen, dass unser Turm bis in den Himmel reicht, werden sie denken, dass wir es bis hinauf zu Gott geschafft haben. Vielleicht denken sie sogar, dass wir Gott sind.“ Die Leute in Schinar hatten also gemischte Motive: Das eine Motiv war sehr gut – aber das andere war es nicht. Man erkennt es übrigens auch an ihrer Sprache:

»Auf«, sagten sie, »wir wollen eine Stadt errichten mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht – damit wir uns einen Namen machen! Es wird verhindern, dass wir uns über die ganze Welt zerstreuen.«

Sie erwähnen fünfmal ihren Namen – aber Gottes Namen kein einziges Mal. Gott sieht es also schon wieder passieren: Er hatte die Sintflut geschickt, um eine selbstbezogene Menschheit zu bestrafen. Denn immer, wenn Menschen damit beginnen, nur an sich zu denken und nicht mehr an Gott, geschehen alle möglichen hässlichen und schrecklichen Dinge. In den nächsten Versen hören wir die Reaktion Gottes:

Der Herr aber kam aus dem Himmel herab (INTERESSANTE FORMULIEREN – die Menschen bauen einen Turm, der bis in den Himmel reicht – und Gott muss dennoch herunterkommen), um sich die Stadt und den Turm anzusehen, den sie erbauten. »Sieh, was sie begonnen haben zu bauen. Weil sie dieselbe Sprache sprechen und ein Volk sind, wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie sich vornehmen! Kommt, wir steigen hinab und geben ihnen verschiedene Sprachen. Dann werden sie sich nicht mehr verständigen können.« Auf diese Weise zerstreute der Herr die Menschen über die ganze Erde und sie konnten den Bau der Stadt nicht beenden. Deshalb wurde die Stadt Babel genannt, weil der Herr dort die Sprache der Menschen verwirrte und sie so über die ganze Erde zerstreute.

Gott unterbricht das Bauprojekt. Und wäre dieser biblische Bericht nicht so gefüllt von Sünde, müsste man darüber lachen. Denn es scheint seltsam, dass Gott verschiedene Sprachen erfindet. Aber er verwendet sie dazu, um Menschen so zu zerstreuen, damit sie sich keinen Namen mehr machen können.

Denn wisst ihr, was geschieht, wenn man es macht? Wenn man versucht, sich einen Namen zu machen, wird letztendlich alles zusammenbrechen. Wenn man auf etwas zeigen und sagen muss: „Das ist der Grund, warum ich etwas bedeutet. Das ist der Grund, warum ich wertvoll bin. Schau, was ich geschaffen habe. Schau, was meine Technologie für meinen Namen getan hat.“ – wird schlussendlich alles zusammenbrechen.

Das ist die Moral dieser merkwürdigen Geschichte aus dem ersten Buch Mose: Gott lässt nicht zu, dass wir uns einen Namen in dieser Welt machen. Er liebt seine Schöpfung zu sehr, um uns selbst einen Namen machen zu lassen.

Nun! Mal abgesehen von der Tatsache, dass es Sinn macht, verschiedene Sprachen zu lernen – was hat diese Geschichte mit uns zu tun? Die Antwort lautet: eine Menge. Wie die Menschen in 1Mose 11 leben auch wir in einer Welt des rapiden technologischen Fortschritts. Die meisten von uns starren einen Großteil des Tages auf Bildschirme: auf Arbeit, zu Hause, in der Schule, in der Kirche, im Auto an der roten Ampel (weil wir Sünder sind). Die meisten von uns sind in Technologie vertieft und das große Teile des Tages. Manche von uns gehen keine Stunde offline – außer zum Schlafen.

Mit den Menschen aus 1Mose 11 haben wir außerdem gemeinsam, dass das erst einmal nicht falsch ist. Es gibt kein Gebot in der Bibel, das sagen würde: „Du sollst keinen Turm bauen.“ Ebenso gibt es kein Gebot, das sagt: „Du sollst kein Smartphone oder kein Internet haben.“ Aber die wichtigste Übereinstimmung, die wir mit den Menschen von damals haben, ist die: Wir müssen nach dem „Warum“ fragen. Was ist unser Motiv? Warum benutzen wir die Technologie unserer Tage? Warum posten wir diesen Kommentar oder dieses Bild? Und warum schauen wir eine Stunde später nach, wem unser Kommentar oder Bild gefällt? Warum teilen wir diesen Moment unseres Lebens – einen anderen aber nicht? Warum verhalten wir uns wie Süchtige, wenn unser Telefon vibriert? Warum müssen wir unbedingt antworten? Was steckt dahinter? Wes des Herz voll ist, des geht der Finger über… aber was ist im Herzen, dass uns den Text schreiben ließ?

Es gibt drei Motivationsgründe, warum wir Dinge online tun:

  1. Zur Ehre Gottes: Wir wollen, dass andere Menschen wissen, wer Gott ist und was er getan hat. Das kann ein Motiv sein, warum wir posten und kommentieren.
  2. Zum Wohl der Anderen: Wir wollen andere Menschen glücklich machen, dass sie z. B. lachen. Oder wir geben ihnen Informationen, die wichtig oder interessant sind.
  3. Mein Motiv ist mein Name: Ich möchte, dass mir jemand das Gefühl gibt, dass ich wer bin; dass ich wichtig bin; dass ich gebraucht werde; dass ich es wert bin, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Das war die Frage – die Frage nach den Motiven – die ich mir stellte, als ich mich dazu entschied, euch zu stalken. Ich bin nicht unbedingt der Typ für soziale Medien. Wisst ihr, warum ich mich überhaupt bei Facebook angemeldet habe? Weil ich sehen wollte, was im Leben meiner Gemeindeglieder so vor sich geht. Und so begab ich mich zur Vorbereitung auf diese Predigtserie auf die Suche nach den Motiven, warum wir Dinge online tun. Wisst ihr, was ich herausgefunden habe? Ich fand ein paar interessante Dinge. Ah! Jetzt werden manche von euch nervös… Aber keine Angst: Ich stelle niemanden bloß.

Ich habe mir also all die Posts angeschaut, die ihr so online stellt: Und ich habe mich gefragt: „Warum?“ Das ist ein hübsches Selfie – ich frage mich, warum du es gepostet hast. Du hast einen neuen Haarschnitt – ich frage mich, warum du das mit allen teilen musst. Schöner Sonnenuntergang – ich frage mich, warum ich das wissen muss. Du bist grad fertig mit dem Training und siehst verschwitzt aus – ich frage mich, warum du es als notwendig erachtest, dass mit anderen zu teilen. Du hast dir dieses Essen gekocht – ich frage mich, warum ich auch noch dieses Bild sehen muss. Nochmal: Nichts davon ist Sünde. Ich frage mich einfach nur, warum. Und irgendwann fragte ich mich, warum ich predige. Hier vorn ist ein Beamer. Dahinten läuft eine Kamera mit einem riesigen Mikrophon. Warum predige ich? Um euch mit Gottes Wort zu segnen? Oder geht es vielleicht nicht um mich?

Das sind schwer zu beantwortende Fragen, oder? Denn es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Motive, warum wir Dinge tun, gemischt sind. Erinnert euch an unsere Geschichte aus 1Mose 11: „Lasst uns eine Stadt bauen, so dass unsere Familie sicher sind – UND – damit wir uns einen Namen machen können.“ Und wir sollten uns dieselbe Frage stellen.  Möglicherweise posten wir etwas, sagen etwas, damit es Mama weiß; damit Menschen sich freuen können; Aber ist da etwas tief in meinem Herzen vergraben, das sagt: „Ich möchte Anerkennung haben.“ „Ich möchte beliebt sein.“ „Ich möchte, dass Menschen mir Aufmerksamkeit schenken.“ „Ich möchte, dass Menschen, meine Sachen kommentieren.“ Ist tief in unseren Herzen eine Motivation, die Gott nicht besonders gut gefallen kann? Und woher weiß man das?  Es ist die eine Sache, unsere Motive in Frage zu stellen.  Aber wie findet man heraus, was auf einen selbst zutrifft?

Es gibt sicher mehrere Wege das herauszufinden.  Aber ich möchte euch vier Fragen an die Hand geben, die uns hoffentlich dabei helfen, Technologie als Christ zu verwenden.

Die erste Frage: Hast du jemals online gelogen? Ich meine damit keine Lügen wie: Ich wiege 50kg und schaffe 60 Liegestütze, obwohl es vielleicht 80kg und 6 Liegestütze sind. Ich meine damit eher die Frage: Weicht euer Online-Ich von eurem wahren Ich ab? Wären andere, die euch online kennen, überrascht, wenn sie euer wahres Ich treffen würden? Das zeigt sich vielleicht bei einem Familienfoto. Die Kinder streiten, beißen, spucken auf 99 der Bilder, die ihr macht. Aber auf einem habt ihr es hinbekommen, dass sie lächeln und einträchtig beieinandersitzen, weil ihr sie mit McDonalds bestochen habt. Welches der Bilder postet ihr? „Hey! Das ist unsere Familie.“ Erwischt ihr euch dabei, dass ihr nicht alle Dinge erwähnt – nur über die guten Sachen redet? Habt ihr jemals online gelogen?

Die zweite Frage: Leidet ihr darunter, dass ihr zwanghaft online sein müsst? Erwischt ihr euch dabei, dass ihr zwanghaft auf euer Smartphone schauen müsst? Wenn es eine Pause auf Arbeit gibt; sobald die Kirche vorbei ist;  in jeder Pause in der Schule;jedes Mal, wenn es vibriert? Eine Studie hat herausgefunden, dass der durchschnittliche Deutsche etwa alle 8 Minuten auf sein Smartphone schaut und es macht uns glücklich. Was suchen wir, wenn wir unsere Smartphones benutzen? Das ist eine gute Frage. Wonach halten unsere Herzen Ausschau, dass unsere Hände dazu bringt, nach dem Smartphone zu greifen? Kann es sein, dass wir nach etwas suchen, das uns versichert: „Du bist wichtig“ „Ich habe dich bemerkt“ „Ich möchte mit dir reden“ Suchen wir unsere Identität in Smartphones und co.?

Die dritte Frage: Leidet ihr unter dem zwanghaften Vergleich mit anderen, wenn ihr online seid? Habt ihr euch jemals dabei erwischt, dass ihr online gegangen seid und euch alles andere als gesegnet gefühlt habt, aufgrund dessen, was andere gepostet haben? Ihr seht die Bilder aus ihrem Urlaub oder sein neues Auto. Oder wie sie trainiert und ihre Figur. Und plötzlich verliert man die Freude, die daherkommt, dass man ein Kind Gottes ist. Manchmal fühlen wir Dinge wie Neid oder Stolz, wenn wir die Posts der Anderen sehen. Die Frage lautet also: Wenn wir online sind und Menschen sehen, wie sie von Gott gesegnet sind, können wir dann noch zufrieden mit dem Leben sein, das Gott uns gegeben hat?

Die vierte Frage: Flieht ihr zu sozialen Medien oder zur Bibel? Wenn ihr allein seid, gelangweilt, ängstlich oder traurig – wohin wendet ihr euch? Wohin flieht ihr? Zu sozialen Medien, um euch dort eure Zustimmung abzuholen. Oder zu Gottes Wort und seinen Verheißungen? Wohin flieht unser Herz und warum?

Schwierige Fragen, oder? Und noch viel schwieriger: Wir alle sind hinter denselben Dingen her. Wir wollen uns einen Namen machen. Wir wollen jemand sein. Aber Technologie betrügt uns. Es scheint, als könnte es funktionieren. Aber Technologie kann die Leere, die Gott in unser Herz gelegt hat, niemals füllen.

Also: Sich einen Namen mit Technologie machen zu wollen, funktioniert nicht. Und deswegen gibt uns Gott etwas unendlich Besseres. Wir müssen uns keinen Namen in dieser digitalen Welt machen. Denn Gott sagt, dass wir uns einen Namen aus seinem inspirierten Wort nehmen dürfen.

Lasst mich euch etwas aus der Bibel zeigen, dass in 1Mose 11 beginnt: Habt ihr bemerkt, welcher Name in unserem Text heute immer wieder auftaucht? Ich zeige es euch noch einmal hier vor:

Der HERR aber kam aus dem Himmel herab… Auf diese Weise zerstreute der HERR… weil der HERR dort…

Wir haben schon öfter über diesen Namen geredet. Großes H, großes E, großes R, großes R. Dieser Name Gottes – nämlich JAHWE – ist die Erinnerung für uns, dass Gott gnädig ist. Er liebt Menschen – selbst dann, wenn sie es nicht verdient haben. Dieser Name erinnert uns an Jesus, der sein Leben für Menschen gab, die so sind, wie wir: nämlich Sünder. JAHWE – das ist der Name, den die Juden früher für so heilighielten, dass sie es nicht wagten, ihn über ihre Lippen kommen zu lassen.  Der Name, der über alle anderen Namen stand. Ein wunderschöner Name. Ein gesegneter Name. Aber das krasse ist: Gott erlaubt uns, diesen Namen für uns selbst zu nehmen. Springen wir ans andere Ende der Bibel. In Offenbarung 22 finden wir den folgenden großartigen Vers (Offb 22,4):

Und sie werden sein Gesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen geschrieben stehen.

Wenn wir in den Himmel kommen, bekommen wir ein Gesichtstattoo. Denn Gott wird seinen Namen auf unser Gesicht setzen. Gott sagt hier: Alles, was schön, angenehm und liebenswert an mir ist, gebe ich meinen Kindern. Das ist das, was für alle Ewigkeit sein werdet. Und wie bekommt man einen Namen, der so groß und schön ist? Jesus gibt uns die Antwort in Matthäus 28(,19):

Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wenn jemand getauft wird, wenn jemand in die Familie Gottes hineingetauft wird, gibt Gott ihm diesen perfekten Namen. Deswegen ist es eine Freude, jedes Mal, wenn jemand in unserer Kirche getauft wird. Gott gibt seinen Kindern einen Namen, den niemand ihnen mehr wegnehmen kann. Andere können kritisieren, nicht beachten oder vielleicht sagen: „Du bist ein Looser. Wir wollen nicht, dass du ein Teil unserer Gruppe bist.“ Aber niemand kann uns unsere Taufe nehmen. Und deswegen kann uns auch niemand den Namen wegnehmen, den Gott uns geschenkt hat. Deswegen schreibt König Salomo, der ja voller Weisheit war, in den Sprüchen (18,10):

Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gottesfürchtige flüchtet sich zu ihm und findet Schutz.

Wo ist der einzige Ort, wo unsere Identität sicher ist? Wo wir beschützt sind? Wo wir Frieden finden, den uns niemand rauben kann? Gott gibt uns einen Namen aus seinem Wort. Wollt ihr jemand sein? Empfangt es von Gott! Wollt ihr wertvoll sein; akzeptiert; beliebt – für immer? Selbst dann, wenn euch das Andere online rauben? Dann nehmt euch den Namen aus Gottes Wort.

Es war einmal ein Mädchen, das einen schrecklichen Tag in der Schule hinter sich hatte. Ihr Freund hatte sie betrogen und weggeworfen. Und ein Snapchat sorgte dafür, dass es jeder andere in ihrer Schule wusste, bevor sie davon erfuhr. Innerhalb weniger Minuten war ihr Telefon voller Nachrichten ihrer Freunde, Feinde und Fremden. An diesem Tag wurde aus dem Mädchen, das einst beliebt und akzeptiert war, ein Mädchen, dass zurückgewiesen und nicht gut genug ist. Als sie nach der Schule ihren Vater traf, vermied sie jeden Augenkontakt. Sie konnte nur auf ihr Telefon starren. Am liebsten wollte sie allein sein. Also rannte sie in ihr Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Ihr Vater lief ihr nach. Er stand vor ihrer Tür und klopfte vorsichtig. „Schatz, geht es dir gut?“ Aber er hörte nichts als das dumpfe Weinen seines kleine Mädchens. Er klopfte erneut: „Schatz. Darf ich reinkommen?“ Noch mehr Schluchzen. Also öffnete der Vater die Tür, weil er sich Sorgen machte. Und da lag sie: seine Tochter – ein Häufchen Elend. Er setzte sich auf ihr Bett, legte seine Hand auf ihren Rücken und sagte: „Hör mir zu. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß nicht, was die Kinder in der Schule über dich sagen. Aber eine Sache weiß ich. Ich habe dir einen Namen gegeben. Und niemand kann ihn dir wegnehmen. Und für mich wird dieser Name immer wunderschön sein. Ich werde es immer mögen, deinen Namen zu hören. Denn du gehörst zu mir.“

Gott sagt dasselbe zu uns. Facebook ist so launisch. Sie lieben mich, sie lieben mich nicht. Sie kommentieren meine Posts oder sie tun es nicht. Die Freude und der Friede, den uns diese Welt bieten kann, gleicht einer Achterbahnfahrt. Aber unser Vater im Himmel ist nicht launisch, sondern er ist treu. Und er sagt: „Du gehörst zu mir. Das war gestern so und das wird auch morgen so sein. Denn ich liebe dich. Und du bist ein wertvoller Teil am Leib Christi. Das wird in Ewigkeit so bleiben.“ Gott sagt: Niemand kann uns den Namen rauben, den er uns gegeben hat. Den Namen Söhne und Töchter Gottes. Das ist der Friede, von dem Gott will, dass wir ihn haben.

Und das ändert auch, wie wir unsere Smartphones benutzen. Wenn wir einen Namen haben – einen unerschütterlichen Namen – zu dem wir gehen können, der uns beschützt… müssen wir dann online lügen? Müssen wir da andere Menschen beeindrucken? Sind wir erst jemand, wenn sie auf den Gefällt-mir-Button klicken? Nein! Niemand muss uns online mögen. Und doch können wir sagen: „Ich werde gemocht. Ich werde geliebt – von Gott.“ Müssen wir zwanghaft überprüfen, ob wir die Aufmerksamkeit Anderer online erhascht haben? Gott schiebt im Himmel die Engel beiseite und sagt: „Wartet kurz. Meine Tochter betet zu mir. Und ich schenke ihr meine volle Aufmerksamkeit.“ Müssen wir uns mit anderen online vergleichen? Nein. Denn alle geistlichen Segnungen gehören uns doch schon längst – durch den Glauben an Jesus Christus. Müssen wir also zu Facebook fliehen? Nein, wir können zu Gott fliehen. Sein Wort erinnert uns daran, wer wir schon längst sind. Wenn wir uns an unsere Identität, die wir in Christus haben, erinnern, verändert das alles.

Und deswegen habe ich eine Herausforderung für euch. Würdet ihr für die nächsten 7 Tage – bis zum nächsten Gottesdienst also – Facebook, Instagram, Snapchat, Whatsapp usw. gegen die Bibel eintauschen? Ich würde euch darum bitten, für die nächsten 7 Tage alle sozialen Medien zu meiden. Für manche von euch wäre das eine echte Herausforderung. Es ist keine Sünde, wenn ihr nein zu der Herausforderung sagt. Aber ich glaube, dass es geistlich sehr gesund wäre, wenn ihr Ja sagt.

Die Herausforderung hat aber noch eine zweite Seite. In der Zeit, in der ihr euch normalerweise mit eurem Smartphone beschäftigen würdet, bitte ich euch, die Bibel zu öffnen. Und zwar eine Bibel aus Papier. Schnappt euch außerdem einen Stift. Und dann schlagt den Epheserbrief auf. Der Brief hat 6 Kapitel. Ihr könnt ihn in etwas mehr als 20 Minuten durchlesen. Und beim Lesen markiert all die Namen, die Gott uns gegeben hat. Ich gebe euch zwei Beispiele. In Epheser 1,1 ist von den Gläubigen in Christus Jesus die Rede. Hier lautet unser Name also „die Gläubigen“.  Das sind wir – durch Jesus. In Epheser 2,10 heißt es:

Denn wir sind sein Werk,

Wir sind sein Werk – sein Meisterwerk. Ein Name zum Markieren also. Denn das sind wir durch Jesus. Von diesen Namen gibt es im gesamten Briefe jede Menge. Alle richtig gut. Alles Namen, die Gott seinen Kindern gibt. Ihr müsst Facebook nicht für immer aufgeben. Aber ich würde mir wünschen, dass ihr euch mit der Bibel beschäftigt und so herausfindet, wer ihr wirklich seid.

Amen.