iGod: Ich ruhe

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Vergangene Woche habe ich euch herausgefordert, eine Woche auf soziale Medien zu verzichten. Nun wollte ich nicht Wasser predigen, aber selbst Wein trinken. Deswegen habe ich mich selbst der Herausforderung gestellt. Und es lief… nun ja… Den ersten Fehler beging ich, als ich nach dem Gottesdienst vergangene Woche auf mein Handy schaute. Und was sah ich? Eine WhatsApp von jemanden, der mir berichten wollte, dass er dabei gescheitert war, sein Auto mit den Knien zu steuern, um mit seinen Händen Luftgitarre spielen zu können. Wenig später die nächste Nachricht. Und dann eine E-Mail. Eigentlich wollte ich all das ignorieren. Aber irgendwann habe ich dann gedacht, dass das ja ganz schön unhöflich ist. Und dann noch eine Nachricht… und dann noch eine… Und mir wurde eine Sache klar:  Wir sind alle sehr beschäftigt.

Wir sind sehr beschäftigt

Ich vermute, euch geht es da auch nicht anders. Wahrscheinlich würden die Wenigsten von uns behaupten, dass sie richtig viel Freizeit haben. Mit der Arbeit; der Schule; mit zwei oder drei Kindern; mit Überstunden; sozialen Medien, wo wir mit Freunde in Verbindung bleiben wollen; mit dem zeitigen Aufstehen, um es zur Kirche zu schaffen; mit Ehrenämtern und vielem mehr fühlen wir uns ziemlich ausgelastet.

Und wir dachten, dass uns Technologie helfen würde. In den 1960ern gab es eine Studie seitens des Staates. Diese Studie sagte voraus, dass wir uns aufgrund des rasanten technologischen Fortschritts, uns nicht mehr beschäftigt – sondern im Gegenteil – ziemlich gelangweilt fühlen werden. Die durchschnittliche Arbeitszeit sollte laut der Studie innerhalb weniger Jahre auf 20 Stunden in der Woche sinken.

Nicht wirklich, oder? Auch wenn uns unsere technischen Geräte erlauben, mit nur einem Klick einzukaufen oder unsere Bankgeschäfte online zu erledigen, erinnern sie uns doch ständig daran, wie viel Arbeit und Aufgaben noch zu erledigen sind. Die kleinen roten Punkte rufen uns ins Gedächtnis, dass in der letzten Stunde drei Menschen eine Nachricht geschrieben, zwei Personen angerufen und 17 Leute eine E-Mail gesandt haben. Und jeder von ihnen wartet. Sie warten darauf, dass wir uns wieder an die Arbeit machen. Sie warten auf eine Entscheidung, die wir treffen. Sie warten auf Rat und Hilfe oder schlicht auf ein wenig Unterhaltung.

Und aufgrund unserer Smartphones spielt es keine Rolle, wo wir uns gerade befinden. Es gibt immer Arbeit und Aufgaben, die erledigt werden sollen. Die Idee, an einem Freitagabend um 17:00 Uhr Arbeit Arbeit sein zu lassen, existiert im digitalen Zeitalter nicht mehr. Aufgrund unserer Smartphones kann uns unser Chef eine Arbeitsanweisung schicken – …an einem Samstagmorgen, an dem wir noch im Bett liegen. Wir können mit unseren Lieben beim Abendessen sitzen und dennoch auf einen Bildschirm starren, um die Frage eines Freundes zu beantworten. Und mehr als jemals zuvor, sagen viele Menschen, dass sie sich sehr ausgelastet fühlen.

Und das ist ein Problem. Es ist ein Problem, weil diese Geschäftigkeit unserem Glaubensleben manchmal im Weg steht. Wir sind so beschäftigt, dass wir nicht zu den Dingen kommen, von denen Gott sagt, dass sie das Beste für uns wären. Ich denke, die meisten von uns wünschen sich zum Beispiel, eine gute Ehe zu führen. Gott sagt: „Ehemänner, liebt eure Frauen mit derselben Liebe, mit der auch Christus die Gemeinde geliebt hat“ (Eph 5,25). Jesus gab alles für seine Braut – die Kirche – auf. Sogar sein Leben. Und natürlich ist uns klar, dass ihn das Zeit, Mühe und Energie gekostet hat. Aber wenn es eine Sache gibt, von denen die meisten Ehemänner bekennen würden, dass sie nicht genug davon haben, ist es wohl Zeit und Energie.

Zu Eltern sagt Gott, dass sie ihre Kinder im Glauben erziehen sollen. Damit ist nicht nur das Tischgebet gemeint – oder dass man sie am Sonntag für eine Stunde in die Kirche bringt. Eltern sollen ihre Kinder zu Jüngern von Jesus machen. Sie sollen ihnen die Zehn Gebote beibringen. Und ihnen immer wieder die Gnade Gottes zusprechen. Aber viele Eltern würden wohl sagen: Zwischen Schwimmunterricht, Hausaufgaben, Musikschule, meinem Job und all den E-Mails bleibt nicht viel Zeit dafür.

Und wir alle wissen, was die Ärzte sagen: Dass wir uns die Zeit nehmen sollten, 8 Stunden jede Nacht zu schlafen. … und dass wir uns körperlich betätigen sollen. Aber während wir mit den tausenden Aktivitäten in unserem Leben jonglieren, müssen wir erkennen, dass wir für solche Dinge kaum Zeit haben.

Es gibt all die Dinge, von denen Gott sagt, dass sie das Beste für uns wären: unsere Beziehungen und Freundschaften; unser Glaube; unser Dasein als Eltern und vieles mehr: Aber all diese guten Dinge werden durch unser geschäftiges digitales Leben in den Hintergrund gedrängt.

Was sollen wir auch tun? Sollen wir unsere To-do-List nehmen und 80% der Dinge, die darauf stehen, einfach streichen? So hätten wir auf jeden Fall viel Zeit. Aber was passiert dann? Diese Dinge werden nicht mehr erledigt. Und Menschen um uns herum warten auf eine Antwort. Sie werden enttäuscht sein, wenn man vier Tage braucht, um auf eine E-Mail oder eine Whatsapp-Nachricht zu antworten. Was wird der Chef sagen, wenn man das ganze Wochenende wartet und erst am Montag mit der Arbeit beginnt, die er bereits am Freitag angeordnet hat? Möglicherweise verlieren wir unseren guten Ruf. Vielleicht verlieren wir die Chance auf eine Beförderung. Oder sogar unseren Job, weil wir nicht gewillt waren, so hart wie die Anderen zu arbeiten.

Was sollen Gottes Kinder also tun? Auf der einen Seite wollen wir unser Glaubensleben aufrechterhalten. Auf der anderen Seite drohen ernsthafte Probleme, wenn wir unsere Geschäftigkeit aufgeben.

Heute gibt uns Gott seine Antwort. Und nein, Gott sagt nicht, dass wir unsere Smartphones in die Toilette hinunterspülen sollen. Wir müssen uns auch keinen Ort zum Leben suchen, an dem es kein Internet gibt. Gottes Antwort auf unsere Frage ist viel tiefgründiger und geistlicher. Wir finden sie inmitten der Liste, die wir die „Zehn Gebote“ nennen. Dort gibt Gott die Antwort, wie wir ein lebendiges Glaubensleben inmitten einer unglaublich geschäftigen Zeit finden.

Israel, Sklaverei und die Befreiung

Bevor wir aber ein Gebot Gottes genauer betrachten, brauchen wir ein wenig Hintergrundinformationen: Wie wir wissen, lebte das Volk Israel vor etwa 3.500 Jahren in Ägypten. Aber auf dem Bild erkennen wir, dass sie dort nicht als freie Menschen, sondern als Sklaven lebten. Weil das Volk Gottes in Ägypten immer zahlreicher wurde, sah sich Pharao – der König Ägyptens – in seiner Macht bedroht. Und deswegen versklavte er sie. Er hoffte so, die Lage in den Griff zu bekommen. Denn er wollte vermeiden, dass sein Land durch die Israeliten übervölkert wurde. Und deshalb sagte er (2Mose 1,10):

Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit dieses Volk nicht noch größer wird. Sonst könnten sie sich im Kriegsfall mit unseren Feinden verbünden, gegen uns kämpfen und dann aus dem Land fortziehen.

Deshalb ließ er ihnen Stein in die Hand drücken: Er setzte Aufseher über die Israeliten ein, um sie mit schwerer Arbeit zu unterdrücken. Die Israeliten mussten für den Pharao Vorratsstädte bauen. Peitschen drohten ständig, wenn jemand seine Arbeit nicht ordentliche erledigte. So wollte Pharao sicherstellen, dass die Israeliten keinen einzigen Tag in der Woche freihaben. Das Volk Gottes lernte also ziemlich schnell die oberste Regel der Sklaverei: Es gibt keine Ruhe. Als Sklave arbeitet man nicht auf das Wochenende hin – sondern das gesamte Wochenende durch. Pharao bestand darauf, dass der Name von Gottes Volk ab sofort „Sklave“ lauten würde. Arbeiten, arbeiten, arbeiten – das ist alles, was ein Sklave zu tun hatte.

Aber dann Gott! Diese drei kleinen Worte stellten alles auf den Kopf: Aber dann Gott. Aber dann sah Gott, die Bedrückung seines Volkes. Aber dann rettete Gott sein Volk aus der Sklaverei mit seinen mächtigen und liebenden Armen. Aber dann verwandelte Gott die Sklaven in seine Kinder.

Ich wünschte, ich könnte euch die ganze Geschichte des Auszugs aus Ägypten erzählen: Mose am brennenden Dornenbusch. Die zehn Plagen. Das erste Passahfest. Wie Gott das Rote Meer in zwei Rote Meere verwandelte. Aber das Wichtigste, was wir von dieser Begebenheit wissen können, ist: Gott machte aus Sklaven seine Kinder. Er sagte: „Sklave?“ …das ist nicht mehr euer Name. Uhr seid meine Söhne und meine Töchter. Ich gebe euch eine neue Identität – einen neuen Namen.

Später – nach dem Auszug aus Ägypten – führte Gott sein Volk zum Berg Sinai. Und genau dort gab er ihnen die Zehn Gebote. Die meisten von euch haben die Zehn Gebote als Kinder gelernt. Und ich denke, wir sind uns einig, dass viele Gebote für uns jede Menge Sinn ergeben. Du sollst nicht töten. – „Ja!“ Das macht Sinn. Du sollst nicht ehebrechen. –„Ja!“ Das macht Sinn – selbst wenn ein anderer Mann flirtet und der eigene Mann einem kaum Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt – Es würde so viele Dinge zerstören. Du sollst nicht stehlen; du sollst nicht lügen – Ja! Aber es gibt ein Gebot, welches nicht wie der Rest ist. Wenn wir unsere eigene Liste an Geboten erstellen würden, würde es dieses Gebot wahrscheinlich nicht auf die Liste schaffen. Denn im dritten Gebot sagt Gott: Arbeite nicht! – Zumindest nicht die ganze Zeit. Schauen wir uns das ganze Gebot aus 5. Mose 5 an:

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Halte den Sabbat, indem du ihn heiligst, wie der Herr, dein Gott, es befohlen hat. Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und deinen alltäglichen Pflichten nachkommen. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. An diesem Tag darf kein Angehöriger deines Hauses irgendeine Arbeit verrichten. Das gilt für dich, deine Söhne und Töchter, deine Sklaven und Sklavinnen, deinen Ochsen, deinen Esel und dein übriges Vieh sowie für alle Fremden, die bei dir wohnen. Alle deine Sklaven und Sklavinnen sollen ausruhen, so wie auch du ausruhst.

Gott sagt also: Auf meiner Top-Ten-Liste steht das an dritter Stelle: Halte den Sabbat. Sabbat ist hebräisch und bedeutet schlicht „Ruhe“. Es bedeutet, innezuhalten. Sich zu entspannen. Und nicht die Arbeit zu tun, die man normalerweise tut. Und das hebräische Verb, das hinter dem „halten“ steckt, bedeutet eigentlich „bewahren“. Also etwas beschützen Etwas als Besonders hochhalten.

Und weiter heißt es in unserem Text: Halte den Sabbat, indem du ihn heiligst. „Heilig“ ist kleines aber kraftvolles Bibelwort: Es bedeutet geweiht. Unantastbar. Ausgesondert für den gottesdienstlichen Gebrauch

Gott sagt also: Wenn es um den Sabbat geht, will ich, dass ihr ihn als etwas Besonderes aussondert.  Schreibt ihn nicht auf eure To-do-List mit 15 Stichpunkten. Und wenn ihr es schafft, schafft ihr es. Nein: Lasst das unantastbar für euch sein. Der Sabbat ist heilig, wie euer Glaube heilig ist. Denn ich möchte, dass ihr ruht. Tötet nicht – ja; Brecht nicht die Ehe – ja; Aber arbeitet nicht die ganze Zeit – denn ich gebiete euch zu ruhen.

Und wenn ich damals am Berg Sinai gewesen wäre, wäre das vielleicht der Moment, wo ich meinen zitternden Arm gehoben und gefragt hätte: „Bist du dir sicher, Gott?“ Missbrauch hat es nicht auf die Liste geschafft. Sklaverei auch nicht. Trunkenheit auch nicht. Warum ist ausgerechnet Ruhe eines der 10 Dinge, von denen du willst, dass deine Kinder an sie denken?

Und Gott hätte eine Antwort. In Wahrheit hat er seine Antwort als Erklärung zum dritten Gebot aufschreiben lassen. In unserem Text heißt es weiter:

Denk daran, dass du selbst einmal Sklave in Ägypten warst und dass der Herr, dein Gott, dich mit großer Macht und gewaltigen Taten aus dem Land geführt hat. Deshalb hat dir der Herr, dein Gott, befohlen, den Sabbat zu halten.

Warum sollten die Kinder Gottes den Sabbat bewahren? Gottes Antwort lautet: Damit ihr ausruhen und euch daran erinnern könnt, was ihr einmal wart. Sklaven dürfen nicht ruhen – aber „Sklave“ ist nicht unser Name. Als Sklaven mussten Gottes Kinder 7 Tage die Woche arbeiten. Aber Gott hat das geändert. Sie waren keine Sklaven mehr. Und deshalb befahl er ihnen: Ruht aus!

Seht ihr die Verbindung zu unserem iPad oder Smartphone? Ahhh…. vielleicht auch nicht. Denn das ist Zwickau und nicht Ägypten! Niemand von uns hat je einen Pharao getroffen. Der Sabbat war vielleicht etwas für das Volk Israel – aber doch nicht für uns im Jahr 2017, oder? Aber denkt kurz mit mir darüber nach: Wenn unser Leben ausgelastet ist; wenn wir arbeiten und arbeiten und arbeiten; und an den Tagen, an denen wir nicht offiziell zur Arbeit gehen, arbeiten wir noch mehr. Wenn sich der Druck so groß anfühlt, dass wir uns nicht erlauben, auszuruhen. Dann ist vielleicht gerade dieses Gebot das, an welches wir uns am allermeisten erinnern müssen. Denn für Menschen, die denken, sie hätten keine andere Option als zu arbeiten, haben wir einen Namen. Wir nennen sie Sklaven. Und selbst wenn Pharao schon lange tot ist:  Sklaverei ist immer noch lebendig.

Sklaverei tritt in vielen Formen auf

Lasst mich euch ein Beispiel geben: Die berühmte Sängerin Madonna hat in ihrer beeindruckenden Karriere 266 Auszeichnung für ihre Musik erhalten. Seit nunmehr 34 Jahren steht sie auf der Bühne. 7 Grammys – der wichtigste Preis, den man in der Musikindustrie bekommen kann – nennt sie ihr Eigen. Aber wusstet ihr, dass Madonna nach ihrer eigenen Aussage eine Sklavin ist? Vor einigen Jahren sagte sie – trotz ihres immensen Erfolgs – in einem Interview das Folgende:

Ich verfüge über einen eisernen Willen und habe immer versucht, dieses schreckliche Gefühl der Unzulänglichkeit aus bloßer Willenskraft zu überwinden {…} Ich kämpfe dagegen an, und es gelingt mir immer wieder, mich für etwas Besonders zu halten. Doch schon hinter der nächsten Bühne kämpfe ich wieder gegen die Angst an, nur mittelmäßig und langweilig zu sein. Das wiederholt sich immer und immer wieder. Diese Angst vor der Mittelmäßigkeit treibt mich an, sie peitscht mich durchs Leben. Denn obwohl ich schon längst eine Berühmtheit bin, muss ich mir selbst unablässig beweisen, dass ich wirklich wichtig bin. Dieser Kampf hört nicht auf, vielleicht wird er nie aufhören.[1]

Erkennt ihr ihre Sklaverei? Sie sagt: Wenn ich jetzt mit Arbeiten – mit meinen Anstrengungen – aufhöre, werde ich nur mittelmäßig und langweilig sein. Ich werde ein Niemand sein. Und dieser Kampf wird vielleicht nie aufhören. Wisst ihr, wonach das klingt? Nach Sklaverei. Sklaverei, nicht mehr derjenige zu sein, der besser ist, als alle anderen in der Welt der Musik. Sklaverei tritt in vielen verschiedenen Formen auf. In Johannes 8 beschreibt es Jesus so:

Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde.

Sünde hat die Kraft, uns zu versklaven: Sie bringt uns dazu, zu arbeiten und zu arbeiten und nochmals zu arbeiten. Aber es befriedigt uns nie. Wir können niemals sagen: Nun reicht es. Ich kann ausruhen. Ich finde Befriedigung in deiner Liebe, Gott. Nein: Sünde bringt uns dazu, Tag für Tag an unsere Arbeit zu gehen – aber aus den falschen Motiven. Und sie erlaubt uns niemals, einfach auszuruhen.

Was ist also mit uns? Haben wir uns vergangene Woche versklavt? Konnten wir ausruhen? Und wenn nicht: warum nicht? Wovor haben wir Angst, was passieren würde, wenn wir es doch tun? Wenn wir auf unsere To-Do-Liste schauen, die uns Zeit mit Gott und Zeit mit unseren Nächsten kostet; die uns Zeit für den einzigen Körper, den Gott uns gegeben hat, kostet; die uns Zeit für unsere einzige Seele kostet. Warum haben wir nicht ausgeruht? Wie würden wir antworten?

Viele von uns sind Sklaven der Anerkennung. Wir sehnen uns so sehr nach Anerkennung, dass wir keine Zeit finden, uns auszuruhen. Der Chef fragt: „Kannst du…?“ Unsere Schwester fragt: „Wirst du…?“ Sieben Leute texten:  „Hey. Kannst du mir dabei helfen?“ Und oft genug ist es unsere Sehnsucht nach Anerkennung, die uns verbietet, „Nein“ zu sagen. E-Mails kommen rein, die roten Zahlen auf unseren Telefonen werden zweistellig. Und wir können nicht „Nein“ sagen. Denn wenn wir es täten, was wäre, wenn sie uns ihre Anerkennung verweigern würden? Was, wenn sie enttäuscht sind? Was, wenn wir unseren guten Ruf verlieren, immer für andere da zu sein und immer zu helfen? Die Person in der Firma zu sein, auf die man sich immer verlassen kann.

Manchmal versklaven wir uns für unsere eigene Anerkennung. Wir machen uns eine To-Do-Liste – komplett selbsterdacht. Und wir stressen uns mit all der Arbeit. Gott hat das nicht geboten. Niemand würde sterben, wenn wir 90% davon einfach lassen würden. Aber wir tun es. Und wir machen uns Sorgen. Sind gestresst. Überarbeiten uns. Und weisen die Liebe zurück, die andere um uns herum brauchen. Was ist, wenn uns jemand sagt: „Stopp. Ruht aus!“ Würden wir da nicht oft antworten: „Ich kann nicht. Wie kann ich Anerkennung für meine Wochenleistung haben, wenn ich nicht alles auf meiner Liste abarbeite?

Andere von uns werden zu Sklaven, weil sie etwas darstellen wollen. Ich nenne es: Sklaven im Land „Er“. Wir wollen schlauER sein, und schnellER; und süßER; und stärkER. Wie Madonna haben wir Angst davor, nur Mittelmaß zu sein. Und deswegen arbeiten wir. Wir melden unsere Kinder bei tausenden Aktivitäten an. Denn wir wollen, dass sie bessER sind als der Rest. Und wir benutzen soziale Medien. Die Messlatte wird dort so hochgelegt, dass wir das Gefühl haben, niemals ruhen zu können. Es gibt so viel zu tun, um schönER zu sein, als die anderen Mädels. So viele Ausflüge ins Fitnessstudio, um fittER als die anderen Typen zu werden. So viele Stunden, die man darauf verwendet, um bessER Musik spielen zu können oder leistungsfähigER als die anderen in der Firma zu sein. Weil wir etwas darstellen wollen, machen wir uns selbst zu Sklaven.

Meine Lieben, das ist unser Problem: Sünde versklavt uns. Und unsere Smartphones stellen sicher, dass unsere Arbeit niemals enden wird. Wenn wir iGod folgen, garantiere ich, dass wir sehr schnell Sklaven sein werden.

Gottes Lösung

Aber dann Gott! Wenn wir alle heute Abend eine Sache hören müssen, dann ist es die: Aber dann Gott! Gott kann all das verändern. Gott erlaubt es uns, endlich auszuruhen – das, was unsere Seelen so dringend brauchen. Denn was Gott den Israeliten vor 3.500 Jahren sagt, gilt auch uns: Erinnert euch daran, was ihr wart. Und was ihr nun durch mich seid.

Wenn wir uns daran erinnern, können auch wir Ruhe genießen, ohne Angst zu haben, dadurch etwas zu verpassen. Wenn wir uns nur daran erinnern würden!

Warum wir uns für die Anerkennung und das Gefühl, etwas darzustellen, so oft versklaven, liegt darin begründet, dass wir vergessen, was wir schon längst besitzen. Aber Jesus – unser Retter – sagt: Ich gebe euch alles, wonach ihr euch sehnt.

Ein Buchautor hat unser Problem und die Lösung einmal so ausgedrückt:

Falsch, herzzerreißend dumm und wunderbar vermeidbar ist ein Leben mit mehr Geschäftigkeit zu führen, als wir wollen, weil wir weniger Jesus haben, als wir brauchen.

Versteht ihr, was er sagt? Unsere Geschäftigkeit ist in Wahrheit vermeidbar – wunderbar vermeidbar. Wir können die Ruhe haben, die wir brauchen. Aber nur dann, wenn wir so viel Jesus haben, wie wir brauchen. Wenn Jesus genug ist.

Vergangene Woche habe ich euch nicht nur die Hausaufgabe gegeben, eine Woche auf soziale Medien zu verzichten.  Stattdessen solltet ihr eine Bibel in die Hand nehmen und den Epheserbrief lesen. Wer von euch hat es geschafft:  Nein, nein – ihr müsst euch jetzt nicht melden. Aber wenn ihr es getan habt, habt ihr hoffentlich herausgefunden, warum ich euch diesen Brief habe lesen lassen. Denn in diesem Brief erinnert uns Gott an die tausenden Segnungen, die uns durch den Glauben an Jesus gehören. Am Anfang des Briefes sagt Gott:

Ihr seid meine Gläubigen.

…meine Heiligen. Ihr wollt im Land „ER“ leben? Wie wäre es mit vollkommenER? Und heiligER? Und bessER? Alles, was wir uns im Grund unseres Herzen wünschen, haben wir bereits. Und zwar aufgrund der Arbeit, die Jesus für uns und an unserer Stelle am Kreuz geleistet hat. In Epheser 3 heißt es:

Durch Christus und unseren Glauben an ihn können wir nun ohne Furcht und voller Zuversicht zu Gott kommen.

Was müssen wir darstellen, um ohne Furcht und voller Zuversicht zum König der Könige zu kommen? Wie beeindruckend muss man sein, um sich in die Nähe Gottes begeben zu dürfen? Durch Christus dürfen wir das – egal, wer wir sind; egal, was wir auf dem Kerbholz haben. Denn aus Gnade sind wir selig geworden.

All die Namen, die Gott uns im Epheserbrief gibt, zeugen davon: Gottes Volk, Gottes Werk, Lebendige in Christus,  Wiedergeborene durch das Blut von Jesus, Glieder an Gottes Leib, Tempel Gottes… Gott füllt uns durch seinen Sohn Jesus mit allem, wonach wir uns sehnen. Wir wollen Anerkennung? Durch Jesus haben wir sie. Gott schaut auf uns und sieht seine reinen heiligen Kinder. Gewaschen im Bad der Taufe. Gereinigt mit dem Blut seines Sohnes. Wir wollen etwas darstellen? Durch Jesus sind wir Könige und Priester. Wir wollen alle Aufgaben erledigen? Jesus hing am Kreuz und sagte:  Es ist vollbracht! Wir sind keine Sklaven mehr. Wir haben einen neuen Namen: Sohn, Tochter. Deswegen predigte Jesus in Johannes 8 weiter:

Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. Ein Sklave ist kein Familienmitglied; ein Sohn dagegen gehört für immer zur Familie. Nur dann, wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.

Jesus befreit uns nicht nur von der gerechten Strafe, die wir für unsere Sünde verdient haben. Er befreit uns mit seiner Vergebung. Aber er befreit uns auch von der Sklaverei in diesem Leben, weil er alles ist und uns alles gibt, was wir wirklich brauchen. In Matthäus 11 fasst Jesus all das wunderbar zusammen:

Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken.

Seid ihr müde von eurer To-do-Liste? Kommt zu Jesus! Er schenkt euch Ruhe. Seid ihr es leid, mit den Anderen mithalten zu müssen? Kommt zu Jesus! Er schenkt euch Ruhe. Tragt ihr schwer an den Lasten der Dinge, von denen ihr meint, ihr müsstet sie tun? Kommt zu Jesus! Er sagt:  Es ist vollbracht und ich schenke euch Ruhe! Macht also eine Pause um Christi willen! Macht eine Pause, ruht aus, entspannt und erinnert euch an das, was Jesus für euch getan hat. Ihr seid keine Sklaven mehr. Ihr habt einen neuen Namen.

Wir sollten von einem spanischen Fischer lernen: Es war einmal ein erfolgreicher Manager aus der Wirtschaft, der an der spanischen Küste Urlaub machte. Eines Tages spazierte er am Strand und traf auf einen jungen Fischer. Er stieg gerade aus seinem Boot. In seiner Hand trug er einige wunderschöne Fische. Der Manager fragte den Fischer: „Wow. Die Fische sehen ja toll aus. Wie lange hast du gebraucht, um sie zu fangen?“ Der Fischer kratzt sich am Kopf und antwortete: „Ein paar Minuten vielleicht.“ Der Manager fragte: „Warum hast du nicht mehr Fische gefangen?“ Er antwortete: „Die Fische reichen für meine Familie. Mehr brauchen wir nicht.“ „Und was machst du mit dem Rest deines Tages?“ Der Spanier antwortet: „Puh… keine Ahnung. Vielleicht gehe ich mit meiner Frau aus oder spiele mit meinen Kindern. Vielleicht bete ich zu Gott oder mache Mittagsschlaf.“ Der Manager schüttelte ungläubig den Kopf: „Du verstehst nicht! Das sind wunderbare Fische. Wenn du ein bisschen mehr arbeiten würdest, könntest du sie verkaufen und gutes Geld damit verdienen.“ Der Fischer antwortete: „Gutes Geld verdienen? Und dann?“ „Nun! Wenn du gutes Geld verdienst, könntest du andere Fischer anstellen. Du könntest mehr Boote kaufen. Und so könnten wir noch mehr Geld verdienen.“ Der Fischer zog die Augenbrauen hoch und sagte: „Noch mehr Geld verdienen. Und dann?“ „Und dann? Wir könnten ein erfolgreiches Unternehmen aufziehen und unseren Fisch auch in anderen Städten verkaufen. Wir könnten diese Fische richtig vermarkten.“ Die Augen des Fischers wurden größer: „Die Fische vermarkten? Und dann?“ Der Manager erwiderte: „Wenn wir die Fische vermarkten, könnten wir mit unserem Unternehmen sogar an die Börse gehen. Wir könnten Millionen Euros verdienen.“ Die Augen des Fischers wurden noch größer: „Millionen Euros verdienen? Und dann?“ Der Manager darauf: „Es kostet viel leicht einige Jahre harter Arbeit. Aber wenn du Millionen verdienst, kannst du dich vorzeitig zur Ruhe setzen.“ „Vorzeitig zur Ruhe setzten. Und dann?“ Und der Manager antwortete: „Halte dich fest! Wenn du dich vorzeitig zur Ruhe setzt, kannst du an einem Strand leben. Und du kannst nur so viel fischen, wie du brauchst – ein paar Minuten vielleicht. Und du kannst Zeit mit deiner Frau, deinen Kindern und Gott verbringen.“ Der Fischer lächelte: „Warum sollte ich mich selbst versklaven für etwas, das ich bereits habe?“

Meine Lieben, wisst ihr, was wir durch Jesus haben? Millionen Mal Anerkennung, Zustimmung und einen ungeheuren Wert. Warum sollten wir uns also selbst versklaven für etwas, das wir bereits haben? Darum: Arbeitet hart. Und dann macht Pause um Christi willen. Und lasst Jesus sich um den Rest kümmern.

Amen.

[1] zitiert nach: Tim Keller, Es ist nicht alles Gott, was glänzt, S. 105