Jesus lebt!

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

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Liebe Freunde in Christus!

Ohne zu übertreiben, kann man wohl behaupten, dass dieses Ostern unter wirklich außergewöhnlichen Umständen stattfindet. Für viele von uns ist es wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie den Gottesdienst nicht zusammen mit anderen Christen in der Kirche begehen können.

„Ostern diesmal anders?“ Diese Frage stellt deshalb unser aktuelles Schaukastenplakat in den Raum. Und die Antwort? Ein klares „Nein!“ Sicher, vieles in diesem Jahr ist anders, als wir das gewohnt sind. Aber das Entscheidende hat sich dennoch nicht verändert. Es ist und bleibt wahr: „Jesus starb für dich. Jesus ist auferstanden. Jesus hat dich erlöst.“

Und um Jesus soll es natürlich heute auch in der Predigt gehen. Um den Jesus, der nur etwas mehr als drei Jahre in der Öffentlichkeit lehrte und wirkte. Aber was in diesen drei Jahren geschah, hat unseren Planeten für immer verändert. Es soll um den Jesus gehen, an dem sich die Geister geschieden haben. Entweder man betete ihn an oder man hasst ihn. Dazwischen gab es nicht viel. Es soll um den Jesus gehen, der so voller Gnade und Wahrheit war, dass Menschen sich sofort von ihm überführt fühlten. Aber gaben sie ihm genügend Zeit, wurden sie getröstet, geheilt und erhielten bedingungslose Vergebung. Es soll um den Jesus gehen, der nicht einfach in einem Grab endete, sondern der durch ein Grab hindurchging, so dass auch wir durch alles hindurchgehen können – immer in dem Wissen, dass er bei uns ist, selbst im Tod.

Über diesen Jesus wollen wir heute nachdenken. Wir – da stellt sich für mich die Frage, wer sich hinter diesem „Wir“ eigentlich verbirgt. Normalerweise ist das vollkommen klar: Ich sehe die Menschen, zu denen ich predige, von Angesicht zu Angesicht. Aber dieses Jahr ist eben alles ein wenig anders. Momentan blicke ich in eine Kamera, anstelle in die Gesichter meiner Gemeinde.

Vielleicht schaut ihr gerade dieses Video und freut euch trotz der ungewöhnlichen Umstände, dass heute Ostersonntag ist. Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Und diese Tatsache erfüllt euch mit Freude und Frieden, weil ihr durch ihn die Gewissheit des ewigen Lebens habt. Aber vielleicht geht es euch auch nicht so. Möglicherweise haben manche von euch aufrichtige Zweifel und Fragen hinsichtlich Jesus und dem Christentum. Und es sind durchaus gute Gründe, warum ihr nicht an ihn glaubt und euer Leben auf seinen Lehren und seiner Gnade aufbaut. Einer der Gründe mag schlicht Unwissenheit sein. Wie es bei mir der Fall gewesen ist, seid ihr vielleicht nicht in einer Kirche großgeworden. Niemand hat euch von Jesus erzählt – wer er ist und was er getan hat.

Vielleicht hat es aber auch ein anderer Grund: Ihr seid zwar in einer Kirche aufgewachsen und eure Eltern und Großeltern haben euch von Jesus erzählt. Aber mittlerweile seid ihr einfach älter geworden und findet es schwer, das zu glauben, was ihr als Kinder geglaubt habt. Es gibt so viele Religionen und Philosophien in dieser Welt und noch mehr Menschen, die davon begeistert sind. Die Welt ist groß und in ihr finden sich zahllose Glaubensvorstellungen und Ansichten über das Leben. Oder man betrachtet sich selbst als Mensch der Wissenschaft, der auf Zahlen und Fakten vertraut. Ein Mann, der von den Toten auferstanden sein soll, scheint da doch ein bisschen zu viel des Guten. Das will einfach nicht in den Kopf.

Aber möglicherweise ist es auch gar nicht der Kopf, sondern vielmehr das Herz. Vielleicht glaubt ihr an Jesus und habt keine größeren Zweifel, ob er am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden ist.

Das was eurer Freude im Wege steht, ist vielmehr etwas, dass in eurem Herzen vor sich geht. Vielleicht macht ihr gerade eine schwere Zeit durch hinsichtlich eurer Beziehung, der Finanzen oder der Schule. Und das lastet derzeit mehr auf dem Herzen als Jesus. Vielleicht ist es auch Schuld, die gerade euer Begleiter ist. Und so lautet die Frage nicht, ob Jesus wirklich auferstanden ist, sondern viel mehr, ob er das auch für eine Person getan hat, die solche Dinge gedacht oder gesagt hat. Meine Lieben, ob es nun der Kopf ist oder das Herz, uns können viele Dinge in die Quere kommen, wenn es um Jesus und seine Auferstehung geht. Und deshalb wollen wir heute den biblischen Osterbericht unter zwei Gesichtspunkten anschauen.

Ostern ist zum einen ein historisches Ereignis. Es mag übernatürlich sein, was vor 2.000 Jahren in Jerusalem geschehen ist. Und doch ist es kein Märchen, sondern durchaus glaubhaft und nachvollziehbar, was uns die Augenzeugen berichten. Ostern ist zum anderen ein sehr persönliches Ereignis. Jesus ist auferstanden – das verändert wirklich alles. Unser Predigttext stammt heute aus dem Johannesevangelium, Kapitel 20, und wir beginnen bei Vers 1:

Historisches Ostern

Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weg war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die zwei miteinander und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste.

Warum belegen diese Verse, dass Ostern ein historisches, ein geschichtliches Ereignis ist? Geschichte dreht sich um Dinge, die wirklich geschehen sind. Und drei wirkliche, echte Dinge finden wir in unserem Text.

Echte Menschen

Zunächst einmal begegnen uns im Bericht des Johannes echte Menschen. Es handelt sich nicht um erdachte Charaktere aus einer Fabel oder einem Märchen, sondern wir hören zum Beispiel von Maria von Magdala. „Von Magdala“ ist nicht Marias Nachname, weil sie adliger Herkunft wäre. Sondern der Zusatz beschreibt ihren Herkunftsort – hebräisch Migdal. Dabei handelt es sich um ein Dorf am Westufer des Sees Genezareth, etwa 10km von Kapernaum entfernt. Dem Ort also, den Jesus als seinen Wohn- und Wirkungsort ausgesucht hatte. Nach dem Evangelisten Lukas war es in eben jener Gegend, in der Maria von Magdala auf Jesus traf, der ihr Leben für immer veränderte. Lukas berichtet uns von Marias dunkler Vergangenheit. Er schreibt von den Dämonen, die von ihr Besitz ergriffen hatten. Niemand konnte ihr helfen. Also wandte sie sich an Jesus, der sie schließlich heilte. In der Folgezeit wurde sie zu einer der treuesten Begleiterinnen Jesu. Immer wieder taucht ihr Name in den Evangelien auf. Sie war vor Ort, als Jesus predigt. Sie ist eine der wenigen Menschen, die unter Jesu Kreuz ausharrten. Sie ist auch beteiligt an seiner Grablegung. Und das erklärt wohl auch, warum wir sie am frühen Ostermorgen an Jesu Grab wieder treffen. Sie war eine echte Person mit einem echten Gehirn und einem echten Herzen. Und beide waren gebrochen, weil ihr Jesus nun tot war. Deswegen schreibt Johannes, dass sie zum Grab kam, als es noch finster war. Eine echte Person an einem echten Ort.

Und dann ist da Petrus, dem wir in unserem Text begegnen – wohl der bekannteste Nachfolger Jesu. Simon Petrus stammte aus Bethsaida, einer kleinen Ortschaft ebenfalls am See Genezareth gelegen, etwa 10km nordöstlich von Kapernaum. Wir wissen, dass er von Beruf Fischer war, als er Jesus traf und ihm nachfolgte. Liest man die Bibel erhält man den Eindruck eines gleichermaßen mutigen als auch impulsiven Mannes. Das kommt auch in unserem Text durch. Denn selbst als Maria berichtet, dass womöglich Grabräuber den Leichnam Jesu gestohlen haben könnten, läuft Petrus sofort los. Ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, stürmt er in das Grab, bereit herauszufinden, was mit seinem Jesus passiert ist. Das ist Petrus – eine echte Person an einem echten Ort.

Und dann ist da Johannes selbst – der andere Jünger im Text – der, den Jesus lieb hatte. Er scheint eher von der stillen Sorte gewesen zu sein. Aber wir wissen von ihm, dass er gern der Erste gewesen wäre. Erinnern wir uns nur an die Begebenheit, als er gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus darum bat, im Himmelreich neben Jesus sitzen zu dürfen. Und auch in unserem Text scheint das erneut durch. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal erwähnt der Apostel in seinem Text, dass er der erste an Jesu Grab gewesen war. Ängstlich war er dann aber trotzdem und traute sich nicht in das Grab.

Wir haben also Maria von Magdala, Petrus aus Bethsaida und Johannes, den Jesus lieb hatte. Echte Menschen. Aber nicht nur das, sondern wir finden in unserem Text auch echte Orte.

Echte Orte

Neunmal erscheint das Wort „Grab“ im Osterbericht und das sicher nicht ohne Grund. Hier handelt es sich um kein Märchenland, sondern um ein echtes Grab. Ein echter Ort, den man auf einer Karte finden oder zu dem man einen Spaziergang machen könnte.

Grabeskirche, Jerusalem; Von Berthold Werner – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, wikimedia.org

In Wahrheit kann man das bis heute. Das Bild zeigt die sogenannte „Kirche des Heilgen Grabes“ oder kurz „Grabeskirche“. Sie befindet sich in der Altstadt Jerusalems. Nach Überzeugung der meisten Gelehrten ist diese Kirche der tatsächliche Ort von Jesu Grab.

Die Kirche, die auf dem Bild zu sehen ist, wurde allerdings erst um das Jahr 1160 durch die Kreuzritter errichtet. Allerdings bauten sie ihre Kirche auf eine kleinere Basilika, die 326 n. Chr. durch den Kaiser Konstantin eingeweiht wurde – kurz nachdem das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich wurde. Das bestätigten auch Renovierungsarbeiten, die im Jahr 2016 durchgeführt wurden. Im 12. Jahrhundert deckten die Kreuzritter Jesu Grab mit einer Marmorplatte ab. Während der Arbeiten durfte diese Grabplatte für 60 Stunden geöffnet werden. Was man darunter fand war eine weitere Marmorplatte, die Wissenschaftler mittels Karbondatierung auf ihr Alter untersuchten. Man fand heraus, dass diese Platte aus der Zeit um 300 n. Chr. stammte. Genau die Zeit also, in der nach der Überlieferung Kaiser Konstantin die Basilika hatte errichten lassen, um der Auferstehung Jesu zu gedenken.

Aber – so mag man nun einwenden – 326 n. Chr. – das ist ja 300 Jahre, nachdem Jesus gestorben war. Wie kommt denn Konstantin darauf, ausgerechnet diesen Ort als Jesu Grab festzulegen? Die Antwort: Bevor Konstantin seine Basilika an jenem Ort errichten ließ, hatte dort seit dem Jahr 135 n. Chr. ein heidnischer Tempel für die Götter Jupiter und Venus gestanden, erbaut durch Kaiser Hadrian. Aber warum baute Hadrian den Tempel ausgerechnet an dieser Stelle? Weil das der Ort war, an dem damals seit 100 Jahre Christen zusammengekommen waren, um am Grab Jesu an dessen Tod und seine Auferstehung von den Toten zu gedenken.

Wir haben also echte Menschen, echte Orte und in unserem Text geht es auch um echte Ereignisse.

Echte Ereignisse

Das Wort „Grab“ wird im Osterbericht neunmal erwähnt. Aber ebenso häufig sind die Worte „sehen“ und „schauen“ zu finden: „Maria sah, dass der Stein weggerollt war“; Petrus „sieht die Leinentücher liegen“; Johannes „sah und glaubte“. Wisst ihr welches Wort niemals verwendet wird, um die Ereignisse des ersten Osterfestes zu beschreiben? Das Wort „fühlen“. Die frühe Christenheit sagte nicht: „Weißt du, ich fühle in meinem Herzen, dass Jesus bei uns ist.“ Oder: „Tief in mir drin glaube ich nicht, dass Jesus im Grab bleiben konnte.“ Nein, was man fühlt, war für der ersten Christenheit kein Zeugnis. Manchmal hört man es ja heute Christen sagen: „Ich fühle, dass Gott dies oder jenes für mich will.“ Aber damals war ein Zeugnis kein Gefühl. Was man sagte, war das, was man gesehen hatte. Deshalb liest man das im Neuen Testament immer wieder: „Was wir sahen, was wir hörten, das schreiben wir nieder.“ Petrus sagt in seinem zweiten Brief beispielsweise:

wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.

Oder denken wir an Lukas. Er war von Beruf Arzt und deshalb an belegbaren Fakten interessiert. Bevor er also sein Evangelium niederschrieb, interviewte er Augenzeugen und brachte alles zu Papier, was er „von Anfang an sorgfältig erkundet“ hatte. Es geht ihm also ebensowenig um Gefühle, sondern um echte menschliche Geschichte. Nehmen wir all das zusammen – echte Menschen, echte Orte, echte Ereignisse – dann haben wir einen Hinweis darauf, dass es nicht vollkommen verrückt ist zu glauben, dass Jesus von den Toten auferstand.

Und deshalb möchte ich manche unter euch heute herausfordern. Ihr seid vielleicht zufällig über dieses Video gestolpert oder jemand hat euch einen Link geschickt. Wenn ihr nicht so sicher seid, ob das alles stimmen kann, lasst mich euch eine Frage stellen: Wenn es Belege gibt und ihr euch für Fakten interessiert, weil ihr euch auf euren Verstand verlasst, würdet ihr es euch wenigsten einmal ansehen? Als Maria von Magdala zu Petrus und Johannes mit der Nachricht kam, dass das Grab leer sei, hielten die Beiden Maria vermutlich für verrückt. Aber sie hatten den Mut herauszufinden, was wirklich geschehen war. Sie wollten es mit eigenen Augen sehen. Ich würde euch gern dazu auffordern, es den Beiden gleichzutun. Wenn ihr keine Christen seid, redet mit jemanden, den ihr kennt und der an Jesus glaubt. Ist es diese kleine Mühe nicht wert, wenn Jesus eine Ewigkeit mit Gott anbietet?

Denn Ostern ist kein nettes Märchen. So einfach ist die Sache nicht. Ostern ist ein tatsächliches Ereignis in der menschlichen Geschichte. Aber nicht nur das, Ostern ist auch ein sehr persönliches Ereignis.

Persönliches Ostern

Das zeigen uns die folgenden Verse des Osterberichtes:

Da gingen die Jünger wieder heim.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zum Haupt und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

“Mein“ Herr

Das ist wirklich ein sehr persönlicher und emotionaler Teil des Osterberichtes, oder? Drei Mal hören wir das Wort „mein“: Maria spricht zum Beispiel von „meinem Herrn“. Sie ist verzweifelt und untröstlich, weil sie „meinen Herrn weggenommen“ haben. „Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Den vermeintlichen Gärtner verdächtig sie, den Leichnam aus dem Grab getragen zu haben. „Sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.“ Alles, was ich will, ist meinen Herrn zurück. „Meinen Herrn…“ also den, der das letzte Wort in ihrem Leben hatte. Herr – das ist derjenige, der Autorität in Marias Leben hat.

Habt ihr schon einmal so geschwärmt für die „Herren“ in eurem Leben. Wart ihr schon einmal untröstlich hinsichtlich eures Chefs auf Arbeit, der euch sagt, was zu tun ist und die Entscheidungen trifft? Meist erdulden wir wohl eher die Leute, die in unserem Leben über uns stehen. Bei Maria war das anders. Jesus hatte sie geheilt, von Dämonen befreit, ihr aber vor allem vergeben. Am Ostermorgen war sie daher tieftraurig, weil ihr Herr tot und nun obendrein sein Leichnam verschwunden war.

“Mein“ Lehrer

Und auch Jesus wird nun persönlich und nennt sie bei ihrem Namen: „Maria“. Und nun geht ihr ein Licht auf. Sie antwortet mit „Rabbuni!“, was „mein Lehrer“ bedeutet.

Wir kennen sicher das Wort „Rabbi“, die hebräische Bezeichnung für einen Lehrer. Aber die Buchstaben „u“ und „n“ in der Mitte des Wortes deuten auf das persönliche hin: „Das ist mein Lehrer. Jesus, du lehrst mich hinsichtlich aller Dinge in meine Leben und ich glaube es.“

Und als Jesus sie beim Namen nannte, wird sie fast schon ein wenig zudringlich. Jesus muss ihr sagen: „Rühre mich nicht an!“ Oder besser übersetzt: „Halte mich nicht auf.“

Correggio, Noli Me Tangere; Foto: Alonso de Mendoz, wikimedia.org

Sehr schön hat diesen Moment der Renaissance-Maler Antonio da Correggio in Szene gesetzt. Seht nur, wie bewegt Marias Gesichtszüge wirken. Sie fällt ihm zu Füßen und will Jesus nicht mehr gehen lassen. Denn er ist nicht einfach nur ein religiöser Lehrer, der ihr ein paar gute Ratschläge gibt. Er ist ihr Herr, ihr Lehrer und ihr Retter.

“Meine“ Brüder

Aber noch ein dritter persönlicher Moment, ein drittes „mein“, ist unserem Text enthalten. Er stammt nicht von Marias Lippen, sondern Jesus selbst sagt:

Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

„Meine Brüder“: Denken wir zurück an die Ereignisse zu Karfreitag und es wird deutlich, wie gut diese Bezeichnung ist – „meine Brüder“. Petrus hatte behauptet, ihn noch nicht einmal zu kennen, weil er voller Angst war, was es ihn kosten würde, gibt er zu, ein Jünger Jesu zu sein. Die meisten anderen Jünger hatten Jesus ebenfalls verlassen, als er im Garten Gethsemane gefangen genommen, dann gefoltert und schließlich hingerichtet wurde. Sie hatten ihren Meister allein gelassen und auf dramatische Weise gesündigt. Aber beinahe die ersten Worte, die Jesus nach seiner Auferstehung sprach, waren diese: „Meine Brüder“. Er sagte nicht: „Diese Sünder.“ oder „Diese schwachen Heuchler.“ Er nannte Petrus und die anderen: „meine Brüder“. Denn ihre Sünde bedeutete nicht das Ende davon, ein Teil der Familie Gottes zu sein.

Und so sagt es Jesus auch zu uns: Er starb am Kreuz und stand von den Toten auf, so dass er – egal, wie unsere Vergangenheit oder Gegenwart auch aussehen mag – euch und mich „meinen Bruder“ und „meine Schwester“ nennen kann. Wir müssen also nicht fürchten, aus der Familie Gottes geworfen zu werden. Jesus lehrte uns zu beten: „Vaterunser im Himmel“ – nicht „der Vater im Himmel“, sondern „Vaterunser“. Und niemand, der dieses Video sieht – und auch sonst niemand -, ist die Ausnahme dieses Versprechens Jesu.

Mancher mag mit einem schlechtem Gewissen denken: „Aber du weißt nicht, was ich getan habe und an welch dunklen Orten ich schon in meinem Leben gewesen bin. Sagt Gott nicht, dass er Scheidung hasst? Exakt das ist es, wodurch ich gegangen bin oder gerade gehe. Das, was ich auf dem Kerbholz habe, ist alles andere als angemessen für eine Kirche.“ Das klingt ein ganzes Stück nach… Maria. Die dunklen, dämonischen Teile ihrer Vergangenheit hielten Jesus nicht davon ab, in ihr Leben zu treten, ihr zu vergeben und Licht und Leben das letzte Wort haben zu lassen.

„Aber du weißt nicht, was ich während der Trennung zu anderen Menschen gesagt und was ich Gott vorgeworfen habe. Und welche Worte aus mir herauskamen, als ich die Wohnung meiner Eltern verließ? Du weißt nicht, was ich meinen Kinder in einem Anfall von Frustration und Zorn an den Kopf geknallt habe.“ Das klingt ein ganzes Stück nach… Petrus, der genug schlechte Worte und Lügen auf der Zunge trug. Aber Jesus sagtezu Maria: „Geh, sag es Petrus, meinem Bruder, dass ich am Leben bin.“

„Aber du weißt nicht, dass ich oft stolz im Herzen bin und alles und jeden kontrollieren will. Ich bin zu ängstlich, zu sündig, zu… was auch immer.“ Das klingt ein ganzes Stück nach… Johannes, der der Welt dreimal mitteilen musste, dass er zuerst an Jesu Grab war. Der Mann, der um den besten Platz im Himmel gekämpft hatte, anstelle zu dienen. Aber wie wird Johannes genannt? Der Jünger, den Jesus lieb hatte. Denn all seine Sünden übereinander gestapelt sind nicht größer als Jesu Liebe für ihn.

Meine Lieben, Jesus ist der persönliche Erlöser. Er rettet Menschen persönlich. Und das beinhaltet euch und mich, uns alle. Wenn ich also eine Frage des ersten Ostermorgens ausborgen darf: „Was weinst du?“ Warum sorgt ihr euch? Warum jemals Angst haben? Jesus Christus, der euch liebt, ist von den Toten auferstanden, sitzt nun an der rechten Seite des himmlischen Vaters und alles ist unter seine Füße getan. „Was weinst du?“ „Wen suchst du?“ Ist es der, der helfen kann, weil man sich allein fühlt, sich Sorgen macht oder gar Angst hat in diesen Zeiten? Jesus kann helfen und er wird helfen – eine Ewigkeit lang. „Wen suchst du?“ Ist es der, der helfen kann, weil man immer noch nicht über das Drama hinweggekommen ist und mit dunklen Gefühlen kämpft? Jesus lebt, er ist hier und hilft. Paulus drückt es so aus:

Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

Verherrlichte Körper – Körper, die nicht beschädigt sind, vom Alter gezeichnet oder mit Narben versehen. Keine dunklen Gedanken mehr. Stattdessen wird jeder Gedanke, jedes Wort und jedes Gefühl vollkommen sein. „Wen suchst du?“ Eine Liebe, die nicht betrügt; eine Treue, die nicht enttäuscht? Weil man die Achterbahn menschlicher Beziehungen durchgemacht hat? Jesus lebt und er sagt durch Paulus:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

„Wen suchst du?“ Ist es der, der Frieden schenken kann – auch in einer so ungewissen Zeit, wie sie gerade herrscht? Jesus ist der Friede-Fürst. Sucht ihr nach Hoffnung In einer hoffnungslosen Welt?

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Sucht ihr nach Leben? Jesus sagt:

Ich bin die Auferstehung und das Leben.

„Wen suchst du?“ Es ist Jesus, den ihr sucht. Und er ist keine Märchenfigur oder in einem Grab verrottet. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Denn Ostern ist ein historisches Ereignis und das macht es so überaus persönlich.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.