Leben

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Quasimodogeniti, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

„Wie die Neugeborenen“ – so lautet der Name des heutigen Sonntags Quasimodogeniti übersetzt. Der Name erinnert uns an das neue Leben, welches wir in Christus haben dürfen. Leben – das ist wohl etwas, über das alle Menschen nachdenken ganz gleich, welchen Geschlechts, welcher Religion oder welcher Herkunft sie sein mögen. Vor allem über den Sinn des Lebens denken wohl die Allermeisten nach. Schließlich will niemand eines Tages aufwachen und sein Leben hassen oder denken, er würde ein leeres und bedeutungsloses Dasein führen. Im Gegenteil: Jeder will ein Leben haben, von dem er sagen kann, dass es sich lohnt.

Meine Frage daher zu Beginn: Was macht das Leben? Wie ist es so? Seid ihr heute Morgen aufgewacht und habt gedacht: Trotz all der Makel und Unzulänglichkeiten, mit denen nun mal jeder umzugehen hat, führe ich ein gutes, sinnvolles und erfülltes Leben. Diese Frage verbinden viele Menschen mit mindestens einem der folgenden vier Dinge: Familie, Freunde, Gesundheit und Arbeit. Fragt man sich, ob man ein gutes Leben hat, denken einige unmittelbar an ihre Familie. Viele von uns werden sich nach der Kirche um einen Tisch versammeln und das nicht alleine, sondern mit Menschen, die uns kennen und lieben. Mit Menschen, mit denen wir lachen und mit denen es nicht allzu viele Spannungen gibt. Und es wird kein schlechter Tag werden, weil die Familie zusammenhält. Auch wenn der Vater seine Makel hat. Und die kleine Schwester eben immer die kleine Schwester bleibt. Familie kann einem ein sinrerfülltes Leben schenken. Freunde können das ebenso. Man muss nicht verheiratet sein und Kinder haben, um ein gutes Leben zu führen. Jesus war nicht verheiratet und sein Leben war vollkommen. Der Apostel Paulus hatten ebenso wenig eine Frau und war dennoch zufrieden. Ein treuer Freund ist eine überaus wertvolle Sache. Und wenn man Menschen hat, mit denen man das Leben gestalten kann, ist das eine der besten Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Andere wiederum denken bei einem guten Leben an die Arbeit. Nicht jeder hält den Montag für den schlechtesten Tag der Woche. Sicher, Arbeit ist manchmal mit Frustration verbunden. Aber viele sehen in ihrer Arbeit Sinn und Bedeutung. Und das ist eine gute Sache. Und manche denken sicher auch an ihre Gesundheit. In einer Welt, in der sich Knie abnutzen und Rücken oft schmerzen; in einer Welt, mit Angstzuständen und Depressionen, fühlt man sich selbst – Gott sei Dank – relativ gut. Das ist gerade dann ein Segen, wenn man älter wird. Nimmt man all das zusammen, würden sicher viele unter uns sagen, dass sie ein gutes Leben führen. „Ich fühle mich geliebt. Ich habe Freunde. Ich verbringe meine Tage mit Aktivitäten, die mir Sinn und Bedeutung vermitteln. Und ich muss nicht ständig Medikamente nehmen. Ich habe ein gutes Leben.“

Anderen dagegen geht es nicht so. Eines oder mehrere der genannten vier Dinge fehlen oder sind nicht gut: Vielleicht empfindet man seine Arbeit als nicht sonderlich Sinn stiftend. Oder das Thema Familie ist ein schwieriges. Entweder, weil man sich immer einen Partner gewünscht hat, aber nie dem oder der Richtigen über den Weg gelaufen ist. Oder man hat Familie, aber das Verhältnis untereinander ist gestört. Oder es fehlen einem die Freunde. Denn es war schon immer schwierig, Anschluss zu finden. Oder vielleicht ist die Gesundheit nicht die allerbeste. Hinter einem liegt das angstgeladenste Jahre seit man zurückdenken kann. Oder die Ärzte finden nicht heraus, was einem fehlt. Oder man hat eine Chemo hinter sich. Tausende Dinge können unsere Gesundheit beeinträchtigen. Und man sitzt da und denkt sich: „Ich würde ja gern sagen, dass es ein gutes Leben ist – aber dem ist nicht so.“

Mir ist bewusst, dass ich gerade zwei Extreme gegenübergestellt habe. Es gibt jede Menge Schattierungen dazwischen. Manches ist gut, anderes dagegen eher weniger. Aber heute – am Sonntag Quasimodogeniti – wollen wir über das bestmögliche Leben nachdenken. Und ob die angesprochenen vier Dinge gerade gut laufen, schlecht oder irgend etwas dazwischen, spielt dabei keine Rolle.

Vor seiner Kreuzigung und Auferstehung lehrte Jesus eine ganze Menge darüber, worin ein gutes Leben besteht. Was aber sagte unser Heiland über das Leben? In Johannes 10 lehrte er beispielsweise das Folgende:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Jesus sagt hier, dass der Grund für seine Menschwerdung nicht darin zu suchen wäre, dass er uns einfach sagen wollte, was wir zu tun und zu lassen haben. Manche stellen sich Jesus als jemanden vor, der das Leben irgendwie einschränkt. Aber unser Heiland wehrt solche Gedanken ab und sagt: „Ich bin gekommen und habe gelehrt und gepredigt, damit Menschen das Leben haben.“ Und nicht irgendein Leben, sondern „volle Genüge“. Andere Bibelübersetzungen haben hier „Leben im Überfluss“ stehen. Ein Leben voller Bedeutung. Ein Leben voller Sinn. Ein gutes Leben – schon jetzt und ein noch viel Besseres, welches erst noch kommt. Würde man Jesus fragen: „Was meinst du mit ‚Leben und volle Genüge‘? Zeigst du mir die Liebe meines Lebens? Machst du, dass die Rückenprobleme aufhören? Gibst du mir einen neuen besseren Job?“ Dann würde Jesus wohl lächeln und antworten: „Etwas besseres“. In Johannes 17 sprach er nämlich die folgenden Worte:

Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

Würde man Jesus also fragen, worin ein gutes und sinnvolles Leben besteht, würde er weder Familie noch Gesundheit oder Arbeit nennen. Seine Antwort wäre schlicht: Gott. Nicht irgendein Gott. Denkt an den mitfühlendsten, schönsten, treusten, liebevollsten, mächtigsten, kreativsten, lustigsten und großartigsten Gott, den ihr euch vorstellen könnte. Ein erhabener herrlicher Gott. Ihn zu kennen, mit ihm an ein und demselben Ort zu sein, seine Stimme zu hören und sein Angesicht zu sehen: Das ist Leben. Und der Rücken kann schmerzen, den Traumpartner hat man nie gefunden und die Arbeit nervt: Aber kennt man den alleinigen wahren Gott, hat man Leben und volle Genüge.

Das ist Jesu Verheißung und gleichzeitig stellt es ein Problem dar. Wenn Gott so erhaben und heilig ist und Leben darin besteht, bei diesem Gott zu sein, dann kann ich es von mir selbst aus nicht haben. Denn ich bin voller Makel, mache Fehler und Schlimmeres. Ich bin nicht so vollkommen und gut wie Gott. Wie kann also eine Person wie ich Leben haben, wenn Leben bedeutet mit Gott zu sein? Wieder würde Jesus lächeln und vielleicht die Antwort geben, die er einst in Johannes 14 aussprach:

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

In unglaublicher Liebe und Barmherzigkeit wurde Jesus der Weg, der Menschen wie euch und mich mit einem erhabenen Gott verbindet. Er kam zu uns, liebte uns, vergab uns, sprach uns in den Augen Gottes gerecht und ließ uns auferstehen zu einem neuen Leben. Weil Jesus lebte, starb und auferstand, können wir bei Gott sein – heute, morgen und für immer. Und wir haben das Geschenk der Ewigkeit. Ewig werden wir geliebt. Ewig sind wir in Gottes Hände gezeichnet. Ewig ist Gott bei uns – alle Tage, bis an der Welt Ende und darüber hinaus. Wir können Krebs ausgesetzt sein; nie den richtigen Partner finden, eine Pandemie überleben und mit der damit verbundenen Politik umgehen – wenn wir wissen, dass Gott selbst und höchstpersönlich jetzt in diesem Moment hier ist – immer hier ist – und ewig bei uns sein wird: Das ist Leben und volle Genüge. Was lehrte Jesus also über das Leben? Wir können es so zusammenfassen: Gott ist Leben.Kennen wir ihn, kennen wir auch den Weg zu einem Leben in voller Genüge und im Überfluss.

Was aber, wenn wir darüber in Zweifel geraten, was Jesus hinsichtlich des Lebens lehrte? Uns kann es ja so gehen wie dem Jünger Thomas, von dem wir im heutigen Evangelium gehört haben. Und er war über drei Jahre lang mit Jesus Tag für Tag zusammen. Er war also nicht erst seit gestern Christ. Und er hatte obendrein den Heiland persönlich erlebt. Dennoch konnte er nicht glauben, dass Jesus lebte und daher in der Lage war, ihm neues Leben zu schenken. Jesus verwarf ihn wegen seiner Zweifel nicht. Er meinte auch nicht, Thomas hätte nun nichts mehr im Kreis seiner Jünger zu suchen. Stattdessen kümmerte er sich um seine Zweifel und zeigte ihm die Wundmale auf seinen Händen und ließ ihn seine Seite betasten.

Jesus tut das – im übertragenen Sinn – auch für uns: Zwei Gedanken dazu. Der erste Gedanke ist mit der sogenannten Grabeskirche in Jerusalem verbunden. Ihre Geschichte ist überaus faszinierend. Ich erzählte sie schon einmal, aber ich finde sie überaus hilfreich. Die Grabeskirche gehört zu den ältesten christlichen Kirchen auf unserem Planeten. Geweiht wurde sie 1.590 Jahre vor unserer Kirche – genauer im Jahr 335 n. Chr. Aber ihre Anfänge reichen noch viel weiter zurück. Im frühen vierten Jahrhundert hieß der damalige römische Kaiser Konstantin der Große. Als erster seiner Art betete er nicht mehr die traditionellen römischen Götter an, sondern wurde ein Nachfolger Jesu. Konstantin und dessen Mutter waren nun sehr neugierig hinsichtlich der historischen Orte, an denen Jesus geboren, gelebt, gestorben und auferstanden ist. Er entsandte daher Männer nach Jerusalem, um dort Nachforschungen anzustellen. Diese fragten ansässige Christen, wo all die Dinge aus Jesu Leben geschehen waren. Sie nannten ihnen hinsichtlich der Auferstehung den Ort, wo heute die Grabeskirche zu finden ist. Nur stand zu diesem Zeitpunkt dort keine Kirche. Auch ein leeres Grab war nicht auszumachen. Stattdessen erblickten Konstantins Männer einen heidnischen Tempel. Etwa 200 Jahre zuvor hatte Kaiser Hadrian ihn dort für seine Götter errichten lassen. Er wählte mit Absicht den Ort, an dem vermutlich der Gott der Christen auferstand. Eine Art Macho-Geste nach dem Motto: „Meine Götter sind stärker als eurer!“ Mit Steinen ließ er den Ort abdecken und Statuen für Zeus und Venus aufstellen.

200 Jahre lang war es das, was Menschen in Jerusalem sahen. Konstantin war allerdings neugierig geworden: Was befand sich unter dem Tempel? Er ließ Arbeiter deshalb die Steine aufbrechen und graben. Und was fanden sie? Ein Grab. Und wisst ihr, was nicht darin zu finden war? Jesus. Ein Grab aus dem 1. Jahrhundert – ohne einen einzigen menschlichen Knochen.

Vor einigen Jahren geschah zudem etwas faszinierendes. Auf der Stelle, wo Jesu toter Leib von Karfreitag bis zum Ostersonntag gelegen haben soll, befand sich eine Steinplatte. Diese konnte auf die Zeit Konstantins datiert werden. Aber im Zuge von Sanierungsarbeiten, drangen Wissenschaftler bis unterhalb dieser Steinplatte vor – wie einst die Arbeiter im Auftrage Konstantins. Und sie führten dort die Radiokarbonmethode durch – eine zuverlässige Methode, um das Alter von Dingen zu bestimmen. Wollt ihr raten, auf welches Alter sie kamen? Es waren die Tage Jesu. Jesus lässt sich in der Tat auch von uns die Seite betasten.

Aber das ist nicht die einzige Art, wie Jesus unseren Zweifeln begegnet. Zu Thomas sagte Jesus:

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Es ist vor allem das innere Zeugnis, welches Jesus uns durch den Heiligen Geist gibt, das unsere Zweifel vertreiben kann. Warum Jesus vertrauen? Weil er der Einzige ist, der sagte, dass er an einem Kreuz sterben und nach drei Tagen auferstehen würde. Schon bevor es tatsächlich passierte, hatte Jesus genau das seinen Jüngern immer wieder angekündigt. In Offenbarung 1 kleidete es unser Heiland in folgende bekannte Worte:

Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Es war nicht nur eine Idee, nicht nur ein Mythos, den Petrus, Jakobus, Johannes, Maria und die anderen Jünger erfanden, sondern ein tatsächliches Geschehen in der Menschheitsgeschichte. Ein Geschehen, das bezeugt ist. Ein Geschehen, das wie im Falle von Thomas berührt werden konnte. Selbst Jesu Bruder Jakobus, der einst der festen Überzeugung war, Jesus könne unmöglich Gott sein, wurde gläubige. Ebenso Paulus, der zuvor Christen verfolgt hatte – bis ihm der Lebendige erschien. Dazu 500 Zeugen, denen sich Jesus zeigte. Dazu frühe Choräle und Lieder, die Jesu Auferstehung bezeugen. Dazu all die Märtyrer, die ihr Leben für die Osterbotschaft aufgeben mussten. Warum sollte jemand alles aufgeben, selbst sein Leben, für einen Mythos? Nein, all das will uns Zeugnis geben, dass wahr ist, was Jesus uns sagt. Dazu der Heilige Geist, der uns vom Wort innerlich überzeugt: Jesus ist tatsächlich der Lebendige, der tot war, und siehe, er ist lebendig und bringt uns neues, echtes Leben.

Und das bringt uns zum letzten Punkt für heute Morgen: Was bedeutet all das für uns? Drei Dinge will ich zum Schluss kurz anreißen.

Erstens: Zu Beginn hatten wir die Frage gestellt, was das Leben ausmacht. Über vier Dinge hatten wir dabei nachgedacht, die für viele Menschen bei der Beantwortung dieser Frage bestimmend sind: Familie, Freunde, Arbeit und Gesundheit. All das sind gute Dinge, die Gott uns in diesem Leben schenken kann. Aber als Christen müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, dass darin nicht das eigentliche Leben besteht. Klar, unser Alltag nimmt uns stark ein. Es kann daher leicht passieren, dass diese Dinge bestimmend werden und uns vom eigentlichen Ziel ablenken. Daher ist es gut für uns, wenn wir uns immer wieder vor Augen halten, wie schnell sich die Dinge in einer gefallenen Welt verändern. Die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlust im Leben ertragen zu müssen, steht schließlich nicht eins zu einer Million.

Die Wirtschaft verändert sich ständig. Eine Pandemie stellt alles auf den Kopf. Oder man wird ein klein bisschen zu alt dafür, noch in seiner bisherigen Firma zu arbeiten. Mit einem Fingerschnippen kann unser Job weg sein. Und Freunde? Mit den besten Kameraden aus der Schulzeit hat man vielleicht seit Jahren nicht mehr gesprochen. Freunde ziehen in andere Gegenden und Kontakt zu halten fällt schwer. Freunde kommen und gehen. Mit der Familie ist es leider ebenso. Nicht jede Ehe hält – auch die von Christen nicht. Nicht jede Familie steht sich nahe. Und selbst, wenn: Auch die besten Eltern sterben irgendwann. Und zur Gesundheit muss ich wohl kaum etwas sagen. Ein Unfall, ein falscher Schritt, eine Diagnose – und alles hinsichtlich unserer Gesundheit verändert sich. Jesus sagte:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Aber die volle Genüge besteht eben nicht nur in den zeitlichen Dingen dieses Lebens. Ein schlechter Tag, ein unvorhergesehenes Jahr, kann uns alles rauben. Meine Lieben, Jesus erinnert uns an diesem Sonntag Quasimodogeniti an etwas so viel Besseres:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Und damit sind wir bei Zweitens: Selbst, wenn uns klar ist, dass Jesu Kreuz und sein leeres Grab das ist, was uns wahres Leben schenkt, kann es dennoch schwer werden, wenn uns eines oder mehrere der vier erwähnten Dinge versagt bleiben. Schickt man eine Bewerbung nach der nächsten ab, findet aber dennoch keinen Job… dann ist das hart. Oder rackert man sich auf seiner Arbeit ab, hasst es und sieht dann Menschen, die ihre Arbeit lieben… muss das schwer sein. Wenn Familie und Freundschaften nicht funktioniert haben oder man nie den Menschen traf, mit dem man sein Leben teilen konnte. Und nun sitzt man allein da, isst sein Sonntagsessen vielleicht vorm Fernseher und sieht dann glückliche Familien in der Kirche… dann ist das hart, keine Frage. Was würde Jesus uns sagen, wenn es uns so geht? „Denk an das neue Leben, welches ich dir geschenkt habe!“ Milliarden Menschen – denkt darüber nach – Milliarden Menschen haben nichts anderes als zeitliche Dinge. Das ist alles, was sie haben. Aber meine Lieben, wir haben Gott! Wir haben bedingungslose und überfließende Liebe. Wir sind in Gottes Hände gezeichnet. Wir haben jemanden, der für uns sorgt – besser als es ein guter irdischer Vater für seine Kinder tun kann. Und wir haben eine gewisse Zukunft in der Gegenwart Gottes, ewiges Leben. Nur noch ein paar Jahre oder vielleicht Jahrzehnte und wir werden das Angesicht Gottes sehen. Nur noch ein paar Jahre oder vielleicht Jahrzehnte, bis es keine Einsamkeit mehr gibt und nichts, worüber wir uns noch Sorgen machen müssten. Nur noch ein paar Jahre oder vielleicht Jahrzehnte, bis wir nie wieder weinen, nie wieder Schmerz empfinden werden. Stattdessen werden wir feiern, uns freuen, fröhlich sein und selbst als mittelalter weißer deutscher Mann in der Gegenwart Gottes vor lauter Frohsinn tanzen. Was würde Jesus sagen? Keine Mitleidspartys mehr, denn ihr habt Gott und damit wahres Leben, ein Sinn erfülltes Leben in der Gegenwart Gottes.

Und schließlich Drittens: Was, wenn wir gerade all die vier genannten Dinge in diesem Leben genießen dürfen? Sicher, wir wissen, dass alles Irdische nur zeitlich ist. Und dennoch kann es sein, dass man seine Arbeit liebt, eine gute Familie hat, von Freunden umgeben ist und sich bester Gesundheit erfreut. Natürlich kann sich all das ändern – aber jetzt im Moment ist alles gut. Was würde Jesus sagen, wenn es uns so geht? Er würde sagen: „Es wird noch besser!“ Ihr genießt nachher vielleicht ein tolles Essen im Kreis eurer Lieben. Ein Essen, das wirklich lecker ist. Und Jesus würde sagen: „Es wird noch besser!“ Oder die pausbackige Enkelin hüpft und tanzt vergnügt auf euren Knien auf der Couch und ihr fühlt all diese guten Gefühle, die damit verbunden sind. Jesus würde sagen: „Es wird noch besser!“ Wenn man sich verliebt, den Job bekommt, ein Projekt erfolgreich abschließt, einen Spaziergang in der Frühlingssonne macht, das Computerspiel gewinnt oder seine liebste Musik hört – all die guten Dinge im Leben – und Jesus würde dazu sagen: „Es wird noch so viel besser!“

Werden wir also mit guten Dingen von Gott gesegnet, gibt es für uns Christen nur eins: Dankt Gott und genießt es – jeden Moment davon. Denkt nicht: Dass ist ja nur irdisches Zeug. Nein, nutzt es, ums euch zu erinnern: Wenn Menschen so gut sein können, wenn dieses Leben so gut sein kann, wie muss dann erst das zukünftige Leben sein. Wenn Gott mein Herz schon hier in einer gefallenen sündigen Welt so erfreuen kann, wie muss dann die Freude sein, wenn ich meinem irdischen Vater ungetrübt gegenüberstehe! Und wir mögen nicht aus lauter Jubel die Arme in die Luft reißen, aber unser Herz wird Gott dienen und sagen: „Danke für das Leben! Danke für das ewige Leben!“

Aber ganz gleich, an welchem Punkt wir uns gerade befinden mögen – egal, ob Freude oder Leid oder irgendetwas dazwischen – uns allen gilt, was Petrus einmal so formulierte:

Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil, da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.

Durch Jesus haben wir das bestmögliche Leben überhaupt. Denn Gott ist Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen