Smyrna

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

7 Sendschreiben, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus.

Jean-Léon Gérôme war ein französischer Historienmaler, dessen Werk dem akademischen Realismus zuzuordnen ist. Eines seiner Gemälde trägt den Namen „Das letzte Gebet der Christen im Circus Maximus“ und es mag auf uns besonders verstörend wirken. Das Bild zeigt eine riesige Arena mit vollen Zuschauerrängen. Wir können an die Stadien denken, die wir derzeit während der Fußball-EM im Fernsehen bestaunen können. Tausende und abertausende Menschen hatten sich versammelt. Sie klatschten und streckten vor lauter Begeisterung ihre Arme in die Luft. Nur feuerten die Zuschauer keine Fußballspieler an, die auf dem Platz um Tore wetteiferten. Vielmehr zeigt Gérôme eine Gruppe von etwa 35 Christen – Männer, Frauen, Kinder – die zusammengekauert auf ihren Knien zu Gott beteten. Nur in der Mitte der Gruppe ist ein einzelner älterer Mann zu sehen, der steht, den Körper ausgestreckt und zum Himmel blickend. Denn er und seine kleine Gemeinde an Christen stehen kurz davor, hingerichtet zu werden. Das drohende Unheil für diese Christen wird besonders eindrücklich, weil Gérôme im Hintergrund seines Bildes vier Kreuze zeigt, an denen bereits verstorbene Christen hängen. Da sie sich geweigert hatten, den römischen Kaiser als ihren Herrn, Retter und Gott zu verehren, wurden sie als Verräter am römischen Staat zum Tode verurteilt. Zunächst wurden diese Vier an Kreuze genagelt. Aber das hatte der Menge in der Arena offenbar nicht genügt. Auf dem Bild sieht man, wie zwei der Menschen an ihren Kreuzen brennen – ihre Körper wurden offenbar angezündet. Auch die zusammengekauerte Gruppe wartet auf ihren Tod – allerdings nicht an einem Kreuz. Gérôme zeigt am linken Bildrand einen wartenden hungrigen Löwen, der im Begriff ist, zuzuschlagen und die Gläubigen zu zerreißen. Und dann wandert der Blick unweigerlich auf das kleine Mädchen, welches sich in der Gruppe befindet. Sie ist vielleicht 6 Jahre alt, die Hände gefaltet. Der Löwe ist nur wenige Meter von ihr entfernt.

Das Gemälde von Gérôme mag aufwühlend sein, wenn man sich in die dargestellte Szene hineinfühlt. Aber es ist gut für uns, die wir fast 2 Jahrtausende nach diesen Ereignissen leben. Manchmal neigen Christen dazu eine Art Selbstmitleidsparty zu schmeißen, weil die Dinge nicht mehr so sind wir früher. YouTube entfernt ein Video, weil es christliche Theologie enthält. Die Regierung erlässt ein Gesetz, dass mit christlichen Werten nicht übereinstimmt. Schnell fühlen sich Christen dann unterdrückt und verfolgt und verhalten sich wie Opfer. Aber dann schaut man sich ein Gemälde wie das von Gérôme an und kann nur das Eine denken: Was beklagen wir uns? Christen haben in der Kirchengeschichte weitaus mehr für ihre Verbindung zu Jesus gelitten als wir.

Aber noch viel wichtiger: Das Gemälde erinnert uns an die Verbindung zwischen Treue und Schmerz, die die Kirchengeschichte wie ein roter Faden durchzieht. Von der frühen Kirche bis zum heutigen Tag gab es immer einen Zusammenhang zwischen Christen, die Gottes Wort treu sind und deren Leben deshalb schmerzhaft ist. Gläubige, die sich nicht die Dinge aus der Heiligen Schrift heraussuchen, die ihnen genehm sind, sondern die an jedem Satz festhalten wollen, der aus dem Mund ihres Retters kam. Gläubige, die alle Menschen unterschiedslos lieben, weil Gott sie unterschiedslos liebt. Jeder Christ, der auf diese Weise treu war, findet bald heraus, dass das Leben ziemlich schmerzhaft sein kann. Sicher, in der Mehrheit der Fälle sind es keine Kreuze, die angezündet oder Löwen, die in einer Arena losgelassen werden. Meist ist es kleiner, aber deshalb nicht weniger real. Und es begegnet jedem Christen.

Ein paar Beispiele für den Zusammenhang zwischen Treue und Schmerz: Stellt euch vor, ihr seid ein Junge in der 7. Klasse der örtlichen Schule. Ihr liebt Jesus und wisst, dass Jesus alle Menschen liebt – auch den etwas unbeholfenen Jungen in der Klasse, der kaum ein Wort hervorbringt und deshalb alles andere als beliebt ist. Gleichzeitig seid ihr aber auch mit den Jungs in der Klasse befreundet, die im Mittelpunkt stehen. Und Kinder können grausam sein. So auch diese Jungs, die gern Witze und abfällige Bemerkungen über den stillen, etwas seltsamen Jungen machen. Als Siebtklässler sitzt ihr nun zwischen den Stühlen: Ihr wisst, dass es schmerzhaft werden kann, wenn ihr Jesus treu bleibt. Denn das würde bedeuten, sich auf die Seite des seltsamen Jungen zu schlagen und sich den Witzen und Bemerkungen der beliebten Jungs entgegenzustellen. Euch ist klar, dass das nicht gerade gut für euch ausgehen wird. Die Freundschaft zu den beliebten Jungs steht auf dem Spiel, wenn ihr ihnen sagt, dass Jesus ihren Hass nicht liebt. Treu zu sein, kann schmerzhaft werden.

Oder denkt an jemanden, der gerade zum Glauben gekommen ist. Er fängt an, einige Leute aus seiner Kirche näher kennenzulernen. Was ihm sofort auffällt, ist ihre Einstellung gegenüber Alkohol. ls er den Abstellraum in seiner Gemeinde öffnet, wundert er sich über die drei vollen Kästen Bier, die dort aufgestapelt stehen. Mancher seiner neuen Glaubensgeschwister riecht schon am Mittag nach Alkohol. Sie trinken nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig – und das schon tagsüber. Und die Art wie sie darüber reden? „Hatten wir nicht eine gute Zeit! Mittags mach ich erstmal ne Stunde Pause und zische ein Bier!“ Der neue Christ stellt sich die Frage, wie seine Glaubensgeschwister eine gute Zeit definieren. Das letzte Mal, als er in seiner Bibel gelesen hat, war Trunkenheit kein Spaß für Jesus. „Warum begreifen sie Gottes Worte diesbezüglich nur als Vorschlag und nicht als Gebot?“ Aber wenn er das fragt! Als neues Mitglied in der Gemeinde! Denn wie reagieren die meisten, wenn man sie mit ihren Fehlern konfrontiert? Äußerlich mögen sie Demut an den Tag legen – aber innerlich? Treue kann schmerzvoll sein.

Oder denkt an den Biologiestudenten, der den ersten beiden Seiten der Bibel treu sein will. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde? Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde; zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau – das eine oder das andere? Treue zu Gottes Wort kann schmerzhaft sein. Es sind vielleicht keine in Flammen stehenden Kreuze oder kleine Mädchen, die von einem Löwen gerissen werden: Aber es war schon immer so, dass Treue zu Gottes Wort schmerzhaft werden kann.

Was bedeutet, dass ihr und ich geprüft werden: Wenn der Moment kommt und der Heilige Geist uns daran erinnert, was gut und wahr und biblisch ist, dann werden wir die Versuchung spüren, lieber den Mund halten: „Wenn ich ihm das sage; wenn ich ihr das vorhalte…“ In solchen Momenten werden wir auf die Probe gestellt, ob wir tief in unserem Innern treu sein wollen – egal, was es uns kostet. Und solche Momente werden kommen – früher oder später.

Deshalb ist es gut, dass das zweite Sendschreiben in der Offenbarung zu finden ist. Denn in ihm geht es um den Zusammenhang zwischen Treue und Schmerz. Damals – vor 2.000 Jahren – schrieb Jesus durch den Apostel Johannes einen kurzen Brief an die Gemeinde in Smyrna. Smyrna, welches in unseren Tagen Izmir genannt wird, befand sich an der Ägäisküste in der heutigen Türkei. Zur Zeit der Abfassung war die Stadt ein Zentrum römischer Kultur. Kunst, Sport, Politik – alles war römisch. Und ganz besonders die Götterwelt. Letzteres machte die Dinge für Christen besonders schmerzvoll. Denn damals zeigte man, dass man ein wahrer Patriot sei, dadurch dass man ein wenig Weihrauch dem Kaiser opferte und ihn damit als seinen Herrn, seinen Gott, seinen Retter verehrte. Für Christen war das ein Problem: Sie konnten und wollten das Kaiseropfer nicht darbringen, denn ihr Herr, Gott und Retter Jesus Christus hatte gesagt, dass sie keine anderen Götter haben sollten neben ihm. Für die Römer waren sie daher Verräter, die den Erfolg von Smyrna und dem römischen Reich in Gefahr brachten. Die Verfolgung ließ nicht lang auf sich warten. Treue zu Jesus bedeutete für diese Christen Wagenladungen voller Schmerz. Genau das war der Grund, warum Jesus den Apostel Johannes damit beauftragte, einen Brief an sie zu schreiben. Wir finden ihn in der Offenbarung, Kapitel 2, ab Vers 8. Dort sagt der Heiland:

Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind’s nicht, sondern sind die Synagoge des Satans. Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage.

„Ich kenne“ – sagt Jesus. „Ich kenne deine Bedrängnis“ – Der Begriff hat etwas mit Druck zu tun, unter dem man steht. „Ich kenne den Druck, den du fühlst. Sie schauen auf dich. Sie zeigen auf dich. Sie drohen dir. Und es braucht nur einen Nachbarn, der der Obrigkeit von Smyrna steckt, dass du ein Christ bist – und das Undenkbare kann geschehen. Und ich kenne deine Armut. Ich weiß, was es dich wirtschaftlich etwas kostet, ein Christ zu sein. Deine Nachbarn wollen keine Geschäfte mit dir machen oder dir eine Anstellung geben. Denn sie trauen dir nicht. Sie meinen, du seist ein Verräter. Sie ziehen dich vor Gericht und nehmen dir deinen Besitz. Und der Richter? Er steht auf ihrer Seite. Und ich kenne die Lästerung der Leute, die meinen, sie seien überaus religiös. Dir werfen sie vor, du seist es nicht. Du würdest daneben liegen. Nur sie seien Gott wirklich nah. Und ich kenne die Tatsache, dass es schlimmer werden kann.“

Unser Text beinhaltet keine Art der Theologie nach dem Motto: „Wenn Gott eine Tür zuschlägt, öffnet er ein Fenster.“ Im Gegenteil: „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst“, sagt der Heiland. „Ich weiß, dass der Teufel euch versuchen wird, in dem er einige von euch ins Gefängnis werfen lässt und dass ihr Bedrängnisse erleidet für 10 Tage.“ Für die Gemeinde in Smyrna war ihr Christensein also mit einer ganzen Menge an Schmerz verbunden. Wie auf dem Gemälde, von welchem ich zu Beginn berichtete, gab es in diesen Tagen kein einfaches oberflächliches Christentum. Jesus sagt:

Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst!

Hier ist eine wichtige Anwendung für uns zu finden: Das Leben der Christen in Smyrna war deshalb schmerzhaft, weil sie nichts anderes als treu waren. Denn eine Sache ist besonders auffällig. Wir wissen, dass Jesus sieben Sendschreiben an sieben Gemeinden gerichtet hat. An fünf dieser Kirchen muss er Kritik üben und Dinge ansprechen, die sie in ihrem Gemeindeleben verändern müssen. Aber ist es euch aufgefallen? An Smyrna richtet Jesus keine Kritik. Offenbar waren diese Christen so treu, wie man es als begnadigter Sünder eben sein kann. Denn als der allwissende Jesus sie als Gemeinde beurteilte, fand er nichts an ihnen, dass so ungeheuerlich gewesen wäre, dass er es ansprechen musste. Sie waren offenbar vorbildliche Christen, die durch Gottes Wirken voller Gnade und Wahrheit waren. Und doch: Was sagt Jesus diesen Christen?

Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst!

Im ersten Moment klingt das niederschlagend, in Wahrheit ist es aber überaus hilfreich. Denn wenn Menschen glauben, dass es zu einem bequemen Leben auf Erden führt, wenn man ein treuer Christ ist, endet es meist in einer geistlichen Katastrophe. Eine der populärsten christlichen Bewegungen unserer Tage ist das sogenannte Wohlstandsevangelium. Das Wohlstandsevangelium besagt im Grunde das Folgende: Wenn man gut genug ist, treu genug ist, fest genug glaubt, häufig betet und Gott gehorcht, dann wird der himmlische Vater das Leben weniger schmerzhaft machen. Wohlstand, persönlicher Erfolg und Gesundheit werden als Gunst Gottes begriffen, die man sich mit seiner Treue verdient. Es wird gesagt: „Halte einfach durch, bete weiter, komm Jesus nahe, lies deine Bibel, nimm es ernst mit der Kirche, spende großzügig. Wenn du das tust, dann wirst du Gottes Gunst erleben. Hast du Krebs, wirst du geheilt. Bist du einsam, findest du einen liebevollen Partner. Bist du ein treues Kind Gottes, kannst du endlich schwanger werden. Gott mag eine Tür zuschlagen – aber wenn er das tut, öffnet er ein Fenster. Sei also einfach treu und das Leben wird leichter und weniger schmerzhaft.“ Und natürlich klingt das gut. Wer sollte das nicht wollen? Global betrachtet, ist es daher nicht verwunderlich, dass sich diese Theologie ausbreitet wie ein Feuer – in Afrika, Südamerika und China. Denn wer will es nicht? Heilung, Liebe, Wohlstand, eine Familie. Aber früher oder später wird dieses Denken zur geistlichen Krise führen. Denn es ist schlicht nicht wahr.

Wir sehen es an unserem Heiland selbst. Er war die treueste Person, die man sich überhaupt vorstellen kann. Jedes Gebot hat Jesus beachtet. Aber wo endete er? An einem Kreuz – gefoltert und geschlagen. Treue bedeutet also nicht, dass das Leben weniger schmerzhaft ist. Das Gegenteil stimmt – und es kann schlimmer werden. Wir können versuchen, in nächster Zeit ein treuerer Christ zu sein – und doch kann unser Leben schmerzhafter werden. Wir können leidenschaftlicher beten als je zuvor und doch kann es sein, dass sich der Krebs stärker ausbreiten als je zuvor. Wir können großzügiger geben, inbrünstiger beten und Gott leidenschaftlicher suchen, als wir es unser ganzes Leben lang getan haben. Aber das ist keine Garantie dafür, dass das Leben leichter wird. Ja, es kann sein, dass man in ein Grab geht, ohne je eine Verbesserung gesehen zu haben. Das ist die Versuchung. In unserem Text drückt es Jesus so aus:

Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet

Und worin besteht die Versuchung? Sie besteht in der Frage: Ist Gott es wert? Würde das Leben schmerzvoller werden, wären wir da immer noch treu?

Das lässt mich an das Bibelstudium einiger Christen in Somalia denken, von dem ich neulich las. Somalia befindet sich laut der Organisation „Open Doors“ derzeit auf Platz 3 der Länder mit der größten Christenverfolgung. Ein Gottesdienst, wie wir ihn gerade feiern, würde in Somalia nicht stattfinden. Einen Aufkleber auf dem Auto, der einen Fisch zeigt, wird man dort nicht sehen. Wenn die Behörden herausfinden, dass man Christ ist, werden sie denjenigen bedrohen, ihn belästigen, einsperren, foltern oder gar ermorden. Weibliche Christen werden obendrein gern mit Männern zwangsverheiraten, damit diese ihre Seele wieder in Ordnung bringen – auf die eine oder andere Weise. Und doch kann man von Christen lesen, die dort ein Bibelstudium der besonderen Art abhalten. Die Gläubigen warten, bis die Sonne untergangen ist. Einer von ihnen schleicht sich dann im Schutze der Dunkelheit aus dem Dorf. Ohne, dass ihn jemand sehen kann, geht er zu einer Höhle in der Nähe. Dort liegt versteckt die einzige Bibel, die diese Christen haben. Mit ihr ihm Gepäck schleicht er sich zurück zu der kleinen Gruppe, die bei Kerzenschein bereits wartet. Sie öffnen die Schrift, lesen, feiern Gottesdienst – flüsternd und im Schutze der Nacht. Sie loben den Jesus, der all das wert ist. Und dann – bevor die Sonne aufgeht – schleicht sich einer der Gläubigen zurück zur Höhle und versteckt die Bibel, kommt zurück und kriecht in sein Bett. Es ist schmerzhaft. Aber sie sind treu.

Und würde man diese Christen fragen: Warum? Warum riskiert ihr alles für Jesus? Dann würden sie vielleicht mit dem antworten, was wir in unserem restlichen Text für heute lesen. Dort heißt es:

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Warum würde jemand alles für Jesus riskieren? Jesu Antwort lautet Leben:

so will ich dir die Krone des Lebens geben

Ich werde dir den Sieg und ewiges Leben schenken. Jesus wiederholt das noch einmal, wenn er sagt:

Wer überwindet (wer treu ist), dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Der zweite Tod ist das, was nach dem physischen Tod kommt. Wir können es auch Hölle nennen. Aber Jesus versichert den leidenden Christen von Smyrna und uns:

dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Sie werden nicht einmal den Rauch des Feuers dort riechen, denn Jesus schenkt ihnen das Leben als Siegeskrone. Das irdische Leben mag schmerzvoll sein. Wahrscheinlich fühlt man sich nie heimisch in dieser Welt. Aber für uns Christen ist das eben nicht alles. Das Leid in dieser Welt gleicht 10 Tagen – davon sprach Jesus ja vorhin in unserem Text. Die Zahl 10 ist in der Offenbarung oft ein Symbol für Vollständigkeit. Schmerz kann also allumfassend werden. Aber Jesus redet eben nicht von 10 Ewigkeit, 10 Jahren oder 10 Monaten. Er sagt: 10 Tage. Ja, diese 10 Tage können hart sein, schmerzvoll. Aber sie gehen vorüber – übernächste Woche Mittwoch. Und wenn dieser Mittwoch endet, ist da nur noch Gott und die Ewigkeit. Nur noch Glückseligkeit. Nur noch Leben. Nur noch Annahme. Kein Weinen. Kein Klagen. Kein Tod. Kein Schmerz. Keine Krankheit. Sondern die ungetrübte Gemeinschaft mit Vater, Sohn und Heiligem Geist. 10 Tage gegen eine ganze Ewigkeit in der Gegenwart unseres guten Gottes. Dem Gott, der uns unendlich liebt und uns immer treu ist.

An eine letzte Sache muss ich denken, wenn ich mich an das Gemälde erinnere, von dem ich eingangs sprach. Ich denke daran, was Jesus für euch und für mich durchgemacht hat. Es ist schrecklich, an ein kleines Mädchen im Angesicht eines Löwen zu denken oder an unschuldige Opfer, die an ein Kreuz geschlagen und angezündet werden. Aber dann denke ich daran, dass mein Gott das für uns durchgemacht hat. Er tat es für all die Zeiten, in denen wir Feiglinge waren und einfach nur wollten, dass die Leute uns mögen. Er litt und starb für alle Momente, in denen wir nur in der Stille unserer Herzen Christen sein wollten. Er gab sein Leben für jede Situation, in der wir alles andere als treu waren. Jesus kam auf diese Erde und machte alles richtig und führte sein Leben in Vollkommenheit. Nie biss er sich auf die Lippen. Nie vermied er es, die Wahrheit auszusprechen. Stattdessen ging er an ein Kreuz, wo ihn das Feuer der Hölle verzehrte. Stattdessen stellte sich der Retter, der unschuldiger war als das kleine Mädchen, dem brüllenden Löwen und wurde vom Tod verschlungen.

Aber er blieb nicht tot, sondern siegte. Er erstand auf aus dem Grab. Und nun predigt er Leben zu euch und zu mir. Er predigt Dinge, wie die aus unserem Text heute:

Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich

Du bist aber reich! Christen können sich Dinge leisten, die kein Milliardär je bezahlen könnte: Vergebung für alles, was wir jemals falsch gemacht haben. Die Antwort auf den Tod: ewiges Leben in Gottes Gegenwart. Einen Gott, der bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. Einen Geist, der unser Tröster ist. Einen Retter, der uns Freunde nennt. Einen Schöpfer, der sich Vater rufen lässt. Und deshalb gilt:

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.