Sorgt euch nicht!

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

„Sorgt euch nicht! – Matthäus 6,25“

Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.

Liebe Freunde in Christus!

Das Wort Jesu aus unserem Text, welches uns am allermeisten nachhallt, ist wahrscheinlich dieses: „Sorgt euch nicht!“ Das ist ein schweres Gebot. Zudem beschreibt unser Heiland auf unbequeme Weise, was genau er damit meint: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“

Das ist vor allem deshalb schwierig, weil es so vieles in dieser Welt gibt, das Anlass zur Sorge bereitet. Ein noch ziemlich unbekanntes Virus bereitet vielen Menschen derzeit Kopfzerbrechen und hat dafür gesorgt, dass das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen kommt. Werden wir bald noch ausreichend zu essen und zu trinken haben? Was ist, wenn ich mich anstecke und vielleicht auf einer Intensivstation lande? Was, wenn ich andere anstecke? Vielen bereitet zudem Sorge, was derzeit an den europäischen Außengrenzen geschieht. Dazu kommen persönliche Dinge, wie die Stabilität des eigenen Arbeitsplatzes, finanzielle Fragen oder auch Krankheit. Und auch der Gedanke an die eigene Sterblichkeit, mag schwer auf dem einen oder anderen lasten. Es gibt viele Dinge, über die wir uns Sorgen machen können, gerade in diesen Tagen.

Aber Jesus untersagt es uns, er verbietet das Sorgen.

Der Teufel hingegen möchte, dass wir uns Sorgen machen und uns grämen. Er hat seine Freude daran, wenn wir um dunkle und hoffnungslose Gedanken kreisen. Der Teufel liebt das, weil er weiß, dass Sorgen eine Form des Götzendienstes ist, mit dem er uns ständig versucht. Denn immer dann, wenn wir uns Sorgen wenden wir uns an falsche, selbstgemachte Götter.

Dieser Götzendienst kann verschiedene Formen annehmen.

Die erste Form ist der gute alte Atheismus. Wenn es keinen Gott gibt, muss ich selbst für mich Sorge tragen. Natürlich sagt niemand unter uns, dass es keinen Gott gibt. Und doch leben wir gelegentlich so, als gäbe es ihn nicht. Manchmal leben wir so, als wäre da niemand, der uns liebt, sich für und um uns sorgt. Aber ohne Gott muss ich mir ja Sorgen machen und kann nicht anders, als auf mich selbst aufzupassen.

Die andere Form des Götzendienstes ist ein Gott, der irgendwie unserer Hilfe oder Mitwirkung bedarf. Manchmal hört man Sätze, wie diesen: „Gott hilft denen, die sich selbst helfen.“ Aber die Bibel sagt ja das glatte Gegenteil: Gott hilft den Hilflosen, denjenigen die tot waren wegen ihrer Übertretungen. Und doch kann sich auch bei uns der Gedanke eines schwachen Gottes einschleichen, der irgendwie unserer Hilfe bedarf. Und deshalb stehen wir auf, gehen raus und packen an – Gott wird dann schon irgendwie mitziehen und helfen. Auch mit einem schwachen Gott müssen wir uns Sorgen machen, dass wir unseren Teil beitragen.

Die dritte Form des Götzendienstes ist ein Gott, der uns für unsere Taten belohnt. Wenn wir nur genug tun, fest genug glauben, oft genug beten, dann wird Gott uns alles schenken, was wir zum Leben brauchen. Mit diesem falschen Gott müssen wir uns Sorgen machen, ob wir genug getan haben.

Wie auch immer eine falsche Vorstellung von Gott beschaffen sein mag, das Ergebnis ist immer dasselbe: Sorge. Welchen falschen Gott wir auch immer im Kopf haben, die Frage ist immer: „Wer kümmert sich um mich?“ Und die Antwort lautet: „Ich. Ich passe auf mich auf.“

Aber, meine Lieben, so sehr das Sorgen der gefallenen menschlichen Natur naheliegt: Wann immer wir bemerken, dass Sorgen ins uns aufsteigen, betrachten wir diese nicht als etwas, das schon in Ordnung sei. Schließlich machen sich alle Sorgen. Wir entschuldigen unsere Sünde nicht, sondern bringen sie in der privaten oder öffentlichen Beichte vor Gott. Bekennen wir Gott deshalb auch unser falsches Sorgen.

Für das Gegenmittel hat unser himmlischer Vater schon längst gesorgt: Den Glauben an ihn. Alle Götzen haben eine Sache gemein: Sie machen, dass wir für uns selbst arbeiten, für uns sorgen, uns lieben. Aber halten wir uns das immer wieder vor Augen: Wir haben den wahren Gott, einen liebenden himmlischen Vater, der sich um uns kümmert. Er arbeitet für uns, er hat uns erschaffen, er gibt und erhält unser Leben, ernährt uns, kleidet uns, dient uns. Er kümmerst sich um uns, schützt uns vor Schaden und Gefahr, er hält uns fest. Er liebt uns und sandte sogar seinen eingeborenen Sohn für uns ans Kreuz. Das Blut, der Schmerz, die Narben Jesu sind seine sündenvergebende Liebe zu uns. Sein Zorn ergoss sich über einen anderen, über Jesus, an unserer Stelle.

„Sorgt euch nicht“, so sagt es Jesus, denn es ist ein anderer, der sich mit aller Sorgfalt um uns kümmert: unser himmlischer Vater, Gott selbst. Er scheut keine Mühen, hält nichts zurück, lässt nichts im Wege stehen zwischen ihm und uns.

Schauen wir genau hin: Wenn wir darüber reden, dass Gott nichts zurückhält, dann reden wir übers Kreuz. Der Tod Jesu ist Gottes Liebe zu uns und der ganzen Schöpfung. Das Kreuz ist der Grund, warum die Lilien auf dem Feld wachsen. Das Kreuz ist der Grund, warum wir Kleidung am Leib und Essen im Schrank haben. Das Kreuz ist der Grund, warum die gesamte Schöpfung nicht im brennend heißen Zorn Gottes versank, als Adam in die Frucht biss.

Anstelle die Schöpfung im Feuer des Zornes und des Todes zu zerstören, zerstörte unser Vater im Himmel seinen Sohn, damit er uns haben und Leben geben kann, ewiges Leben.

Und darum gilt: Selbst wenn wir sündigen, selbst wenn wir vor Gott davonlaufen, indem wir uns Sorgen machen, so läuft uns Gott doch hinterher, holt uns immer wieder zu sich zurück, trägt uns nach Hause, verbindet unsere Wunden, ernährt, kleidet und liebt uns.

Und wenn ein solcher Gott sich um uns kümmert, was kann dann noch schiefgehen? Jetzt in diesem Moment hat der Herr einen Platz für jeden von uns in seinem ewigen Reich vorbereitet. Worüber müssten wir uns noch Sorgen machen? Krankheit? Ein Virus? Schmerzen? Tod? In der gesamten Schöpfung ist nichts – weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges – was uns von der Liebe Gottes trennen kann, die in Christus Jesus ist.

Amen.