Unsere Idole: Beliebtheit

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Chak Mo’ol, Tlaloc und ihre Freunde

Dieser Typ heißt Chak Mo’ol. Chak Mo’ol sind Steinplastiken, die Archäologen überall in Mittelamerika gefunden haben – besonders häufig in Mexiko. Unter den Ausgräbern gibt es eine rege Diskussion darüber, wen oder was Chak Mo’ol darstellen soll. Aber die meisten Archäologen sind sich einig, dass er in Verbindung mit folgendem Typ stand:

Sein Name ist Tlaloc. Tlaloc war eine der wichtigsten Gottheiten der Azteken. Er war für Regen, Getreide und Fruchtbarkeit verantwortlich. Die Azteken glaubten, dass Tlaloc Regen sendet, wenn er glücklich ist. Wenn es regnete, wuchs das Getreide auf den Feldern. Wenn das Getreide wuchs, hatten die Azteken zu essen. Und wenn sie zu Essen hatten, waren sie ihrerseits glücklich. Es war also sehr wichtig, Tlaloc glücklich zu stimmen.

Und das ist der Moment, wo Chak Mo’ol die Bühne betritt. Auf dem Bild seht ihr, dass er eine Schale auf seinem Bauch festhält. Die Azteken glaubten, dass Tlaloc glücklich ist, wenn sie Opfergaben in den Bauch von Chak Mo’ol legen. Regen würde kommen und die Menschen konnten essen. Könnt ihr euch vorstellen, was sie in die Schale gelegt haben? Manchmal füllten sie Pulque hinein – ein alkoholisches Getränk. Manchmal opferten sie auch Tabak. Gelegentlich auch Getreide oder Brot. Aber viel öfter als das legten sie ein schlagendes blutendes menschliches Herz hinein.

Willkommen in der wunderbaren Welt des Götzendienstes. In jeder Kultur, zu jeder Zeit und an jedem Ort waren Menschen bereit, Opfer zu bringen, um die Götter milde zu stimmen und so gesegnet zu werden. Wenn man Geschichte oder verschiedene Kulturen studiert, weiß man, dass das stimmt. Denken wir nur an die Zeit der alten Griechen. Bis heute kann man die riesigen Tempelanlagen für Aphrodite, Zeus und all die anderen Götter besichtigen. Oder man reist nach Indien. In fast jedem Haus kann man einen kleinen Schrein finden, wo den verstorbenen Vorfahren kleine Opfergaben dargebracht werden. Die Menschen dort glauben, dass ihre Vorfahren ihnen deshalb in ihrem Leben helfen. Vielleicht habt ihr auch schon einmal eine Abbildung von hinduistischen Göttern gesehen – z. B. von Shiva. Wenn ihr jemals in einem Fußballstadion wart, wisst ihr genau, wie Götzendienst aussieht. Fans sind so leidenschaftlich und opfern viele Dinge für ihren Sport.

Und auch in der Bibel nimmt das Thema Götzendienst breiten Raum ein. Gott hat viele Dinge über echten Gottesdienst zu sagen und natürlich auch über falschen. Manche von euch erinnern sich an die Geschichten: Im 2. Buch Mose gab Gott die 10 Gebote Mose auf dem Berg Sinai. Währenddessen blieb sein Bruder Aaron mit dem Volk Israel am Fuß des Berges. Als ihnen das Warten zu lang wurde, bauten sie sich ein Götzenbild – das goldene Kalb. Und wie lautet das erste Gebot, mit dem Mose wenig später vom Berg Sinai kam? Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Später führte Gott sein Volk ins versprochene Land Kanaan. Er warnte sein Volk vor den dortigen Göttern Baal und Aschera – beides Fruchtbarkeitsgötter. Die Menschen damals glaubten, diese Götter würden ihnen Regen senden, wenn sie mitten in der Kirche, Sex mit Priesterinnen / Prostituierten haben. Gott warnte sein Volk auch vor dem Gott Moloch. Anhänger Molochs glaubten, dass man Babys in den brennenden Armen seines Götzenbildes opfern müsse, um vor seinen Feinden geschützt zu sein.

Auch im Neuen Testament ist das Thema Götzendienst aktuell: Als Paulus in Ephesus war, lief er in die offenen Arme einer Göttin namens Artemis – eine der wichtigsten Gottheiten der griechischen Mythologie. Ihr Tempel in Ephesus war eines der sieben Weltwunder. Als Paulus erklärte, dass diese Göttin nicht existiert – dass sie nur eine Statue sei -, wurden die Menschen ausgesprochen wütend. Die ganze Stadt rottete sich zusammen. Sie versammelten sich im Amphitheater, um den Kopf von Paulus rollen zu sehen. Götzendienst war eine so ernste Sache für Gottes Volk, dass der 1. Johannesbrief mit folgenden Worten endet (1Joh 5,21):

Kinder, hütet euch vor den Götzen!

Ausrufezeichen. Ende des Buches. Ganz offensichtlich nimmt Gott Götzendienst sehr ernst.

Heute Morgen möchte ich euch fragen: Warum? Warum lässt Gott eines seiner biblischen Bücher so enden? Warum verwendet der Heilige Geist so viel Tinte auf dieses eine Thema? Wenn Gott eine Liste von Sünden erstellt – warum kommt: Mord an 5. Stelle, Ehebruch an 6. Stelle, Diebstahl an 7. und Götzendienst an 1. Stelle? Die Antwort ist die:

Hi! Mein Name ist (Götzen hier eintragen)! Ich verspreche dir (Segen hier eintragen), wenn du mir (Opfer hier eintragen) gibst.

Das nenne ich in dieser Predigtreihe die stille Übereinkunft mit den Götzen – eine Art Vertrag, den man schließt, wenn man sich auf Götzen einlässt. Egal, um welchen Götzen es sich handelt, Götzendienst funktioniert immer auf diese Art und Weise: Du gibst mir ein Opfer und bekommst dafür meinen Segen. Denkt an Tlaloc und Chak Mo’ol. Er sagt: Hi! Mein Name ist Tlaloc. Ich verspreche dir Regen, Getreide und Leben, wenn du mir ein schlagendes Menschenherz gibst. Baal und Aschera sagen: Hi. Wir sind Baal und Aschera. Wir versprechen dir Regen und viele Nachfahren, wenn du uns deine Reinheit gibst; wenn du uns das Treueversprechen deiner Ehe gibst. Moloch sagt: Hi. Mein Name ist Moloch. Ich verspreche dir Schutz vor deinen Feinden, wenn du mir das Leben deiner kleinen Kinder gibst. Segen für Opfer – so funktioniert Götzendienst immer.

Verdeckter Götzendienst

Unsere Predigtserie, mit der wir heute beginnen, heißt „Unsere Götzen“. Natürlich wird es nicht um Chak Mo’ol, Artemis oder Baal gehen. Sondern wir wollen uns mit den Götzen beschäftigen, die es mitten unter uns gibt: in unserem Land, in unserer Kultur. Das Problem mit dem Götzendienst heute besteht darin, dass er nicht mehr so offensichtlich ist. Wir sehen selten große Statuen. Wir beobachten keine Menschen, die blutige Opfer darbringen. Wir können nicht so leicht feststellen, ob eine Sache Götzendienst ist oder nicht. Was wir in unserem Land haben, nenne ich in dieser Predigtreihe: Verdeckter Götzendienst. Lasst mich euch eine kurze Definition geben:
Verdeckter Götzendienst besteht darin, dass man eine gute Sache mehr liebt als Gott.
Wann immer eine gute Gabe Gottes zu der einen wichtigsten Sache wird, dann wird diese Gabe unser Gott. Das ist verdeckter Götzendienst. Was die Sache so gefährlich macht: Unsere Götzen kann man nicht so leicht ausmachen. Man kann nicht automatisch sagen, dass eine Sache falsch ist. Denn die Dinge, die zu unseren Götzen werden, sind oftmals gute Gaben Gottes.
Lasst mich euch ein paar Beispiele geben. Überlegt für euch selbst, ob es sich dabei um einen Götzen handelt oder nicht:

  • Schön sein.
  • Beliebt sein.
  • 2 Autos haben.
  • In einem Haus mit mehr als 1000qm Wohnfläche leben.
  • Makeup auflegen – länger als 30 Minuten am Morgen im Bad.
  • Mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten.
  • 500 Facebook-Freunde haben.
  • In einer romantischen Beziehung sein.
  • Mit der Person Liebe machen, die man liebt.

Wisst ihr, wie Gott antworten würde? Nichts davon ist Sünde. Oder aber: alle. Und deshalb ist verdeckter Götzendienst so schwierig.
Woher weiß man nun den Unterschied? Woher weiß man, ob eine gute Sache immer noch eine gute Sache ist? Oder ob sie zu groß in unserem Herzen geworden ist? Stellt euch vor, ich habe hier vorn einen Turm mit Legosteinen gebaut. Ein Stein ist auf den nächsten gesteckt. Auf der Vorderseite der Steine stehen Dinge geschrieben, wie:

  • Familie
  • Intimität
  • Sex
  • Beliebtheit
  • Besitz
  • Unabhängigkeit
  • Bequemlichkeit

Gott sagt, dass all diese Dinge gute Segnungen von ihm sein können, solange ein Legostein ganz oben steckt: der, mit der Aufschrift „Gott“. Wenn aber eine der genannten Sachen ganz oben zu finden ist – wenn es zu der Sache geworden ist, die wir mehr fürchten, lieben und vertrauen als Gott, dann handelt es sich um verdeckten Götzendienst. Aus all den genannten Dingen kann also etwas sehr Schlechtes werden.

Bis jetzt mag das alles noch ein wenig technisch klingen. Aber die Wahrheit ist: Wie bei Tlaloc und den schlagenden Menschenherzen führt unser eigener versteckter Götzendienst dazu, dass Menschen verletzt werden. Eltern: Wisst ihr, warum euch eure Kinder widersprechen? Götzendienst! Denn etwas, das Unabhängigkeit genannt wird, ist ihr Götze geworden. Und sie sind bereit gegen euch zu sündigen, um sie zu bekommen. Wisst ihr, warum manche Arbeitslose ihre Arbeitslosigkeit lieben? Götzendienst! Denn Bequemlichkeit ist manchen Menschen so wichtig geworden, dass sie nicht bereit sind, hart zu arbeiten. Wisst ihr, warum Ehen zerbrechen und Ehepartner einander betrügen? Warum manche Ehefrauen sagen müssen: Ich kann mit den Bildern auf dem Computer meines Mannes nicht mithalten? Götzendienst! Denn Leidenschaft und Lust sind so wichtig geworden. Ich gehe soweit und sage: Jeder Schaden, der euch in eurem Leben jemals zugefügt wurde, hat etwas mit Götzendienst zu tun. Deswegen ist es so wichtig, dass wir in dieser Predigtserie über Götzen reden und sie enttarnen. Zuliebe unserer eigenen Seelen. Aber auch zuliebe der Menschen, mit denen wir tagtäglich umgehen.

Ich würde also zwei Ziele für diese Predigtreihe festmachen. Und ich werde darauf in den nächsten Wochen immer wieder zurückkommen:

  1. „Unsere Götzen“ aufdecken

Wir müssen sie enttarnen. Wir müssen herausfinden, dass die stille Übereinkunft mit den Götzen nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Und dass die Götzen ihre Versprechen nicht halten können.

  1. „Unsere Götzen“ ersetzen

Wir müssen dieses tiefe Verlangen in unserem Herzen mit etwas Größerem und Dauerhafterem ersetzen. Etwas, das nur Gott selbst uns geben kann. Unsere Götzen aufdecken und ersetzen – das werden wir in den kommenden 5 Wochen tun.

Die Göttin „Beliebtheit“

Lange Einleitung zu einem großen Thema. Heute Morgen fangen wir mit dem ersten Götzen an. Sie ist vielleicht der weltweit beliebteste Götze – nicht nur in unserer westlichen Kultur. Sondern in allen Kulturen und allen Zeiten gab und gibt es die Göttin „Beliebtheit“. Ihr kennt sie vielleicht unter anderen Namen: Zustimmung, Annahme oder Popularität. Als wir noch zur Schule gingen, hatten wir einen Spitznamen für sie: Gruppenzwang. Was ist Gruppenzwang? Es ist der Zwang, den wir fühlen, bei unserer Gruppe beliebt zu sein. Es sind die Dinge, die wir tun, um ihre Akzeptanz zu erlangen. Wisst ihr, warum ich mit Rauchen angefangen habe? Gruppenzwang. In einem Theater, wo alle geraucht haben. Und obwohl ich Rauchen früher nie ausstehen konnte, habe ich irgendwann angefangen mitzurauchen, um dazuzugehören. Manche haben vielleicht Drogen probiert, um beliebt und gemocht zu werden. Manche haben illegale Dinge getan und Ärger mit dem Gesetz bekommen, um dazuzugehören. Und viele unter uns sind wirklich froh, dass es keine Smartphones gab, als wir zur Schule gegangen sind. Denn wir haben viele Dinge getan, um beliebt zu sein. Beliebtheit ist ein wirklich starker Götze.

Aber die Erwachsenen unter uns wissen, dass dieser Götze nicht einfach verschwindet nur, weil man älter wird. Einige der größten und wichtigsten Institutionen unseres Landes werden von diesem Götzen geplagt. Manche Politiker beten den Götzen Beliebtheit an – wir nennen das nur Wählerstimmen. Habt ihr jemals einen Politiker erlebt, der seine Meinung um 180 Grad gewendet hat? Warum hat er das getan? Nun, um Zustimmung bei seinen Wählern zu ergattern. Und deswegen musste er seine eigenen Ansichten auf dem Altar der Beliebtheit opfern. Aber auch in der Religion kann das passieren. Jede Gemeinde und jeder Pastor ist dem gewaltigen Druck ausgesetzt, beliebt zu sein. In einer Welt, wo es so viele verschiedene Kirchen und Religionen gibt, ist gleichzeitig ein enormer Druck vorhanden, Dinge zu sagen, die die Menschen hören wollen, damit mehr Leute deine Kirche mögen. In der Politik, in der Religionen, in Schulen: Überall gibt es die Göttin Beliebtheit. Und sie ist zerstörerisch.

Haben in unserem Land nicht viele Menschen den großen Wunsch, gemocht zu werden – beliebt zu sein? Denkt an soziale Medien. Wodurch werden soziale Medien heute getrieben? Wenn ihr auf YouTube geht – was seht ihr direkt unter dem Video? Einen Daumen nach oben und einen nach unten. Und wenn ihr es mögt, klickt ihr das entsprechende Symbol. Wenn genug Menschen ein Video mögen, wird es viral – d. h. es verbreitet sich. Und wenn es viral wird, lieben wir es noch mehr. Habt ihr jemals etwas auf Facebook oder Instagram gepostet? Auf eurem Handy bekommt ihr dann diese kleinen roten Kreise, die euch zeigen, dass etwas passiert ist. „Oh! Jemand mag mich!“ Was macht ihr? Ihr müsst sofort nachsehen. Denn das ist ja so unglaublich wichtig. „17 Leute haben mein Foto geliked!“ Und jetzt müsst ihr natürlich noch genau herausfinden, wer diese 17 Leute sind. Ich habe mal gelesen, dass eine Sache auf Facebook ziemlich beliebt unter Jugendlichen ist. Wenn sie mitbekommen, dass einer ihrer Posts von niemanden geliked wird, löschen sie ihn einfach. Denn warum in aller Welt sollte man etwas tun, was die Welt nicht mag? Es gibt also eine unglaubliche Dynamik, wenn es darum geht, beliebt und gemocht zu werden.

Aber wie ich schon gesagt habe: Das ist nichts Neues. Wir denken oft, dass soziale Medien diesen Trend geschaffen hätten. Aber vor 2000 Jahren haben Menschen exakt dasselbe getan. Das ist das, was wir in unserem heutigen Text aus dem 1. Johannesbrief herausfinden werden.

„Beliebtheit“ & der Apostel Johannes

Gehen wir also 2000 Jahre zurück: Johannes war einer der Apostel von Jesus. Er war sogar der beste Freund von Jesus – einer seiner engsten Nachfolger. Glaubt man den Berichten der Kirchenväter, war Johannes der einzige Apostel, der nicht wegen seines Glaubens getötet wurde. Alle anderen wurden also ermordet und Johannes ist nun ein alter Mann. Vielleicht in seinen 80ern oder 90ern. Aber er predigt immer noch über Jesus und gründet Gemeinden. Tatsächlich überwachte er ein ganzes Netzwerk an Gemeinden – rund um die Stadt Ephesus, in der er Bischof war. Er sah Menschen, die sich vom Heidentum zum christlichen Glauben bekehrten.

Aber gegen Ende des 1. Jahrhunderts geschah etwas Zerstörerisches. Es wird Gnosis genannt. Die Gnosis war eine Art Religion, die ziemlich weite Verbreitung im späten 1. Jahrhundert fand. Die gnostische Bewegung des 2. und 3. Jahrhunderts war so gewaltig, dass Viele glaubten, sie würde das Christentum zerstören. Gnostiker glaubten, dass die Art und Weise wie wir leben – unsere Moral, unsere sexuelle Reinheit, usw. – nicht wirklich von Bedeutung ist. Und auch die Lehre über Jesus, über seinen Tod und seine Auferstehung ist nicht weiter wichtig. Was aber wichtig war, ist Erkenntnis. Wenn man besondere mystische Erkenntnis hatte, die die Leute in der Bibel nicht hatten, dann war man wer. Und die Menschen hingen sich an diese Religion.

Man kann sich Johannes bildlich vorstellen, wie er mit ansehen musste, dass Söhne und Töchter Gottes ihren Gott plötzlich verließen, um Gnostiker zu werden. Mehr und mehr Leute verließen die Kirchen. Und es gab religiösen Gruppenzwang für diejenigen, die noch in der Kirche geblieben waren, es den anderen gleichzutun. Ihre Freude und Familien, die die Kirchen für die Gnosis verlassen hatten, sagten: Wenn du mit uns kommst, dann mögen wir das. Dann bist du beliebt. Beim altmodischen Christentum zu bleiben, war nicht aufregend, nicht sexy.

Johannes – inspiriert vom Heiligen Geist – nahm deshalb seinen Stift und begann zu schreiben. In seinem Brief fleht er seine Gemeindeglieder an, Jesus nicht für den Gott „Beliebtheit“ zu verlassen.

Und mit dem Wissen um die Wichtigkeit von Anerkennung und Zustimmung in unserer Kultur, möchte ich, dass ihr die folgenden Worte von Johannes hört (1Joh 2,15a):

Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.

Das ist eine ernste Warnung. Er sagt: Nehmt euch vor der Welt in acht – und liebt sie nicht. Im ersten Moment scheint das eine merkwürdige Aussage zu sein. Denn in seinem Evangelium schreibt Johannes ja, dass Gott die Welt so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Was man wissen muss: In fast allen Schriften von Johannes hat das Wort „Welt“ eine bestimmte Definition: Welt bedeutet für Johannes die unmoralische Mehrheit. Es ist die Kultur; es sind die Dinge, die sehr beliebt sind unter den Menschen, die um uns herum leben – mit denen Gott nicht übereinstimmt. Wir finden diese Definition auch in den nächsten Worten von Johannes (15b):

Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.

Mit anderen Worten: Die Welt liebt diese Dinge und Gott liebt andere Dinge. Und ihr könnt nicht beide Dinge mögen – weil sie sich gegenseitig ausschließen. Im nächsten Vers gibt uns Johannes einige Beispiele (16):

Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.

Johannes argumentiert mit seinen Lesern: Wenn ihr in dieser Welt beliebt sein wollt, wisst ihr, was ihr lieben müsst? Natürlich das, was die Welt liebt. Ihr müsst eure altmodische Vorstellung über Lust und Sexualität aufgeben! Denn viele Menschen mögen das einfach nicht. Die ganze Idee vom Warten bis zur Ehe – und überhaupt 1 Mann und 1 Frau – Menschen mögen das nicht. Was in der Welt beliebt ist, ist schnellstmögliche Befriedigung. Macht das Licht an – wir feiern eine Party. Verpass uns bloß keine kalte Dusche! Johannes sagt: Wenn du diese Dinge liebst, liebt dich die Welt. Er spricht auch über hoffärtiges Leben – man könnte auch sagen: stolzes Leben – Prahlen. Man muss sich schon ein bisschen darstellen können. Wenn du deine Ellenbogen benutzt, wird dich die Welt lieben. Wenn du großtust vor den Leuten, werden sie dich mögen. Johannes sagt: Wenn du ein bisschen stolz lebst und deine Moral fahren lässt – wird die Welt das mögen.

Es ist so wie mit der stillen Übereinkunft – Wir können die Lücken für diese Woche ausfüllen: Hi! Mein Name ist Beliebtheit. Ich verspreche dir die Liebe der Welt. Menschen werden dich mögen und in ihre Gruppen integrieren. Die Jungs werden dich respektieren. Wenn du mir folgst, sagt die Beliebtheit, dann gebe ich dir etwas, das Gott dir nicht geben kann. Niemand wird über dich hinter deinem Rücken reden. Jeder wird dich auf seine Partys einladen. Du wirst niemals anstrengende Diskussionen führen müssen, wenn du tust, was die Welt mag. Wenn du nur tust, was die Welt liebt, gebe ich dir das alles. Klingt gut, oder? Das ist der Grund, warum dieser Götze so beliebt ist. Aber die stille Übereinkunft mit den Götzen zeigt ja, dass man diese Segnungen nicht umsonst haben kann. Jeder Götze sagt das: Opfer müssen gebracht werden.

Ich erinnere mich an ein Opfer, das ich gebracht habe, um beliebt zu sein. Auf meiner Schule war dieses Mädchen namens Romy. Sie war ein hübsches Mädchen – groß, schlank und mit langen braunen Haaren. Aber Romy hatte ein Problem: Irgendetwas in ihrem Gehirn verhinderte, dass sie den Unterschied zwischen einem Witz und der Realität erkannte. Als das einer meiner Klassenkameraden herausfand, wurde es hässlich. Eines Tages trug Romy einige Bücher durch den Flur der Schule. Mein Klassenkamerad sah das. Als sie gerade an ihm vorbeilief, rief er: „Romy! Deine Haare brennen.“ Das Mädchen ließ alle Bücher fallen. Mit weit aufgerissenen Augen betastete sie ihren Kopf, weil sie dachte, ihre Haare würden wirklich brennen. Romy konnte den Unterschied zwischen einem Witz und der Realität nicht erkennen.

Und deswegen wiederholte sich dieser Witz Tag für Tag. Ich erinnere mich an den Tag, wo ich dabei war. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich diesen Witz auch gemacht habe oder nur gelacht habe, als es jemand anderes tat. Aber ich habe gesehen, wie es geschah. Ich erinnere mich daran, wie alle gelacht haben – wie ich gelacht habe. Das war eins von Gottes Geschöpfen. Ausgelacht und bloßgestellt. Ich hätte es aufhalten können. Ich hätte meinen Arm und Romy legen und sie trösten können. Ich hätte meinen Mitschülern sagen können, dass sie das lassen sollen. Ich hätte das tun können – aber ich habe es nicht.

Wisst ihr, warum ich es nicht getan habe? Weil ich beliebt sein wollte. Wer mag schon jemanden, der andere mit ihren Fehlern konfrontiert? Und deswegen habe ich ein Opfer dargebracht. Ich habe Güte und Freundlichkeit geopfert. Ich habe diese stumme Übereinkunft mit dem Götzen „Beliebtheit“ geschlossen, weil ich so sehr gemocht werden wollte.

Ich vermute, viele unter euch haben eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Wunderschöne Gaben Gottes, die ihr auf dem Altar der Beliebtheit geopfert habt, nur um bei anderen Zustimmung zu finden. Vielleicht gab es jemanden, den ihr gekannt habt, der aber gestorben ist, ohne Jesus zu kennen. Die Welt lehrt: Halt deine Klappe, wenn es um Religion geht. Von Jesus erzählen, ist mindestens peinlich. Und so habt ihr eure Klappe gehalten. Wer seid ihr schon, jemandem zu sagen, dass er über sein Leben nachdenken muss. Und die Person starb. Manchmal opfern wir Seelen auf dem Altar der Zustimmung. Vielleicht folgt einer eurer Bekannten einem zerstörerischen Weg. Einem Lebensstil, den Gott nicht will. Aber wer will schon seine Nase in die Angelegenheiten anderer stecken? Wenn ihr erfüllt von Liebe seid, sagt ihr ihm, dass er damit aufhören muss. Aber bei wem ist das schon bliebt? Und so lassen wir sie den Weg der Zerstörung gehen.

Vielleicht haben die Jungs aus eurer Nachbarschaft gesagt: „Wenn du das machst, dann respektieren wir dich.“ Und mancher ist gewillt, seine Zukunft, seine Gesundheit, seine Familie dafür zu opfern, beliebt zu sein. Vielleicht seid ihr wie ich und habt etwas Grausames gesagt, das ihr nicht zurücknehmen könnt. Nur für den Lacher. Nur um beliebt zu sein.

Entlarven und ersetzen

Ich habe gesagt: Wie die schlagende Herzen von Tlaloc verletzt Götzendienst Menschen. Und das tut er wirklich! Was sollen wir also tun? In eurem und in meinem Herzen ist dieses tiefe Verlangen, von anderen akzeptiert zu werden – beliebt zu sein. Aber die Welt macht das mit uns! Was können, was sollen wir tun? Was wir tun sollten, ist das, was wir mit allen Götzen machen:

  1. Unsere Götzen entlarven
  2. Unsere Götzen ersetzen.

Die Göttin „Beliebtheit“ entlarven

Beginnen wir also damit, die falschen Versprechungen der Göttin Beliebtheit zu entlarven: Wusstet ihr, dass dieser Götze nicht eins seiner Versprechen halten kann? Lasst es mich so sagen: Götzendienst ist wie eine Bierwerbung, die ich mal gesehen habe. Stellt euch vor, zwei Typen an der Bar und bestellen ein Becks oder welches Bier auch immer. Aber plötzlich hört man einen Zug, der in die Bar einfährt. Aus dem Zug steigt ein Typ aus und reicht den beiden Jungs zwei eisgekühlten Bierflaschen. Und die Typen öffnen ihre Biere. Boom! Die Hintertüren der Bar öffnen sich und dieses göttliche Licht erstrahlt. Ein paar wunderhübsche schwedische Models tanzen zur Musik – mit den blondesten Haaren, die man je gesehen hat. Und sie spielen ein wenig mit ihren Locken und zwinkern den Beiden zu. Zum Schluss noch der obligatorische Spruch: Trink Becks. Der geschmackvolle Geschmack. Oder so ähnlich…
Und was machen wir? Wir bestellen ein Becks. Geben dem Barkeeper unsere Opfergabe in Form von Geld. Wir öffnen die Falsche – und warten… Ist das ein Zug? – Nein! Ah, da sind ein paar Mädels – aber sie sehen irgendwie nicht wie Models aus. Und wir fragen uns selbst: Was ist geschehen? Wir haben doch unser Opfer dargebracht! Aber natürlich wissen wir, was passiert ist: Die Werbetreibenden können ihr Versprechen nicht halten.Götzendienst ist genauso. Wir können alles opfern, was wir haben – aber Baal, Aschera und Moloch existieren nicht. Und deswegen können sie uns auch nicht das geben, was sie versprechen. Stattdessen passiert aber etwas Anderes: Wir leiden. Psalm 16 drückt es so aus:

Die sich aber vor einem anderen Gott niederwerfen, bereiten sich selbst zahlreiche Schmerzen.

Das ist die Wahrheit: Wir werden unsicher. Wir sagen Dinge wie die, die ich zu Romy gesagt habe und müssen mit der Schuld jahrelang leben. Das Entlarven der Götzen beinhaltet, dass wir erkennen, dass diese Götzen uns nicht segnen, sondern leiden lassen. Johannes greift das im nächsten Vers auf.
Und die Welt vergeht mit ihrer Lust.

Was auch immer ihr für ein paar Sekunden bekommt, wenn ihr mit der Masse mitlauft – es wird nicht lange Bestand haben. An wie viele Namen aus eurer Schulzeit könnt ihr euch noch erinnern? Ich weiß, ehrlich gesagt, kaum mehr einen Namen von den Schulkameraden, die damals mit mir auf dem Flur standen. Dinge verschwinden so schnell. Und deswegen sagt Gott uns das so deutlich: Götzen können ihre Versprechen nicht halten.

Die Göttin „Beliebtheit“ ersetzen

Stattdessen müssen wir die Götzen mit etwas Besserem ersetzen. Etwas, das nicht so schnell verschwindet. Wir müssen diesen Götzen mit Gottes Zustimmung ersetzen. Wenn ihr euch danach sehnt, gemocht zu werden – beliebt zu sein – findet ihr das bei Gott. Wenn ihr in eurem Innersten akzeptiert werden wollt, findet ihr das bei Gott. Und der einzige Weg, warum das möglich ist, ist Jesus Christus.

Wenn ihr die Bibel lest – besonders die Evangelien – hat es euch auch schon einmal beeindruckt, wie wenig Menschen den Sohn Gottes eigentlich gemocht haben? Jeder mag doch Prominente! Hier kommt der Sohn Gottes – Da müsste doch jeder ein Foto mit ihm machen wollen. Aber sie haben es nicht getan. Und Jesus hat Wunder getan. 3 Jahre ist er durchs Land gezogen und hat die Kranken geheilt und die Toten auferweckt. Man müsste doch annehmen, dass alle Welt Jesus liebt. Aber sie haben es nicht getan. Wenn eure Mutter Krebs hätte – und Jesus heilt sie – würdet ihr ihn dann nicht mögen? Wenn euer Kind tot wäre – und Jesus würde es auferwecken – würdet ihr ihm da nicht folgen? Man könnte meinen, Jesus hätte unzählige Freunde. Aber als Jesus in den Himmel auffuhr, wisst ihr wie viele Jünger er da zurückließ? – 120 – vielleicht doppelt so viele, wie heute Morgen hier sind. Jesus – der Sohn Gottes – hatte 120 Freunde. Und er hat Wunder vollbracht. Wisst ihr, warum das so ist? Weil Jesus sicherstellen wollte, dass Gott euch mag. Wenn Jesus sein Opfer auf dem Altar der Beliebtheit dargebracht hätte – wenn er getan hätte, was die Welt von ihm will, dann hätte er sündigen müssen. Und wenn er gesündigt hätte, hätte er uns nicht retten können. Um uns von unserer Sünde befreien zu können, musste Jesus die Liebe dieser Welt zurückweisen und sich Gott vollkommen hingeben.

Da ist diese Geschichte in Johannes 6. Jesus hatte gerade dieses große Wunder vollbracht und 5000 Menschen satt gemacht. Die Männer, die Frauen, die Kinder liebten ihn dafür. Sie wollten ihn sogar zu ihrem König machen. Aber Jesus wusste, dass das Vater nicht wollte. Er war nicht gekommen, um ein weltliches Königreich zu errichten. Er war gekommen, um diese Welt zu retten und ein himmlisches Reich zu gründen. Und deshalb gab Jesus die Krone nicht nur dem Volk zurück. Er predigte ihnen eine Botschaft, die kaum einer mochte. Er sagte ihnen, dass sie mehr brauchen als nur Brot. Ihr braucht meinen Leib und mein Blut. Wenn ihr es nicht gegessen und getrunken habt, sterbt ihr an euren Sünden. Wisst ihr, wie die Menschen reagiert haben? Schaut auf die folgenden beiden Verse (Johannes 6,60+66):

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

Jesus war nicht beliebt. Warum? Weil er wollte, dass ihr bei Gott beliebt seid. Wenn ihr am 1. Weihnachtsfeiertag hier wart, habt ihr von diesem unglaublichen Tausch gehört. Jesus nimmt dieses perfekte Leben, dass er auf dieser Erde geführt hat – ein Leben, wo er nie auch nur einem einzigen Götzen gefolgt ist. Und er händigt es uns aus, als er am Kreuz starb. Wenn Gott auf uns schaut, dann sieht er Jesus. Wenn ihr dieses perfekte Leben angezogen habt – wenn ihr glaubt, dass Jesus für euch gestorben und auferstanden ist – ratet, was Gott sagt, wenn er euch sieht: Ich mag dich. Wenn Gott Facebook benutzen würde, ratet, wem er eine Freundschaftsanfrage schicken würde: Euch! Wenn Gott auf YouTube euer Leben als Film sehen würde, ratet, welchen Daumen er anklicken würde. Denn was Jesus gemacht hat, ist das: Er hat uns alle unsere Sünde – all unseren Götzendienst – abgenommen. Und er gibt uns stattdessen seinen vollkommenen Gehorsam dem Vater gegenüber. Und das ist das, was ewig Bestand hat. Schaut auf die letzten Worte von Johannes für heute:

Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

In Ewigkeit – Annahme; In Ewigkeit – Beliebtheit bei Gott; In Ewigkeit – Anerkennung und Teilhabe: Das bekommen wir von Jesus!

Und wenn ich das habe, was könnt ihr mir noch anbieten? Wenn diese Wahrheit tief in unsere Herzen eindringt, haben wir etwas, das fast niemand auf dieser Erde hat. Man nennt es Frieden. Frieden mit Gott. Aber auch Frieden mit der Liebe dieser Welt. Wenn andere nicht mit uns zufrieden sind – wenn sie nicht mögen, was wir tun, können wir dennoch Frieden haben. Und weil Gott auf unserer Seite ist, können wir mit ihrer Unzufriedenheit umgehen.

In einem Buch habe ich mal gelesen, dass jeder Christ eine emotionale Grenze braucht. Was meint der Autor damit? Er sagt: Wenn jemand mit dir nicht zufrieden ist, muss dich das nicht unglücklich machen. Das Problem am Götzen „Beliebtheit“ ist doch: Wenn wir diesen Götzen anbeten, verschwindet alle Freude und aller Friede, sobald wir feststellen, dass uns jemand nicht mag, bei dem wir beliebt sein wollen. ABER! Jeder Christ braucht eine emotionale Grenze. Wir wissen doch, dass wir bereits geliebt werden, wie uns kein Mensch lieben kann – von Gott. Und deswegen können andere uns nicht unseren Frieden rauben. Einen Spruch des Autors fand ich ziemlich gut: Okay, du bist also zornig auf dich? Mmh… Was gibt es zum Abendbrot? Das klingt erst einmal ein bisschen flapsig. Aber was der Autor meint: Jetzt und hier – in diesem Moment sind wir doch unglaublich gesegnet mit dem Wohlgefallen Gottes! Warum sollte man sich so etwas Großes wie Gottes Liebe durch „Kleinigkeiten“ ruinieren lassen?

Amen.