Unsere Idole: Geld

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

In unserer Predigtreihe dreht sich alles um das Thema „Gottesdienst“. Es geht um Dinge, die wir an die erste Stelle in unserem Herzen und Leben setzen. Das kann der echte Gott der Bibel sein. Das kann etwas Anderes sein, das versucht, Gott zu ersetzen. Etwas, das wir „Götzen“ nennen. Bisher haben wir uns zwei Götzen näher angeschaut: Der Erste war die Göttin „Beliebtheit“. Was unternehmen wir, um von anderen Menschen angenommen und akzeptiert zu werden? Vergangene Woche haben wir auf die Göttin „Aussehen“ geblickt – oder auch „Schönheit“. Heute kommen wir zu einem dritten Gott. Er heißt „Besitz“. Wir reden heute also über „Gott & Geld“.

Wie viele unter euch lieben– ich meine „lieben, lieben, lieben“ – es, wenn die Kirche euch sagt, was ihr mit eurem Geld machen sollt? Ich vermute, dass es nicht viele unter uns gibt, die dieses Thema besonders mögen. Ich persönlich würde mich auch lieber um das Thema drücken. Aber warum ist das so? Ich glaube, viele haben schlechte Erfahrungen gemacht, wenn es um das Thema „Kirche und Geld“ geht. In manchen Gemeinden war es z. B. früher üblich, dass einmal im Jahr die Höhe der Gemeindebeiträge öffentlich verlesen wurden. Jeder konnte sehen und hören, wer viel und wer wenig Geld gespendet hat. Denn es gibt nichts Besseres als öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, um die Gebefreudigkeit zu erhöhen, oder? Ich war mal in einem Gottesdienst, wo der Prediger nicht ein Wort – und ich habe mitgezählt! – nicht ein Wort für seine Gemeinde über Gottes Liebe und Vergebung übrighatte. Aber ratet, worum es in den Abkündigungen ging? Geld! Eine Spende hier. Eine Gabe dort. Danke für eure Spenden. Vergesst diese Sache nicht. Viele haben Schuldgefühle und empfinden Scham, wenn es um das Thema Geld in der Kirche geht. Und ich bin nicht naiv: Vielen von euch geht es sicher auch so.

Der Grund, warum das Thema „Geld“ so viele negative Gefühle in uns erzeugt, liegt aber auch noch woanders: Geld bedeutet uns etwas. Geld ist nicht einfach nur ein Stück Papier. Geld bedeutet Macht: Wenn wir genug Geld besitzen, haben wir die Macht, bestimmte Dinge in unserem Leben zu genießen. Und wenn wir kein Geld haben, besitzen wir diese Macht nicht.

Manche von euch leben in einer schönen Gegend der Stadt – vielleicht sogar in einem eigenen Haus. Ihr genießt es auf eurer Terrasse zu sitzen – an einem schönen Sommertag. Ihr könntet nicht in dieser Gegend und in diesem Haus leben, ohne Geld. Manche von euch haben tolle Reisen unternommen – z. B. wunderschöne Reiterferien –, von denen ihr noch heute in der Familie erzählt. Aber ihr hättet niemals fahren können, ohne Geld. Geld ermöglicht uns Dinge, die wir wirklich genießen. Aber Geld ermöglicht es uns auch, Dingen zu entfliehen, die wir nicht gern tun, z. B. Streitigkeiten in der Ehe: Wer hat was gekauft? War das wirklich nötig? Wenn wir genug Geld haben, dann gibt es solche Streitigkeiten nicht. Oder ihr sitzt betrübt am Tisch: Der Stapel Rechnungen ist hoch und der Kontostand ist niedrig. Wenn wir genug Geld haben, müssen wir uns mit solchen Problemen nicht herumschlagen. Ich denke, deshalb werden viele nervös, wenn wir, über Geld reden. Wir haben Angst, Dinge zu verlieren, die wir genießen. Und wir haben Angst, den Dingen nicht mehr entfliehen zu können, die wir nicht mögen. Es ist ganz offensichtlich: Geld bedeutet uns etwas.

Es fällt uns also schwer, über Geld zu reden – vor allem in der Kirche.  Dabei muss es nicht so sein. Ich habe zwei Gründe gefunden, warum:

  1. Ich liebe die Bibel

Was denkt ihr: Wie oft sprachen Jesus und seine Apostel über Geld? Über Reichtum und Armut; über Gold und Silber; über Schätze; über die Gebefreudigkeit Gottes; über Steuern, usw. Wenn man es sich genauer anschaut, nimmt Geld und alles, was damit verbunden ist, ziemlich viel Platz im Neuen Testament ein. Gott ist also offenbar sehr an diesem Thema gelegen: an seinem großzügigen Herzen und natürlich auch an unseren großzügigen Herzen. Wir können das Thema also nicht ignorieren, wenn wir die Bibel lieben. Der zweite Grund, warum wir über Geld reden ist:

  1. Ich liebe euch

Mir ist klar, dass ich nicht alle eure Umstände und Sorgen kennen kann. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Geld eine wichtige Rolle in eurem täglichen Leben spielt. Ich schätze, ihr denkt über Geld nach. Viele von euch machen sich Sorgen wegen des Geldes. Sicher hat der eine oder andere auch schon einmal wegen Geldangelegenheiten gebetet. Und ich vermute, dass Geld einige wichtige und lebensbestimmende Dinge in eurer Vergangenheit getan hat: Vielleicht haben manche von euch ihren Vater nicht sehr oft gesehen, weil er immerzu arbeiten war, um Geld zu verdienen. Vielleicht hat mancher seine Stimme im Zorn gegen jemanden erhoben, dem er versprochen hat, ihn zu lieben – in guten und in schlechten Zeiten. Vielleicht habt ihr euch schon schlecht gefühlt, weil ihr dachtet, ihr habt zu wenig – obwohl ihr in so vielerlei Hinsicht gesegnet seid. Vielleicht hat euch jemand verletzt, euch belogen oder sogar bestohlen – und das alles wegen Geld. Und manche dachten vielleicht schon, dass Gott sie verlassen hat – dass er sich nicht mehr um euch schert – weil sich an euren Geldsorgen einfach nichts ändert.

Wenn es wahr ist, dass unser Leben so viel mit Geld zu tun hat; und wenn es wahr ist, dass Gottes Wort so viel über Geld zu sagen hat; wie könnte ich behaupten, euch zu lieben, und nicht beide Dinge zusammenbringen. Und das wollen wir heute gemeinsam tun – ohne Entschuldigungen, ohne schlechtes Gewissen. Denn Jesus will uns lehren, was geschieht, wenn Geld die No. 1 – der oberste Legostein – unseres Lebens wird. Welche Opfer verlangt Geld? Welche Versprechungen macht es dafür? Und welche Verheißung gibt Jesus uns, die uns sonst nichts und niemand in dieser Welt anbieten kann.

Wir begeben uns also in den Tempel des Gottes „Geld“ und werden genau sehen, was Jesus zu sagen hat. Lukas 12,1+13:

Unterdessen kamen einige tausend Menschen zusammen, sodass sie sich untereinander traten. {…} Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile.

Tausende Menschen sind zusammengekommen. Plötzlich ergreift dieser Mann die Gelegenheit und fordert von Jesus:

Sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile.

Es ging also um einen Erbstreit. Und was antwortet Jesus?

Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?

Denkst du wirklich, dass das der Grund war, warum ich vom Himmel auf die Erde gekommen bin? Um mich um Versicherungsfälle und Erbstreitigkeiten zu kümmern? Man könnte meinen, Jesus weißt diesen Mann einfach nur ab und gut. Denn immerhin hat er ja wichtigere Dinge zu sagen. Aber Jesus ist anders. Auch wenn Jesus nicht direkt auf die Frage des Mannes antwortet, nutzt er die Gelegenheit, um ihnen und uns das zu sagen, was wir hören müssen. Jesus sagt:

Seht zu!

Nehmt euch in Acht! Wie vor einem Soldaten, der angreifen will! Passt auf, bevor der Feind euch niederstreckt. Nehmt euch in Acht! Und wovor?

Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.

Habgier / Geiz – davor sollt ihr euch in Acht nehmen, denn sie kann euch geistlich ausknocken. Wahrscheinlich sind wir uns da alle einig: Habgier & Geiz sind schlechte Sachen. Und Großzügigkeit ist eine gute Sache. Aber was heißt das eigentlich genau – gierig zu sein? Geizig? Bedeutet es, viel Kram zu haben? Wie viele Garagen muss man haben? Wie viel Geld muss man haben? Wann ist die Grenze überschritten, ab der man sagen kann, dass jemand gierig ist?

Gier & Geiz sind schwer zu beschreiben. Hier ein Versuch: Gier ist die Annahme, dass alles dazu da wäre, um von mir konsumiert zu werden.

Jesus sagt: Hütet euch vor aller Habgier. Aller Habgier. Das bedeutet ja, dass es mehrere Formen von Habgier geben muss. Ich fasse es mal in zwei Richtungen zusammen:

  1. Die Gier, Geld auszugeben

Ausgeben, ausgeben, ausgeben. Und es gibt kein Limit. Sobald das Gehalt überwiesen ist, wird es ausgegeben. Denn: Ich will, ich will UND ich will. Wenn ihr mit dieser Form von Gier zu kämpfen habt, kennt ihr vielleicht das Gefühl. Das Gefühl in einem Einkaufszentrum zu sein und all die Dinge zu sehen, die ihr nicht habt. Euer Fernseher ist zu klein, zu wenig hochauflösend, …  Und Neid macht sich im Herzen breit. Aber es gibt noch eine andere Form der Gier:

  1. Die Gier, Geld zu sparen.

Diese Gier ist die Annahme, dass alles dazu da wäre, um von mir konsumiert zu werden – aber zu einem späteren Zeitpunkt. Man kann nichts ausgeben. Nein, Kinder das können wir jetzt nicht machen. Denn wir müssen unsere Zukunft absichern. Aber egal, ob man jetzt alles ausgibt oder für später aufbewahrt: Gier ist Annahme, dass alles dazu da wäre, um von mir konsumiert zu werden. Jesus sagt: Nehmt euch in Acht vor solchen Gedanken – vor einem Herzen, dass das glaubt.

Zurück zu unserem Text: Tausende Menschen sind zu Jesus gekommen. Sie haben sich vielleicht gefragt, was die Aussage Jesu mit ihrem Leben zu tun hat. Deshalb beginnt Jesus, eine Geschichte zu erzählen. Eine einfache – aber gleichzeitig auch eine verwirrende – Geschichte:

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!

Aber wisst ihr, was Gott nun zu ihm sagt:

Du Narr!

Macht das Sinn? Der Kornbauer hatte für seine Zukunft gesorgt. Er hatte kein Geld verschwendet. Nein, er investierte weise und baute neue Scheunen. Genau das, was man von einem klugen Geschäftsmann erwarten würde. Aber Gott nennt ihn einen Narren! Warum sagt er das? Habt ihr mitbekommen, warum? Schauen wir uns noch einmal seine Worte an. Welche Worte, welche Formulieren tauchen immer wieder auf? Und welche Worte kommen überhaupt nicht vor? Lasst mich den Text noch einmal mit etwas anderer Betonung vorlesen:

Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!

Ich, ich, ich, meine, ich, ich, meine, mein, meine, meiner. Und welches Wort kommt nicht ein einziges Mal vor? Gott. Kein: Danke, Gott, dass du Regen gesandt hast, damit das Getreide auf dem Feld wachsen konnte! Kein: Gott, um wen kann ich mich kümmern – mit all dem Reichtum, den du mir gegeben hast? Kein Gedanke daran: Es geht nur um ihn. Jesus kommt zum Schluss und sagt:

Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Die Sünde des Kornbauern bestand nicht darin, reich zu sein. Sie bestand nicht darin, sich früh zur Ruhe gesetzt zu haben. Auch nicht, dass er sich größere Scheunen gebaut hat. Aber er nahm an: Alles, was er hat, ist nur dazu da, um von ihm konsumiert zu werden. Jesus sagt: Er war nicht reich bei Gott. Sein Vater hatte nichts mit seinen Finanzen zu tun. Sein Budget hatte nichts mit der Bibel zu tun. Er war nicht reich bei Gott. Und das machte ihn zu einem Narren.

2000 Jahre sind vergangen, seit Jesus diese Geschichte erzählt hat. Aber das, was Jesus vor 2000 Jahren gesagt hat, könnte nicht besser in die Kultur passen, in der wir heute leben, oder? Wisst ihr, was vermutlich jeder aus der Menschenmenge, die Jesus damals lauschte, zu euch und mir sagen würde, wenn er uns treffen könnte? Ich kann nicht glauben, wie reich, ihr seid. Ich habe gehört, dass einige von euch ein Haus haben, das größer ist als die Spannweite meiner Arme. Die Größe eines durchschnittlichen Hauses in Israel damals. Ich habe gehört, dass einige von euch so reich sind, dass sie eine Maschine besitzen, die sie von einem Ort zum anderen bringt. Ihr müsst nicht mal laufen. Ich habe gehört, dass einige von euch so reich sind, dass sie nicht nur die Maschine haben – sondern ein extra Haus für die Maschine. Ich habe gehört, dass manche von euch heiraten. Und auch euer Ehepartner hat so eine Maschine. Und deswegen habt ihr ein Haus – für beide Maschinen! Ich kann nicht fassen, wie stinkreich ihr seid. Versteht mich nicht falsch. Es ist nichts falsch daran. Aber wir leben in einer Kultur, wo fast jeder reich ist – im Vergleich zur Zeit Jesu.

Die Worte Jesu können also kaum wichtiger sein, für eine Generation wie die unsere. Sie sind deshalb so wichtig, weil Geld eine starke Wirkung auf uns hat. Geld verspricht: „Wenn du mehr von mir hast, wirst du auch glücklicher sein.“ Wenn du nur ein bisschen mehr von mir hast, werden deine Sorgen verschwinden. Deine Beziehungen werden sich verbessern und dein Stress verringern. Rufe mich – Geld – an in der Not, so will ich dich erretten. Und es ist schwer für uns, diesem Ruf zu widerstehen.

In seiner Geschichte will Jesus enthüllen, was für ein schlechter Gott Geld ist. Und er will es mit etwas unendlich Besserem ersetzen. Fangen wir mit dem ersten an: Wie können wir die falschen Versprechungen des Gottes „Geld“ entlarven? Denkt an euren allerersten Job, den ihr je hattet. Zeitungaustragen z. B. oder so etwas in der Richtung. Wie viel Geld habt ihr dabei in der Stunde verdient? 1 Euro bzw. DM bzw. Ostmark? 2? 5? In jedem Fall weniger, als ihr später mit eurer Arbeit verdient habt. Vielleicht bekommt ihr heute doppelt so viel. Also müsst ihr ja auch doppelt so glücklich sein im Vergleich zu damals, oder? Vielleicht verdient ihr ja heute auch fünfmal so viel. Also haben sich eure Sorgen doch durch fünf geteilt. Richtig? Nein? Ich dachte Geld wäre dafür da, uns glücklicher zu machen! Wir müssen die wirklich Reichen unter uns fragen: Manche verdienen mehr als 50.000 Euro im Jahr –als ganzer Haushalt. Denen es so geht: Erzählt mir, wie sich ein Leben anfühlt, in dem man sich um nichts mehr Sorgen machen muss! In unseren Träumen denken wir vielleicht manchmal, dass 10x mehr Geld uns auch 10x glücklicher macht. Aber unsere Erfahrung lehrt uns, dass das nicht stimmt. Wir bekommen mehr – gewöhnen uns an einen anderen Lebensstandard – aber was passieren sollte, passiert nicht. Geld kann seine Versprechen nicht halten.

Und was das Schlimme daran ist: Wenn ihr euch dafür entscheidet, dem Geld nachzujagen – wenn ihr seinen Versprechungen glaubt, müsst ihr einige große Opfer bringen. Alle Götzen sagen: Opfer müssen gebracht werden. Und Geld ist da keine Ausnahme. Wenn ihr dem Gott des Geldes folgen wollt, müsst ihr eure Zeit opfern. Außer ihr habt im Lotto gewonnen, müsst ihr 40, 50, 60 Stunden in der Woche auf Arbeit sein, um möglichst viel Geld zu verdienen. Manche arbeiten so viel, dass sie all ihre Energie dafür aufbrauchen. Wenn sie dann nach Hause kommen, ist alles, was sie noch tun können, sich auf die Couch fallenzulassen und auszuruhen. Der Tag ist gelaufen.

Das zweite Opfer: die Familie. Wisst ihr, was jede Beziehung auf diesem Planeten braucht? Zeit! Man kann keine gute Freundschaft, Ehe oder Beziehung zu seinen Kindern haben, ohne einiges an Zeit zu investieren. Eine Beziehung braucht Tonnen an gemeinsamer Zeit, um einige schöne Momente hervorzubringen. Wenn ihr nach Hause kommt und da ist nichts als Stress und Belastungen in euch, werdet ihr nicht die Zeit oder die Geduld haben, um gute Beziehungen zu führen. Ihr werdet nicht die Kraft haben, manche schwierige Situation zu durchleben, die nun mal in jeder Beziehung früher oder später auftaucht. Wenn man Geld nachjagt, muss man einige großartige Dinge auf seinem Altar opfern.

Das kann auch mit euren Kinder passieren. Die Jahre vergehen so schnell. Wenn man immer nur arbeitet, braucht es nur einen Augenaufschlag und euer kleines Mädchen ist plötzlich nicht mehr so klein. Und wisst ihr, was die meisten kleinen Kinder sagen? „Schau her! Schau auf mich!“ Kinder wollen keinen Wohlstand – sie brauchen Aufmerksamkeit. Und was braucht man, um Aufmerksamkeit geben zu können? Zeit und Energie. Wenn man immer nur arbeitet, bleibt keine Energie, keine Kraft, kein Mitgefühl und eure Beziehungen werden leiden.

Das waren nur 2 Opfer. Wir könnten die Liste beliebig erweitern: Steckt euer Geld in den Aktienmarkt und ihr habt unter Umständen keinen Frieden mehr. Je mehr ihr habt, desto mehr werden eure Gefühle davon abhängen, wo eure Aktien derzeit stehen. Kauft euch nette Sachen und füllt eure Häuser und Wohnungen damit. Unter Umständen verwandelt euch das zur kleinlichsten Person eurer Nachbarschaft. Denn die Kinder betreten besser nicht, euren perfekten Rasen. Wehe dem, der auch nur einen kleinen Kratzer an euer wundervolles Auto macht. Besser niemand trinkt ein Glas Saft oder eine Tasse Kaffee auf dem neuen Sofa, das ihr gerade erst gekauft habt. Wir haben tolle Sachen – und wir sind erfüllt von Sorgen und Bedenken, die wir ohne diese Sachen nicht hätten.

Jesus schaute damals auf die Menge – und er schaut heute auf uns – und sagt: „Bitte! Gebt nicht etwas Großes und Schönes weg – wegen des Geldes. Geld kann noch nicht einmal seine Versprechen halten.“

Erlaubt ihr mir eine Frage, die vielleicht ein bisschen anmaßend klingt? Wenn Jesus heute auf euch schauen würde, was würde er sagen? Würde er sagen: „Hier ist ein Mann. Hier ist eine Frau, die reich bei Gott ist.“  Oder würde er euch – wie in der Geschichte des reichen Kornbauern – einen Narren nennen? Nicht, weil ihr viel habt. Nicht, weil ihr dieses Auto fahrt. Sondern: Würde Jesus ein Herz sehen, in dessen Zentrum der Vater steht – der auch der Herr über eure Finanzen ist? Ich habe fünf Fragen für euch, die uns die Antwort erleichtern sollen:

Die erste Frage lautet: „Glaubst du, dass dein Geld in Wahrheit Gottes Geld ist?“ Die Bibel sagt in Ps 24,1:

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Glaubt ihr das? Dass jeder einzelne Euro, jeder Cent, alle Investitionen, alles auf eurem Bankkonto in Wahrheit Gott gehört? Glaubt ihr, dass ihr jetzt in diesem Moment Gottes Auto fahrt? Dass ihr in Gottes Haus oder Wohnung lebt? Dass ihr euren Fuß – egal wohin ihr geht – auf Gottes Eigentum setzt. Und dass ihr dabei Gottes Schuhe tragt? Glaubt ihr das? Glaubt ihr, dass alles Gottes Eigentum ist – und ihr es nur deshalb in euren Händen haltet, um es so zu verwalten, dass Gott lächelt? Oder hat Geld euch davon überzeugt, dass es euch gehört – und niemand hat euch zu sagen, was ihr damit zu tun oder zu lassen habt?

Die zweite Frage ist eine wichtige: „Gebt ihr einen Teil eures Geld zuerst weg – und gebt den Rest später aus?“ Wenn wir unser Geld zuerst weggeben können – bevor wir den Rest ausgeben, dann ist das ein sicherer Beweis, dass Geld nicht unser Gott ist. Könnt ihr erst einen bestimmten Betrag weggeben, bevor ihr auch nur eine Überweisung tätigt oder in den Einkaufladen lauft?

Die dritte Frage: „Liebst du es, zu geben?“ Seid ihr von der Liebe Gottes zu euch so ergriffen, dass ihr es liebt, Geld wegzugeben?

Frage Nummer vier: „Macht ihr euch Sorgen wegen des Geldes?“ Glaubt ihr, es seid nur ihr und euer Bankkonto – und ihr müsst die Sache allein regeln? Oder glaubt ihr, dass Gott mit allem zu tun hat, was eure zukünftige Finanzlage angeht?

Und die letzte Frage: „Liebt ihr Gott selbst dann, wenn ihr pleite seid?“ Wenn Gott euch in einen Hiob verwandelt – und ihr habt nichts mehr – liebt ihr ihn immer noch? Oder klagt ihr ihn an? …weil er eure Gebete nicht erhört. …weil er nichts zu tun scheint. Oder mit anderen Worten: Liebt ihr Gott, wenn er euch gibt. Und hasst ihn, wenn er es nicht tun?

Ich habe diese Woche viel über das Thema Geld nachgedacht. Dieser Götze kriegt mich auch gelegentlich. Ich mache mir sicher nicht übermäßig viele Gedanken über Geld. Aber es gab und gibt diese Momente, wo ich mir Sorgen mache, weil unser Kontostand der „Null“ bedrohlich nahekommt. Oder manche Rechnung einfach ziemlich hoch ist. Ich mache mir Sorgen, obwohl mir Gott schon 10.000ende Euro bzw. DM in meinem Leben gegeben hat. Kann er da nicht auch für diese kleinen Ausgaben sorgen? Das sind die Momente, wo Gott nichts mit meinen Finanzen zu tun hat. Und ich sage mir: Micha, du Narr! Wie kannst du „Ich, ich, ich, meine, ich, ich, meine, mein, meine, meiner“ sagen und Gott vergessen?

Aber wisst ihr, was ich an dem Gleichnis Jesu mag? Jesus ging nicht einfach weg. Der Mann fragte ihn eine dumme Frage bezüglich seines Erbes. Er ist plump. Er ist gierig. Aber statt ihn links liegenzulassen und sich eine neue Gruppe Menschen zu suchen, die ihm zuhören, unterrichtet Jesus! Und das macht er auch mit uns! Jesus gibt mich nicht auf, wenn ich mir Sorgen mache. Er gibt euch nicht auf, wenn ihr euer Leben aufgebt für die Karriere. Jesus ist hier und er gibt uns, was Geld uns niemals geben kann. Jesus will uns einen Reichtum schenken, den die Welt nicht hat. Er will uns so stinkreich machen, dass wir uns keinen einzigen Tag im Leben sorgen müssen. Ich möchte euch einen Vers aus dem 2. Korintherbrief vorlesen:

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.

Jesus ist reich. Er ist der Sohn Gottes. Und das heißt: Jesus ist stinkreich. Er hat alles. Aber dann wurde er arm. Die Bibel zeigt: Jesus kaufte sich – nachdem er angefangen hatte zu predigen – kein Haus – nicht in Galiläa, nicht in Kapernaum. Als Jesus drei Jahre durch Israel und Umgebung zog, schlief er auf der Couch seiner Freunde. Habt ihr jemals auf der Couch eines Freundes übernachtet? Nicht weil ihr ihn besucht habt, sondern weil ihr musstet, weil ihr total pleite wart. Der Sohn Gottes schlief auf dem Flur – z. B. auf dem Flur seines Jüngers Petrus. Denn er hatte alles aufgegeben. Und es kam noch schlimmer: Als Jesus Kapernaum verließ und nach Jerusalem ging, um am Kreuz zu sterben, hatte er wirklich nichts mehr: Die Soldaten nahmen ihm seine Kleidung und losten um sie. Er hatte keinen Schatz, den er irgendwo in einem Feld vergraben hatte. Der Sohn Gottes starb vollkommen pleite. Und das alles, um uns reich zu machen.

Jesus gab alles auf, was er in diesem Leben hatte, sodass wir all das bekommen, was er im Himmel hat. Jesus hat so viel Vergebung auf unser Konto überwiesen, dass wir sie niemals ausgeben können. Wir können uns Sorgen, Gier und Geiz aufladen. Und noch so viel mehr. Aber dafür gibt es immer Vergebung. Jesus hat einen so hohen Preis bezahlt, als er sein teures Blut vergoss, dass der Apostel Petrus das Folgende schreiben konnte:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

Wenn ihr an Jesus glaubt, seid ihr reich – und niemand kann das anrühren. Unser Erbe ist im Himmel, wo tausende und abertausende Engel es beschützen. Und es wird nie vergehen – wie es euer neues Auto tut. Nichts und niemand kann es euch nehmen. Jesus sagt: Ich schenke euch Reichtum, den Geld euch nicht geben kann. Ich schenke euch Reichtum im Himmel.

Wenn ihr das glaubt, ändert das alles: Wenn Geld sagt: „Du musst dir jetzt langsam mal Sorgen machen.“ Dann könnt ihr sagen: „Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Denn Gott ist mein himmlischer Vater.“ Geld sagt: „Ich mache dich reich.“ Und ihr könnt sagen: „Ich bin es schon längst.“ Geld sagt: „Ich kann dir so viele Dinge kaufen. Die Anderen werden dich mögen.“ Und ihr könnt sagen: „Gott mag mich schon längst. Ich brauche das nicht.“ Geld sagt: „Ich kaufe dir Klamotten, in denen du richtig gut aussiehst!“ Und ihr könnt sagen: „Jesus hat mich gereinigt von meiner Sünde. Ich bin schon längst wunderschön in den Augen Gottes.“ Jesus schenkt uns ewig, was Geld uns höchstens für einen kurzen Augenblick geben kann.

Wollt ihr die Macht des Geldes in eurem Leben brechen? Denkt immer daran, wie stinkreich Gott euch gemacht hat – durch Jesus. Und dann nehmt den Vater in eure Finanzen mit hinein. Ich will nicht die Finanzen unserer Gemeinde vergrößern. Das ist keine Predigt, damit unser Gemeindekonto wächst. Aber um dem Götzen Geld zu entkommen, müsst ihr den Vater an die erste Stelle setzen.

Ich habe drei Worte für euch: Gebt. Spart. Lebt. – und zwar in der Reihenfolge. Wisst ihr, warum diese drei Worte dabei helfen, Gier und Geiz in unserem Leben zu überwinden? Weil Geiz die Annahme ist, dass alles im Leben für meinen Konsum bestimmt ist. Aber jemand hat mal gesagt: Geld wegzugeben, bricht seine Kraft. Geld weggeben ist so, als würde man sagen: Geld, du bist mir so unwichtig, dass ich dich einfach weggeben kann. Wenn ihr es nicht dieser Gemeinde und Kirche geben wollt, ist das okay – dann gebt es jemanden anderes, der es gebrauchen kann. Wie gesagt: Mir geht es nicht um Gemeindefinanzen. Ich möchte einfach nur, dass ihr dem Götzen „Geld“ entflieht. Und ich weiß, dass einige unter euch genau das tun. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass manche wissen, was für große Dinge Gott tun kann, wenn wir zuerst weggeben, dann sparen und erst dann ausgeben.

Zum Schluss möchte ich euch noch ein Wort von Jesus mitgeben, das er im Anschluss an sein Gleichnis vom reichen Kornbauern sprach:

Sorgt euch nicht! Euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.

Gott weiß, was wir brauchen! Ich weiß nicht, wie euer leiblicher Vater zu euch war oder ist. Aber ich weiß, dass der himmlische Vater ein Geber ist. Er lässt sich nichts schenken.       Er liebt uns so sehr, dass wir es nie ganz begreifen werden – solange wir auf dieser Seite des Himmels leben. Darum gebt, spart und lebt. Und lasst den himmlischen Vater sich um alles kümmern, was ihr braucht.

Amen.