Unsere Idole: Schönheit

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Wenn ihr vergangene Woche hier wart, wisst ihr, dass es in den Predigten derzeit um Götzendienst geht. Es geht um Dinge, die wir anbeten. Um Dinge, die wir mehr fürchten, lieben und vertrauen als Gott. Anders als die offensichtlichen Götzenstatuen und -figuren anderer Kulturen, reden wir über unsere Götzen mitten in diesem Land und dieser Zeit. Wie ich vergangene Woche gesagt habe, geschieht unser Götzendienst oftmals verdeckt. Das macht es schwerer, ihn zu enttarnen. Noch einmal zur Erinnerung: Um verdeckten Götzendienst handelt es sich immer dann, wenn wir eine gute Sache – eine Segnung Gottes – mehr lieben als Gott, also z. B.: Schönheit, Beliebtheit, Liebe oder Sexualität. Götzendienst ist es dann, wenn diese Dinge so wichtig in unseren Herzen werden, dass wir bereit sind, gegen Gott zu sündigen, um sie zu bekommen.

Vergangene Woche haben wir uns mit der Göttin „Beliebtheit“ beschäftigt – Zustimmung, Anerkennung, Akzeptanz. Wir haben gesehen:  Weil Gott uns schon längst liebt; weil er uns annimmt, müssen wir keine Kompromisse eingehen und nichts von dem aufgeben, was Gott liebt, nur um von dieser Welt geliebt zu werden. Heute wollen wir auf die Zwillingsschwester der Göttin „Beliebtheit“ schauen: Sie trägt „Aussehen“, „Schönheit“ oder „äußeres Erscheinungsbild“.

Vor 2000 Jahren – zur Zeit des Neuen Testaments – gab es sehr offensichtliche und krasse Beispiele, wie Menschen der Göttin „Aussehen“ gedient haben: Das männliche Beispiel war ein Gott namens Adonis. Adonis war der griechische Gott der Männlichkeit, des guten Aussehens und der Schönheit. Die Göttinnen waren bereit zu kämpfen, um das Mädchen sein zu dürfen, welches in den Armen von Adonis liegen darf. Gemäß der Sage wurde Adonis niemals älter. Er blieb immer gleich gutaussehen. Der weibliche Gegenpart zu Adonis war die griechische Göttin Aphrodite. Aphrodite war so schön, dass die griechischen Götter sich gegenseitig töten wollten, um ihr Ehemann werden zu können. Zeus – der Göttervater – verheiratet sie deshalb mit einem hässlichen Mann, um den Kampf zu beenden, bevor er begonnen hatte. Die Griechen – und später die Römer – besuchten ihre Tempel und brachten Opfer dar und beteten, um mit Schönheit, Liebe und guten Beziehungen gesegnet zu werden.

In Deutschland haben wir heute keine Tempel oder Opfer für Adonis und Aphrodite. Aber würdet ihr mir zustimmen, dass das äußere Erscheinungsbild eines Menschen in unserer Kultur immer noch sehr wichtig ist? Menschen investieren viel, um gut auszusehen, z. B. Geld, Zeit und Mühe. In gewisser Weise können wir das verstehen. Denn die Wahrheit ist: Gutaussehende Menschen haben Vorteile gegenüber solchen, die nicht so gut aussehen. Wenn eine gutaussehende Person den Raum betritt, was bekommt sie? Sie bekommt Aufmerksamkeit. Sie bekommt Respekt. Wenn die Mädels unter uns in der angesagtesten Klamotte aufkreuzen, sagen die anderen Frauen im Raum vielleicht: „Was für ein süßes Outfit.“ „Ich mag, was du mit deinen Haaren gemacht hast.“ „Wo hast du die Schuhe her?“ Solche Komplimente sorgen doch für ein Wohlgefühl.

Männer benutzen wohl eher selten das Wort „süß“, um die Kleidung eines anderen Mannes zu beschreiben: Da geht es eher um Respekt. Wenn z. B. der Trizeps nicht mehr in ein durchschnittliches T-Shirt passt, sorgt das bei anderen für Respekt. Und das wiederrum fühlt sich gut an. Und umso mehr Respekt und Komplimente man bekommt, umso höher ist doch auch das Selbstvertrauen, oder?

Das ist sicher auch der Grund, warum eine Sozialstudie nach der nächsten gezeigt hat, dass gutaussehende Menschen in Deutschland bessere Möglichkeiten haben: Sie bekommen ein höheres Gehalt. Sie haben mehr Verabredungen. Sie bekommen größere Aufmerksamkeit. Die Göttin „Aussehen“ verspricht also großartige Segnungen. Sie sagt: Wenn du mir dienst, gebe ich dir Aufmerksamkeit, Respekt, Komplimente.

Wir können also verstehen, warum das äußere Erscheinungsbild eines Menschen wichtig sein kann. Denkt z. B. an den durchschnittlichen Tag eines Deutschen. Zunächst betreten wir einen Supermarkt:  Bei Schrein Nummer 4 halten wir an. Wir können ihn auch Gang 4 nennen. Und da sehen wir sie: die heiligen Schriften der Göttin „Aussehen“: Bild der Frau, Brigitte, Cosmopolitan, Freundin, Glamour, Instyle, Intouch, Vogue ,GQ, Men’s Health, usw. All diese Magazine! Auf der Vorderseite zeigen sie uns, wie Schönheit aussehen muss, oder? Es gibt Überschriften, wie: „254 heiße Outfits für den Sommer“; „Wie man die Haut einer Göttin bekommt.“; „Straffe Arme in 5 Tagen“; „Wie man den Körper erhält, den jeder Mann erstrebt.“ Und wir lesen diese Artikel und studieren die Schriften. Dann schauen wir in den Spiegel und stellen fest: „So sehe ich nicht aus.“

Was machen wir also? Wir eilen zum Tempel. Der trägt vielleicht den Namen: McFit. Wir nehmen an einem 60-minütigen Gottesdienst für die Göttin „Aussehen“ teil. Und an jeder Wand des Raumes befindet sich was? Spiegel! Warum das? Damit wir uns selbst betrachten können, während wir an uns selbst arbeiten.

Und dann betreten wir das Einkaufszentrum. Dort finden wir alle möglichen Schreine für jede Art von Schönheit: Gesichtsschönheit, Haarschönheit, Fußschönheit, Nagelschönheit, Körperschönheit, Jeansschönheit – für alles gibt es einen Laden. Wir tätigen einige Einkäufe zugunsten unserer Schönheit. Wir kommen nach Hause und bringen unsere Einkäufe zum Schrank. Und was finden wir da nicht?  Platz! Manche haben ja diese begehbaren Kleiderschränke. Aber selbst wenn ihr keinen besitzt: Habt ihr darüber schon einmal nachgedacht? Wir stopfen unsere Kleidung in Schränke, deren Größe dem Wohnraum mancher Menschen auf diesem Planeten entspricht. Und wir schaffen es kaum, die Dinge, die uns schönmachen sollen, darin zu verstauen. Und wozu der Aufwand? Um die Segnungen der Göttin „Aussehen“ zu bekommen. Aber die Wahrheit ist: All diese Segnungen kommen nicht umsonst. Jeder Götze sagt: Opfer müssen gebracht werden.

Vielleicht erinnert ihr euch an die stille Übereinkunft mit den Götzen von letzter Woche: Es ist eine Art Vertrag, den es bei jedem Götzen gibt: Ich verspreche dir all diese guten Dinge, wenn du mir dafür etwas zurückgibst. In unserem Fall heute sieht die Übereinkunft so aus: „Hi. Mein Name ist „Aussehen. Ich verspreche dir Aufmerksamkeit. Ich verspreche dir Selbstvertrauen. Ich verspreche dir Liebe. Wenn du mir dafür…“ und nun kommen die Opfer: Es gibt jede Menge Opfer, die Menschen darbringen, um schön zu sein. Ich habe für heute fünf Opfer ausgesucht, auf die wir kurz schauen wollen:

Das erste Opfer ist unsere Zeit: Wusstet ihr, dass die durchschnittliche deutsche Frau 54 Minuten damit verbringt, in einen Spiegel zu schauen – am Tag? Das sind 3,1 Jahre auf die Lebenszeit gerechnet, die Frauen pudernd, kämmend und tupfend vor einem Spiegel verbringen, um sich wohlzufühlen. 3,1 Jahre! Wenn ihr der Göttin „Aussehen“ dienen wollt, kostet euch das jede Menge Zeit.

Das zweite Opfer heißt Geld: All die Highlights im Haar, die Friseurbesuche, die Schuhe, all die Accessoires, der Schmuck, all die Jeans über die Jahre – wenn wir all das sparen würden, hätten wir wahrscheinlich jede Menge Geld. Aber weil sich der Stil im Laufe der Zeit ändert, müssen wir viel Geld investieren, um mitzuhalten.

Das dritte Opfer heißt Bequemlichkeit: Denkt an eure bequemste Kleidung, die ihr nur zuhause tragen würdet – Schlumperhose und ein paar nette Hausschuhe. Und dann denkt an die Kleidung, die ihr auf Arbeit oder in der Schule anzieht. Wir geben jede Menge Bequemlichkeit auf, nur um gutauszusehen.

Das vierte Opfer ist schon etwas ernster. Es heißt Selbstvertrauen. Wusstet ihr, dass es eben nicht stimmt, dass Schönheit auch hohes Selbstvertrauen schenkt? Das Gegenteil ist der Fall:  Das Selbstvertrauen wird immer geringer wird, je mehr man sich um Schönheit bemüht. Ein Schönheitsmagazin – eine der Hohepriesterinnen der Göttin „Aussehen“ – veröffentliche vor Kurzem eine Umfrage: 79% der Frauen würden ihrem Körper Gewalt antun, nur um schöner zu sein. Denn sie schauen in den Spiegel und fühlen sich minderwertig, weil sie nicht so aussehen, wie die Frauen auf den Magazinen. Und das unabhängig davon, für wie dünn oder äußerlich schön andere sie halten. Selbst manche Models fühlen sich unglaublich unsicher. Umso mehr man sich auf den Spiegel konzentriert, umso weniger Selbstvertrauen hat man. Was wäre, wenn ich jedem von euch einen Spiegel geben würde. Könntet ihr mir nicht nach 10 Sekunden 11 Dinge nennen, mit denen ihr an eurem Körper unzufrieden seid?

Fünftens muss man seine Freude opfern, um der Göttin „Aussehen“ zu dienen: Die unerschütterliche Freude, von der Gott will, dass wir sie haben, kann sich ziemlich schnell in Luft auflösen, wenn wir uns mit unserem Aussehen beschäftigen. Habt ihr jemals einen Raum betreten? Gute Freunde waren da. Gutes Essen auch. Gesundheitlich wart ihr in Topform. Aber dann bemerkt ihr, dass ihr für den Anlass unpassend gekleidet wart – underdressed? Wie habt ihr euch gefühlt? Wohl kaum gesegnet, sondern eher unsicher. Wir geben unsere Freude auf, wann immer jemand den Raum betritt, der schöner oder stärker ist.

Große Opfer: Zeit, Geld, Bequemlichkeit, Selbstvertrauen, Freude. Aber auf der anderen Seite sind da die großartigen Segnungen, die uns die Göttin „Aussehen“ verspricht. Und wir sitzen zwischen den Stühlen. Ich habe ein Zitat eines Modejournalisten gefunden. Er fängt dieses Dilemma ziemlich gut ein. Er schreibt:

Wir alle wissen, dass wir ein Buch nicht nach seinem Umschlag bewerten sollten. Aber lasst uns der Realität ins Auge blicken: Wir tun es alle. Man weiß nie, wen man trifft und wann wir ihnen begegnen. Deshalb kann man es nicht leisten, nachzulassen. Denn wenn man einen Laden in schlumpriger Kleidung betritt und man der Frau seiner Träume begegnet, ratet, was geschieht: Die Sache hat sicher erledigt, bevor sie überhaupt begonnen hat. Ohne das Selbstbewusstsein, das z. B. von guter Kleidung herrührt, stehen die Chancen bei 0 Prozent.

Das erste Mal, als ich das gelesen habe, dachte ich: Das ist ziemlich eitel und oberflächlich. Aber umso mehr ich darüber nachgedacht habe, wurde mir klar: Der Mann hat in gewisser Weise recht. Wenn ihr nicht so gut ausseht, bekommt ihr vielleicht nie ihre Nummer. Keine Chance sie oder ihn kennenzulernen. Und deswegen beschäftigen wir uns mit unserem Aussehen: Denn es könnte Dinge geben, die wir sonst verpassen.

Für die Predigt heute habe ich ausnahmsweise zwei Bibelstellen rausgesucht: Eine für sie Frauen und eine für die Männer. In diesen Stellen spricht Gott zu jedem Geschlecht über äußere Schönheit. Unser Ziel in dieser Predigtreihe – wie ich es schon letzte Woche gesagt habe – ist es: Zunächst unsere Götzen entlarven und sie dann mit etwas Besserem und Größerem ersetzen.  Mit etwas, das nur Gott uns geben kann.

Also: Ladies first – beginnen wir mit den Frauen: Ich lese euch eine Stelle aus dem 1. Petrusbrief vor. Petrus – einer der engsten Freunde Jesu – schreibt an Frauen des 1. Jahrhunderts:

Eure Schönheit soll nicht darin bestehen, dass ihr euer Haar aufwändig frisiert, Goldschmuck anlegt und kostspielige Kleider tragt.

Frauen im 1. Jahrhundert hatten keine Highheels oder Jeans. Aber wenn sie gutaussehen wollten, hatten sie dennoch genug Möglichkeiten. Petrus redet hier von drei Dingen: Zunächst spricht er von „aufwändig frisiertem Haar“. Archäologen haben römische Statuen ausgegraben, die sehr aufwendige Frisuren aufweisen. Vor allem lockiges Haar galt damals offenbar als schön. Aus alten Schriften kann man ersehen, dass es damals Substanzen gab, die Frauen benutzen haben, um ihre natürliche Haarfarbe zu verändern. Kommt euch das irgendwie bekannt vor? Wollte eine Frau damals also schöner aussehen, konnte sie das definitiv tun. Und dann redet Petrus über Goldschmuck. In Museen kann man bis heute die auswendigen und künstlerischen Schmuckstücke betrachten, die Frauen damals trugen. Wenn eine Frau also die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, konnte sie das tun, wenn sie denn genug Geld hatte. Schließlich erwähnt Petrus noch kostspielige Kleider. Die Alltagskleidung der meisten Menschen damals war eine Art langes T-Shirt.  Man nannte es Tunika. Aber wenn man Geld hatte, konnte man es in etwas investieren, dass Toga hieß. Die Toga war das, was man trug, wenn man wirklich gutaussehen wollte.

Aber Petrus sagt hier: Mädels, euer Schönheit sollte nicht von diesen Dingen herrühren. Versteht Petrus nicht falsch: Er sagt nicht, dass ihr sündigt, wenn ihr heute Schmuck angelegt habt. Ihr sündigt auch nicht, wenn euer Haar nicht seine natürliche Farbe hat. Petrus sagt nicht, dass diese Dinge falsch sind. Sondern: Wenn ihr herausfinden wollt, woher eure Schönheit wirklich kommt, sollten es nicht diese Dinge sein. Denn er schreibt weiter:

Eure Schönheit soll von innen kommen – das ist die unvergängliche Schönheit eines freundlichen und stillen Herzens, das Gott so sehr schätzt.

Gott sagt: Mädels, euer Haar interessiert mich nicht. Mich interessiert der Hersteller eurer Jeans nicht. Und euer Schmuck interessiert mich nicht. Gott sagt nicht, dass das falsch wäre. Es bedeutet ihm einfach nur nichts. Und er will nicht, dass wir unser Herz an etwas hängen, dass im Himmel so wenig Bedeutung hat.

Petrus entlarvt in unserem Text heute die Göttin „Aussehen“. Und er tut es auf faszinierende Weise. Denn er sagt: „Die Schönheit, die von innen kommt, ist eine unvergängliche Schönheit.“ Sie ist ein Stil, der sich niemals verändert. Die Sprüche Salomos drücken es so aus (Sprüche 31,30):

Anmut betrügt und Schönheit vergeht, aber eine Frau, die Ehrfurcht hat vor dem Herrn, soll gelobt werden.

Äußerliche Schönheit vergeht so schnell. Man wird alt. Kaum hat man einen Augenaufschlag getan – und alles ist vorbei. Setzt euren Fokus nicht auf diese Dinge.

Innere Schönheit dagegen wehrt für immer.  Lasst mich euch etwas sagen, dass die Frauenmagazine nie zu euch sagen werden: Ein freundliches und stilles Herz zu haben, ist unbezahlbar. Ein freundliches und stilles Herz ist die Eigenschaft, nicht zu sehr von sich selbst eingenommen zu sein. Eine Frau mit einem freundlichen und stillen Herzen hat die Reife zu sagen: Es sind nur Haare. Es sind nur Jeans. Wer ich bin – wer ihr seid – hat so wenig mit dem zu tun, wie wir aussehen. Und ich mag das: Denn es nimmt den Druck aus der Sache. Mag sein, dass ihr nicht so dünn oder schön seid, wie die Mädels aus den Magazinen. Aber Gott sagt am Ende: Was zählt ist die Schönheit eines freundlichen und stillen Herzens.

Und woher kommt das? Wahre Schönheit – und damit ein freundliches und stilles Herz – kann nur Jesus geben. Jesus kam vom Himmel auf die Erde, um euch schön zu machen. Ich mag, wie Paulus es im Epheserbrief ausdrückt:

Christus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

Wie wird man zu einer Frau, die keine einzige Runzel – also eine tiefe Falte hat? Das kommt nur von Jesus und seiner Vergebung. Und daran könnt ihr denken, wenn ihr das nächste Mal in den Spiegel schaut: Wenn Jesus euch betrachtet, sieht er nichts Falsches, keinen Makel, keine Runzeln. Er sieht nichts als innerer Schönheit, weil er sein Leben für euch gegeben hat. Als Johannes an euch gedacht hat – also an die Gemeinde Gottes – da sah er das:

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

Wollt ihr so schön sein, wie eine Braut für ihren Bräutigam am Tag der Hochzeit? Gott sagt: Ihr müsst keine Opfer dafür bringen. Denn ihr seid es bereits. Durch den Glauben seid ihr wunderschön – in den Augen Gottes. Und ihr müsst überhaupt gar nichts opfern, um euch zu ändern.

Das bringt uns zu den Männern. Auf den ersten Blick sollte das ein sehr kurzer Abschnitt dieser Predigt sein, richtig? Denn wir sind Kerle. Kerle lassen Haare an Körperstellen wachsen, wo kein menschliches Wesen Haare haben sollte. Wir haben Schwierigkeiten ein weißes T-Shirt zu finden, das keine gelben Schweißflecke unter dem Armen hat. Aussehen spielt also nicht die große Rolle für uns, oder? Aber so ganz stimmt das wohl nicht mehr. Adonis – der schöne griechische Gott – hat den deutschen Mann bekehrt. Mehr als jemals zuvor, kümmern sich auch Männer um ihr Aussehen. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr ein Axe Body-Spray an euren Urgroßvater verkauft hättet? Wenn ihr aber heute eine Drogerie betretet gibt es duzende Sorten von Axe Body-Spray. Und warum? Wenn man Axe benutzt, können die Frauen ihre Hände nicht von einem lassen. Zumindest, wenn man der Werbung glaubt. Männer bekommen mehr und mehr mit, dass auch Frauen Interesse an äußerer Attraktivität haben. Und wir denken: Ich wünschte Frauen wären an mir interessiert. Aber dann hören wir, dass Frauen Bauchmuskel mögen. Und wir denken: Die muss ich auch haben. Und wir kaufen Haarpflegeprodukte, eng geschnittene Jeans und gehen ins Fitnessstudio.

Aber Gott hat auch für uns ein Wort. Es geht um Respekt. Es geht um Stärke. Und um wahre Schönheit – selbst für Männer. Vor 2000 Jahren schrieb Paulus einen Brief an einen jungen Pastor mit Namen Timotheus. Und Paulus gab Timotheus einige Dinge mit auf den Weg, die er den Jungs in seiner Gemeinde sagen sollte. 1Tim – Kapitel 4:

Wenn du die Brüder dies lehrst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein,… Die ungeistlichen Altweiberfabeln aber weise zurück; übe dich selbst aber in der Frömmigkeit!

Gott sagt hier: Übe dich! Trainiere dich selbst! Das griechische Wort, was hinter dem üben bzw. trainieren steckt, heißt: gymnaze. Woran erinnert uns das? Richtig: ans Gymnasium. Allerdings war das Gymnasium im alten Rom weniger eine Bildungsanstalt. Es war der Ort von Muskeln und Schweiß. Ein Ort, wo man Respekt von den anderen Jungs erringen konnte, wenn man nur männlich genug war. Und wir sind in der alten Zeit: Also kam jeder Besucher des Gymnasiums nackt. Kein Druck J Wenn ihr den Respekt der anderen gewollt hättet, dann hättet ihr hart dafür arbeiten müssen.

Paulus sagt hier: Ich möchte, dass du dich übst – trainierst. Aber trainiere nicht deinen Körper – trainiere dich selbst in Frömmigkeit. Trainiere dich im Glauben. Und im nächsten Vers sagt er, warum:

Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

Paulus sagt: Körperliches Training hat seinen Platz. Aber es gibt Dinge in diesem und im zukünftigen Leben, wohin körperliche Stärke euch niemals bringen wird. Was wir wirklich wollen, kann uns die Göttin „Aussehen“ nicht geben. Wenn ihr in eurem Herzen stark sein wollt – kann euch das dieser Götze nicht geben.

Denkt nur an das, was in eurem Leben passiert. Wenn es z. B. Spannungen auf Arbeit gibt – mit einem Kollegen oder eurem Chef – wird euch körperliche Stärke nichts nützen. Klar, ihr könnt euren Chef ins Gesicht schlagen – aber das wird das Problem ja nicht lösen. Aber wenn ihr euch selbst mit dem Wort Gottes in der Frömmigkeit – im Glauben – übt, ändert das die Dinge. Wenn ihr eine Bibelstelle wie diese wisst:

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Wird das einen Streit nicht mildern? Wenn ihr euch immer wieder vorhaltet, dass Gott euch alles vergibt – selbst die Sünden, die ihr immer wieder begeht – ändert das nicht eure Sicht auf den Kollegen, der euch immer wieder auf 180 bringen kann?

Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze.

Oder denkt an Beziehungen. Habt ihr jemals gesehen, dass eine ausgesprochen schöne Frau einen Durchschnittstypen heiratet? Wir Männer sehen das und sagen: Waaaas? Wie konnte das geschehen? Aber wisst ihr, wie das passieren konnte?

Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze

Mädels – mag sein, dass auch körperliche Schönheit eine Rolle für euch spielt – aber, ist ein Mann, der selbstlos ist, einer, der zuhört, der Mitleid hat und euch an erste Stelle setzt nicht das, wonach ihr bei einem Mann sucht und euch für eine lange Zeit bindet?

Oder denkt an unsere Kinder. Meint ihr, unsere Kinder sagen später mal an unserem Grab zu ihren Geschwistern:  „Wow, Papa konnte viele Liegestütze machen.“ Nein – worüber werden sie reden? „Erinnert ihr euch, wie Papa mit uns auf dem Flur Fußball gespielt hat?“ „Erinnert ihr euch, wie Papa an uns hing, obwohl wir komplette Idioten waren – im Alter von 12 bis vielleicht 34.“

Was können wir Männer also tun, um uns in Frömmigkeit zu üben? Nun, ich freue mich, dass ihr heute Morgen hier seid – das ist für mich so etwas wie eure Sonntagvormittagsübungseinheit. Hier hört ihr Gottes Wort. Und der Heilige Geist macht euch dadurch stark. Aber mehr als alles andere, müsst ihr euch vor Augen halten: Wahre Stärke kommt allein von Jesus. Ihr könnt Sandalen und weiße Tennissocken tragen, wie ein deutscher Tourist im Ausland. Ihr könnt so aussehen, dass andere sich fragen: „Was ist nur mit ihm passiert?“ Aber in Jesus habt ihr unglaubliche Stärke.

Jesus, der in seinem ganzen Wesen tadellos ist und von einem Ort, wo es keinen Makel gibt, auf diese Erde kam: Er gab seine ganze Schönheit auf, um euch stark zu machen. Jesaja schrieb diese Worte über Jesus auf:

Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder,… Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte… Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Als Jesus gekreuzigt wurde, war das eine wortwörtlich hässliche Angelegenheit. Da war kein Haarspray. Keine Bauchmuskeln. Seine Gestalt war hässlicher als die anderer Leute. Ihm ran das Blut den Körper herunter. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Die Dornenkrone war auf seinen Kopf gepresst. Holzsplitter drangen in seinen Rücken ein. Da war nichts äußerlich Schönes in diesem Moment. Wisst ihr, warum er der Göttin „Aussehen“ nicht gedient hat? Um euch stark zu machen. Um euch zu einem Mann Gottes zu machen. Um uns unsere Eitelkeit zu vergeben – unseren Fokus auf Dinge, die so wenig bedeuten.

Jesus hat unsre Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

Wegen der Wunden Jesu – weil er für uns hässlich wurde – können wir stark und schön in den Augen Gottes sein. Da ist keine geistliche Runzel mehr an uns, wenn Gott auf uns schaut. Da ist nur noch Vergebung. Wir sind mit der Gerechtigkeit bekleidet, die Jesus uns schenkt.

Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

Jungs, wollt ihr gutaussehen? Wegen Jesus tut ihr es bereits jetzt in diesem Moment. Ihr seid bekleidet mit dem Mantel der Gerechtigkeit.

Und nun für uns alle: Die Mädels und Jungs – das ist die Botschaft Gottes für heute Morgen: Ihr könnt euch hübsch machen. Eure Fingernägel herrichten. Oder ins Fitnessstudio laufen. Ihr könnt die Klamotten kaufen, die ihr wollt. Aber erinnert euch daran: Euer Herz ist hinter Dingen her, die ihr bereits in Jesus habt. Opfert also nichts! Nichts. Denn ihr habt es ja bereits.

Ich mag die Geschichte von Joni Eareckson Tada. Im Alter von 17 Jahren zog sie sich bei einem Badeunfall einen Halswirbelbruch zu. Für den Rest ihres Lebens ist sie an einen Rollstuhl gefesselt. Aber das hielt sie nicht auf, den Mann zu treffen, den sie heiraten würde. Das hielt sie nicht auf, ihre Hochzeit zu planen. Die Blumen. Das Essen. Die Musik. Die Kleidung. Sie war wunderschön am Tag ihrer Hochzeit. Und nun saß sie da – noch hinter den verschlossenen Türen ihrer Kirche. Sie wusste, dass sie eine schöne Braut war, bis sie nach unten schaute. Denn nun bekam sie mit, dass ein Teil ihres weißen Kleides sich in einem ihrer Räder verheddert hatte. Auf dem Kleid befand sich nun ein großer schwarzer Radabdruck. Panik stieg in ihr auf, als sie sich so betrachtete. Bis sich die Tür öffnete. Am Altar stand ihr Ehemann. Als er sie sah – mit dem beschmutzten Kleid – schüttelt er nicht mit dem Kopf. Seine Liebe übersah jeden Makel an ihr. Und als sich ihre Blicke trafen, kam auch die Freude in ihr Herz zurück.

Meine Freude: Wisst ihr, was der Schlüssel zu wahrer Freude in diesem Leben ist? Hört auf, auf euch selbst zu blicken. Ihr werdet sie dort nicht finden – egal wie schön oder stark ihr auch seid. Blickt auf den Bräutigam der christlichen Kirche: Jesus! Ihr seht Augen, die sagen: Ich bin zufrieden mit dir. Ihr hört Worte, wie diese:

Christus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen – eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

Wenn dann die Göttin „Aussehen“ kommt und sagt: Ich kann dir Aufmerksamkeit verschaffen. Und jede Menge Möglichkeiten. Dann könnt ihr sagen: Nein, danke. Ich habe all das schon in meinem Retter Jesus Christus.

Amen.