Vom Märchen, das keines ist.

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

1. Adventsandacht, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Neulich las ich in einem der großen sozialen Netzwerke die Worte eines Vaters. Darin beschreibt er eine kurze Unterhaltung mit seinem Kind, die wie folgt ausgesehen haben muss:

„Wie so ein Märchen“ – Diese Worte mögen uns im ersten Moment innerlich zusammenzucken lassen. Aber denkt man ein wenig länger darüber nach, spricht dieses Kind aus, was viele Menschen denken: „Die Sache mit Gott ist wie so ein Märchen.“ Und das betrifft ja nicht nur diejenigen, die noch nie in ihrem Leben eine Kirche betreten haben. Zweifel sind wohl auch den meisten von uns schon einmal gekommen. Eines meiner Kinder äußerte beispielsweise einmal etwas ganz ähnliches: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das alles so passiert sein soll, was in der Bibel steht.“ Zweifel kommen auch uns Christen immer wieder. Und wie jemand zu mir sagte: gerade dann, wenn man älter wird. Zweifel hinsichtlich des Glaubens. Zweifel darüber, was die Heilige Schrift berichtet. Zweifel über den Heiland, dem wir nachfolgen.

„Wie so ein Märchen“ – dieser Gedanke mag sich gerade auch hinsichtlich der Dinge einschleichen, die in der Advents- und Weihnachtszeit eine zentrale Rolle spielen. Denkt kurz darüber nach: Mit der hl. Schrift sagen wir, dass Gott geboren wurde. Gott, den das Universum nicht umfassen kann, soll vom Mutterleib einer jungen Frau namens Maria irgendwo im nördlichen Israel vor 2.000 Jahren umfasst gewesen sein? Ach ja, und nebenbei bemerkt: Maria war zudem Jungfrau, als sie mit Jesus schwanger wurde. Und noch mehr: Dieser Jesus dachte, sagte und tat während seines Erdenlebens nie etwas Falsches. Dennoch starb der ewige unsterbliche Gott 33 Jahre nach seiner Geburt an einem Kreuz. Aber er blieb nicht im Grab, sondern erstand auf und fuhr 40 Tage später in den Himmel auf.

„Wie so ein Märchen“ – völlig verdenken kann man dem Kind seinen Schluss nicht, oder? Denn so funktioniert es normalerweise nicht in dieser Welt. Was die hl. Schrift berichtet, sind wundersame und übernatürliche Begebenheiten.

Gott sei Dank, gibt es Lukas. Zum Christfest wird wieder seine berühmte Niederschrift der Weihnachtsgeschichte zu vernehmen sein. Aber noch eine andere Sache ist spannend: Lukas schrieb sein Evangelium auch mit Blick auf diejenigen, die Zweifel im Bauch haben. In den einleitenden Worten seines Lebensberichts über Jesus lesen wir die folgenden Worte (Lk 1,3f):

So habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.

Offensichtlich kannte Lukas einen Mann namens Theophilus. Dieser hatte bereits eine Menge über Jesus und die Bibel gelernt. Sicher war er sich aber nicht. Im Gegenteil: Theophilus scheint Zweifel gehabt zu haben. Und so schrieb Lukas sein Evangelium: um die Zweifel zu verringern und die Gewissheit zu steigern, damit Theophilus und wir eine zweifelsfreie Beziehung zu Gott haben können. In der Einleitung seines Evangeliums, in nur vier Versen, gibt uns Lukas sechs gute Gründe, null Zweifel an Gott zu haben.

In den ersten beiden Versen schreibt der Evangelist Lukas das Folgende (Lk 1,1f):

Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind.

In diesen beiden Versen sehe ich drei gute Gründe, dass es ein Irrtum wäre, anzunehmen, dass die Sache mit Gott ein Märchen sei.

Der erste Grund: Zahlreiche Nachforschungen. Davon schreibt Lukas gleich zu Beginn:

Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind,

In vielen Religionen, wie dem Islam oder bei den Mormonen, ist das anders: Der gesamte Glaube basiert nicht auf vielen Berichten, sondern nur auf einem. Mohammed soll in der Zeit von 610 bis 632 n. Chr. Offenbarungen empfangen haben, die seither „Koran“ genannt werden. Joseph Smith, der Begründer der Mormonen, behauptete, in Verbindung mit dem Engel Moroni zu stehen. Aus der Erfahrung dieses einzelnen Mannes entstand das Buch Mormon, worauf sich heute 16,5 Millionen Gläubige berufen.

Beim Christentum verhält es sich anders. Darauf macht Lukas aufmerksam, wenn er schreibt:

Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben…

Und es stimmt: Wir haben die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Aber noch mehr: Markus beispielsweise schrieb sein Evangelium in enger Verbindung mit Petrus, der ihm berichtete, was ihm in den drei Jahren an Jesu Seite widerfahren war. Und dann denken wir an die beiden Halbbrüder Jesu – Jakobus und Judas. Beide verfassten je einen neutestamentlichen Brief. Der Apostel Paulus kannte zudem viele Jünger persönlich. Es gibt also in der Tat viele Menschen, die Bericht gaben „von den Geschichten, die unter uns geschehen sind“.

Es gab aber nicht nur viele Nachforschungen. Es gibt – zweitens – viele Weissagungen. In unserem Text schreibt Lukas:

Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind

„die unter uns geschehen sind“ – man könnte auch übersetzen: „die sich unter uns erfüllt haben“. Denn Lukas nimmt hier auf all die Weissagungen aus dem Alten Testament Bezug, die vom kommenden Messias berichten. Diese wurden lange vor der neutestamentlichen Zeit aufgeschrieben und haben sich alle in Jesus erfüllt. Alttestamentliche Handschriften sind auf uns gekommen, die nachweislich vor Jesu Geburt verfasst wurden, und die wahnsinnig detaillierten Vorhersagen über das Leben und Sterben des Heilands machen.

Das Alte Testament gleicht in keiner Weise einem Märchen oder Horoskop, nach dem Motto: „Möglicherweise wird dieses oder jenes irgendwann eintreffen, eventuell.“ Nein, im Alten Testament stehen Dinge wie das Folgende (Micha 5,1):

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

Micha schreibt: Wenn der Messias, der ewige Gott, kommt, wird er nicht in irgendeinem Bethlehem geboren – sondern in Bethlehem Efrata, also dem kleinen Dorf südlich von Jerusalem. Der Prophet Micha, der diese Vorhersage machen durfte, lebte und wirkte um das Jahr 700 v. Chr. Woher wusste er das also?

Der Prophet Sachaja wirkte in der Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft – etwas 500 Jahre vor der Geburt Jesu. Und doch berichtete er schon damals, dass Hände und Füße des Messias durchbohrt werden würden. Woher wusste er das?

Der Prophet Jesaja lebte 700 Jahre vor Jesu Geburt und prophezeite dennoch, dass der Messias im Grab eines Reichen bestattet werden wird. Genau das ist geschehen, als Joseph von Arimathäa Jesu Leichnam vom Kreuz abnehmen ließ. Woher wusste Jesaja das?

Um 2000 v. Chr. verhieß Gott Abraham, dass durch seinen Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden sollen. Tausend Jahre später verhieß Gott König David, dass er ihm einen Nachkommen erwecken will, dessen Königtum ewig bestand haben wird. Deswegen wurde Jesus der Sohn Davids und der Sohn Abrahams genannt.

Oder: Manche nennen das Buch Jesaja das fünfte Evangelium. Und das nicht ohne Grund. Denn Jesaja weiß sehr viele Dinge über Jesu Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen zu berichten. Fast könnte man annehmen, es sei im ersten nachchristlichen Jahrhundert geschrieben worden und nicht 700 v. Chr. Woher wusste Jesaja all das?

Woher wussten die Propheten, dass Jesus von einem Freund verraten wird? Woher die Höhe des Lohns für den Verrat? Woher? Meine Antwort lautet: Weil Gott der eigentliche Autor der Heiligen Schrift ist. Wie lautet eure?

Also: Es gab nicht nur zahlreiche Nachforschungen hinsichtlich Jesus, sondern auch viele Weissagungen auf ihn. Aber bei Lukas findet sich noch ein dritter Grund, warum es ein Irrtum wäre zu glauben, die Sache mit Gott sei ein Märchen. Es gab nämlich eine ganze Menge Augenzeugen. In Vers 2 schrieb Lukas:

die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind.

Lukas verwendete offenbar viel Zeit darauf, Augenzeugenberichte von denjenigen zu sammeln, die aus erster Hand wussten, was Jesus getan und gesagt hatte.

Das ging, weil Lukas sein Evangelium etwa 30 Jahre nach Jesu Tod am Kreuz verfasste – um das Jahr 60 n. Chr. 30 Jahre – nicht 300 oder 3.000. Die Augenzeugen waren noch am Leben und konnten Zeugnis geben von dem, was geschehen war. Sie waren dabei gewesen, als Jesus Brot und Fische mehrte, um 5.000 Menschen zu speisen. Sie waren mit Jesus im Obergemach, als dieser das Abendmahl einsetzte. Lukas legt sich also nicht seine religiösen Gedanken und Gefühle zurecht, wie es ihm gefällt. Er stützt sich auf echte Forschung und echte Berichte von Augen- und Ohrenzeugen.

Und es gab ja nicht nur ein oder zwei davon. Johannes und Matthäus waren dabei, ebenso wie Petrus. Neben den Aposteln waren viele Frauen bei Jesus gewesen, Maria von Magdala beispielsweise und die anderen Frauen, die Jesu Dienst unterstützten. Und in 1 Korinther 15 spricht der Apostel Paulus sogar von 500 Augenzeugen, die Jesus nach dessen Auferstehung gesehen hatten.

Und obendrein stimmen alle Augenzeugenberichte überein. Die vier Evangelien zeigen sehr deutlich, dass nicht einfach voneinander abgeschrieben wurde. Sondern sie beschreiben die Begebenheiten aus vier verschiedenen Perspektiven – und doch sind die Fakten identisch: ein und derselbe Jesus!

Zahlreiche Nachforschungen, viele Weissagungen und eine ganze Menge Augenzeugen – drei gute Gründe nicht an Gott zu zweifeln. Aber in unserem Text finden sich noch mehr Gründe. Im letzten Vers für heute heißt es:

So habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben.

Grund Nummer 4: Lukas war ein kluger Mann. „So habe auch ich’s für gut gehalten“, schreibt der Evangelist und nimmt damit auf seinen persönlichen Einsatz Bezug. Und es wäre ein Irrtum zu glauben, Lukas wäre ein Märchenonkel gewesen. Im Gegenteil: Er war Arzt, ein Mann der Fakten also.

Und Lukas war ein intelligenter Mann. Er beweist es zum Beispiel in unserem Text heute. In der deutschen Übersetzung kann man das nicht so gut nachvollziehen. Aber im Griechischen sind die ersten vier Verse ein einziger langer komplexer Satz mit einem Hauptverb, Nebensätzen und zahlreichen Partizipien. Damit zeigt er, dass er kein geistlich Verrückter ist, kein Märchenonkel. Lukas war ein intelligenter Mann, der sein Gehirn dazu benutze, das Leben und Wirken Jesu zu studieren.

Grund Nummer 5: Lukas ist sorgfältig. Der Evangelist selbst schreibt:

ich habe alles von Anfang an sorgfältig erkundet

Zunächst heißt es im Vers „ich habe“: Er selbst erkundete, nicht irgendein Assistent, den er damit beauftragt hatte. Dann schreibt Lukas, dass er „sorgfältig erkundet“ hat: Der Evangelist tat das nicht nebenbei oder nachlässig, sondern sorgfältig und genau. Und das alles „von Anfang an“ – Lukas ist der einzige Evangelist, der die ganze Geschichte Jesu chronologisch berichtet – von Anfang an. Will man wissen, was vor Jesu Geburt geschah, Lukas gibt als einziger Evangelist die Antwort. Will man den vollständigen Weihnachtsbericht hören, muss man das Lukasevangelium aufschlagen. Nur bei Lukas findet sich der Bericht vom zwölfjährigen Jesus im Tempel. Alle Evangelien schreiben vom Leben, Werk, Sterben und Auferstehen Jesu. Aber allein Lukas gibt auch Jesu Himmelfahrt vollständig wieder.

ich habe alles von Anfang an sorgfältig erkundet

Was uns zum sechsten und letzten Grund bringt: Lukas hatte Hilfe. Der Name, der in den ersten vier Versen auftaucht, hat schon viele Menschen neugierig gemacht. Lukas schreibt:

So habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben.

Viele schon haben sich gefragt, wer dieser Theophilus war. Einige Hinweise haben wir: Lukas verwendet den Begriff „hochgeehrt“ in seinen Schriften ausschließlich für hochrangige Regierungsbeamte. Gegen Ende der Apostelgeschichte begegnet uns das Wort wieder, als Paulus seinen Glauben gegenüber den Statthaltern Felix und Festus verteidigt. Diese werden auch „hochgeehrt“ genannt. Daraus kann man schließen, dass Theophilus in hoher politischer Verantwortung stand.

Die Einleitung – unser Text – wirkt außerdem wie eine Widmung. In der Antike tat man das, um die Gönner und Unterstützer der eigenen Forschung und Arbeit zu würdigen. Wir sind nicht 100%ig sicher: Aber wie es scheint, war Theophilus bereits im Glauben unterwiesen worden. Und er war ein wichtiger Mann, der mutmaßlich über gewisse finanzielle Mittel verfügte. Nur plagten ihn offenbar Zweifel hinsichtlich des christlichen Glaubens. Was tat er also? Er gab einen Teil seines Geldes an Lukas. Dieser nahm sich eine Auszeit als Arzt und nutzte seinen Verstand, um über Jesus zu recherchieren und sorgfältig nachzuforschen. Man könnte es quasi als Forschungsstipendium betrachten. Lukas hatte also Hilfe bei seiner Abfassung.

Aber wichtiger als die finanzielle Hilfe war die geistliche. In der Nacht, bevor Jesus am Kreuz starb, hatte er seinen Nachfolgern das Folgende versprochen:

Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Diese Worte sind einer der Gründe, warum Christen glauben, dass die Heilige Schrift vom Heiligen Geist inspiriert ist. Sie stammt letztlich nicht von fehlbaren Menschen, die immer irgendwie hoffen müssen, es richtig zu machen. Der Heilige Geist hat die Bibel inspiriert, so dass wir die Gewissheit haben können, dass die Dinge stimmen, die dort stehen.

Fassen wir zusammen: Wir haben viele Nachforschungen, zum Beispiel durch Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Wir haben zahlreiche eingetroffene Weissagung: Geboren in Bethlehem, gestorben an einem Kreuz, begraben im Grab eines reichen Mannes. Wir haben eine Menge Augenzeugen, die nur 30 Jahre vor Niederschrift des Lukasevangeliums dabei gewesen waren und die Dinge gesehen haben, als sie geschahen. Wir haben Lukas, einen sehr intelligenten Mann, der systematisch und gründlich an die Sache heranging. Und er hatte nicht nur Gottes Hilfe, sondern auch menschliche Hilfe, um als das durchzuziehen.

Fasst man all das zusammen, erhält man einen vernünftigen und fundierten Glauben. Ein Märchen kann all das in jedem Falle nicht sein. Man erhält außerdem Gläubige, die einerseits zutiefst christlich sein können und andererseits dennoch gründlich über die Dinge ihres Glaubens nachdenken. Und man erhält eine Antwort Gottes auf die Zweifel, die manchmal in unseren Köpfen und Herzen auftauchen. Und schließlich denke ich, dass es gerade in der Adventszeit eine Anregung ist, all die erstaunlichen Dinge über Jesus zu lesen. Nur ein Vorschlag am Rande: Das Lukasevangelium hat 24 Kapitel. Klingt nach einem biblischen Adventskalender mit 24 Türen – mit 24 Kapiteln, von denen man jeden Tag eines lesen kann bis Heiligabend.

Aber damit möchte ich heute nicht enden. Denn Lukas ist nicht nur berühmt dafür, dass er sich an Zweifler richtet und an solche, die Fragen hinsichtlich des christlichen Glaubens haben. Er ist vor allem berühmt dafür, dass er über Jesu vollkommene Liebe für unvollkommene Menschen spricht. Obwohl Lukas Arzt war und mit dem hochgeehrten Theophilus zusammenarbeitete, ist sein Evangelium voller Begegnungen Jesu nicht nur mit Männern, sondern auch mit Frauen. Nicht nur mit den Reichen, sondern auch mit den Armen. Nicht nur mit dem einfachen Volk, sondern auch mit den verlorenen Söhnen, den Prostituierten und Zolleinnehmern.

Wer ist derjenige, der ausführlich von Maria und Josef berichtet? Lukas! Wer ist der Einzige, der von den verachteten und gemiedenen Hirten erzählt, die große Freude erfuhren, als der Heiland geboren war? Lukas. Wer ist derjenige, der von der Begegnung des reichen Zachäus mit Jesus berichtet, die dessen Leben für immer veränderte? Lukas! Als einziger erzählt Lukas das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der erst seinem Vater den Rücken kehrte, dann das Erbe verprasste und dem schließlich dennoch der Vater mit offenen und liebevollen Armen entgegenlief.

Lukas wollte eine ganze Welt wissen lassen: Steht man nicht an der Spitze der sozialen Nahrungskette; hat man kein vollkommenes Leben geführt: die Antwort lautet Jesus. Am Ende eines jeden Tages sollen wir der Liebe Gottes durch Jesus gewiss sein. Sie ist kein Märchen, sondern die Wahrheit.

Manche von euch, die heute zuschauen, gleichen vielleicht Maria. Eher arm, man hat nicht viel. Niemand in der Schule nimmt groß Notiz von einem. Man hat sein ganzes Leben lang gearbeitet, aber kaum jemand wird sich daran erinnern. Kümmert sich Gott um eine solche Person? Laut Lukas zweifellos!

Andere haben vielleicht Gemeinsamkeiten mit den Hirten. Man arbeitet in drei Schichten oder bis spät in die Nacht – im Krankenhaus, im Betrieb. Vielleicht flucht man ein bisschen zu viel oder greift zu schnell zur Flasche. Will Gott etwas mit einer solchen Person zu tun haben? Laut Lukas zweifellos! Oder es geht einem wie Zachäus. Man hat ein großes Haus, ein schönes Auto. Aber man bereut vieles: Man kümmerte sich mehr um Geld als um den Glauben. Einen Großteil seines Lebens widmete man der Karriere, anstelle an Gott zu denken. Und dann kommt der Moment, wo man sich fragt, ob es noch Hoffnung gibt. Laut Lukas zweifellos! Oder man gleicht dem verlorenen Sohn. Vielleicht hat man sich lange nicht mehr mit Gott und dem Glauben beschäftigt. Stattdessen lebte man so, wie man wollte. Aber irgendwann kommen Fragen und auch die Reue. Gibt es eine Chance, dass Gott mich zurücknimmt? Laut Lukas – zweifellos. Wartet der Vater, dass man umkehrt? Kein Zweifel! Würde Gott loslaufen – einem entgegen -, voller Liebe, Vergebung und mit offenen Armen? Kein Zweifel! Würde Gott eine Party schmeißen und die Engel einladen, wegen eines Sünders der Buße getan hat? Kein Zweifel!

Lukas kann sehr wohl zu unserem Verstand sprechen, aber viel wichtiger: Er spricht zu unseren Herzen. Woche für Woche, Tag für Tag müssen wir dieselben dummen Dinge an uns beobachten, die wir als Sünder tun. Gibt es da immer noch Vergebung? Kein Zweifel! Eines Tages werden wir an den Toren des Himmels stehen mit Millionen an Sünden, die wir nicht wieder gut machen konnten, die Jesus aber vergab. Werden es Sünder, wie wir es sind, in den Himmel schaffen? Kein Zweifel!

Es war einmal ein Dieb, ein Räuber, der hing neben Jesus am Kreuz und bat ihn: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Er hatte nicht, was er Jesus hätte anbieten können. Und wie antworte Jesus? Kein Zweifel. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Und das war kein Märchen, das war die Wahrheit.

Meine Lieben, in der Adventszeit wollen wir deshalb umso gewisser sein: Jesus wurde geboren, er lebte und starb, er erstand auf und fuhr in den Himmel auf – Lukas hat all das erforscht, damit ihr und ich mit unseren tiefsten Zweifeln umgehen können. Ist Gott für uns? Ist er mit uns? Vergibt er uns durch Jesus Christus? Und die Antwort lautet: Ohne Zweifel. Das ist ganz sicher wahr und kein Märchen.

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, der Glauben schafft und erhält. Überzeuge uns durch ihn immer wieder von unserer Sünde. Vor allem aber davon, dass Jesus es todernst war, als er sein Leben am Kreuz gab.

Vater, manche von uns fragen sich ständig, ob sie würdig sind, ob sie genug sind, ob sie zu viel gesündigt haben. Vater, überzeuge sie durch dein Wort, so dass sie ohne Zweifel glauben, dass du die Welt geliebt hast und deinen eigenen Sohn für uns gabst. „Es ist vollbracht“, so rief er am Kreuz aus und meinte jeden von uns.

Vater, hilf uns allen diese Adventszeit mit Hoffnung, Frieden und Freude zu verbringen – immer in dem Wissen, dass das Kind in der Krippe geboren wurde, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Hilf uns allen, uns daran zu erinnern, dass dies nicht nur eine Geschichte ist, kein Mythos, keine Fabel, kein Märchen. Beseitige alle unsere Zweifel, Vater, damit wir unsere Hoffnung und unsere Freude auf deinen Sohn Jesus richten.

Es segne und behüte uns, Gott der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger. Amen.