Warum?

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

1. Advent, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Muss man durch schwere Zeiten, ist eine der natürlichsten Fragen, die man sich stellen kann, gleichzeitig eine der gefährlichsten. Sie kommt ganz instinktiv aus unseren Herzen, kann unseren Glauben aber gehörig durcheinanderbringen.

Wir begehen heute den 1. Advent – eigentlich der Ausgangspunkt für eine Zeit der Besinnlichkeit und des gemütlichen Beisammenseins. Eine Zeit, in der wir uns auf das Geburtstagsfest unseres Herrn und Heilands Jesus Christus vorbereiten. Aber wie schon vergangenes Jahr fällt der Advent und wohl auch das Weihnachtsfest in eine Zeit, die mit schlechten Nachrichten erfüllt ist. Erneut müssen wir uns in unserem alltäglichen Leben einschränken, weil sich viele Menschen mit dem Corona-Virus infiziert haben. Einige von ihnen kämpfen auf den Intensivstationen unseres Landes um ihr Leben.

Warum? Warum muss das so sein? Warum werden Menschen so krank, dass sie auf dem Bauch liegend beatmet werden müssen? Warum bin ich eingeschlossen in meiner Wohnung, weil ich mich absondern soll und das vollkommen allein? Warum bangen wieder viele um ihre wirtschaftliche Existenz? Warum müssen sich Pflegepersonal und Ärzte bis zur Erschöpfung verausgaben?

Auf Schwierigkeiten und Schmerz reagieren wir oft mit einer Frage aus dem Bauchgefühl heraus – mit der Frage „Warum“? Warum geschieht Leid? Warum muss ich durch die Krebserkrankung, die Angst, die Depression? Warum kann meine Familie nicht einfach funktionieren? Warum wache ich jeden Morgen mit Schmerzen auf? Warum lässt Gott das zu? Warum sendet er mir das? Warum gestattet er, dass mir dies widerfährt?

Warum? Das ist eine Frage, die schon viele Menschen gestellt haben. Von einem geistlichen Standpunkt aus ist es aber eine gefährliche Frage. Sie ist gefährlich aufgrund der zwei Antworten, die Menschen in der Regel darauf geben.

Die erste Antwort: „Ich erfahre Leid und Schmerz, weil ich schlecht bin und es verdient habe. Gott rächt sich quasi für meine Taten.“

Ein Komiker hat einmal das Folgende gesagt:

Wenn mich ein Kind fragt, woher der Regen kommt, finde ich es niedlich, ihm zu sagen, dass Gott weint.

Und wenn das Kind dann weiterfragt, warum Gott denn weint, will ich ihm antworten: Wahrscheinlich wegen etwas, das du getan hast.

Das ist ein wenig gemein und irgendwie auch lustig. Aber nicht nur das: Ein bisschen Wahrheit steckt in diesen Worten. Wenn es so sich anfühlt, als sei Gott enttäuscht, als würde er weinen und Regen fällt auf das eigene Leben, dann denken wir manchmal: „Was habe ich falsch gemacht? Was habe ich getan, dass Gott es mir nun heimzahlt?“ Wir nehmen dann einfach an, dass unser Leiden eng mit unserer Sünde verbunden ist.

Und warum denken wir so? Weil es oft stimmt. Man muss kein Christ sein, um zu wissen, dass schlechte Entscheidungen zu einem schlechten Leben führen. Betrinkt man sich den ganzen Abend über mit Eierpunsch, muss man sich nicht wundern, wenn man am nächsten Tag einen Kater hat. Die Kopfschmerzen sind kein geheimnisvoller Plan Gottes, sondern es liegt einfach daran, dass man sich dumm verhalten hat. Versucht man in einer Beziehung, immer die Kontrolle zu haben und jeden Streit zu gewinnen, muss man sich nicht wundern, wenn irgendwann alles auseinander bricht. Ignoriert man fortwährend Gottes Versprechen, immer bei uns zu sein und uns zu beschützen, sondern konzentriert sich stattdessen ausschließlich auf die schlechten Nachrichten, ist es kein Wunder, wenn man von Angst und Hoffnungslosigkeit erfüllt ist.

Das Buch der Sprüche redet oft davon, dass es einen Zusammenhang zwischen der eigenen Sünde und den draus erwachsenden Konsequenzen gibt. Kein Wunder also, dass manche auf die Frage nach dem „Warum“ antworten: „Ich erfahre Schmerz, weil ich schlechte Entscheidungen getroffen habe.“

Aber dabei gibt es ein Problem: Manchmal besteht ein Zusammenhang zwischen Sünde und Leid. Aber das ist nicht immer der Fall. Ein unschuldiges Kind wird durch ein Familienmitglied verletzt; ein 10jähriger bekommt Krebs; ein unverschuldeter Verkehrsunfall reißt eine Familie auseinander. Hier verhält es sich anders. Kein: „Ich betrank mich und nun habe ich einen Kater.“ Kein: „Ich will jeden Streit gewinnen, deswegen bin ich nun einsam.“ In vielen Situationen gibt es einfach keine Verbindung.

Und so kämpfen Menschen mit der Frage: Wenn der Schmerz nicht daher rührt, dass ich schlecht bin, was ist dann die einzige andere logische Antwort? Liegt es vielleicht daran, dass Gott gar nicht so gut ist, wie er sagt? Gibt es einen liebenden Gott, wenn er Leid zulässt?

Das erscheint leider allzu logisch: Ist Gott allgegenwärtig, allwissend und allmächtig – was bedeutet das dann für mein persönliches Leid? Stellt euch ein kleines Kind, das nicht schlafen kann, weil es Angst im Bauch hat. Und Gott ist da. Er ist im Zimmer. Und er hat die Macht. Mit einem Fingerschnippen könnte er alles reparieren. Aber tut er es nicht, dann ist es nicht verrückt zu denken: „Das ist schlecht.“ Ich meine, man selbst würde es doch tun, oder? Ist eine Familie gerade untröstlich, weil das Kind einen Unfall hatte, und sein Leben am seidenen Faden hängt, und man selbst müsste nur einen Knopf drücken und alles wäre in Ordnung: Aber anstelle es zu tun, steht man einfach nur da. Jeder würde doch sagen: „Das ist schlecht. Du bist schlecht, weil du nicht hilfst, obwohl du es kannst.“

Unterhaltet euch mit einem Atheisten und fragt ihn, warum er nicht an einen Gott glauben kann. Ich kann es beinahe garantieren, dass eine der Antworten die folgende ist: „Wie kann ein guter Gott in einer Welt existieren, die so kaputt und schmerzhaft ist? Wenn Gott die Liebe ist und alles ändern könnte, es aber nicht tut, wie kannst du da immer noch glauben, dass Gott gut ist oder überhaupt existiert?“ Wir sehen also: Die natürlichste Frage hinsichtlich Leid ist gleichzeitig die gefährlichste.

All das ist nichts Neues: Vor einiger Zeit hatten wir damit begonnen, uns mit dem Buch Hiob zu beschäftigen. Und ich hatte länger überlegt, ob ich das noch mit in den Advent nehmen möchte. Aber ich denke, es ist die richtige Zeit für die Wahrheiten aus diesem Buch. Denn diejenigen, die das Buch Hiob schon einmal gelesen haben, wissen, dass es im überwiegenden Teil des Buches um genau diese Frage geht: um das „Warum“.

Erinnern wir uns: Hiobs vormals gutes Leben war auseinander gebrochen. All sein Besitz: weg. Seine 10 Kinder: tot. Hiob selbst erkrankt schwer. Seine Freunde hören davon und wollen ihn in der Stunde der Not nicht allein lassen. Sieben Tage lang sitzen sie schweigend und trauernd mit dem Leidenden zusammen. Aber dann brechen die Freunde ihr Schweigen. Und was sich dann entfaltet, ist eine endlose Auseinandersetzung um die Frage: „Warum ist Hiob das widerfahren?“ Es ist eine wirklich lange Diskussion, die sich über die Kapitel 3 bis 37 erstreckt – 35 Kapitel, in denen die Frage nach dem „Warum“ gestellt und Antworten gesucht werden.

Will man diese 35 Kapitel zusammenfassen, hilft vielleicht ein Gemälde einer meiner liebsten Künstler. Im Jahr 1801 malte Engländer William Blake das folgende Gemälde mit dem schlichten Titel „Hiob“:

Wir sehen den vom Leid getroffenen Hiob, den Körper von Geschwüren gezeichnet, das Haupt zum Himmel erhoben. Schaut man in sein Gesicht, kann man seine Frage förmlich hören: „Warum, Gott?“ Interessant sind auch die drei Freunde Hiobs zur Rechten. An ihren Gesichtsausdrücken, vor allem aber an ihren ausgestreckten und auf Hiob zeigenden Händen, kann man ihre Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“ bereits erahnen. Sie werden Hiob beschuldigen: „Du musst schlecht sein. Irgendeine Sünde hast du unter deiner frommen Fassade verborgen.“

Aber werfen wir einen Blick auf einige Aussagen der Freunde. Einer von ihnen mit Namen Elifas sagte beispielsweise das Folgende (Hiob 4,8):

Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten, ernteten es auch ein.

Was Elifas hier zum Ausdruck bringt, ist in feinste hebräische Poesie gekleidet. Aber letztlich sagt er einfach: „Hiob – du fragst dich, warum dir all das Leid widerfahren ist? Antwort: Weil du damit angefangen hast. Du hast Unheil gesät. Und nun erntest du, was du verdient hast.“

Autsch! Aber es wird noch schlimmer, als Hiobs zweiter Freund Bildad seinen Mund öffnete (Hiob 8,4):

Haben deine Söhne vor Gott gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Sünde willen.

„Warum mussten deine Kinder sterben? Weil sie böse waren!“

Zofar, der dritte Freund Hiobs, ergänzt das Folgende (Hiob 11,6b):

Du weißt, dass Gott noch nicht an alle deine Sünden denkt.

„Ich weiß, dass dein Körper mit Geschwüren übersät ist. Ich weiß, dass alle deine Kinder tot sind. Ich weiß, dass du alles verloren hast, was du hattest. Und doch denke ich, dass Gott die Hälfte der schlimmen Dinge, die du getan hast, vergessen hat. Dir sollte es noch viel schlimmer ergehen.“

Hiob in seinem Schmerz weiß, dass nichts von dem wahr ist. Und so antwortet er ihnen in Kapitel 9(,2) und fragt:

Doch wie kann ein Mensch in Gottes Augen schuldlos sein?

Hiob fragt: „Wie kann ich euch beweisen, dass ich unschuldig bin? Ich habe nichts falsch gemacht.“ In Kapitel 6 fleht er fast schon:

Belehrt mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich!

„Ihr beschuldigt mich und meine Kinder der Sünde. Könnt ihr Beweise erbringen?“ Und weil Hiob weiß, dass er nichts falsch gemacht hat – nichts, was mit dieser krassen Form des Leids übereinstimmen würde, wendet er sich gegen Gott. Er wünscht sich, Gott vor Gericht bringen zu können. Wäre Gott nicht so ein Feigling, der sich im Himmel versteckt, würde er ihn anklagen, ihm Unrecht zu tun. Er verdient es doch nicht. Warum muss er leiden?

Und als Hiob das sagte, dass Gott vielleicht nicht immer gut ist, drehen seine Freunde durch. Elifas sagt (15,12f):

Was reißt dein Herz dich fort? Was funkeln deine Augen, dass sich dein Mut wider Gott richtet und du solche Reden aus deinem Munde lässt?

Hiob ist von diesem Reden erschöpft, also fragt er (16,3):

Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu reden?

Bildad feuert zurück und fragt (18,3):

Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen?

Hiob erwidert später (21,29f):

Habt ihr nicht befragt, die des Weges kommen, und nicht auf ihre Zeichen geachtet, dass nämlich der Böse erhalten wird am Tage des Verderbens und am Tage des Grimms bleibt?

Hiob will sagen: „Wenn böse Menschen es gut haben, vielleicht stimmt dann ja gar nicht, was ihr die ganze Zeit behauptet. Vielleicht stimmt eure Annahme ja gar nicht, dass schlechte Taten immer schlechte Folgen haben.“

Elifas will das nicht auf sich sitzen lassen und entgegnet:

Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht ohne Ende? Du hast deinem Bruder ein Pfand abgenommen ohne Grund, du hast den Nackten die Kleider entrissen;

Hiob weiß, dass diese Anklage falsch und eine Lüge ist. Und so sagt er:

Das sei ferne von mir, dass ich euch recht gebe; bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Unschuld.

Wie die Kommentare auf Facebook und Twitter unter der neuesten Corona-Schlagzeile: „Du bist dumm.“ „Nein, du bist es.“ „Nein, du bist dumm.“ Erwachsene Männer, die sich wie Kinder verhalten. Vier Kerle, die aufeinander losgehen. „Du bist böse.“ „Nein, Gott ist böse.“ „Sag nicht, dass Gott schlecht ist.“ „Du redest zu viel.“ „Nein, du bist böse, weil du sagst, Gott würde nicht genug reden.“

Und so geht es hin und her bis schließlich der vierte Freund auftaucht. Offenbar ist er jünger als die anderen. Sein Name ist Elihu. Und wieder ist es der Maler William Blake, der sein Wesen vielleicht am besten eingefangen hat.

Junger strahlender Typ, nicht wahr?! Wisst ihr, was er im Laufe seiner Rede sagen wird? Hier seine Worte (36,4):

Meine Reden sind wahrlich nicht falsch; vor dir steht einer, der es wirklich weiß.

Das nenne ich Selbstbewusstsein. Ich rate niemanden, das zu seinem Vater zu sagen: „Papa, du solltest deinen Stift rausholen, denn ich werde jetzt reden und es wird fantastisch.“

Aber wie sieht nun sein vollkommenes Wissen aus? Anscheinend meint er ja, ziemlich schlau zu sein. Wie beantwortet er also die Frage nach dem „Warum“? Nun, er sagt zum Beispiel das Folgende (34,10-12):

Es sei ferne, dass Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht; sondern er vergilt dem Menschen, wie er verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun. Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.

In seinen Gedanken gibt es nur zwei Antworten: Gott ungerecht? Unmöglich. Und wir stimmen dem zu. Das Problem dabei: Für ihn macht nur eine Sache Sinn: „Hiob, du bekommst, was dein Verhalten verdient hat. Äußerlich betrachtet, magst du gut ausgesehen haben. Aber innerlich hast du etwas verborgen. Alle dachten, du wärst ein guter Kerl, aber Gott sieht dir ins Herz und weiß, dass alles nur Fassade ist. Und das ist der Grund, warum du eine so schlimme Zeit durchmachen musst.“

Lest gern die 35 Kapitel durch. Ich habe euch die Tiefpunkte des Gesprächs geschildert. Und wenn ihr das tut, kommt euch vielleicht eine Frage: Was hat das in der Bibel zu suchen? Gott gibt uns sein Wort. Und es hat nur eine bestimmte Anzahl an Kapitel, Versen und Seiten. Warum verwendet Gott 35 Kapitel, damit wir fünf Männern bei ihrem Streitgespräch zuhören?

Ich glaube, der Grund ist der Folgende: Wenn ihr und ich versuchen das „Warum“ zu ergründen, geht es schief. Uns widerfährt vielleicht Leiden und wir fragen uns: „Gott, ich weiß nicht, was es ist, aber irgendwas habe ich falsch gemacht: Vergib mir.“ Oder wie der Atheist schütteln wir mit dem Kopf und unsere Faust gegen den Himmel und fragen uns, ob Gott derselbe Gott ist, an den wir als kleine Kinder glaubten.

Das Buch Hiob ist eine einzige große Warnung darüber, was passiert, wenn wir darauf bestehen zu wissen, warum Leid geschieht. Beim Lesen ist man vielleicht versucht, die 35 Kapitel zu überfliegen. Aber eigentlich sind sie unserer Aufmerksamkeit wert. Denn inmitten der langatmigen Gespräche finden sich zwei Wahrheit, die uns helfen können, wenn wir nicht verstehen, warum uns Leid widerfährt.

Erste Wahrheit: Kapitel 28 stellt eine Art Zwischenspiel dar – in der Lutherbibel trägt es die Überschrift „Das Lied von der Weisheit Gottes“. Es ist ein etwas eigenartiges Kapitel, aber mittendrin finden sich diese Worte:

Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht? Sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebendigen… Gott weiß den Weg zur Weisheit, er allein kennt ihre Stätte.

Wo ist die Antwort zu finden, warum man eine schwere Zeit durchmachen muss? Die Antwort ist verborgen, verhüllt vor den Augen aller Lebendigen. Sie ist wie ein Diamant, der irgendwo im Boden vergraben ist und wir können ihn nicht sehen. Aber Gott weiß es. Er kennt die Antwort, die perfekte Erklärung. Nur hat er sich dagegen entschieden, sie uns zu enthüllen. Und das ist der Grund, warum ihr und ich keine Antwort haben.

Ich weiß, das ist schwer zu schlucken, aber das Buch Hiob beantwortet die Frage: „Warum Schmerz?“ Und die Antwort lautet: „Wir wissen nicht warum.“ Wir könnten raten, aber das wäre womöglich gefährlich. Wir können Mutmaßungen anstellen, aber das wäre möglicherweise dumm.

Lest die Bibel von vorne bis hinten, und ihr werdet nicht herausfinden, warum Gott Schmerz in unserem Leben zulässt. Überfliegt nicht nur das Buch Hiob, sondern lest nur einen Vers pro Tag für den Rest eures Lebens, und ihr werdet immer noch nicht wissen, warum. Studiert Griechisch und Hebräisch, so dass ihr die Heilige Schrift in den Ursprachen versteht, aber auch dann werdet ihr nicht wissen, warum.

Warum verlieren manche ihre Eltern als kleine Kinder? Wir wissen es nicht. Warum kämpfen Menschen seit ihren frühesten Erinnerungen mit Angstzuständen? Wir wissen es nicht. Warum können manche Frauen keine Kinder bekommen? Wir wissen es nicht. Warum hält ein Virus die Welt seit zwei Jahren fest in seinem Griff? Wir wissen es nicht.

Wir wissen es nicht. Gott allein kennt die Antwort . Ihr und ich könnten den ganzen Tag lang Überlegungen anstellen. Und vielleicht fühlen wir uns durch einige dieser Vermutungen besser. Vielleicht hat Gott die Depression zugelassen, weil er wollte, dass man anderen helfen kann. Vielleicht wollte er gerade uns benutzen, um jemanden zu erreichen, der unter Depression leidet. Und das hätte einfach nicht funktioniert, wenn man nicht genau wüsste, wie es ist, unter dieser Krankheit zu leiden. Vielleicht hatte Gott einen Grund für den Unfall. Vielleicht wusste er, dass der Arzt oder die Krankenschwester nicht an Gott glaubten. Und er wollte die Treue und das Leiden im Krankenhauszimmer dazu benutzen, dass sie sich das ansehen und sagen: „Einen solchen Frieden habe ich nicht!“ Vielleicht rief Gott diese Person der Familie zu sich nach Hause, weil er wusste, dass der Cousin zur Beerdigung kommen und endlich erkennen würde, dass nicht Geld, nicht der Körper, nicht der Job, sondern der Glaube an Jesus zählt. Vielleicht war das der Grund. Aber ich weiß nicht warum. Und ihr wisst es ebenso wenig.

Aber wenn Gott uns das „Warum“ nicht verrät, warum sollten wir ihm dann vertrauen? Die Antwort finden wir im Buch Hiob. Inmitten der Höhen und Tiefen seines Glaubensleben sagte Hiob etwas. Man kann seine Worte folgendermaßen zusammenfassen: Wir wissen nicht warum, aber wir kennen ihn, wir kennen Gott. In seinem Wort hat vieles von sich offenbart, so dass wir wissen können, wer er ist und wie er ist. Deshalb können wir durchatmen und ihm vertrauen. In Psalm 46(,11) heißt es:

Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!

Es ist ein bisschen so, als würde man mit seinem kleinen Kind zur planmäßigen Impfung gehen. Da steht sie nun, die Ärztin mit ihrer fiesen Nadel und sticht ein armes unschuldiges Kind. Es schreit, die Tränen kullern und das Gesicht fragt einfach nur: „Warum? Warum hast du Ärztin nicht aufgehalten, Papa?“ In Wahrheit ist sogar so, dass der Vater das Kind festgehalten hat, damit die Ärztin ein weiteres Mal zustechen kann. Die Frage nach dem „Warum“ kann man dem Kind nicht beantworten, weil es noch nichts über Medizin und die Wirksamkeit von Impfungen verstehen kann. Warum, das weiß das Kind nicht – aber es kennt ihren Vater und ihre Mutter. Eltern, die sie mit Liebe und Fürsorge beschenkt haben. Eltern, die sie in den Arm genommen, mit Essen versorgt und kleine Bücher vorgelesen haben. Kinder verstehen das „Warum“ manchmal nicht, aber sie vertrauen auf die Liebe ihrer Eltern.

Ihr könnt für den Rest eures Lebens in diese Kirche kommen – oder eben gerade vor dem Bildschirm zusehen und werdet nicht herausfinden, warum dies oder jenes geschah. Aber bleiben wir bei Gottes Wort, lernen wir denjenigen immer besser kennen, der uns mehr liebt, als es ein Mensch je tun könnte.

Hiob drückt es inmitten seines Schmerzes folgendermaßen aus (Hiob 19,25-27):

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden erwecken. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Hiob mag nicht wissen, warum ihm so viel Schreckliches widerfahren ist. Aber eine Sache weiß er: Dass sein Erlöser lebt! Und leidende Christen sagen das seit 2.000 Jahren. Unzählige Christen haben ihr Leid durchgestanden, weil sie den Gott kannten, der zu uns kommt. Sie wussten, dass Jesus vor 2.000 Jahren auf diese Erde kam. Sie wussten, dass Jesus auch zu ihnen ganz persönlich gekommen ist. Und sie hatten die gewisse Hoffnung, dass er eines Tages wiederkommen wird.

Und so wissen wir nicht, warum dieses oder jenes geschieht. Wir wissen nicht, warum wir wieder in der Lage stecken, in der wir schon vergangenes Jahr waren. Aber eine Sache wissen wir: Unseren Gott ist würdig unserer Anbetung:

»Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!«

So rief es die Menschenmenge beim Einzug Jesu in Jerusalem. Und auch Hiob sagt etwas ganz ähnliches:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt

Das Wort „Erlöser“ bedeutet im Hebräischen wörtlich: Einen Preis zahlen, um etwas zurückzubekommen. Hiob sagt also: „Ich habe einen Gott, der den Preis bezahlte, um mich zurückzubekommen. Ich weiß nicht, warum mir all das geschieht. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Einblendung Kreuz) „Ich kenne Jesus, den Retter, der mich erlöst hat. Ich kenne den Herrn und König, der schlimmeres erlitt als ich und für mich. Ich weiß, dass es einen Gott gibt, der mir nicht nur einfach eine zweite Chance gegeben hat. Er hat die ganze Schuld bezahlt, damit ich sein Kind genannt werde. Ich weiß, dass es einen Jesus gibt, der am Kreuz für meine Sünden gestorben und am dritten Tag auferstanden ist. Ich weiß, dass Jesus mich so vollständig in seine heiligen Gewänder gekleidet hat, dass ich Gott sehen werde. Ich werde an Tür und Tor nicht abgewiesen, sondern mit meinen eigenen Augen darf ich ihn sehen. Ich werde vor ihm stehen und mich freuen. Ich weiß nicht, warum ich leiden muss. Aber ich weiß, wer für mich gelitten hat.“ Das war es, was Hiob wusste.

Und wir dürfen das auch wissen. Freunde, wie kann ein Gott schlecht sein, der seinen Sohn zu uns gesandt hat? Ich kenne eure Geschichte nicht. Ich für meinen Teil habe tausende Dinge getan, von denen ich beschämt wäre, wüsstet ihr sie. Und doch liebt Gott mich. Es gibt Sünden, die ihr sicher lieber vergessen würdet. Es gibt Geheimnisse, die einige von euch tief im Inneren bewahren. Gott weiß das alles. Und doch: Er liebt euch! Von Natur aus waren wir Gottes Feinde, lebten nur für uns selbst, ignorierten sein Wort und das Gebet. Und doch bestand Gottes Antwort auf diese Rebellion, dass er Jesus zu uns sandte. Wie kann er da schlecht sein? Jemand, der seine Feinde liebt, kann nicht böse sein. Jemand, der uns abertausend Gelegenheit gibt, die frohe Botschaft zu hören, kann nicht schlecht sein. Und so wissen wir nicht genau, warum uns Leid widerfährt. Aber wir wissen, dass unser Erlöser lebt.

Meine Lieben, ich hoffe, ihr leidet weder heute noch in der kommenden Woche oder im kommenden Jahr. Aber wenn doch: Verschwendete nicht eure Zeit. Wir wissen nicht warum. Stattdessen richtet eure Augen auf den Herrn und Erlöser, der euch so sehr geliebt hat, dass er etwas Schlimmeres als Hiob durchgemacht hat – für uns. Der Herr, der aus dem Grab auferstanden ist, damit ihr die Hoffnung auf ein ewiges Leben ohne Schmerzen haben könnt. Der Herr, der mit uns durch durch das finstere Tal geht, damit wir nichts Böses fürchten müssen.

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.