Was denkst du?

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

1. Sonntag nach Epiphanias, St. Petri 2022

Liebe Freunde in Christus!

Geht es um unsere Gedanken – um das, was wir annehmen, meinen und worüber wir nachsinnen – zeichnet die Heilige Schrift ein sehr ernüchterndes Bild. Ob nun im Alten oder im Neuen Testament: Wir Menschen neigen dazu, falsch zu denken.

Lasst mich euch vier kurze Beispiele geben. Erstens: Im 1. Buch Mose kann man das Folgende lesen (1 Mose 19,14):

Da ging Lot hinaus und redete mit den Männern, die seine Töchter heiraten sollten: Macht euch auf und geht aus diesem Ort, denn der HERR wird diese Stadt verderben. Aber es war (den Schwiegersöhnen Lots) lächerlich.

Gott stand kurz davor, in seiner Gerechtigkeit Sodom und Gomorra zu zerstören. Lot wusste das und teilte die alarmierende Nachricht seinen zukünftigen Schwiegersöhnen mit. Ihren Wohnort sollten sie umgehend verlassen. Aber wie reagierten sie? Die Schwiegersöhne dachten, es sei lächerlich. Ihr Gedanke war falsch. Und dieser falsche Gedanke veränderte nicht nur ihr Leben, er beendete es.

Oder zweitens – ein Beispiel aus dem Buch Richter. Dort heißt es (Ri 16,20):

Und Delila sprach zu Simson: Philister über dir, Simson! Als er nun von seinem Schlaf erwachte, dachte er: Ich will frei ausgehen, wie ich früher getan habe, und will mich losreißen.

Der Rest der Begebenheit offenbart, dass Simson danebenlag. Die Kraft des Herrn hatte ihn verlassen und der ehemals starke Simson war nicht in der Lage, sich zu befreien. Er endete ohne Augen, versklavt und verspottet von den Philistern.

Von Jesus stammt das dritte Beispiel. Als er über das Gebet lehrte, sprach der Heiland die folgenden Worte (Mt 6,):

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Jesus warnte hier seine Jünger: Einige Menschen dachten, sie müssten die Götter ermüden, indem sie immer und immer weiter beteten. Irgendwann würden diese schon antworten, wenn man sie nur genug bedrängt hatte. Sie verpassten dabei aber die Freude, die Schönheit und den Trost des Gebetes. Und das alles, weil sie dachten, was sie dachten.

Oder denken wir – viertens – an den Ostermorgen. Jesus war auferstanden und hatte den Tod besiegt. Die Sünden einer ganzen Welt sind vergeben und das ewige Leben steht jedem offen, der Jesus vertraut. Nun erscheint der Heiland der ersten Zeugin seiner Auferstehung. Und was geschieht? In Johannes 20(,15) heißt es:

Spricht Jesus zu Maria: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

Was Maria meinte – was sie dachte – war falsch: Freude, Trost und ewiger Frieden standen direkt vor ihr. Aber bevor sie das erlangen konnte, musste sie noch einmal nachdenken.

Befragt man die Heilige Schrift, findet man es schnell heraus: Der erste Gedanke eines Menschen ist oft falsch. Und denkt man falsch, verpasst man all die guten, schönen und richtigen Dinge, die Gott uns schenken will. Man kann es auch anders ausdrücken: Unsere Gedanken können uns an alle möglichen Orte führen. Man denkt etwas. Und wie ein Pfad, der sich verzweigt, wird das, was wir denken, uns in die eine oder in die andere Richtung führen. Und will man noch etwas hinzufügen, könnte man sagen: Das, was wir denken, verändert uns auch.

Als gestandener Christ könnte man beispielsweise auf den Gedanken kommen, man halte die Gebote im Grunde ganz anständig – wenigstens im Vergleich zu anderen Menschen. Wenn es irgendwie geht, besucht man sonntäglich den Gottesdienst; man hat sich angewöhnt, Gottes Namen nicht unnütz zu gebrauchen; umgebracht hat man auch niemanden. Das wiederum könnte einen dazu verleiten, über anderen den Richtstab zu brechen, die nicht so leben wie man selbst. Unsere Gedanken können uns an alle möglichen Orte führen, auch wenn es keine guten Orte sind. Schließlich ermangeln jeder Mensch des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Über andere die Nase zu rümpfen, steht uns daher nicht gut zu Gesicht.

Oder denken wir an unsere Ängste. Die allermeisten unter uns sind wohl kaum frei davon. Im Gegenteil: Manchmal lassen sie uns unruhig oder gar schlaflos zurück. Im Jahr 2019 wurde eine verhaltenstherapeutische Studie durchgeführt, die ergab, dass 91 Prozent unserer Ängste niemals Realität werden1. „Berichten Sie mir von ihren Ängsten“, fragten die Forscher die Studienteilnehmer und schrieben die Antworten auf. 91 von 100 Ängsten sind gar nicht erst wahr geworden. Die Leute dachten, es würde so kommen. Sie erwarteten, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Aber in 91 von 100 Fällen mussten sie – Gott sei Dank – umdenken. Die Forscher stellten außerdem fest, dass es in den neun übrigen Fällen nicht annähernd so schlimm kam, wie es sich die Leute ausgemalt hatten. Man kann also die Gedanken um den schlimmsten anzunehmenden Fall kreisen lassen. Aber das wird uns unnötigerweise an Orte führen, die Namen tragen wie: Furcht, Stress, Verlust von Ruhe, Freude und Frieden. Gott in seiner Liebe würde wohl sagen: „Denke über das nach, was du denkst.“

Ich stelle gleich einige Fragen in den Raum. Überlegt dabei bitte, an welche Orte euch eure Antworten führen würden – je nachdem, was ihr denkt:

  • Wie viele Segnungen muss Gott uns gewähren, damit wir diesen Tag als guten Tag betrachten? Was denkt ihr?
  • Als Eltern: Wie gut muss das Verhalten unserer Kinder sein, damit wir das Gefühl haben, gesegnet zu sein?
  • Was geschieht in dem Moment, wenn ihr euren letzten Atemzug nehmt? Was denkt ihr?
  • Was macht eine Gemeinde zu einer gesunden und biblischen Gemeinde?
  • Sollte ein Freund immer auf unserer Seite sein, egal, worum es geht? Was denkt ihr?
  • Erwartet ihr, dass sich euer Partner ändert, nachdem er sein Ja-Wort gegeben hat?
  • Wie viel Schmerz sollte Gott im Leben eines Menschen zulassen, wenn er doch sagt, dass er uns liebt?
  • Wie viel Geld benötigt ihr, um wahrhaft glücklich zu sein?
  • Wie viel Kontrolle über eine Situation benötigt ihr, um entspannt durchatmen zu können? Was denkt ihr?

Die Antwort auf all diese Fragen lautet: irgendwas. Denn irgendwas denken wir alle. Es mag wahr sein oder falsch; es mag Wahrheit und Lüge vereinen; es mag sich um Fake News handeln oder um göttliche Wahrheit. Aber Tatsache ist, dass wir bei all diesen Fragen an irgendwas dachten. Und dieser Gedanke führt uns irgendwohin und verwandelt uns. Die Frage für uns Christen lautet daher: Wie nah sind unsere Gedanken an Gottes Gedanken?

Heute wollen wir dazu einen Mann befragen, der des Öfteren über die Gedanken von Menschen sprach. Der Apostel Paulus schrieb einen der freudenreichsten Briefe der Heiligen Schrift, während er unschuldig in Gefangenschaft in Rom saß. Und man würde sicher denken, die Freude kommt erst nach der Gefangenschaft. Bei Paulus war das nicht der Fall. Sein Brief an die Philipper ist neben Freude von großer Zufriedenheit und Ruhe geprägt.

Warum dem so war, zeigt unser heutiger Predigttext. Er stammt aus dem Philipperbrief, Kapitel 4, und wir beginnen bei Vers 8. Dort heißt es:

Weiter, liebe Brüder (und Schwestern): Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

Dieser Satz ist eine Aufforderung, eine Ermahnung. Paulus sagt: „Darauf seid bedacht – darüber denkt nach“ – was unterstellt, dass es andere Dinge gibt, auf die man nicht oder nicht so sehr bedacht sein soll. Im Griechischen wird es noch etwas deutlicher. Paulus sagt: „Bleibt beständig dabei, über diese Dinge nachzudenken.“ Und er führt diese Dinge in einer Art Liste auf:

Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

Entwickelt mentale Muskeln, damit die Gedanken, die euch beschäftigen, diese Liste an Kriterien erfüllen.

Vergangenes Jahr erschien ein Buch der christlichen Autorin Jennie Allen mit dem Titel „Entmachte die Lügen in deinem Kopf“2. Es wurde zu einem Erfolg. Denn die Prämisse des Buches deckt sich mit dem, was Paulus in unserem Text sagt. Die Autorin wollte ihre Leser nämlich wissen lassen, dass sie die Wahl haben, worüber sie nachdenken. Das mag nicht auf den ersten Gedanken zutreffen, der einem in den Sinn kommt. Auf dem Handy taucht beispielsweise die neuste Eil-Meldung auf. Und ganz natürlich schießt einem ein Gedanke durch den Kopf. Aber bevor sich dieser Gedanke festsetzt, hat man die Wahl: Man kann den Gedanken hegen und pflegen. Man kann ihn akzeptieren oder in Frage stellen. Man kann ihn bekämpfen. Wie auch immer: Man hat die Wahl. Und Paulus würde dazu sagen: „Ja, in der Tat. Es gibt eine Menge, das man denken kann.“ Aber der Apostel ermuntert uns: Denkt über die Dinge nach, die die Kriterien erfüllen, die er nannte.

Ich denke, die Worte des Paulus sind gerade in unserer gegenwärtigen Zeit sehr wichtig. Habt ihr schon von dieser neumodischen Erfindung gehört namens Internet? Und wusstet ihr, dass nicht alles wahr ist, was man im Internet finden kann? Ich lese die Liste des Paulus. Wusstet ihr, dass nicht alles im Internet wahrhaftig und ehrbar ist? Liebenswert und mit gutem Ruf? Ich habe nicht viel Ahnung von Marketing oder Googles Algorithmus. Aber ich meine zu wissen, dass es nicht unbedingt die Dinge auf der Liste des Paulus sind, die etwas zu einem Trend im Internet machen. Nicht umsonst heißt es, dass Sex sich immer verkauft; dass Konflikte und Spannungen Klicks generieren; dass eine dramatische Nachricht die Zahlen nach oben treibt. Schafft man es, jemanden ängstlich, wütend oder sehr emotional werden zu lassen, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass derjenige darauf reagiert, es kommentiert, mit anderen teilt oder als E-Mail-Anhang an alle seine Freunde und Bekannte verschickt. Solche Dinge erregen in unserer Kultur Aufmerksamkeit. Paulus sagt in unserem Text: „Lebt man in einer Welt, wo man mit dieser Art von Nachrichten geradezu überschwemmt wird, muss man sehr vorsichtig sein, worüber man nachdenkt.“

Das erinnert mich an die drei Siebe des griechischen Philosophen Sokrates.3 Der Legende nach kam eines Tages ein Mann zu Sokrates gelaufen und meinte aufgeregt: „Ich muss dir unbedingt etwas erzählen.“ „Einen Moment“, unterbrach Sokrates den Mann, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, fragte der Mann verwundert. „Ja, guter Freund! Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählte.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du mir erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“ „Hm,“ entgegnete Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“.

Gedanken sind schwer. Es ist schwer, sich auf das zu konzentrieren, was wahr, gut und notwendig ist. Oder wie Paulus es ausdrückt:

Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

Es gibt so viele Möglichkeit. Und die Welt scheint uns so wenig Hilfe zu geben. Die Leute – ja, wir selbst – wollen so gern über das Drama reden, über die Gerüchte, die Verschwörungen und den Ärger. Deshalb sagt Paulus zu uns in Liebe: „Denkt nicht weiter über diese Dinge nach.“

Denn das, worüber man nachdenkt, kann uns an alle möglichen Orte führen. Lasst mich euch nur ein Beispiel geben: Denkt an jemanden, mit dem ihr derzeit nicht wirklich gut auskommt – an jemanden aus eurer Familie; an derjenigen, mit dem ihr verheiratet seid; an ein Kind in der Schule; an einen Arbeitskollege; an jemanden, mit dem ihr nur ungern in einem Raum zusammen seid, weil es Spannungen gab oder gibt. Dinge wurden gesagt. Eine Textnachricht kam. Wenn ihr an diese Person denkt: Worüber denkt ihr nach? Vermutlich denkt ihr an das, was derjenige sagte und was ihr nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Oder man denkt an den Moment, wo diese Person für einen hätte da sein sollen. Vielleicht denkt man an die nervigen Angewohnheiten. Über all das könnte man nachdenken. Die meisten Menschen tun es und wir selbst ja auch oft genug.

Aber stellt euch vor, was geschehen würde, finge man damit an, andere Gedanken zu denken – wahrhaftige, ehrbare und gerechte Gedanken. Gedanken, die Gott begrüßen würde: „Wie kann ich diese Person dennoch lieben? Welchen Anteil an den Spannungen habe ich? Wie würde es aussehen, mich bei demjenigen zu entschuldigen?“ Jesus sagte (Lk 6,27):

Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

„Wie würde das in meinem Fall konkret aussehen?“ All das sind Gedanken. Jennie Allen lag richtig: Wir haben eine Wahl. Den ersten Gedanken mag man nicht unter Kontrolle haben. Aber mit der Hilfe Gottes können wir den darauffolgenden Gedanken kontrollieren. Denken wir also über das nach, was wir denken.

Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

Der Apostel muss gewusst haben, dass das schwer ist. In Vers 9 schreibt er deshalb das Folgende:

Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Im ersten Moment mögen diese Worte etwas arrogant wirken: „Seid einfach wie ich, dann wird alles gut.“ Aber denken wir daran: Paulus saß im Gefängnis und war dennoch voller Freude. Es ist ein bisschen wie mit der Französischlehrerin in der Schule. Sie beherrscht die Sprache fließend, die Schüler lernen noch. Wenn sie die Schüler bittet, ihr einen französischen Satz nachzusprechen, dann ist das nicht arrogant. Sie ist einfach gut in der Sprache und versucht, andere zu lehren. Letztlich ist es das, was auch Paulus hier tut. Er ist gut im Denken und er will, dass seine Freunde von ihm lernen, empfangen, sein Beispiel ansehen und es tun. Denn das ist einer der Wege, auf denen der Gott des Frieden mit uns ist, um uns zu helfen, in unserem Gedankenleben zu wachsen.

Kennt ihr euren Paulus? Gibt es jemanden, der sich in einer vergleichbaren Situation befindet wie ihr, aber nicht die gleichen Gedanken hat wie ihr? Manchmal denken wir, dass unser Kopf so durcheinander ist, weil es so sein muss – bis man jemanden trifft, der sich in identischer Situation befindet, aber dessen Einstellung ganz anders ist.

Könnt ihr an jemanden denken, der gerade kleine Kinder hat wie ihr selbst – aber derjenige flippt nicht aus, als wäre das Ende nahe herbeigekommen? Fällt euch jemand ein, der unter derselben Regierung lebt wie wir alle, der aber nicht annähernd so frustriert, wütend oder panisch ist? Könnt ihr an jemanden denken, der mit einer sehr unvollkommenen Person verheiratet ist, es aber nicht nötig hat, sich Luft zu machen, zu schimpfen oder sich noch ein Glas Wein einzuschenken, um zurechtzukommen? Fällt euch jemand ein, der mit euch in der Klasse sitzt – selber Lehrer – dieselben Hausaufgaben – und dem es trotzdem gut geht? Kommt euch jemand in den Sinn, der unter derselben Krankheit, denselben Alterserscheinungen, leidet wie ihr – der aber doch voller Frieden ist?

Was auch immer es sein mag: Führt ein Interview mit eurem Paulus: „Was denkst du? Ich weiß, dass du ebenso Trauer und Schmerz durchlebt hast und doch gehst du damit anders um – was denkst du? Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten lese, gerate ich in Angst und Schrecken – du aber bist voller Frieden. Was denkst du? Mich macht dieser eine Gedanke vollkommen fertig. Du scheinst aber ganz gelassen. Was denkst du?“

Meine Lieben, wir kommen Sonntags in die Kirche und verlassen sie anschließend wieder. Ich bin davon überzeugt, dass wir oft nicht weiter in unserem Christenleben vorankommen, weil wir die Menschen vergessen, die mit uns in der Kirche sitzen. Ich stelle mir Gott im Himmel vor, wie er mit den Armen wedelt: „Frag sie doch. Erzähl es ihnen. Ich habe Dutzende Menschen hier zusammengebracht, die im selben Boot waren wie du. Und ich habe sie durch finstere Täler hindurchgeführt. Sie haben die Weisheit. Frag doch einfach und sei ehrlich.“

Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Bevor ich gleich „Amen“ sage, gibt es noch eine Sache, die Paulus uns mitteilen möchte. Wir finden sie in Vers 7:

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Dieser Vers ist uns wohl vertraut – ein Vers voller Evangelium. Sicher, wir brauchen das Gesetz. Wir brauchen die Erkenntnis, dass wir des Ruhmes ermangeln, den wir bei Gott haben sollten. Aber viel wichtiger: Immer wieder müssen wir hören, was Gott für uns getan hat und noch tut: dass Jesus uns vergeben hat; dass Gott immer bei uns ist; dass er unsere Hilfe und Stärke ist. Dieser Vers ist voller Evangelium. Paulus ermahnte uns, über wahrhafte, ehrbare und gerechte Dinge nachzudenken. Aber direkt vor diesen Worten hören wir das Evangelium:

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Gott hilft uns. Er ist immer da für uns. Und er tut etwas. Er wartet nicht bis zum nächsten Sonntag, um unser Gedankenleben zu kritisieren. Er geht mit uns durch alle Momente des Lebens und Denkens: Denn er bewahrt unsere Herzen und Sinne – unsere Gedanken – in Christus Jesus.

Gott bewahrt unsere Sinne: Erinnern wir uns, dass Paulus im Gefängnis saß, als er diese Worte niederschrieb. Ganz sicher wurde er dort bewacht bzw. bewahrt. Ich stelle mir zwei muskulöse römische Soldaten vor – nennen wir sie Brutus und Gaius – die vor der Tür des Paulus stehen. Keiner kommt rein oder raus – außer es ist notwendig. So verhält es sich auch mit dem Frieden Gottes: Unser himmlischer Vater bewahrt und bewacht unsere Herzen und Sinne – gegen die Gerüchte, gegen die Sorgen, gegen die Verschwörungstheorien, gegen die Angst, gegen die Halbwahrheit. Gott bewahrt unsere Gedanken – er tut es durch sein Wort, durch das Evangelium, durch die Erinnerung an die eigene Taufe, durch das Abendmahl, durch Mitchristen.

Meine Lieben, wir fühlen uns oft schwach. Wir kämpfen mit Problemen, Nöten und Sorgen. Und manchmal spielen unsere Gedanken verrückt. In diese Momente spricht Gott hinein: „Ich bin eure Hilfe und Stärke. Ich bin bei euch alle Tage. Ich bin für euch. Ich kümmere mich um euch. Ich liebe euch.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Das ist Gottes Versprechen an uns. Uns mag der Gedanke kommen, dass wir zu oft gesündigt, uns zu viel gesorgt und zu wenig Vertrauen an den Tag gelegt haben. Das Evangelium bewahrt unsere Herzen und Sinne, indem es uns versichert: „Nein, du bist ein Sohn, eine Tochter Gottes. Und er ist der vollkommene Vater. Seine Liebe zu uns ist höher als alle Vernunft. Und er wird dir helfen, das zu überstehen.“

Oder ein anderer Gedanke schleicht sich ein: „Ich habe schon oft mit Taten und Worten gesündigt. Aber in meinem Kopf? In Gedanken? Unzählbar viele Sünden!“ Das Evangelium bewahrt unsere Herzen und Sinne, indem es uns versichert: „Nein, so fern der Morgen ist vom Abend, lässt Gott unsre Übertretungen von uns sein“ – auch die in Gedanken.

Uns mag der Gedanke kommen: „Ich schaffe das nicht. Ich kann mit der Situation einfach nicht umgehen.“ Das Evangelium bewahrt unsere Herzen und Sinne, indem es uns versichert: „Nein, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

In der Trauer mögen einem Gedanken kommen, wie: „Ohne sie kann ich nicht weiterleben. Ohne ihn ist alles sinnlos.“ Das Evangelium bewahrt unsere Herzen und Sinne, indem es uns versichert: „Nein, es gibt ein Leben, das Gott uns geschenkt hat. Und das ist ewig. Ewig vollkommen. Fürchte dich daher nicht. Ich bin dein Gott. Und ich trage dich durch finstere Täler hindurch.“

Wie auch immer die Angst heißt, wie auch immer die Lüge, da ist immer Gott, der uns mit seiner ganzen Allmacht vor vor falschen Gedanken bewahrt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Was für ein Gedanke! Amen.

  1. https://www.curioctopus.de/read/24179/91-unserer-bedenken-werden-sich-vielleicht-nie-erfullen-sagt-eine-studie
  2. https://concordiabuch.buchkatalog.de/product/3000003751915/Buecher_Sachbuecher/Jennie-Allen/Entmachte-die-Luegen-in-deinem-Kopf
  3. Stangl, W. (2022). Die drei Siebe des Sokrates – Wahrheit – Güte – Notwendigkeit – arbeitsblätter news. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
    WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/die-drei-siebe-des-sokrates-wahrheit-gute-notwendigkeit/ (2022-01-08).