Wem vertrauen? Ihrer Wahrheit?

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Jubilate, St. Petri 2021

Liebe Freunde in Christus!

Die Redewendung „Du bist, was du isst“ haben wir sicher alle schon einmal gehört. Sie ist natürlich nicht wortwörtlich zu verstehen. Wenn wir eine Tomate essen, sind wir keine Tomate. Mit der Redewendung will man vielmehr zum Ausdruck bringen, dass die Dinge, die wir essen, Auswirkungen auf unseren Körper haben. Isst man regelmäßig zum Frühstück einen großen Hamburger und spült anschließend mit ein paar Spritzkuchen nach, wird das früher oder später Folgen für die Gesundheit haben. „Du bist, was du isst.“

Man könnte die Redensart aber auch ein wenig abwandeln: „Du bist, was du liest“. Mit dieser Formulierung würde man ausdrücken, dass dasselbe, was für unser Essen gilt, auch wahr ist in Bezug auf die verschiedenen Stimmen und Meinungen, denen wir uns selbst aussetzen. Liest man ein bestimmtes Buch oder einen Artikel in der Zeitung oder im Internet, mag man vielleicht nicht mit allem übereinstimmen. Aber irgendwas sickert wahrscheinlich immer in unsere Seele und beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln. Und es sind ja nicht nur die Dinge, die wir lesen. Man könnte dasselbe sagen hinsichtlich der Sendungen, die wir im Fernsehen oder im Internet schauen, oder hinsichtlich der Beiträge, die wir im Radio oder als Podcast hören. Oder anders formuliert: Der Stimmen, denen wir uns am meisten aussetzen. Manches davon wird prägen, wie wir die Welt sehen, was wir hinsichtlich der Geschehnisse um uns herum annehmen und wie wir uns verhalten in einer Welt, in der es so viele Möglichkeiten gibt, wie man sich verhalten kann. „Du bist, was du liest.“ Welchen Stimmen hören wir am häufigsten und am meisten zu?

Und während wir die Frage für uns selbst beantworten, eine weitere Frage: „Sind diese Botschaften Quellen der Wahrheit, denen wir vertrauen können?“ Helfen uns diese Stimmen dabei, die Dinge zu glauben, die Jesus lehrte? Trösten sie uns? Bringen sie uns dazu, mehr zu vertrauen? Lassen sie die Liebe in uns wachsen? Verhelfen sie uns zu mehr Geduld? Zu mehr Großzügigkeit? Und zu mehr Vergebungsbereitschaft? Diese Frage soll uns heute beschäftigen: Wir alle begegnen im Leben Lehrern und Professoren, Freunden und Familienmitgliedern. Wir haben Lieblingssendungen und Künstler, die wir mögen. Wir haben Quellen im Internet, an die wir uns am liebsten wenden. Und Lieder, die wir hören. Nach einer Lebensspanne, in der wir all die verschiedenen Stimmen um unser herum gehört haben: Was macht das mit unserem Herzen, mit unserer Seele, kurz: unserem Leben? Können wir ihrer Wahrheit vertrauen?

Vergangene Woche hatten wir uns diese Frage in Bezug auf uns selbst gestellt. Und da lautete die erste Antwort: „Vielleicht“. Vielleicht können wir uns selbst vertrauen, weil Gott uns die Wahrheit ins Herz geschrieben hat. Und auch heute lautet meine erste Antwort: „Vielleicht“.

Es mag vielleicht sehr geistlich klingen, wenn einer sagt: Nur ich und meine Bibel. Nur ich und Gott. Schließlich können Menschen mich belügen. Sie können betrügen. Sie können in die Irre leiten. Aber wenn es nur Gott ist und ich, dann komme ich der Wahrheit so nahe als nur möglich. Aber Gott hat uns nicht umsonst mit Menschen umgeben, mit der Gemeinde zum Beispiel. Warum? Damit wir die Wahrheit von verschiedenen Seiten hören und so ein vollständigeres Bild erhalten. Ohne andere Menschen und ihre Wahrheit würden wir vielleicht Entscheidendes übersehen.

Zwei Punkte, die zeigen, dass Gott uns mit anderen Menschen umgeben hat, damit sie in unser Leben sprechen und uns so ein vollständigeres Bild der Wahrheit geben können. Erstens: Sie schärfen uns. In den Sprüchen Salomos heißt es einmal (Spr 27,17):

Ein Messer wetzt das andre und ein Mann den andern. – Und das gilt natürlich auch für Frauen.

Ich mag das Bild: Man sieht die Hitze förmlich vor Augen und die Funken sprühen, wenn Eisen Eisen schärft. So könnte man nämlich auch übersetzen. Der Punkt Salomos ist hier, dass Gleiches mit Gleichem geschärft wird. Dieses Bild vom Eisen, das Eisen schärft, wird dann auf den Menschen angewendet. Ein Mensch schleift oder wetzt den anderen.

Aber was will uns Salomo damit sagen? Lebt man das Leben nur auf die eigene Weise und zieht allein sein Ding durch, wird der Alltag einen früher oder später verschleißen und man endet als stumpfer Nachfolger Christi. Wir kennen das ja auch von den Messern in unserer Küche. Nach einiger Zeit der Nutzung werden sie stumpf. Und so kann es auch mit uns geschehen. Deshalb stellt Gott uns andere Menschen an die Seite und konfrontiert uns mit ihren Meinungen, die uns schärfen sollen. Sie führen Unterhaltungen mit uns, bei denen ein wenig Hitze entsteht, ein wenig Reibung. Es ist vielleicht nicht immer bequem, die Funken mögen fliegen und es wird emotional. Aber Gott sendet uns das, weil diese Beziehungen – diese Menschen – uns schärfen, wie ein Messer das andere.

Verdeutlichen wir es uns an einem Beispiel: Denkt an eine verliebte junge Frau. Eine solche ist – in Salomos Bild gesprochen – wohl ziemlich gewetzt. Zu einer Verabredung mit ihrem Liebsten wird sie wohl kaum in Jogginghose und altem T-Shirt erscheinen. Sie wird sich hübsch machen, freundlich mit ihm reden und aufmerksam zuhören, was er zu erzählen hat. Sie wird einfühlsam sein, emphatisch und romantisch Dinge sagen und tun. Sie ist also geschärft. Aber dann heiraten die Beiden vielleicht und der Alltag hält Einzug. Die Arbeit, die Kinder, der volle Terminkalender. Und das Schlimmste, was dann im Herzen einer Frau geschehen kann, ist das Folgende: Sie nimmt an. Und diese Annahme führt zu Stumpfheit. Und was nimmt eine stumpf gewordene Frau an? Sie nimmt an, dass die Zuneigung von heute auf den Bemühungen von gestern beruht. Sie nimmt an, dass die Ehe schon gut laufen wird, selbst wenn sie kaum mehr Anstrengungen unternimmt und sich auf alle möglichen anderen Dinge konzentriert: Die Kinder, die Arbeit, die Freunde, Hobbys, usw. „Die Ehe wird schon gut laufen, auch wenn ich einfach nur anwesend bin.“ Das ist ganz offensichtlich stumpf: In vielen anderen Bereichen des Lebens würden wir bei einer solchen Denkweise nur mit dem Kopf schütteln: „Heute fühle ich mich sehr schön, denn vor 10 Jahren trug ich dieses Kleid.“ „Heute fühle ich mich munter, denn vor 6 Monaten hatte ich diesen erholsamen Nachtschlaf.“ Nein… wir kennen die Verbindung zwischen heute und heute. Und so ist auch in jeder Beziehung. Man arbeitet heute daran. Man hält sein Gelöbnis heute. Oder anders formuliert: Die Zuneigung von heute basiert auf der Bemühung von heute.

Aber manchmal verlieren wir den Blick dafür. Sicher unabsichtlich – denn wir versuchen, mit den Verantwortlichkeiten des Alltags zu jonglieren. Dabei vergessen wir aber die Bedeutung der Gelübde, die wir einst ablegten. Was brauchen wir also – Frauen wie Männer? Wir brauchen jemanden, der mit Gottes Wort zu uns kommt und uns schärft. Wir brauchen einander. Wir brauchen manchmal konfrontierende Gespräche, bei denen die Funken fliegen und wir in die Defensive geraten. Aber:

Ein Messer wetzt das andre und ein Mann den andern

Und ganz offensichtlich ist das nicht nur eine Beziehungssache – es ist eine Menschensache. Denn wir können uns zu sehr an bestimmte Verhaltensweisen und Sünden gewöhnen und es uns ein bisschen zu bequem in ihnen machen. Manchmal braucht es einen oder ein paar Freude; manchmal braucht es eine Gemeinde; manchmal braucht es einen guten Artikel; einen guten Podcast, die uns aus der Stumpfheit herausreißen, damit wir hingebungsvolle Nachfolger Jesu Christi werden. Also: Die Wahrheit der anderen? Ja, ganz sicher – wir brauchen Menschen, die uns auf Dinge hinweisen, die wir selbst nicht sehen.

Warum brauchen wir andere Menschen? Erstens: Sie schärfen uns. Und nun zweitens: Sie trösten uns. In Jakobus 5,16 schreibt der Herrenbruder das Folgende:

Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.

Es mag sehr biblisch klingen, diese Sache mit dem Bekenntnis der Sünden und der Vergebung still für sich zu behalten – nur zwischen Gott und einem selbst.

Jakobus aber würde uns etwas anderes raten: „Nein, ihr braucht sie. Ihr braucht Menschen, die eure Beichten hören und eure Kämpfe kennen. Ihr braucht Menschen, die für euch beten und euch mit der einfachsten und schönsten Botschaft des Universums trösten: Der Botschaft von Gottes Liebe in Christus.“

Es klingt fast verrückt, wenn ich es sage: Aber meiner Erfahrung nach ist es eines der schwersten Dinge für ein Kind Gottes zu glauben, dass es ein Kind Gottes ist. Wir kennen uns einfach zu gut. Wir wiederholen dieselben sinnlosen Gespräche, die wir schon so oft geführt haben und werden dabei emotional und sagen Dinge, die wir nicht sagen wollten. Wir kennen unsere Kämpfe. Wir kennen die Sünden, in die wir immer wieder hineinrutschen. Und die natürlichste Sache der Welt ist es dann, zu zweifeln und zu fragen, was Gott denkt. Zu fragen, ob wir noch geliebt werden. Zu fragen, ob Gottes Angesicht wirklich noch über uns scheint. Manchmal sind wir in unserem eigenen Kopf geradezu gefangen. Und Gott weiß das. Was tut er deshalb? Er gibt uns sie. Menschen, die nicht in den Emotionen des Augenblicks gefangen sind. Menschen, die nicht dabei waren. Menschen, die uns vielleicht gar nicht kennen – aber deren Bücher oder Artikel wir lesen. Sie kommen zu uns, schlagen das Buch auf, zitieren Jesus und sagen: „Dir ist vergeben. Jesus starb nicht für einige Menschen. Er starb für alle Menschen. Jesus starb nicht für einige Sünden. Er starb für alle Sünden.“ Sie predigen uns die Gnade. Sie geben uns das Evangelium, welches von aller Angst, aller Verurteilung, aller Abscheu und allen Zweifeln befreit. Sie nehmen die einfache Botschaft, dass Gott die Liebe ist und wenden sie persönlich auf unsere Situation an. Wie viele von uns würden ohneeinander in diesen Fragen feststecken? Aber wenn wir gemeinsam leben, sprechen wir einander die Gnade zu und beten füreinander, „damit wir gesund werden“.

Wären es nur Gott und ich, wir würden viele Dinge übersehen: So manche Sünde, aber auch so manchen Trost. Deshalb hat Gott uns mit anderen Menschen umgeben, die uns die Wahrheit zusprechen.Vielleicht können wir es uns mit einer kleinen Übung veranschaulichen, bei der ich euch bitte mitzumachen. Schließt jetzt bitte euer linkes Auge. Dann haltet eure linke Hand vor euch und formt mit Daumen und Zeigefinger ein „L“ – so wie ich es tue. Euer linkes Auge ist immer noch geschlossen. Mit dem rechten Auge schaut ihr bitte starr auf die Kuppe eures linken Zeigefingers. Habt ihr es? Gut! Hört nicht damit auf, auf euren linken Zeigefinger zu schauen. Währenddessen haltet ihr nun eure rechte Hand ebenfalls vors Gesicht und formt mit Daumen und Zeigefinger ein spiegelverkehrtes „L“. Seht ihr es? Wenn ihr immer noch auf die linke Fingerkuppe starrt, solltet ihr nicht in der Lage sein die rechte Fingerkuppe zu sehen. Probiert es gern noch einmal zu Hause und nicht die nächsten 5 Minuten während der Predigt. Aber etwa 15 Grad außerhalb der Mitte unseres Sichtfeldes haben wir einen blinden Fleck. Es scheint so, als würde uns die Fingerkuppe fehlen. Und wisst ihr, wer in diesem Raum meinen rechten Finger nicht sehen kann? Ich. Und wer kann diesen Finger sehen? Jeder andere!

Und das ist auch wahr hinsichtlich der Wahrheit: Es mag Dinge in unserem Leben geben, die wir auf uns allein gestellt, nicht erkennen. Das mögen bestimmte Sünden und Verhaltensweisen sein. Aber das kann auch das Evangelium betreffen. Deshalb gab Gott uns andere Menschen – Bücher, Podcasts, etc. – , die uns die Wahrheit zusprechen.

Aber, meine Lieben, wir müssen noch mehr zur Wahrheit der anderen sagen. Denn das war nur die eine Seite der Medaille. Es gibt ja aber noch eine zweite und sie lautet: Können wir der Wahrheit der anderen Vertrauen? Vielleicht nicht.

Ein Polizist wurde einmal gefragt, woran er erkennt, ob ihn jemand belügt. Und wisst ihr, was er antwortete? Er sagte: „Wenn derjenige seinen Mund aufmacht.“ Das ist sicher etwas überspitzt formuliert. Dennoch können wir verstehen, was der Polizist meint. Nicht immer sagen andere Menschen die Wahrheit. Nicht immer entspricht alles in Büchern oder im Internet den Tatsachen. In der Kriminalistik spricht man vom Selbsterhaltungstrieb. Menschen sagen die Wahrheit, solange die Wahrheit ihnen nicht wehtut oder Probleme verursacht.

Die Frage ist nun: Wenn eine Einzelperson auf diese Weise und in ihrem eigenen Interesse handelt, glaubt ihr, dass eine Gruppe von Menschen dazu neigt, dasselbe zu tun? Eine Gemeinde oder Kirche zum Beispiel. Eine Gruppe Pastoren oder eine Gruppe Männer oder Frauen, eine Gruppe, die sich mit einem bestimmten Thema beschäftigt? Glaubt ihr, dass sie anstelle der ganzen Wahrheit, sich nur die Teile der Wahrheit herauspickt, die es ihnen erlaubt, sich wohl zu fühlen?

Die Antwort ist wohl offensichtlich. Manchmal ist es nicht nur eine Einzelperson, die uns betrügen kann. Manchmal wird eine ganze Gruppe an Menschen – um ihrer eigenen Selbsterhaltung willen – nicht die ganze Wahrheit sagen. Sondern nur die Dinge, die sie in einem günstigen Licht erscheinen lässt. Ich muss noch einmal an die Stelle aus dem Epheserbrief denken, die ich schon vergangene Woche angeführt habe. In Eph 4,18 schreibt der Apostel Paulus:

Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens.

Manchmal werden ganze Gruppen an Menschen in die Irre geführt, weil die Wahrheit zu unbequem wäre.

Und wie wahr ist das, oder? Wie oft unterhalten sich beispielsweise Teenager mit ihren Freunden und reden die ganze Wahrheit? Es ist einfach darüber zu sprechen, dass Papa sich zu sehr aufregt oder dass die Regeln der Mutter zu streng sind – die begrenzte Bildschirmzeit, all die zusätzlichen Regeln, die Hausarbeit. Und ja: Das mag alles wahr sein. Es entspricht aber eben nicht der ganzen Wahrheit. Ehre deinen Vater, ehre deine Mutter. Gehorche deinen Eltern und ordne dich ihrer Autorität unter. Und ich möchte eine Frage stellen, liebe Jugendliche: Wie oft sprechen eure Freunde diese Wahrheit zu euch?

Und die Eltern – wie oft sprechen wir die Wahrheit zueinander? Wir machen uns vielleicht Luft darüber, wie anstrengend alles ist. Kinder können viel Kraft kosten: Wenn sie klein sind: das ständige Windeln wechseln. Dann werden sie größer und man fährt sie von einem Termin zum nächsten. Als Teenager beginnt eine neue Phase mit ganz anderen Herausforderungen. Manchmal sagen wir uns die Wahrheit über das, was passiert: Über die Unehrlichkeit der Kinder, die Respektlosigkeit, die Schwierigkeiten. Aber wie oft fragen sich Eltern gegenseitig: Reizen wir unsere Kinder zum Zorn, wie Paulus es in Epheser 6 ausdrückt? Sind unsere Regeln zu streng? Fragen wir uns das gegenseitig jemals? Wahrscheinlich nicht, oder? Wir sprechen einen Teil der Wahrheit aus – aber eben nicht die volle Wahrheit.

Und wir als Gemeindeglieder – wie oft sprechen wir die Wahrheit zueinander? Es ist einfach, sich über andere Menschen aufzuregen – vielleicht über diejenigen, die nicht mehr oder nur selten zur Kirche kommen. Aber haben wir uns gegenseitig je die Frage gestellt, ob wir eine Gemeinde sind, die nach Jesus riecht? Haben uns all die Gebete in den Jahren; all die Male, die wir zum Abendmahl gingen; Predigten hörten oder Lieder sangen zu freundlicheren, geduldigeren, großzügigeren und aufopferungsbereiteren Menschen gemacht als diejenigen, die nicht oder nur selten zur Kirche kommen? Es ist leider sehr einfach, über die anderen zu lästern. Die ganze Wahrheit zu sprechen, fällt uns dagegen oft schwer.

Auf viele Weisen ist es wahr: Wenn eine Gruppe von Menschen zusammenkommt, ist es immer einfach nur die halbe Wahrheit zu sehen. Denn die halbe Wahrheit belässt uns in unserer Bequemlichkeit. Aber meine Lieben, Jesus war und ist nicht die halbe Wahrheit. Er war und ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Für uns stellt sich daher die Frage: Haben wir es uns ein bisschen zu sehr bequem gemacht in Halbwahrheiten? Denn die volle Wahrheit will uns herausfordern und trösten. Sie will uns schärfen und die Gnade zusprechen. Wir dürfen uns daher nicht nur bestimmte Dinge herauspicken, sondern müssen die ganze Wahrheit zueinander sprechen.

Deswegen sprach Jesus die Worte, die wir schon vergangene Woche gehört hatten. In Johannes 17,17 heißt es:

Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.

Hier finden wir die Wahrheit, der wir immer vertrauen können: Dein Wort ist die Wahrheit. Das Wort wird uns immer wieder in die tiefsten Tiefen führen und in die höchsten Höhen. Es wird uns Demut lehren, uns konfrontieren und schärfen. Und es wir uns an die Hand nehmen und uns die Art von Frieden, Vergebung und Freude schenken, die diese Welt schlicht und ergreifend nicht zu bieten hat.

Dein Wort ist die Wahrheit.

Ein Detail in Jesu Gebet ist dabei noch wichtig: Jesus sagt:

Heilige sie in der Wahrheit;

Heilige sie! Er betete nicht: Heilige ihn. Heilige sie. Oder heilige nur einen. In der Nacht, bevor er an einem Kreuz starb, betete Jesus für sie. Für eine Gruppe an Menschen, die geheiligt sein sollten, abgesondert, anders, gereinigt von seinem Blut, voll und ganz vergeben und so sehr vom Wort geprägt, das sie nicht nur Stücke daraus liebten, sondern alles.

„Du bist, was du liest“, so sagten wir am Anfang der Predigt. Und es stimmt: Das Wort Gottes zeigt uns immer wieder aufs Neue, wer wir sind – Sünder. Aber es tröstet uns auch mit der besten Nachricht der Welt.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.