Gedanken an den Tod sind kluge Gedanken.

St. Petrigemeinde ZwickauPredigten

Friedhof

Ewigkeitssonntag, St. Petri 2023

In Psalm 90 lehrt uns Gott durch Mose:

Lutherbibel – Revision 1984

Herr, segne dein Wort an unseren Herzen. Amen.

In unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, liebe Gemeinde!

Die Schlagzeile im Sächsischen Boten vom 20.11.: Sonntag des Totengedenkens. Kirchliche und weltliche Andachten auf den Städtischen Friedhöfen.
Die Menschen denken an die an die Toten, die verstorbenen Verwandten und Bekannten, an die im Krieg Gefallenen. Sie lassen Erinnerungen wieder aufleben.
Was wird auf den Gedenkfeiern geredet werden? Wird man die Menschen auch auf ihren eigenen Tod hinweisen oder dieses Thema wie gewohnt ausklammern.
Jeden Tag erinnert uns der Tod anderer Menschen in Fernsehen, Zeitung oder Gesprächen daran, dass auch wir einst sterben werden. Der Tod gehört zum Leben. Doch wer verdrängt Gedanken an den eigenen Tod nicht gern? Wir denken ungern an unsern eigenen Tod und möchten nicht darüber reden. Mose behauptet in seinem Psalm:
Gedanken an den Tod sind kluge Gedanken. Sie lehren uns:

  1. Gottes Zorn vor Augen zu haben,
  2. unser Leben fleißig zu nutzen,
  3. zu Gottes Gnade zu fliehen.

Wer Einkaufen geht, muß Geld mitnehmen. Er weiß genau, ich komme nicht drum herum zu bezahlen. Will ich die Schokolade, Brot, Butter, Wurst und andere Dinge mit nach Hause nehmen, muß ich an der Kasse vorbei und als Gegenwert für die Waren mein Geld hingeben. Es gibt keinen anderen Weg aus dem Geschäft, außer, ich will mich strafbar machen.
So ist es auch mit dem Tod. Niemand kommt um ihn herum. Niemand kann ihm ausweichen oder ihn vermeiden. Jedes Leben endet mit dem Tod.
Diese schmerzliche Wahrheit weckt die Frage: Woher kommt der Tod? Warum müssen wir sterben?
Wie wunderbar hat uns der allmächtige und weise Schöpfer gemacht. Hat Gott uns zum Sterben geschaffen? Ist dem Menschen das Leben gegeben, damit er sterben kann + soll? Leben wir nur um zu sterben?
Das wäre ein schrecklicher Gott, der etwas hervorbringt, damit er es zerstört. Wie wir ja nicht ein Haus bauen, nur damit wir es zerstören können.
Gott hat seine herrliche Schöpfung nicht aus dem Staub hervorgebracht, damit sie wieder zu Staub werde. Gott hat den Menschen ins Leben gerufen, damit er ewig lebe.
Der Tod kommt von der Sünde. Alle Menschen müssen sterben, weil sie Sünder sind. Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. (Römer 5,12)
Der Tod ist der Lohn für die Sünde. Ein schrecklicher Lohn, den jeder Mensch nehmen muß, ob er will oder nicht. Er kommt nicht drum herum. Wie beim Bezahlen im Supermarkt.
Wir mögen vielen Gefahren + Krankheiten vorbeugen oder sie lindern und abwenden, dem Tod entkommen wir nicht. Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen. Kein Arzt, keine gesunde Lebensweise, keine Tabletten schützen vor dem Tod. Nichts in dieser Welt kann unser Leben auch nur einen Augenblick erhalten oder den Tod hinausschieben (Matthäus 6,27).
Alles auf Erden ist ungewiß, aber der Tod ist gewiss, ganz gewiss.
Trotzdem jeder Mensch weiß, dass für ihn der Tod kommt, weiß er doch nicht, wann er kommt. Unsere Zeit steht ganz in Gottes Händen.
Ob ich plötzlich, vielleicht im nächsten Moment sterbe, ob ich nach langer Krankheit im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause sterbe, wie lange es noch dauern wird bis zu meinem Tod, ob heute, in den nächsten Tagen, vielleicht noch vor Weihnachten oder nächstes Jahr oder wann ich sterben werde, das ist keinem von uns bekannt.
Wenn es hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre. Und ob es nach Menschenjahren kürzer oder länger andauert, das Leben ist trotzdem schnell vergangen. Du lässt sie dahinfahren wie einen Strom, sagt Mose, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sproßt und am Abend welkt und verdorrt. (Verse 5+6)
Gott schwemmt uns weg wie durch Platzregen oder Fluten. Wir sind wie der Schlaf. Er hört schon auf, ehe wir ihn wahrnehmen. So hören wir auf zu leben, bevor wir richtig wahrnehmen, dass wir leben.
Ein Mensch nach dem anderen, eine Generation nach der anderen wird wie ein nächtlicher Schlaf dahingerissen. Wir sind so schnell vergänglich wie Gras. (Psalm 103,15+16)
Das hat Mose selbst erfahren. Alle Menschen, die vor ihm da waren, waren gestorben. Die aus Ägypten gezogene Generation sank nach und nach in den Staub der Wüste, nur Josua und Kaleb waren ausgenommen. Auch Aaron + Mose mussten ster ben, ehe das Volk in das gelobte Land kam.
Woher kam das? Sie wurden verzehrt durch Gottes Zorn. Durch Gottes Grimm wurden sie weggeschwemmt aus diesem Leben. Und warum zürnte ihnen Gott? Er stellte ihre Missetaten vor sich, ihre verborgenen, von ihnen nicht erkannten Sünden in das Licht seines Angesichts.
Das Licht des Angesichts Gottes ist die den Menschen zugewandte, strahlende Herrlichkeit Gottes. Dieses Licht beleuchtet grell und straft + verdammt jede Sünde, ob von uns erkannt oder unerkannt.
Das macht der Zorn Gottes, dass wir so vergehen, und sein Grimm, dass wir so plötzlich dahin müssen. (Vers 7) Der Tod ist das Zorngericht Gottes. Und er erinnert uns daran, dass wir Sünder, Gesetzesübertreter und Gesetzesunterlasser sind. Deshalb ziehen wir den Zorn Gottes auf uns.
Möchten wir das erkennen. Möchte uns das zu Herzen gehen. Möchten wir uns vor dem Zorn + Grimm Gottes fürchten. Mit Gott ist nicht zu spaßen. Er lässt nichts durchgehen wie wir Menschen. Er wird die angedrohte Strafe auch vollstrecken.
Darum, Gott, lehre uns die Tage zählen. Lehre uns, wie kurz unser Leben ist. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen! Lehre uns, wie wir uns richtig auf unsern eigenen Tod vorbereiten.
Gedanken an den Tod sind kluge Gedanken. Sie lehren uns:

  1. Gottes Zorn vor Augen zu haben,
  2. unser Leben fleißig zu nutzen.

Die meisten Menschen nutzen ihre Lebenszeit fleißig, um sich etwas zu schaffen. Sie lernen und arbeiten, damit sie nicht nur ihren Lebensunterhalt bestreiten können, sondern zu Wohlstand gelangen.
Sie wissen zwar ganz genau, dass sie einst nichts mitnehmen können, wenn sie sterben. Trotzdem ist ihr einziges Lebensziel, irdische Güter zu mehren, möglichst viel zu erleben, die Welt zu sehen, das Leben zu genießen.
All das ist ja an sich nicht Sünde, nicht falsch. Gebietet Gott doch, des Nächsten Gut und Nahrung zu bessern und zu behüten (7.Geb). Und in der 4.Bitte lehrt der Herr Christus, uns um das zum Leben Nötige zu bitten und mit Dank zu empfangen.
Und wir erzürnen Gott gewiß nicht, wenn wir Christen unser Leben genießen und an der Schöpfung unsere Freude haben.
Doch wenn wir nur auf diese Welt und ihre Güter ausgerichtet sind, dann nutzen wir unser Leben nicht richtig. Dann dient es uns nicht als richtige Vorbereitung auf unsern Tod. Dann ist es nicht ein Weg zu Gott, sondern ein Lebensweg weg von Gott.
So nutzte der reiche Mann sein Leben. Er kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. (Lukas 16, 19) Vergessen oder hintenan gestellt hatte er Gott. Er hatte sein Leben wie der reiche Kornbauer genutzt, viele Schätze zu sammeln und nichts davon abzugeben. Aber für seine Seele hatte er nicht fleißig gearbeitet. Er hatte sich keine Schätze im Himmel gesammelt, sondern nur auf Erden. Er meinte seine Seele mit all seinem Reichtum erhalten zu können. Doch der Tod überraschte ihn plötzlich und nicht vorbereitet. (Lukas 12, 16)
Unser Leben währet siebzigJahre, wenn es sein volles Maß erreicht. Und wenn es hoch kommt sind’s achtzig. Doch oft endet es schon zuvor.
Und auch wenn ein Mensch noch älter wird, so war rückblickend die Lebenszeit kurz. Und – wenn ’s köstlich gewesen ist, so ist´s Mühe und Arbeit gewesen. (Vers 10)
Ganz gleich ob ein Mensch wenige oder viele Jahre gelebt hat, er kann wohl stolz sein auf seine Lebensjahre. Aber was ist das für ein Stolz. Es war doch alles nur Mühe und Arbeit, worauf ein Mensch stolz sein könnte. War er angesehen, hat er dafür gearbeitet. War er hochgelehrt, hat er sich dafür gemüht. War er reich oder schön oder etwas anderes, worauf Menschen stolz sind, so war doch nichts davon mühelos.
Der Tod mahnt uns, die Zeit des Lebens richtig auszukaufen. Die Mühe des Lebens soll sich doch lohnen. Es soll doch nicht alles verloren gehen.
Als Christen wissen wir, im Trachten nach Gottes Reich ist Zeit immer am besten genutzt. Das ist nie vergebliche Mühe und vertane Zeit. So möchten wir unser Leben nutzen, damit wir reich werden in Gott, zunehmen im Glauben und gebefreudiger in der Nächstenliebe. Wir wissen doch Gutes zu tun. (Jakobus 4, 17) Also tun wir’s doch, da unser Leben schnell dahinfährt, als flögen wir davon. (Vers 10) Heute oder Morgen kann es schon vorber sein.
Gedanken an den Tod sind kluge Gedanken. Sie lehren uns:

  1. Gottes Zorn vor Augen zu haben,
  2. unser Leben fleißig zu nutzen,
  3. zu Gottes Gnade zu fliehen.

Als das Volk Israel aus Ägypten floh, sah es doch den Tod auf sich zukommen. Vor ihnen lag das Meer, in dem sie ertrinken würden. Hinter ihnen kamen die Ägypter, die sie töten würden. Wohin sollten sie fliehen? Sie flohen vor dem drohenden Tod zu Gott.
So können und sollen auch wir vor dem drohenden Gericht zu Gott fliehen. Wenn wir wie Israel in der Wüste in Sünde gefallen sind, seine Gebote verletzt oder mißachtet haben, uns von ihm abgewandt haben – dann können wir Begnadigung beten: Herr, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!(Vers 13)
So dürfen wir zu Gott getrost bitten wie der Zöllner im Tempel: Herr, sei mir Sünder gnädig. (Lukas 18, 13) Wir sind ja in Sünden empfangen und geboren. Wir haben bis heute wieder viel gesündigt, bewusst und ohne es zu wissen.
Wir haben Gottes Zorn und alle Strafe, zeitliche und ewige, wohl verdient. Aber dein lieber Sohn, unser Heiland Jesus Christus, hat ja all deinen Zorn an unserer Stelle getragen. Er hat uns mit dir versöhnt. Darum, Herr, kehre dich von dem Grimm deines Zornes über uns ab. Wende uns deine Gnade zu.
Gnädiger Gott, fülle uns mit deiner Gnade. Dann können wir uns freuen und fröhlich sein unser Leben lang. Dann können wir es ertragen, dass unser Lieben von uns gehen. Dann sind wir gut vorbereitet auf unsern eigenen Heimgang, ob er jetzt, morgen oder später geschieht. Dann können wir in Frieden sterben und werden mit Freuden erwachen im ewigen Leben.
Ja, Herr, wir wollen in Todesangst, in Todesnot allein zu dir fliehen. Nur du reißt uns aus dieser Angst und Not. Du erfreust uns durch dein Wort und Heiligen Geist.
Du Gott aller Gnade, lass dein Werk an uns wirksam werden: Bringe Menschen zum Glauben und erhalte die Deinen im Glauben. Lass deine Herrlichkeit leuchten über uns und unsern Kindern. Lass deine Freundlichkeit auf uns ruhen wie der Glanz himmlischen Lichts.
Und das Werk unserer Hände, was wir hier auf Erden in deinem Namen tun, dass lass wohl geraten. Ja, Herr, lass es wohl geraten und gedeihen.
Nicht nur am „Sonntag des Totengedenkens“, am Ewigkeitssonntag sind Gedanken an den Tod kluge Gedanken. Gottes Wort lehrt uns:

  1. Gottes Zorn vor Augen zu haben, denn wir müssen sterben;
  2. unser Leben fleißig zu nutzen, denn wir werden sterben;
  3. zu Gottes Gnade zu fliehen, denn wir dürfen sterben.

Lied: LG 445,1-3